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Mörbisch am See

Gemeinde in Österreich
Mörbisch am See
Wappen Österreichkarte
Wappen von Mörbisch am See
Mörbisch am See (Österreich)
Mörbisch am See
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Eisenstadt-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: EU
Fläche: 28,01 km²
Koordinaten: 47° 45′ N, 16° 40′ OKoordinaten: 47° 45′ 12″ N, 16° 40′ 3″ O
Höhe: 122 m ü. A.
Einwohner: 2.261 (1. Jän. 2018)
Bevölkerungsdichte: 81 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7072
Vorwahl: 0 26 85
Gemeindekennziffer: 1 03 07
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 22
7072 Mörbisch am See
Website: www.moerbisch.com
Politik
Bürgermeister: Markus Binder (ÖVP)
Gemeinderat: (2017)
(21 Mitglieder)
10
9
2
10 
Insgesamt 21 Sitze
Lage der Gemeinde Mörbisch am See im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Breitenbrunn am Neusiedler SeeDonnerskirchenGroßhöfleinHornsteinKlingenbachLeithaprodersdorfLorettoMörbisch am SeeMüllendorfNeufeld an der LeithaOggau am Neusiedler SeeOslipPurbach am Neusiedler SeeSankt Margarethen im BurgenlandSchützen am GebirgeSiegendorfSteinbrunnStotzingTrausdorf an der WulkaWimpassing an der LeithaWulkaprodersdorfZagersdorfZillingtalEisenstadtRustBurgenlandLage der Gemeinde Mörbisch am See im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Mörbisch erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seinen Blumenschmuck
Mörbisch erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seinen Blumenschmuck
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Mörbisch am See (ungarisch: Fertőmeggyes, kroatisch: Merbiš) ist eine österreichische Gemeinde mit 2261 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2018) am Neusiedler See im nördlichen Burgenland.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Mörbisch am See liegt im nördlichen Burgenland am südwestlichen Ufer des Neusiedler Sees direkt an der Staatsgrenze zu Ungarn und ca. 70 km südöstlich von Wien.

Der Ort hat einen sehr breiten Schilfgürtel, so dass man den See nur über einen im Jahr 1950 aufgeschütteten Damm erreichen kann. Am Ende des Dammes befinden sich die Seebühne, das moderne Seebad Mörbisch am See, der Jachthafen, zwei Schifffahrtsunternehmen, die den Fährbetrieb nach Illmitz bedienen, Tennis- und Beachvolleyballplätze, eine Segel- und Surfschule sowie ein Bootsverleih.

Durch die Lage am Neusiedler See herrscht mildes, pannonisches Klima vor.

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden von Mörbisch am See sind:

GeschichteBearbeiten

Der Ortsname ist zum ersten Mal 1254 als possessio Megyes erwähnt (wörtlich: "der kirschenreiche Ort", zu ungarisch meggy "Kirsche") worden. Die ersten, ungarischsprachigen Bewohner benannten die Siedlung also entweder nach einem dort befindlichen, auffälligen Kirschbaum oder nach den zahlreich dort wachsenden Kirschbäumen.

Diese ungarische Form Meggyes wurde später leicht abgewandelt ins Deutsche als Mörbisch übernommen; die kroatische Form Merbiš ist aus der deutschen entlehnt.

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Im Westen des Ortes, auf der Flur „Salzäcker“ liegt die Fundstelle eines latènezeitlichen Gräberfeldes. Bei landwirtschaftlichen Arbeiten wurden 1935 die ersten Funde gemacht und in das Landesmuseum Burgenland in Eisenstadt gebracht. Daraufhin erfolgte Grabungen brachten fünf Gräber zutage, 1936 wurden weitere vier entdeckt. Bei einigen Gräbern waren Steinpackungen vorhanden, beim Grab 4 eine Steinstele. An Grabbeigaben fand man Bronzefibeln verschiedener Form, darunter auch Vogelkopffibeln, Halsreifen mit Ösen-Haken-Verschluss, Eisenschwerter und -messer, alles aus der Frühlatènezeit. Ein Hohlbuckelring weist auf eine Weiterbelegung bis in die Mittellatène hin.[1]

Später unter den Römern lag das heutige Mörbisch am See dann in der Provinz Pannonia.

