Loki

Gott und Riese aus der eddischen Dichtung

Loki (auch altnordisch Loptr, Hveðrungr) ist eine Figur aus der eddischen Dichtung des Snorri Sturluson. Die literarischen Quellen zur Figur des Loki sind neben der Prosa-Edda und der Lieder-Edda, darunter etwa die Lokasenna („Lokis Zankreden“), auch die Werke der Skaldendichtung. Lokis Zugehörigkeit ist in der Forschung umstritten. Einige Forscher rechnen Loki, aufgrund seiner väterlichen Abstammung eines Riesen, den Riesen zu. Gleiches ließe sich allerdings über Odin sagen, der wiederum mütterlicherseits von einem Riesen abstammt.[1] Loki wird in den Quellen nirgends den Riesen zugeordnet, allerdings explizit ein Ase genannt.[1] Anders als die anderen Asen kam Loki keine Verehrung zu. Es gab weder einen Lokikult noch sind Ortsnamen, die auf Loki Bezug nehmen, in Skandinavien bekannt.

Abbildung von Loki mit einem Fischernetz aus der isländischen Eddahandschrift NKS 1867 4to von Ólafur Brynjúlfsson (1760)
Bildsequenz, möglicherweise des gefesselten Loki, vom Kreuz von Gosforth

Etymologie des Namens LokiBearbeiten

Die Bedeutung seines Namens ist ungesichert und ist wahrscheinlich eine Kurzform zu Loptr, was altnordisch „der Luftige“ oder „Luftgott“ bedeutet. Dieser Ausdruck ist jedoch eher im Sinne von „Luftikus“ zu verstehen. Vielleicht liegt auch das altnord. lúka zu Grunde, das „schließen“ bedeutet, was auf seine Rolle bei Ragnarök hinweist.[2] Loki ist nicht identisch mit dem Feuerriesen Logi.

Rolle und FunktionBearbeiten

Welche Rolle Loki ursprünglich gehabt haben mag ist bis heute umstritten. Im 18. Jahrhundert wurde Loki häufig die Rolle des Teufels zugeschrieben, der sich als Freund der Götter ausgibt, um sie zur Ragnarök heimtückisch zu hintergehen. Dabei wurde auch auf die irrtümliche Gleichsetzung zwischen Logi, dem Feuerriesen, und Loki aufgebaut. Aufgrund der Vorstellung Lokis als Feuergott, interpretierte Julius Pokorny Loki als den Zerstörer schlechthin.[1] Die Gleichsetzung des Feuerriesen mit Loki baut allerdings auf ein Missverständnis auf und die Deutung Lokis als Antagonist der Götter erweist sich als einseitig. In vielen Geschichten tritt sich Loki als nützlicher Verbündeter und Freund der Götter. Ihm verdanken die Asen viele ihrer Gegenstände und Attribute, darunter auch Mjölnir und Sleipnir. Erst mit dem Nahen Ragnaröks verschlechtert sich Lokis Beziehung zu den (anderen) Asen.

Lokis Rolle verbleibt obskur. Ihm kam, anders als den anderen Asen, keine Verehrung zu. Er tritt zudem in keine bedeutende Beziehung zu den Menschen. Bei Loki handelt es sich um eine ausschließlich mythologische Figur, die in keinen Bezug zu den Menschen steht.[1] Auch innerhalb der Mythologie ist Lokis Rolle wechselhaft. Seine Handlungen fallen mal zum Gunsten der Asen aus, die den Tod der Riesen nach sich ziehen. Andererseits handelt er wider der Götter und ermordet nach Snorra-Edda den Asen Balder. Yvonne S. Bonnetain interpretiert Lokis Rolle als "Beweger der Geschichte", der den Göttern neutral gegenübersteht. Dabei würde sich nicht Loki, sondern die Meinung der Götter zu Loki wandeln. Während sie zu Beginn ihrer Zeit von Lokis Treiben profitieren, stehen sie ihm, nachdem sie ihren Höhepunkt erreicht haben, und die Zukunft nur noch ihren Untergang herbei führen kann, feindlich gegenüber und versuchen Lokis, als die vorantreibende Kraft, in Fesseln zu legen.[1]

In der Lokasenna tritt Loki als Ankläger auf. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um eine Geschichte, die unter christlichen Einfluss entstanden ist, aber auf älteren Mythen und Sagen aufbaut. Hier zeigt Loki diverse, aus christlicher Sicht betrachtet, moralische Vergehen der Götter auf, womit die Moral der Götter wahrscheinlich neu bewertet werden sollte.[1]

Lokis Beziehung zu anderen FigurenBearbeiten

In der Snorra-Edda ist Loki der hübsche und hinterlistige Sohn des Riesen Fárbauti und der Laufey oder Nal. Seine Brüder sind Byleist und Helblindi. Seine Frau ist Sigyn, seine Söhne sind Narfi (auch Nari) und Vali. Mit der Riesin Angrboda zeugte Loki die Totengöttin Hel, den Fenriswolf und die Midgardschlange. In der Gestalt einer Stute gebar er dem Hengst Svadilfari das achtbeinige Pferd Sleipnir, das er Odin schenkte. Des Weiteren geht aus der Lokasenna hervor, dass er der Blutsbruder Odins ist. Häufig begleitet Loki Thor auf seinen Reisen. In der þrymskviða verhilft Loki Thor seinen Hammer wiederzubeschaffen.

