Manfred Sader (Psychologe)

Hochschullehrer

Manfred Sader (* 5. März 1928 in Köslin; † 15. Oktober 2006 in Münster) war ein deutscher Psychologe und Gestalttheoretiker.

Leben und WerkBearbeiten

Nach Abitur und Buchhandelslehre studierte er an der Universität Frankfurt Philosophie, Psychologie, Sozialforschung und Fürsorgewesen (Diplom 1954). 1957 promovierte er bei Edwin Rausch mit einer Arbeit über Instruktionsverständnis und Testleistung[1], die 1959 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit einem Preis ausgezeichnet wurde.[2] 1964 habilitierte sich Sader an der Universität Mainz für das Fach Psychologie mit einer empirisch-phänomenologischen Studie über gehörpsychologische Fragen von Lautheit und Lärm.[3]

1968 wurde er auf einen Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster berufen, wo er bis 1984 Direktor des Psychologischen Instituts war.[4] In seiner Forschungsarbeit waren seine Schwerpunkte Psychologische Diagnostik, phänomenanalytische Forschungsverfahren[5] und angewandte Gruppendynamik auf gestalttheoretischer Grundlage. In den letzten Jahren seiner Hochschultätigkeit widmete sich Sader verstärkt der Grundlagenforschung zum Psychodrama[6] und allgemeiner zu Möglichkeiten des Einsatzes von Rollenspielen als Forschungsmethode.[7]

Am nachhaltigsten war in der Wirkung sein Werk zur Psychologie der Gruppe; sein gleichnamiges Buch erreichte bis 2008 neun Auflagen. Den Einfluss seiner Positionen zur Gestaltung einer am Menschen orientierten Forschungspraxis zeigen zwei ihm gewidmete Sammelbände: Zu seinem 60. Geburtstag erschien 1988 der Sammelband Zukunfts-Gestalt-Wunsch-Psychologie. Zur Gestalt psychologischer Forschung nach Manfred Sader, herausgegeben von Saders Mitarbeitern Norbert Groeben, Wolfgang Keil und Ursula Piontkowski.[8] 1995 gab Günther Kebeck anlässlich Saders Emeritierung die Festschrift "Gestalttheorie als Forschungsperspektive" heraus.[9]

Von 1981 bis 1991 war Sader Vorsitzender der Gesellschaft für Gestalttheorie und ihre Anwendungen und Mitherausgeber der interdisziplinären Zeitschrift Gestalt Theory. Er war auch Mitherausgeber der Zeitschrift Gruppendynamik (seit 1980), der Buchreihe Grundlagentexte Psychologie (seit 1989) und der Arbeiten zur Sozialwissenschaftlichen Psychologie (seit 1971).

Der Nachlass von Manfred Sader ist im Psychologiegeschichtlichen Forschungsarchiv (PGFA) der Fernuniversität in Hagen.

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Manfred Sader 1957, Instruktionsverständnis und Testleistung: Untersuchungen über Vorphase u. Hauptphase eines psychologischen Prüfversuchs., Frankfurt: Verlag Waldemar Kramer.
  2. Wissenschaftler ausgezeichnet. Hamburger Abendblatt, 8. Januar 1960, abgerufen am 8. Juni 2015.
  3. Manfred Sader 1964, Laut und Lärm. Gehörpsychologische Fragen der Schall-Intensität., Göttingen: Verlag für Psychologie Hogrefe.
  4. siehe Geschichte des Fachs Psychologie an der Universität Münster.
  5. siehe dazu Kebeck & Sader 1984
  6. 1993 hielt er darüber auf dem Moreno-Symposium 12.–14. Februar 1993 am Pädagogischen Seminar der Universität Göttingen einen Vortrag, der im Jahrbuch für Psychodrama, psychosoziale Praxis & Gesellschaftspolitik 1994 unter dem Titel "Psychodrama und Psychologie" veröffentlicht wurde (S. 7–30).
  7. siehe Sader 1986, Rollenspiel als Forschungsmethode.
  8. Verlag Aschendorff, ISBN 3-402-04335-1.
  9. Günther Kebeck (Hrsg.): Gestalttheorie als Forschungsperspektive. Lit-Verlag, ISBN 3-8258-2358-X.