Matthias Warnig

deutscher Manager

Artur Matthias Warnig (* 26. Juli 1955 in Altdöbern (Niederlausitz)) ist ein deutscher Manager, der durch seine vormalige Tätigkeit im Ministerium für Staatssicherheit der DDR und seine Kontakte in Russland eine bedeutende Rolle in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen spielt. Nach der Wende wurde er Aufsichtsratsvorsitzender der Dresdner Kleinwort, einer Investment-Tochter der Dresdner Bank, deren Russland-Geschäft er aufbaute und leitete; zuletzt war er in der Geschäftsleitung der Nord Stream AG und ist weiterhin in einer Reihe von Aufsichtsräten vertreten.

Matthias Warnig (2010)

Warnig gilt als ein enger Vertrauter von Wladimir Putin. Die Biden-Regierung hob im Mai 2021 die US-Sanktionen gegen Warnig auf.[1]

LebenBearbeiten

Von 1974 bis 1990 war Warnig beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR tätig. Er hat einen Abschluss in Nationalökonomie der Hochschule für Ökonomie Berlin. Warnig war zuletzt im Dienstgrad eines Hauptmanns stellvertretender Leiter des Referats 5 der Spionageabteilung XV der MfS-Bezirksverwaltung Berlin. Eine seiner Hauptaufgaben war die „Wirtschaftsaufklärung im Rahmen der Gesamtprobleme der Hauptverwaltung Aufklärung“ (HVA). Zunächst war er in Ost-Berlin eingesetzt, wo er den Decknamen „Ökonom“ hatte. Von 1986 bis 1989 war Warnig dann unter dem Decknamen „Arthur“ als sogenannter Offizier im besonderen Einsatz (OibE) in Düsseldorf tätig, er arbeitete zur Tarnung in der DDR-Handelsmission. Nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz Warnig als potenziellen Spion ins Visier genommen hatte, wurde er im August 1989 vorzeitig nach Ost-Berlin zurückbeordert.[2][3] Unter den Objekten seiner damaligen Spionagetätigkeit soll sich auch sein späterer Arbeitgeber, die Dresdner Bank befunden haben.[4][5]

Unter der Regierung von Ministerpräsident Hans Modrow (SED) war Warnig ab November 1989 Referent der Wirtschaftsministerin Christa Luft (ebenfalls SED). Er nahm für die DDR an den Verhandlungen über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion teil. Dabei traf er den Vorstandschef der Dresdner Bank, Wolfgang Röller, der ihm ein Stellenangebot machte. Ab dem 20. Mai 1990 war Warnig dann bei der Dresdner Bank angestellt.[2] Seit 1991 war er im Auftrag der Bank in Sankt Petersburg tätig.[6] Warnig war bis 2006 Aufsichtsratsvorsitzender der Investmentbank Dresdner Kleinwort.

Seit 2003 ist Warnig Mitglied im Aufsichtsrat der Bank Rossija. Außerdem hat er einen Sitz im Kontrollgremium der Bank VTB, dem zweitgrößten Kreditinstitut Russlands, inne. Daneben hat Warnig mehrere Mandate in Konzernen der russischen Rohstoffindustrie: im Aufsichtsrat von Rosneft, dem weltgrößten Energiekonzern, und von Transneft, der russischen Öl-Pipeline-Gesellschaft. Beim Aluminiumhersteller RUSAL hat Warnig den Vorsitz des Aufsichtsrates inne.[2] Für Gazprom nimmt Warnig die Interessen im Aufsichtsrat der Leipziger Ferngasgesellschaft Verbundnetz Gas AG wahr[7] und hat von 2011 bis 2015 das Präsidium des Verwaltungsrates der Gazprom Schweiz AG übernommen.[8] Seit März 2006 bis Juli war Warnig Geschäftsführer der Nord Stream AG.

