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Ludweiler ist nach der Stadtmitte der zweitgrößte Stadtteil von Völklingen und zählt etwa 6000 Einwohner (Stand 31. Dezember 2017).

Ludweiler
Ehemaliges Gemeindewappen von Ludweiler
Koordinaten: 49° 13′ 19″ N, 6° 48′ 28″ O
Höhe: 250 m ü. NN
Fläche: 20,2 km²
Einwohner: 5847 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 289 Einwohner/km²
Postleitzahl: 66333
Vorwahl: 06898
Ludweiler (Saarland)
Ludweiler

Lage von Ludweiler im Saarland

Die Hugenottenkirche Ludweiler
Die Hugenottenkirche Ludweiler

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Der Ort liegt im äußersten Südwesten des Saarlandes nahe der Grenze zu Frankreich/Lothringen. Ludweiler liegt in einem Waldgebiet, dem sogenannten Warndt. Zahlreiche archäologische Funde belegen eine Besiedlung in vor- und frühgeschichtlicher Zeit, darunter das älteste Zeugnis für die Anwesenheit des vorgeschichtlichen Menschen im Saarland: der bekannte „Ludweiler Faustkeil“, ein etwa 200.000 bis 300.000 Jahre altes Steinwerkzeug.

KlimaBearbeiten

Der Jahresniederschlag beträgt 871 mm und liegt damit im oberen Drittel der von den Messstellen des Deutschen Wetterdienstes erfassten Werte. 75 Prozent zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der April; am meisten regnet es im Dezember. Im niederschlagreichsten Monat fällt ca. 1,3mal mehr Regen, als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im unteren Drittel. In nur 4 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

GeschichteBearbeiten

Am 8. Juni 1604 unterzeichnete Graf Ludwig II. von Nassau-Saarbrücken die Gründungsurkunde des Dorfes Ludwigsweiler. Darin erlaubt er zwölf Hugenotten, die wegen ihres calvinistischen Glaubens vor dem französischen König flüchten mussten, an der „Rixfurth im Warneth“ ein Dorf zu gründen. Der Vorgang ist insofern bemerkenswert, als die Grafen von Nassau-Saarbrücken im Jahre 1575 die Reformation nach Lutherischem Bekenntnis eingeführt hatten und nach den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens (1555) die Calvinisten nicht geduldet waren. Dennoch erhielten die Hugenotten in Ludweiler das Recht, eine eigene Pfarrei zu errichten. Zunächst war die Gottesdienstsprache französisch, erst im Laufe des 18. Jahrhunderts setzte sich deutsch als Sprache durch. Die reformierte Gemeinde von Ludweiler bildete mit der später errichteten reformierten Hofgemeinde in Saarbrücken eine eigene Klasse in der lutherischen Landeskirche. Dieser Zustand endete erst 1817 mit der sog. Saarbrücker Union. Die hugenottischen Einwanderer brachten das Glasbläserhandwerk mit und führten die Glasindustrie an der Saar ein. Nach einigen Jahrzehnten verkürzte sich der Name Ludwigsweiler in Ludweiler. Wahrzeichen des Ortes ist die 1785 erbaute Hugenottenkirche am Marktplatz. Das alte Gemeindewappen von Ludweiler zeigt ein goldenes Hugenottenkreuz und im Herzschild den Löwen der Grafen von Saarbrücken.

Die erste katholische Kirche mit dem Patrozinium Herz-Jesu wurde in den Jahren 1929 und 1930 als Basilika in den Formen des Abstraktions-Historismus mit expressionistischen Einzelformen nach Plänen der Mainzer Architektengemeinschaft Ludwig Becker & Anton Falkowski erbaut und ersetzte eine ältere Wendalinuskapelle des aus Ludweiler stammenden Trierer Dombaumeisters Reinhold Wirtz aus den Jahren 1896/1897. Die Kapelle war so geplant, dass sie den Chorraum einer späteren katholischen Pfarrkirche hätte bilden sollen. Dieser Plan wurde allerdings so nicht verwirklicht. Stattdessen baute man die neue katholische Pfarrkirche an einer anderen Stelle.

Die neue Basilika war dreischiffig und hatte ein fünfjochiges Langhaus. Der Chorraum schloss dreiseitig, daneben erhob sich ein großer Chorflankenturm aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Außenfassade der Kirche und die Fenster zeigten typische Gestaltungselemente des kristallinen Expressionismus.[2] Die Kirche wurde wegen Grubensenkungen im Jahr 1999 abgerissen und im Jahr 2000 wurde der Neubau einer modernen Pfarrkirche eingeweiht.[3]

Die Gemeinde Ludweiler wurde 1936 in Ludweiler-Warndt umbenannt.[4] Am 1. April 1964 wurde die Gemeinde Dorf im Warndt durch Ausgliederung aus den Gemeinden Großrosseln, Karlsbrunn und Ludweiler-Warndt neu gebildet.[5]

Anlässlich der Gebiets- und Verwaltungsreform wurde die Gemeinde Ludweiler-Warndt am 1. Januar 1974 in die Mittelstadt Völklingen eingegliedert.[6]

BergbauBearbeiten

Ludweiler ist eine alte Bergbaugemeinde. Bedingt durch den boomenden Bergbau im 19. und 20. Jahrhundert sind viele Menschen zugewandert, um hier Arbeit und Brot zu finden. Einige Bergmannssiedlungen entstanden. Viele örtliche Betriebe konnten vom nahen Bergbau profitieren.

Bedingt durch den Kohlebergbau kam es unter Teilen der Ortschaft (wie auch in anderen Gegenden des Warndts) zu Erdsenkungen. Hauptgrund dieser Erdbewegungen ist die nicht vorhandene bzw. mangelhafte Verfüllung der stillgelegten Abbaustollen. Durch diese sporadisch auftretenden Absenkungen gerieten mitunter ganze Häuserzeilen in Schieflage und wurden mit der Zeit unbewohnbar. Verantwortliches Bergbauunternehmen ist die DSK (Deutsche Steinkohle AG). Am 25. April 2005 wurde die Förderung im Bergwerk Warndt eingestellt.

PolitikBearbeiten

Ortsvorsteher: Andreas Willems (SPD)

stellvertretende Ortsvorsteherin: Sylvia Kuhn (SPD)

Die Stimmenverteilung im Ortsrat nach der letzten Kommunalwahl am 25. Mai 2014:

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtsteilsBearbeiten

  • Uwe Hartmann (* 1959 in Ludweiler), Langstreckenläufer, deutscher Meister im Marathon

Personen, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

  • Reinhold Wirtz (1842–1898) war ein deutscher Architekt, Kommunalkreis- und Diözesanbaumeister des Bistums Trier nach dessen Plänen in den Jahren 1898 bis 1899 die Katholische Kapelle St. Wendalinus an der Lauterbacher Straße 150 errichtet wurde.
  • Boris Obergföll (* 1973 in Völklingen als Boris Henry), Leichtathlet und Olympiateilnehmer, lebt in Ludweiler.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ludweiler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Einwohnerstatistik, Stadt Völklingen
  2. Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland. Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 2002, S. 276 und S. 512.
  3. http://www.voelklingen-im-wandel.de/stadtteile-ludweiler-herz-jesu.php, abgerufen am 1. Oktober 2014.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Saarbrücken. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Amtsblatt des Saarlandes 1964, S. 598.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 807.