Marktkirche St. Dionys (Eschwege)

Kirchengebäude in Eschwege

Die Marktkirche St. Dionys, auch Altstädter Kirche genannt, ist die Pfarrkirche der evangelischen Stadtkirchengemeinde Eschwege-Altstadt in Eschwege im hessischen Werra-Meißner-Kreis. Sie ist dem heiligen Dionysius geweiht, dem ersten Bischof von Paris, der im 3. Jahrhundert den Märtyrertod erlitt. Die Marktkirche ist das älteste Kirchengebäude der Stadt und wurde im 15. Jahrhundert an der Stelle mehrerer Vorgängerbauten im Stil der Gotik errichtet.

Marktkirche St. Dionys
Statue der Theophanu vor der Marktkirche

GeschichteBearbeiten

Ein erstes Kirchengebäude geht vermutlich auf ein Kanonissenstift zurück, das Sophia, Tochter von Kaiser Otto II. und spätere Äbtissin von Gandersheim und Essen, Ende des 10. Jahrhunderts in Eschwege gründete. Eine Skulptur vor der Kirche erinnert an ihre Mutter Theophanu, die das Königsgut Eschwege als Morgengabe erhalten hatte. Weitere Kirchenbauten folgten in der ersten und zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ende des 13. Jahrhunderts wurde eine größere Kirche errichtet, von der noch die unteren Geschosse des Westturms und ein Rundbogen unter der Empore erhalten sind.

Einer Inschrift an der Südwand des Chores zufolge wurde 1441 der Grundstein für den Chor der heutigen Marktkirche gelegt. Eine Inschrift am Südportal nennt das Jahr 1466 als Datum der Grundsteinlegung für das Langhaus. Mit der Fertigstellung der Netz- und Sterngewölbe im Jahr 1521 war dieser Kirchenbau abgeschlossen.

1526 führte Landgraf Philipp die Reformation in Hessen ein und St. Dionys wurde evangelische Pfarrkirche. Im 17. Jahrhundert, als Eschwege für kurze Zeit Residenzstadt der Landgrafen von Hessen war, wurde unter dem Chor eine Gruft eingebaut, in der Landgraf Friedrich und seine Familie beigesetzt sind.[1] Während des Dreißigjährigen Krieges kam es zur Brandschatzung durch die kaiserlichen Truppen, wobei ein großer Teil der Stadt niedergebrannt wurde und auch die Marktkirche Schaden erlitt. Die alten Kirchenfenster wurden dabei zerstört. 1650 erhielt die Kirche ihr hohes Satteldach. Da auch der Turm gebrannt hatte, wurde 1656 eine neue Haube aufgesetzt. 1657 wurden die seitlichen Emporen eingebaut. Ende des 17. Jahrhunderts folgten die Kanzel, die Westempore und die Orgel.

ArchitekturBearbeiten

Das vierjochige Langhaus ist eine Stufenhalle mit drei Schiffen. Ein leicht zugespitzter Triumphbogen führt zu dem um zwei Stufen erhöhten, einjochigen Chor mit Fünfachtelschluss. Das Schiff gliedern kantonierte Pfeiler, deren Dienste mit Kapitellen verziert sind. Von den Gewölbeschlusssteinen ist nur noch einer über der Südempore mit der Darstellung des heiligen Georgs erhalten. An der Südwand sind zwei Wandkonsolen mit Engelsfiguren zu sehen, die Schilde mit den Leidenswerkzeugen Christi halten.

Ungewöhnlich ist die im 19. Jahrhundert eingebaute Empore unter den Chorfenstern.

BleiglasfensterBearbeiten

 
Martin Luther
 
Landgraf Philipp I. und Philipp Melanchthon

Die zwei- und dreiteiligen Maßwerkfenster im Chor besitzen eine Bleiverglasung, die zwischen 1894 und 1901 von der Glasmalerei K. J. Schultz in Marburg ausgeführt wurde.[2] Die beiden mittleren Fenster stellen die Kreuzigung und Auferstehung Christi dar. Auf dem linken Chorfenster wird Jesus dargestellt, der die Kinder segnet. Das rechte Fenster hat die Taufe der heiligen Lydia durch den Apostel Paulus zum Thema. Das sogenannte Reformatorenfenster ist Martin Luther und Philipp Melanchthon gewidmet, in deren Mitte der hessische Landgraf Philipp I. vertreten ist.