Im Juni 2011 wurde Warnig als Nachfolger von Sergei Schmatko in den Verwaltungsrat des staatlichen Unternehmens Transneft gewählt.[9] Am 1. Oktober 2012 wurde Warnig zum Vorsitzenden des Verwaltungsrates von United Company RUSAL PLC, einem der größten Aluminiumhersteller der Welt ernannt.[10]

Warnig und Putin begegneten sich spätestens im Januar 1989, als sie gemeinsam den Feierlichkeiten zum 71. Jahrestag der Tscheka beiwohnten.[11] Seit spätestens 1991 sind sie befreundet. Als 1993 Putins Frau Ljudmila Alexandrowna Putina lebensgefährlich verunglückte, sorgte Warnig nach Medienberichten dafür, dass sie in Deutschland operiert werden konnte.[2] 2018 nahm Warnig an der Zeremonie zur insgesamt vierten Amtseinführung von Putin teil.[12]

Aktuell ist Warnig Geschäftsführer der Nord Stream 2 AG sowie Aufsichtsratsmitglied beim FC Schalke 04.[13][14] Warnig ist Inhaber einer Immobilien- und Vermögensgesellschaft, der MW Invest GmbH & Co. KG.[2][15]

Warnig ist in zweiter Ehe mit einer Russin verheiratet, mit der er einen Sohn hat. Die Familie lebt in Staufen im Breisgau. Aus seiner ersten Ehe stammen ein Sohn und eine Tochter.

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. U.S. waives sanctions on Nord Stream 2 as Biden seeks to mend Europe ties (en). In: Reuters, 19. Mai 2021. Abgerufen am 16. November 2021.  „The Biden administration waived sanctions on the company behind Russia's Nord Stream 2 gas pipeline to Germany and its chief executive [...] State Department report sent to Congress concluded that Nord Stream 2 AG and its CEO, Matthias Warnig, an ally of Russian President Vladimir Putin, engaged in sanctionable activity. But Blinken immediately waived those sanctions“ 
  2. a b c d e Dieser Deutsche geniesst Putins Vertrauen. In: Die Welt. 3. August 2014.
  3. Putins Freund von der Dresdner Bank – die steile Karriere eines Stasi-Majors. In: Hamburger Abendblatt. 14. Dezember 2005.
  4. Bankchef Matthias Warnig soll als Stasi-Mann für Spionage gegen Dresdner Bank zuständig gewesen sein. In: Der Spiegel. 26. Februar 2005.
  5. Ostsee-Pipeline: Der Altkanzler und der Agent. In: Manager Magazin. 12. Dezember 2005.
  6. Dresdner Bank: „Sollten wir uns als Oberrichter aufspielen?“ In: Manager Magazin. 23. Februar 2005.
  7. Aufsichtsrat (Memento vom 8. August 2014 im Internet Archive). In: vng.de.
  8. Internet-Auszug – Handelsregister des Kantons Zürich (Memento vom 7. März 2016 im Webarchiv archive.today). In: powernet.ch.
    Internet-Auszug – Handelsregister des Kantons Zürich. Löschung wegen Verlegung des Sitzes nach Zug (Memento vom 9. September 2017 im Webarchiv archive.today). In: powernet.ch.
  9. Маттиас Варниг из Nord Stream возглавил совет директоров «Транснефти». In: Izvestia. 25. Juli 2011, abgerufen am 31. Oktober 2021 (russisch).
  10. Варниг избран новым председателем совета директоров „Русала“. In: RIA Novosti. 1. Oktober 2012, abgerufen am 31. Oktober 2021 (russisch).
  11. Dawisha, Karen,: Putin’s kleptocracy. Who owns Russia? 1. Simon & Schuster Paperback Auflage. New York 2015, ISBN 978-1-4767-9520-1.
  12. Путин вступил в должность президента. Сравниваем четыре инаугурации. In: BBC Russian. 7. Mai 2018, abgerufen am 31. Oktober 2021 (russisch).
  13. Nord Stream 2 AG – Geschäftsführung. In: nord-stream2.com, abgerufen am 12. September 2020.
  14. Aufsichtsrat kooptiert Matthias Warnig. In: schalke04.de, abgerufen am 12. September 2020.
  15. Gas-Manager investiert am Bad Krozinger Bahnhof. In: Badische Zeitung. 22. November 2013.
  16. Die Stasi-Akte des deutschen Pipeline-Chefs: Matthias Warnig arbeitete in einer der wichtigsten Abteilungen des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit. In: Die Welt. 14. Dezember 2005.
  17. Putin würdigt Chef von Nord Stream mit Orden der Ehre. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Stimme Russlands. 5. Oktober 2012, archiviert vom Original; abgerufen am 2. November 2021 (deutsch).