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Luise-Kiesselbach-Tunnel

Straßentunnel in München

Der Luise-Kiesselbach-Tunnel (Tunnel Garmischer Straße) ist ein 1530 Meter langer Straßentunnel im Südwesten Münchens. Er ist, zusammen mit dem Tunnel Heckenstallerstraße, Teil des Projekts Mittlerer Ring Südwest. Die Freigabe der Fahrspuren in Nordrichtung erfolgte am 27. Juli 2015, die Südrichtung wurde am 28. Juli 2015 eröffnet. Der Tunnel sowie der Luise-Kiesselbach-Platz wurden nach Luise Kiesselbach benannt.

Luise-Kiesselbach-Tunnel
Luise-Kiesselbach-Tunnel
Der Tunnel nach Fertigstellung
Offizieller Name Luise-Kiesselbach-Tunnel
Nutzung Straßentunnel
Verkehrsverbindung Mittlerer Ring
Ort München
Länge 1530 m
Fahrzeuge pro Tag 121000
Anzahl der Röhren 2
Querschnitt 54 m²
Größte Überdeckung ca. 1 m
Bau
Bauherr Landeshauptstadt München
Baukosten ca. 398,5 Mio. €[1][Anm 1]
Baubeginn 2009
Fertigstellung 26. Juli 2015
Planer Landeshauptstadt München
Betrieb
Betreiber Landeshauptstadt München
Freigabe 27. Juli 2015
Lage
Luise-Kiesselbach-Tunnel (Bayern)
Red pog.svg
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Koordinaten
Nordportal 48° 7′ 19″ N, 11° 31′ 9″ O
Südportal 48° 6′ 36″ N, 11° 31′ 14″ O
Lage des Projektes „Mittlerer Ring Südwest“ im Mittleren Ring
Straßenverlauf am Mittleren Ring nach Fertigstellung der Tunnel Heckenstaller- und Garmischer Straße
Um die Leistungsfähigkeit des Mittleren Rings während des Baus aufrechtzuerhalten, waren umfassende Verkehrsverlegungen notwendig

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

Der Tunnel befindet sich im Stadtbezirk Sendling-Westpark und zirka fünf Kilometer südwestlich vom Stadtzentrum entfernt. Er verläuft in nord-südlicher Richtung und führt unter der Garmischer Straße, dem Luise-Kiesselbach-Platz sowie der Heckenstallerstraße hindurch. Der Tunnel endet im Norden kurz vor der Auffahrt zur A96 und im Süden nach der Abzweigung der Murnauer Straße.

GeschichteBearbeiten

Erste Planungen und RückschlagBearbeiten

Seit spätestens den 1970er Jahren gab es Pläne zur unterirdischen Verlegung des Mittleren Rings im Südwesten Münchens. Bei der Errichtung des U-Bahnhofs Westpark (Eröffnung 1983) war der Bau eines Straßentunnels bereits mit eingeplant worden. Ende der 1980er Jahre war dann das Ingenieursbauwerk bereits fertig durchprojektiert. Bei den Koalitionsverhandlungen zu Rot-Grün im Münchner Stadtrat im Jahr 1990 einigten sich SPD und Grüne auf Drängen des kleineren Koalitionspartners allerdings darauf, keine Tunnelprojekte für den Mittleren Ring mehr weiterzuverfolgen.[2][3]

BürgerbegehrenBearbeiten

1995 brachten einige CSU-Politiker[Anm 2] durch ein Bürgerbegehren mit dem Titel „Drei Tunnel braucht der Mittlere Ring“ den ersten Münchner Bürgerentscheid auf den Weg. Am 23. Juni 1996 entschieden die Münchner Wähler mit knapper Mehrheit für einen weiteren Ausbau des Mittleren Rings und gegen den Willen der Stadtratsmehrheit aus SPD und Grünen.

PlanungBearbeiten

Das Planfeststellungsverfahren lief von 1999 bis 2003. Der Planfeststellungsbeschluss folgte im Februar 2003.[4] Die Regierung von Oberbayern genehmigte den Tunnel unter der Maßgabe, dass beim Bau erschütterungsarme Technik eingesetzt wird und dass der Einhaltung von Bauzeiten Rechnung getragen wird sowie Beweissicherungsverfahren angewendet werden. In den Bereichen, wo der Tunnel in Grundwasserschichten eintaucht, müssen die wasserwirtschaftlichen Belange berücksichtigt werden.