Mörbisch am See war bereits 5000 v. Chr. besiedelt. Auch die Römer hatten Siedlungen hier. Unmittelbar südlich der Staats- und Gemeindegrenze bei Mörbisch am See ist ein Mithrasrelief aus der römischen Zeit Pannoniens zu sehen.

1918 bestand der (unverwirklicht gebliebene) Plan, von der Station der Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn in Sopron (Ödenburg) eine über Mörbisch nach Rust führende normalspurige Eisenbahn zu errichten.[2]

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1921 zu Ungarn, konkret zum Komitat Sopron (Ödenburg). Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain 1919 und Trianon 1920 Österreich zugesprochen. Der Ort gehörte seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes), in der NS-Zeit zu Niederösterreich. Dennoch waren Wirtschaft und Kultur bis 1945 nach Ödenburg ausgerichtet.

1945–1989 lag zwischen Mörbisch am See und Ödenburg der Eiserne Vorhang, seither ist die Grenze wieder offen. Ende 2007 wurden die Grenzkontrollen eingestellt (Schengenabkommen).

BevölkerungBearbeiten

 
Ansicht der Hauptstraße

In den Jahren 1680 und 1713 wütete in Mörbisch die Pest und raffte zwei Drittel der Bevölkerung dahin. Im Jahr 1849 starb aufgrund einer Cholera-Epidemie die Hälfte der Einwohner. Mörbisch zählte bis Anfang des 19. Jahrhunderts nur mehr knapp 200 Einwohner. Die starke Zunahme der Bevölkerung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt einen Hinweis auf die günstige Auswirkung der erlangten wirtschaftlichen Unabhängigkeit der ungarischen Bauern.
Die folgende Grafik zeigt die Bevölkerungsentwicklung von 1869 bis 2011:

 


PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Gemeinderatswahl 2017
 %
60
50
40
30
20
10
0
47,00
(-3,67)
43,08
(+9,30)
9,68
(-0,59)
n. k.
(-5,28)

 
Gemeindeamt Mörbisch

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 21 Mitglieder.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2017[3] 2012[4] 2007[5] 2002[6] 1997[6]
Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M.
SPÖ 659 47,24 10 720 50,67 11 856 56,06 14 756 48,77 11 790 54,60 12
ÖVP 601 43,08 9 480 33,78 7 366 23,97 6 534 34,45 7 nicht kandidiert
FPÖ 135 9,68 2 146 10,27 2 84 5,50 1 260 16,77 3 298 20,59 4
LBL nicht kandidiert 75 5,28 1 180 11,79 2 nicht kandidiert nicht kandidiert
Grüne nicht kandidiert nicht kandidiert 41 2,69 0 nicht kandidiert nicht kandidiert
PRO Mörbisch nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 359 24,81 5
Wahlberechtigte 1935 1975 2009 1980 1943
Wahlbeteiligung 81,60 % 80,76 % 82,83 % 85,86 % 86,26 %

GemeindevorstandBearbeiten

Neben Bürgermeister Markus Binder (ÖVP) und Vizebürgermeister Jürgen Marx (SPÖ) gehören weiters die geschäftsführenden Gemeinderäte Werner Strommer (ÖVP), Christian Rechnitzer (SPÖ), Michael Sommer (FPÖ) und Bettina Zentgraf (SPÖ) dem Gemeindevorstand an.[7]

Zum Gemeindekassier wurde vom Gemeinderat Johannes Bauer (ÖVP) und zum Umweltgemeinderat Werner Strommer (ÖVP) gewählt.[7]

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist seit 29. Oktober 2017 Markus Binder (ÖVP). Er setzte sich nach einem harten Ringen in der Bürgermeisterstichwahl mit 51,24 % gegenüber seinem Vorgänger Jürgen Marx (SPÖ), der 48,76 % erreichte, durch.[3] Bereits im ersten Wahlgang hatte Binder 49,19  % gegenüber Marx mit 46,85  % die Nase vorne, während der dritte Bewerber Andreas Fiala (FPÖ) mit lediglich 3,96  % ausschied.[8] Jürgen Marx wurde in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats zum Vizebürgermeister gewählt.[7]

Amtsleiter ist Franz Schindler.[9]

Chronik der Bürgermeister seit 1954Bearbeiten

Quelle: Atlas Burgenland [10]

  • 1945–1950 war Matthias Jäger
  • 1950–1952 Martin Schindler
  • 1952–1954 Johann Wenzl
  • 1954–1966 Franz Schindler
  • 1967–2002 Andreas Sommer (SPÖ)
  • 2002–2012 Peter Vargyas (SPÖ)
  • 2012–2017 Jürgen Marx (SPÖ)
  • seit 2017 Markus Binder (ÖVP)