Baldur und Fesselung LokisBearbeiten

Die Snorra-Edda bringt die Fesselung Lokis in den Zusammenhang mit dem Tod Baldurs. Nach Snorri Sturluson zerbricht das Verhältnis zu den anderen Asen nachdem er den Tod Balders absichtlich herbeigeführt hat. Zunächst flüchtet er auf einen Berg. Tagsüber verwandelt er sich in einen Lachs, der sich im Franangerfors, einem Wasserfall, aufhält. Den Asen gelingt es, Loki mit Hilfe eines von ihm selbst erfundenen Netzes in die Enge zu treiben, bis Thor ihn fangen kann. Sie bringen Loki und seine Söhne Narfi und Vali in eine Höhle. Die Götter verwandeln dort Vali in einen Wolf, der seinen Bruder Narfi zerreißt. Mit Narfis Gedärmen wird Loki an drei Felsen gefesselt. Die Göttin Skadi befestigt eine Giftschlange über Loki, aus deren Kiefer unablässig Gift auf ihn tropft, vor dem ihn seine Gattin Sigyn nur zeitweise mit einer Schale schützen kann, die sie über ihn hält. Jedes Mal, wenn sie die Schale leeren muss, tropft das Gift auf den hilflosen Loki, der sich vor Schmerzen so aufbäumt, dass die Erde bebt (Erklärung für Erdbeben). Mit dem Beginn von Ragnarök kann Loki sich aus seinen Fesseln befreien und kämpft im Verbund mit den Riesen gegen die Götter. Loki stirbt im Zweikampf mit Heimdall, einem Wächtergott.[3]

Lokis CharakterBearbeiten

Loki ist eine der vielschichtigsten Gestalten des nordischen Pantheons: Einerseits hilft er den Göttern, andererseits spielt er ihnen auch Streiche und hintergeht sie. Dabei macht er von seiner Fähigkeit als Gestaltwandler Gebrauch und erscheint zum Beispiel in der Gestalt eines Lachses oder einer Fliege. Aufgrund dieser ambivalenten Rolle wird er häufig als Trickster-Figur interpretiert.[4][5] Es gibt viele Geschichten in der Edda, in denen Loki eine Rolle spielt:

  • Loki, Thjazi und die Entführung Iduns
  • Loki und der Bau von Asgard
  • Loki und Thor
  • Loki und die Kleinode der Götter
  • Loki als Räuber des Brisingamens
  • Loki und Andvari
  • Loki und Balders Tod
  • Loki und Ragnarök
  • Loki und Celty

Verbreitung in der WikingerzeitBearbeiten

Der Gott war allgemein wenig beliebt; man benannte seine Kinder nicht nach ihm. Wikingerzeitliche Darstellungen sind entsprechend selten. Eine wurde als Anhänger im Gnesdowo-Hort in Russland gefunden, eine andere auf dem Snaptunstein. Ob die Abbildung auf dem Gosforth-Kreuz in der Grafschaft Cumbria, ehemals Northumberland (Großbritannien), aus dem 9. oder 10. Jahrhundert wirklich Sigyn und den gefesselten Loki darstellt, ist nicht gesichert.[6]

Richard Wagners LokiBearbeiten

In Richard Wagners Ring des Nibelungen taucht die Figur des Loki als Loge auf. Dies geht auf eine Verwechslung Wagners mit dem Riesen Logi (deutsch „Lohe, Flamme“) zurück, der ein Feind Lokis war. Dies wird in der Erzählung von Thor und Utgardaloki berichtet.

 
Snaptunstein
 
Womöglich der gefesselte Loki und seine Frau Sigyn. Detail eines angelsächsischen Steinkreuzes aus dem 9./10. Jahrhundert, Gosforth (Cumbria).

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Loki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Yvonne Bonnetain: Loki Beweger der Geschichten. Hrsg.: Edition Roter Drache. 2. Auflage. 2015, ISBN 978-3-939459-68-2, S. 90, 133, 225–226, 301–303, 347–348.
  2. A. M. Sturtevant: Etymol. Comments upon Certain Old Norse Proper Names in the Edda. In: PMLA, 67, 1952.
  3. Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart 1986
  4. Ulf Drobin: Myth and epical motifs in the Loki-Research. (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ojs.tsv.fi In: Tenemos 3, 1968. S. 19–39.
  5. Siegfried Mandel: The laughter of nordic and Celtic-Irish tricksters. In: Fabula 23, 2009. S. 35–47.
  6. Jan de Vries: The Problem of Loki. Helsinki 1933