Ursprünglich sollte der Tunnelbau 2005 beginnen.[5]

BauverlaufBearbeiten

AllgemeinBearbeiten

 
Bohrpfahlgerät 2012 auf der Heckenstallerstraße

Der Tunnel wurde in Deckelbauweise hergestellt. Dabei wurden zuerst die Tunnelwände (Bohrpfahlwände) und die Tunneldecke hergestellt. Im zweiten Schritt erfolgte der Erdaushub unter der Tunneldecke mit Herstellung des Fahrbahnbodens. Im letzten Schritt folgte der technische Endausbau.

Zur Information der Bürger stellte das Baureferat ab Mitte 2009 einen Infocontainer auf dem Platz auf.

TunnelvorleistungenBearbeiten

Das gesamte Projekt „Mittlerer Ring Südwest“ wurde in fünf Baulose aufgeteilt. Der Bereich der A 96 in der Garmischer Straße stellt das Baulos A dar. Diesem Baulos folgt von der zukünftig nördlichen Tunneleinfahrt bis zum Luise-Kiesselbach-Platz das Baulos B. Der Luise-Kiesselbach-Platz selbst ist das Baulos C.

Im Oktober 2007 begannen die Kanal- und Spartenverlegungen. Auf der Westseite der Garmischer Straße im Bereich des Westparks, der Waldfriedhofstraße und der Krüner Straße wurden die Versorgungsleitungen (Gas, Wasser und Abwasser) neu verlegt. Parallel wurden ab Ende 2007 die Pläne zur Bauausführung sowie der provisorischen Verkehrsführung erstellt. Die europaweite Ausschreibung für die einzelnen Bauleistungen begannen im Februar 2009. Ab März 2009 fällte das Baureferat die in der Garmischer Straße befindlichen Bäume.

BaumaßnahmenBearbeiten

Die erste Bauphase begann im August 2009. Die pro Fahrtrichtung dreistreifigen Fahrbahnen wurden zur östlichen Seite der Garmischer Straße verschwenkt, um so Platz für das Baufeld zu bekommen. Danach wurden die westlichen Bohrpfahlwände in den Boden eingebracht.

Die zweite Bauphase begann im Herbst 2009, die dritte im Februar 2011.

In der zweiten Bauphase wurden die westlichen Bohrpfahlwände hergestellt, die Deckenbaugrube ausgehoben und die 1,2 Meter dicke Tunneldecke errichtet. Die westlichen Betriebsbauten wurden im Rohbau hergestellt. Der Verkehr verlief dabei auf den östlichen provisorischen Fahrbahnen. Zum Ende der zweiten Bauphase wurde die Deckenbaugrube wieder verfüllt.

Die dritte Bauphase begann mit der Umlegung der südlichen Richtungsfahrbahn auf die Westseite. Danach wurde die Mittelstütze mit Bohrpfahlfundament hergestellt. Im nächsten Schritt wurde der mittlere Bereich der Tunneldecke gebaut und anschließend wieder verfüllt.

Die letzte Bauphase begann mit dem Erdaushub unter den Deckenelementen. Danach folgte der Rohbau. Diese Arbeiten wurden bis Mitte 2014 termingerecht abgeschlossen. Danach folgte der technische Innenausbau von Anfang 2014 bis Mitte 2015. Die Eröffnung des Tunnels Garmischer Straße ist, früher als geplant, bereits am 27. Juli 2015 erfolgt[6].

Geplanter weiterer BauverlaufBearbeiten

Seit der Inbetriebnahme 2015 ist mit der letzten Bauphase der Umbau der Oberfläche in Gang. Die vollständige Fertigstellung ist für 2017 geplant.

Eröffnung des TunnelsBearbeiten

 
Eröffnungsfeier des Tunnels am 25. Juli 2015

Am 23. Juli 2015 nahmen rund 1.500 Teilnehmer am sechs Kilometer langen öffentlichen Tunnellauf teil. Am 25. Juli 2015 folgte die offizielle Eröffnung. Hierbei durchschnitten Oberbürgermeister Dieter Reiter, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und weitere Politiker symbolisch ein Band. An der Oberfläche des Luise-Kiesselbach-Platzes gab es ein großes Bürgerfest mit Livemusik und für einige Stunden hatten die Münchner auch die Gelegenheit, den Tunnel zu Fuß zu erkunden. Unten waren ein Tunnelbiergarten und ein Café aufgebaut. Zahlreiche Infotafeln arbeiteten die Baugeschichte noch einmal detailliert auf.[7] Die Freigabe für den Verkehr erfolgte am 27. und 28. Juli.

