Malda (Distrikt)

Distrikt in Indien

Der historisch bedeutsame Distrikt Malda oder Distrikt Maldah (Bengali: মালদা জেলা) ist Teil des indischen Bundesstaats Westbengalen. Die Hauptstadt ist English Bazar.

Distrikt Malda
মালদা জেলা
Staat: Indien Indien
Bundesstaat: Westbengalen
Division: Malda
Verwaltungssitz: English Bazar
Gegründet: 1813
Koordinaten: 25° 0′ N, 88° 9′ OKoordinaten: 25° 0′ 0″ N, 88° 9′ 0″ O
Fläche: 3 733 km²
Einwohner (2011):[1] 3.988.845
Bevölkerungsdichte: 1.069 Einwohner je km²
Religionen (2011):[1] 48,0 % Hindus
51,3 % Muslime
0,7 % übrige und k. A.
Soziale Daten (Zensus 2011)[1]
Alphabetisierungsrate: 61,7 %
(M: 66,2 %, F: 57,0 %)
Geschlechterverhältnis: 1,059 (M:F)
Urbanisierungsgrad: 13,6 %
Scheduled Castes: 20,9 %
Scheduled Tribes: 7,9 %
Website:
Positionskarte des Distrikts Malda

GeografieBearbeiten

Der vom Mahananda, einem Nebenfluss des Ganges, und weiteren kleinen Flüssen durchflossene Distrikt Malda grenzt im Nordwesten an den Distrikt Purnia in Bihar, im Nordosten an die westbengalischen Distrikte Uttar Dinajpur und Dakshin Dinajpur, im Osten an Bangladesch, im Süden an den Distrikt Murshidabad und im Westen an die Santhal Pargana (Division) des indischen Bundesstaats Jharkhand.[2] Die Grenze nach Westen wird in ihrem ganzen Verlauf vom Ganges gebildet. Die östliche Grenze zu Bangladesch bildet der Fluss Punarbharba.[3] Die durchschnittliche Höhe liegt bei ca. 30 m ü. d. M.[4]; das Klima ist meist schwül und in den Monsunmonaten Mai bis Oktober sehr regenreich.[5]

GeschichteBearbeiten

 
Firoz Minar in Gaur

Die fruchtbaren Gebiete entlang des Ganges haben die Menschen bereits früh zur Sesshaftigkeit veranlasst, doch erst seit dem Mittelalter existieren vereinzelte Quellen, die mit der Ankunft des Islam zahlreicher und verlässlicher werden. Die alte Hauptstadt der Region unter der buddhistischen Pala-Dynastie (um 750–1161) und unter der hinduistischen Sena-Dynastie (um 1070–um 1205) war Gaur. Der muslimische Heerführer Muhammad bin Bakhtiyar Khilji eroberte um 1204/5 große Gebiete in Bengalen, darunter auch die Stadt Gaur; Bengalen wurde Provinz des Sultanats von Delhi. Shamsuddin Ilyas Shah war in der Mitte des 14. Jahrhunderts der Begründer des unabhängigen Sultanats von Bengalen und verlegte die Hauptstadt nach Pandua; sein Sohn Sikander Shah regierte von dort in den Jahren 1358 bis 1390. Im Jahr 1576 geriet Bengalen unter die Kontrolle des Mogulreichs, bzw. von dessen örtlichen Statthaltern (den Nawabs von Bengalen), deren Herrschaft nach der Schlacht bei Plassey 1757 sukzessive von der Britischen Ostindien-Kompanie abgelöst wurde. Die Kompanie richtete hier im Jahr 1813 aus Teilen der Distrikte Purnia, Dinajpur und Rajshahi den Verwaltungsdistrikt Maldah ein. Bis zum Jahr 1876 war Maldah Teil der Division Rajshahi und kam danach zur Division Bhagalpur. 1905, anlässlich der Teilung der Provinz Bengalen, kam der Distrikt erneut zu Rajshahi und verblieb dort bis zur Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947. Bei der Teilung Indiens 1947 war für eine kurze Zeit unklar, ob der Distrikt zu Indien oder zu Ostpakistan kommen würde. Letztlich kam der größere Teil zu Indien, und die Subdivision Nawabganj zu Ostpakistan (heute Bangladesch).[3]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung relativ langsam. Seit der Unabhängigkeit Indiens hat sich die Bevölkerungszunahme beschleunigt. Während die Bevölkerung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts um rund 55 % zunahm, betrug das Wachstum in den fünfzig Jahren zwischen 1961 und 2011 226 %. Die Bevölkerungszunahme zwischen 2001 und 2011 lag bei 21,22 % oder rund 698.000 Menschen.[6]

