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Marianne Koch

deutsche Filmschauspielerin, Ärztin und Buchautorin
Marianne Koch (2018) auf dem Deutschen Seniorentag in Dortmund

Marianne Elisabeth Koch (* 19. August 1931 in München) ist eine deutsche Internistin, Buchautorin und ehemalige Filmschauspielerin.

LebenBearbeiten

Marianne Koch wurde als älteres von zwei Kindern der Pianistin Mathilde Aumüller in München geboren. Marianne Koch und ihr Bruder Rudolf entstammen einer Beziehung ihrer Mutter zu dem jüdischen Arzt Rudolf Schindler, der bereits verheiratet war. Sie wuchs in Geiselgasteig auf. Von September 1933 bis Juli 1934 war Schindler wegen kritischer Äußerungen über Hitler nach einer Denunziation in Schutzhaft genommen worden. Er emigrierte nach seiner durch Kollegen erwirkten Freilassung aus dem KZ Dachau im Sommer 1934 mit seiner eigenen Familie nach Chicago und wurde zu einer der führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Gastroenterologie. Erst im Jahr 1965 kehrte er nach München zurück. Als Marianne zwei Jahre alt war, heiratete ihre Mutter den Kaufmann Rudolf Koch. Obwohl diese Ehe nur kurze Zeit hielt, stammt der Nachname von Marianne Koch von ihrem Stiefvater. Mit 17 Jahren legte Marianne Koch, nachdem sie zwei Klassenstufen übersprungen hatte, 1949 die Abiturprüfung ab.

Sie begann Ende der 1940er-Jahre ein Medizinstudium. In dieser Zeit verlobte sie sich mit ihrem Kommilitonen Gerhard Freund, ihrem späteren Ehemann und Vater ihrer beiden Söhne Thomas und Gregor. In den Semesterferien jobbte sie im Kopierwerk der Bavaria-Filmstudios. Hierbei wurde sie, ohne je eine Schauspielausbildung absolviert zu haben, für den Film entdeckt. Koch unterbrach daraufhin das Medizinstudium wegen ihrer aufblühenden Filmkarriere nach dem Physikum. Mit 22 Jahren heiratete Koch 1953 ihren Verlobten Gerhard Freund, der inzwischen als Arzt arbeitete. Während Kochs Dreharbeiten in den USA nahm sie Kontakt zu ihrem leiblichen Vater Rudolf Schindler auf, zu dem sie bisher keinen Kontakt gehabt hatte. Nachdem Schindlers Frau gestorben war, heiratete dieser Marianne Kochs Mutter. Kochs Eltern kehrten nach kurzer Zeit in den USA im Jahr 1965 nach Deutschland zurück, wo Schindler im Jahr 1968 verstarb.

Karriere bei Film und FernsehenBearbeiten

In den Semesterferien 1950 wurde Koch von Regisseur Viktor Tourjansky entdeckt, der für seinen Film Der Mann, der zweimal leben wollte nach einem „herben Backfisch“ suchte. Ohne Schauspielstudium und Bühnenerfahrung überzeugte sie durch Ungezwungenheit und Spontaneität, so dass zahlreiche weitere, auch anspruchsvolle Rollen folgten.

Bis 1970 spielte Koch in rund 70 Filmen. Sie hatte einige internationale Auftritte. So war sie etwa 1954 die Partnerin von Gregory Peck im Spionagethriller Das unsichtbare Netz und spielte 1964 an der Seite von Clint Eastwood in dem Italo-Western Für eine Handvoll Dollar. Für ihre Darstellung der Diddo Geiss in Helmut Käutners Des Teufels General erhielt sie 1955 das Filmband in Silber für die Beste Nebendarstellerin. 1957 spielte sie in Vater sein dagegen sehr die Braut des fast 30 Jahre älteren Heinz Rühmann. 1963 verkörperte sie in dem Straßenfeger Tim Frazer von Francis Durbridge die weibliche Hauptrolle. Erfolg hatte sie vor allem als verlässlicher Kumpeltyp im deutschen Film, als patente Landärztin (1958) und als Die Journalistin in der gleichnamigen Fernsehserie (1970). Koch, die nach eigener Bekundigung „die ‚brave Frau‘ des Deutschen Films, weil mich das Publikum so haben wollte“ war, durchbrach dieses Klischee 1968 als freimütige Lesbierin in Schreie in der Nacht.

Zudem gehörte sie zur Stammbesetzung des TV-Ratespiels Was bin ich? mit Robert Lembke. Das gesamte Rateteam erhielt 1967 die Goldene Kamera. Von 1974 bis 1982 war sie Moderatorin der Talkshow 3 nach 9. Viele Jahre trat sie im Werbefernsehen für ADO-Gardinen („die mit der Goldkante“), Gillette, Jacobs-Kaffee, Martini und Lux-Seife auf. In den Jahren des Wirtschaftswunders war Marianne Koch eines der bekanntesten Gesichter der bundesdeutschen Werbebranche.