EmporenbilderBearbeiten

An der Emporenbrüstung unter der Orgel befinden sich Darstellungen musizierender Frauengestalten, die 1684 angebracht wurden. Auf den mittleren Szenen sind eine weibliche Figur mit einer Notenrolle, eine Frau mit einer Lyra, eine Frau mit einer Blockflöte und eine weitere Frau mit einer Laute dargestellt. Die seitlichen Bilder zeigen rechts eine Frau mit einem Jagdhorn und eine Frau mit einem Psalterion und links eine Frau mit einer Bassgambe und eine Frau mit einer Violine. Auffällig ist, dass alle Frauen barfuß dargestellt sind.

 
Emporenbilder

KanzelBearbeiten

Die Kanzel aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts weist eine reiche Verzierung auf.

OrgelBearbeiten

 
Orgel von Jost Friedrich Schaeffer von 1677/79

Der reichverzierte Orgelprospekt wurde 1677/79 von dem Orgelbauer Jost Friedrich Schäffer im Knorpelstil geschaffen. In den Ornamenten sind die Darstellungen von Tieren und Köpfen versteckt. Es sind ein Hahn, ein Hirsch und, in Blumen und Laubwerk verschlungen, die Jahreszahl 1678 zu erkennen. Die männlichen Köpfe werden als Grüner Mann gedeutet, ein bereits in mittelalterlichen Kirchen gebräuchliches Symbol für die Natur. Das Orgelwerk wurde 1966 von dem Orgelbauer Hammer erbaut. Das Instrument hat 30 Register auf drei Manualen und Pedal.[3]

I Rückpositiv C–
Gedackt 8′
Quintaton 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Oktav 2′
Quinte 113
Scharf IV
Sesquialtera II
Holzregal 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–
Pommer 16′
Prinzipal 8′
Gedakt 8′
Oktav 4′
Spitzflöte 4′
Nasard 3′
Flachflöte 2′
Mixtur V
Trompete 8′
III Brustwerk C–
Gedakt 8′
Kornett II–IV
Rankett 16′
Schalmei 8′
Pedalwerk C–
Prinzipal 16′
Subbass 16′
Oktav 8′
Pommer 8′
Bassflöte 4′
Posaune 16′
Trompete 8′
Klarine 4′
 
Epitaph für Reinhard und Elisabeth Brill

EpitaphienBearbeiten

  • Epitaph für Konrad Brill, Sohn von Reinhard und Elisabeth Brill
  • Epitaph für Reinhard und Elisabeth Brill, von 1727

LiteraturBearbeiten

  • Georg Dehio (bearbeitet von Folkhard Cremer, Tobias Michael Wolf und anderen): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I. Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 217–219
  • Kirchenvorstand der Altstädter Gemeinde in Eschwege: Marktkirche St. Dionys in Eschwege. Verlag Evangelischer Medienverband, Kassel ca. 1999, ISBN 3-98477-958-6.

WeblinksBearbeiten

Commons: Marktkirche St. Dionys – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karlfritz Saalfeld: Die Fürstengruft in der Eschweger Marktkirche (Memento vom 6. Februar 2013 im Webarchiv archive.today) In: Eschweger Geschichtsblätter. Heft 4, 1993, S. 34–40.
  2. Götz J. Pfeiffer: „an die letzten Ausläufer der alten Tradition angeknüpft“. Die Marburger Glasmalerei-Werkstatt K.J. Schultz seit 1850. In: Hessische Heimat. 68. Jg., Heft 1, S. 10–16.
  3. Informationen zur Orgel

Koordinaten: 51° 11′ 14,7″ N, 10° 3′ 35,1″ O