Jahr 1901 1911 1921 1931 1941 1951 1961 1971 1981 1991
Einwohner 603.649 698.547 686.174 720.440 844.315 937.580 1.221.923 1.612.657 2.031.871 2.637.032

Größere OrteBearbeiten

Nach dem Zensus 2011 wurden 29 Orte als städtische Siedlungen gezählt. Dazu zählten zwei municipalities (Old Malda und English Bazar) und 27 census towns: Alipur (17.347 Einwohner), Krishnapur (16.470), Bara Suzapur (15.808), Bamangram (13.550), Jagannathpur (13.454), Silampur (12.664), Milki (12.581), Baliadanga (12.379), Chhota Suzapur (11.216), Karari Chandpur (10.941) und Sonatala (10.589), sowie elf weitere Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern.[7] Die Urbanisierungsrate lag bei 13,6 %.

Soziale SchichtungBearbeiten

Nach der Volkszählung 2011 gehörten 835.430 Personen (20,94 %) zu den scheduled castes (registrierte unterprivilegierte Kasten) und 313.984 Personen (7,87 %) zu den scheduled tribes (registrierte Stammesgemeinschaften und indigene Völker, Adivasi). Zu ihnen gehören in Westbengalen 40 Volksgruppen. Mehr als 5000 Angehörige zählen die Santal (161.991 Personen, 4,06 % der Distriktsbevölkerung), Kisan (92.598, 2,32 %), Oraon (13.232, 0,33 %), Kharwar (10.438, 0,26 %), Kora (7105, 0,18 %) und Munda (6241, 0,16 %).[8]

WirtschaftBearbeiten

Der Distrikt ist in hohem Maße landwirtschaftlich orientiert. Angebaut werden hauptsächlich Reis, Weizen, Mangos und Jute. Die Seidenproduktion und -verarbeitung ist von Bedeutung.[9]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Die Hauptsehenswürdigkeiten des Distrikts stammen allesamt aus der islamisch dominierten Periode: Es sind dies die Ruinen der um die Mitte des 14. Jahrhunderts erbauten Adina-Moschee sowie die Bauten von Gaur und Pandua.[10]

WeblinksBearbeiten

Commons: Distrikt Malda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c 1. District Census 2011. Census of India, abgerufen im Jahr 2021 (englisch).
    2. Population Enumeration Data (Final Population): A Series Including Primary Census Abstract Data (Final Population) > Primary Census Abstract Data Tables (India & States/UTs - District Level) (Excel Format). (XLS) Office of the Registrar General & Census Commissioner, India, archiviert vom Original am 23. April 2022; abgerufen im Jahr 2022 (englisch).
  2. Distrikt Malda – Karte + Infos
  3. a b District Census Hand Book - WEST BENGAL > Maldah. Office of the Registrar General & Census Commissioner, Ministry of Home Affairs, Government of India, S. 9–12, abgerufen am 15. März 2022 (englisch, mit einer Karte des Distrikts auf den ersten Seiten).
  4. Distrikt Malda – Karte mit Höhenangaben
  5. Distrikt Malda – Klimatabellen
  6. Census of India, Decadal Variation in Population since 1901 in West Bengal
  7. Einwohnerzahlen der Städte bei citypopulation
  8. Individual Scheduled Tribe Primary Census Abstract Data and its Appendix', Distrikt Malda Zeilen 727 bis 843 (engl.; excel)
  9. Distrikt Malda – Wirtschaft (Memento des Originals vom 18. November 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/malda.gov.in
  10. Distrikt Malda – Bauten in Pandua und Gaur