Medizinstudium und Tätigkeit als InternistinBearbeiten

1971 nahm Marianne Koch ihr Medizinstudium wieder auf und legte mit 43 Jahren das Staatsexamen ab. 1978 wurde sie mit der Dissertationsschrift Histaminfreisetzung nach rascher Infusion von Plasmasubstituten an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München „summa cum laude“ promoviert und arbeitete später bis 1997 als Internistin in ihrer eigenen Praxis in München.[1][2]

Seit 1995 ist sie die Schirmherrin der Deutschen Hochdruckliga. Von 1997 bis 2011 war sie Präsidentin der Deutschen Schmerzliga und ist seitdem deren Ehrenpräsidentin.

Medizinische RatgebertätigkeitBearbeiten

Seit 2001 gestaltet Marianne Koch im Programm Bayern 2 die wöchentliche Sendung Notizbuch – Gesundheitsgespräch zu medizinischen Schwerpunktthemen mit telefonischer Hörerbeteiligung, zuerst mit dem Medizinjournalisten Werner Buchberger, seit 2016 mit den Moderatoren Ulrike Ostner und Klaus Schneider.[3][4]

Zudem hat sie seit 1999 mehrere Gesundheitsratgeber veröffentlicht, darunter Mein Gesundheitsbuch, Körperintelligenz und Die Gesundheit unserer Kinder. Diese Bücher erfuhren teilweise mehrere Auflagen und einige davon auch Übersetzungen in verschiedene Sprachen.

PrivatesBearbeiten

Marianne Koch heiratete 1953 den Mediziner Gerhard Freund (1925–2008),[5] mit dem sie zwei Söhne hat. Kochs Ehe mit Gerhard Freund zerbrach 1973 an dessen Beziehung mit Petra Schürmann.

Von Mitte der 1970er-Jahre bis zu seinem Tod im Juli 2019 war der Publizist Peter Hamm Kochs Lebenspartner.[6] Das Paar lebte in Tutzing.

FilmografieBearbeiten

HörspieleBearbeiten

  • 1955: Hundert Minuten zu früh – Regie: Heinz-Günter Stamm
  • 1956: Story – Regie: Heinz-Günter Stamm
  • 1959: Der Lerchengarten – Regie: Heinz-Günter Stamm

AuszeichnungenBearbeiten

SchriftenBearbeiten

  • zusammen mit Ditta Gertler und Kurt Rittig: Darauf kommt es an! Für junge Damen über Kosmetik, Mode, guten Benimm. Conté, Frankfurt am Main 1955.
  • Das Vergnügen zu verreisen. Schwann, Düsseldorf 1972, ISBN 978-3-508-00227-1.
  • Histaminfreisetzung nach rascher Infusion von Plasmasubstituten. Dissertationsschrift. München 1978.
  • Mein Gesundheitsbuch. Dtv, München 1999, ISBN 978-3-423-24151-9 (6., durchgesehene Auflage im Dtv 2004, ISBN 978-3-423-24421-3).
  • Tief einatmen. Eine Entdeckungsreise in den Körper. Hanser, München 2001, ISBN 978-3-446-20013-5.
  • Körperintelligenz. Was Sie wissen sollten, um jung zu bleiben. Dtv, München 2003, ISBN 978-3-423-24366-7.
  • Die Gesundheit unserer Kinder. Dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-24588-3.
  • als Mitherausgeberin: Weißbuch Schmerz. Eine Bestandsaufnahme der Versorgungssituation von Patienten mit chronischem Schmerz in Deutschland. Thieme, Stuttgart und New York 2008, ISBN 978-3-13-149911-0.
  • Das Herz-Buch. Dtv, München 2011, ISBN 978-3-423-24870-9.
  • Das Vorsorge-Buch. Dtv, München 2016, ISBN 978-3-423-26135-7.

Daneben sind im Verlag Gräfe und Unzer auch mehrere Themenbände zu ihrer Radiosendung Gesundheitsgespräche erschienen.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. referenten.de: Marianne Koch
  2. merkur.de: Marianne Koch gibt Tipps fürs Alter
  3. Bayerischer Rundfunk: Gesundheitsgespräch: Sprechende Medizin mit Kopf und Herz. Abgerufen am 21. Januar 2018.
  4. Das Gesundheitsgespäch als Podcast-Download
  5. abendzeitung-muenchen.de: Gerhard Freund ist tot
  6. „Ich bin im Vollstress!“: Marianne Koch wird 85. dpa-Meldung vom 13. August 2016, online abgerufen bei der Neuen Osnabrücker Zeitung am 14. August 2016
  7. Ralf Empl: Bayerischer Verdienstorden: Verleihung 2017. Abgerufen am 13. Juli 2017.