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Pfarrkirchen in Mörbisch
 
Evangelische Pfarrkirche
 
Katholische Pfarrkirche
„Kulturgut“ Hofgassen
 
Typische Hofgasse mit Scheune(n) am Ende
 
Heimathaus in einem Hofgassengebäude
Regelmäßige Veranstaltungen
  • Weithin bekannt sind die Seefestspiele Mörbisch. Auf einer im Neusiedlersee aufgebauten Bühne werden jährlich im Juli und August Operetten österreichischer Komponisten gespielt.
  • Die Veranstaltungsserie 'Musik im Park', bei der Konzertaufzeichnungen auf einer Großbildleinwand vorgeführt werden, findet jährlich im Sommer statt, ebenso regelmäßige Gästekonzerte und Auftritte der Volkstanzgruppe.

WirtschaftBearbeiten

  • Tourismus: Mörbisch am See zählt mit 98.475 Übernachtungen jährlich (2015)[12] zu den größten Tourismusgemeinden des Burgenlandes. Mit dem Aufschwung des Tourismus im Burgenland hat auch Mörbisch am See profitiert; durch die Seefestspiele Mörbisch wurde dieser Effekt noch verstärkt.

SportBearbeiten

  • Mörbischer Seebad: Neben der Seebühne liegt das 1996 ausgebaute und erweiterte 'Mörbischer Seebad' mit Liegewiesen und einer eigenen Bade- und Ruheinsel, sowie Erlebnisbad-Infrastruktur.[13]
  • Radwege: Wie das gesamte Burgenland ist Mörbisch am See mit einem Netz von 'Radwegen' ausgestattet. So verbindet der Radweg B31 die Gemeinde mit dem „Burgenland-Jubiläumsradweg“[14] und der Neusiedler-See-Radweg führt ebenfalls durch Mörbisch am See. Für Nordic-Walking-Sportler wurden in Kooperation mit den Nachbargemeinden Rust und Oggau 15 Touren entwickelt.

VerkehrBearbeiten

  • Straße: Das Straßennetz endet an der Grenze zu Fertőrákos (Kroisbach); der Fahrweg dorthin, in Österreich großzügig ausgebaut, damit man per Autobus den Eisernen Vorhang besichtigen konnte, ist auf ungarischer Seite nur für Radfahrer und Fußgänger geöffnet.
  • Fähre: Von anderen Seeanrainergemeinden, vor allem von Illmitz im Seewinkel aus, gibt es fahrplanmäßige Bootsfahrten (Radfähre) nach Mörbisch.
 
Panorama von Mörbisch am See mit dem Neusiedlersee

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mörbisch am See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Susanne Sievers, Otto Helmut Urban, Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K, L-Z. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 1299; mit Foto (1936) der Steinstele von Grab 4.
  2. Eisenbahn-Baunachrichten. (…) Bahnbau in Sopron (Oedenburg). In: Der Bauinteressent, Jahrgang 1918, Nr. 28/1918 (XXXV. Jahrgang), S. 221. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wbz.
  3. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Mörbisch am See2017 (abgerufen am 14. Dezember 2017)
  4. Land Burgenland: Wahlergebnis Mörbisch am See2012 (abgerufen am 14. Dezember 2017)
  5. Land Burgenland: Wahlergebnis Mörbisch am See2007 (abgerufen am 14. Dezember 2017)
  6. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Mörbisch am See2002 (abgerufen am 14. Dezember 2017)
  7. a b c Marktgemeinde Mörbisch am See: Politik (abgerufen am 14. Dezember 2017)
  8. ORF Burgenland vom 1. Oktober 2017: Wahlergebnis Mörbisch am See (abgerufen am 14. Dezember 2017)
  9. Marktgemeinde Mörbisch am See: Gemeindeamt (abgerufen am 14. Dezember 2017)
  10. Atlas Burgenland: Mörbisch am See (abgerufen am 14. Dezember 2017)
  11. Weinpanorama: Mörbisch am See
  12. Statistik Burgenland: Tourismus 2015, S. 63
  13. Gemeinde Mörbisch am See
  14. Burgenlandinfo (Memento vom 31. März 2009 im Internet Archive) (Flash erforderlich)