Ausbau an der OberflächeBearbeiten

Die oberirdisch verlaufenden Teilstücke der Garmischer Straße werden bis 2017 dem verminderten Verkehrsaufkommen (3.000 bis 5.000 Kfz. pro Tag[Anm 3]) angepasst.

Ende Juni 2016 wurde eine Rampe fertiggestellt, die die Anbindung des Tunnels an die Murnauer Straße verbessert.[8]

Kosten des ProjektesBearbeiten

Die Kosten des Bauprojektes „Mittlerer Ring Südwest“ mit Garmischer Straße, Luise-Kiesselbach-Platz, Heckenstallerstraße, Tunneln sowie diversen Zu- und Abfahrten belaufen sich auf 398,5 Millionen Euro.[1]

Technik im TunnelBearbeiten

 
Geschwindigkeitsmessung, Ventilatoren und Nothaltebucht

Der 1530 Meter lange Tunnel verfügt über drei Betriebsbauwerke mit Pumpwerk. Elf Notausgänge führen zur Oberfläche. Die Abgase der Fahrzeuge werden jeweils in Fahrtrichtung bei den Tunnelportalen ausgeblasen.[4] Im Tunnel sind stationäre Messgeräte zur Geschwindigkeitsüberwachung mit Fotokameras sowie Videokameras zur Überwachung des Verkehrsflusses vorhanden. Die Kameras in den Nothaltebuchten sind mit einer automatischen Bilderkennung ausgestattet, sobald ein Fahrzeug in der Bucht zum Stehen kommt, wird das Bild der betreffenden Kamera in der Verkehrsleitzentrale auf einen großen Bildschirm geschaltet.[9][10]

AnmerkungenBearbeiten

  1. Die angegebenen Kosten sind die Gesamtkosten des Projektes-Mittlerer Ring Südwest
  2. Beim Bürgerentscheid wurden die Münchner CSU-Politiker von der FDP, der IHK München, der Handwerkskammer für München und Oberbayern und dem ADAC unterstützt.
  3. Prognostizierte Verkehrszahlen für 2015. Sie stammen aus dem Gutachten zur Planfeststellung von 1999, erstellt durch Professor Kurzak.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Landeshauptstadt München Baureferat (Hrsg.): Mittlerer-Ring Südwest. Planung 2008. München Februar 2009 (muenchen.de [PDF; 5,9 MB; abgerufen am 2. Dezember 2009]).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Projekt Mittlerer Ring Südwest – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Landeshauptstadt München: Projekt Mittlerer Ring Südwest, Stand Juli 2015
  2. Peter Gauweiler: 20. Sendlinger Bürgerfest@1@2Vorlage:Toter Link/www.peter-gauweiler.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF)
  3. Otto Seidl: Start für den dritten Tunnel! (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wzim.de
  4. a b Regierung von Oberbayern genehmigt weiteren Ausbau des Mittleren Rings am Luise-Kiesselbach-Platz. Regierung von Oberbayern, 12. März 2003, archiviert vom Original am 24. Dezember 2007; abgerufen am 9. Dezember 2009 (Medieninformation).
  5. Alfred Dürr: Ein neuer Tunnel für den Mittleren Ring. (Nicht mehr online verfügbar.) sueddeutsche.de, 25. September 2003, ehemals im Original; abgerufen am 9. Dezember 2009.@1@2Vorlage:Toter Link/www.sueddeutsche.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Bettina Ulrichs: Datum für Ring-Tunnel-Eröffnung steht fest. merkur-online.de, 15. Januar 2015, abgerufen am 18. Januar 2015.
  7. Bericht im offiziellen Stadtportal muenchen.de, abgerufen am 11. Oktober 2015
  8. Marco Völklein: Wichtiger Bauabschnitt am Luise-Kiesselbach-Tunnel wird fertig. sueddeutsche.de, 20. Juni 2016, abgerufen am 21. Juni 2016.
  9. www.muenchen.de Luise-Kiesselbach-Platz: Countdown zur Tunnelöffnung. Aufgerufen am 26. Juli 2015.
  10. Malte Jürgens: 3 Dinge, die uns bewegen; in: auto motor und sport Heft 21/2015; S. 17