Literatur Jetzt!

Festival für zeitgenössische Literatur in Dresden

Literatur Jetzt! ist das größte Festival für zeitgenössische Literatur in Dresden. Es wurde im Jahr 2007 von Verleger Leif Greinus und Schriftsteller Michael Bittner mit dem Ziel gegründet, das literarische Leben in Dresden zu fördern und hemmende Grenzen zwischen der literarischen Hochkultur und der literarischen Populärkultur zu überwinden.[1] [veraltet]

GeschichteBearbeiten

Das Festival fand vom 20. bis 25. November 2007 zum ersten Mal und an verschiedenen Orten statt (Scheune Dresden, Schauburg, Lingnerschloss, Kleines Haus des Staatsschauspiels). Über 1700 Menschen besuchten die 13 Veranstaltungen, an denen mehr als 30 Autoren und andere Künstler beteiligt waren, darunter die Titanic Boygroup, Clemens Meyer und Franz Dobler.

In den folgenden Jahren wurde das Festival auch zunehmend überregional wahrgenommen.[2] Renommierte Schriftsteller wie Florian Illies[3] oder Judith Schalansky[4] stellten ihre Bücher in Dresden vor. Zugleich bietet das Festival aber auch jungen, aufstrebenden Autorinnen und Autoren wie Theresia Enzensberger eine Bühne.[5] Zudem erhöhten sich die Zuschauerzahlen stetig bis zum bisherigen Höhepunkt der 9. Ausgabe im Jahr 2017. Unter dem Motto „Kunst!“ und in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden widmeten sich mehr als 30 Autorinnen und Autoren und weitere Künstlerinnen und Künstler bei insgesamt 15 Veranstaltungen dem Zusammenspiel von Literatur und Bildender Kunst und den Grenzgängern zwischen diesen beiden Feldern und lockten damit etwa 4000 Gäste an. Im Rahmen dieser Festivalausgabe fand auch die Eröffnung der Ausstellung „Bilder deiner großen Liebe – Der Maler Wolfgang Herrndorf“ im Japanischen Palais statt, kuratiert von Ulrike Pennewitz und Beispiel für eine Doppelbegabung in Text und Bild, wie es sie nur sehr selten gibt. Der ehemalige Titanic-Chefredakteur Oliver Maria Schmitt hielt eine pointierte und sehr persönliche Laudatio auf den Künstler Wolfgang Herrndorf, Autor von „Tschick“ oder „Sand“ und langjähriger Zeichner des Satiremagazins Titanic.

Die Festivalausgaben stehen seit 2013 unter einem Motto, dem sich die meisten Einzelveranstaltungen zuordnen lassen (2013: Leben im Überfluss;[6] 2014: Zorn;[7] 2015: Neue Welten;[8] 2016: Wir müssen reden;[9] 2017: Kunst!;[10] 2018: Sieg über die Sonne[11]). Für das Jahr 2018 übernahm Druckfrisch-Moderator Denis Scheck die Moderation.

Nach einer Kooperation mit den Kunstsammlungen Dresden (2017) und zwei Kooperationen mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden (2016, parallel zur Sonderausstellung „Sprache. Welt der Worte, Zeichen, Gesten“ und 2018; parallel zur Sonderausstellung „Shine on me. Wir und die Sonne“) findet das Festival im Jahr 2019 eine neue Heimat: das Zentralwerk, ein weitläufiger Gebäudekomplex in Dresden-Pieschen, der von der Zentralwerk Kultur- und Wohngenossenschaft Dresden eG, einer heterogenen Gruppe von Kulturschaffenden, saniert und betrieben wird. Einige ansässige Künstler öffnen für die literarischen Veranstaltungen des Festivals ihre Büros, Arbeitsräume und Studios.

KonzeptionBearbeiten

Das Festivalteam bemüht sich um eine größtmögliche Vermischung der Genres. So finden neben Lesungen aus Romanen, Kurzgeschichten, Spoken-Word-Texten oder Gedichten auch Auseinandersetzungen mit politischen Essays, Sachbüchern oder journalistische Betrachtungen statt. Auch satirische oder vordergründig auf Unterhaltung zielende Formate haben regelmäßig ihren Platz im Festivalkalender. Da das LiteraturJetzt! den Anspruch erhebt, ein zeitgenössisches Festival zu sein, haben die eingeladenen Künstler in den meisten Fällen unlängst ein Werk veröffentlicht oder anderweitig von sich reden gemacht. Einige Autoreneinladungen gehen zurück auf das jeweilige Frühjahrsprogramm der Verlage, andere behandeln ganz aktuelle Themen. Manche Bücher und Literaten sind Herzensangelegenheiten der Organisatoren. Hin und wieder lesen Autoren beim Festival Texte bereits verstorbener Kollegen oder, im Ausnahmefall auch stellvertretend für Autoren, die nicht anreisen konnten, wie es im Jahr 2018 der Fall gewesen ist: Eine von Alexander Kluge extra für Dresden aufbereitete Textsammlung wurde von der Schauspielerin Corinna Harfouch und dem Schriftsteller Marcel Beyer wechselseitig vorgetragen und mit eingespielten Bild- und Toncollagen von Kluge ergänzt.[12] Ein beliebtes Mischformat ist auch der „Poetry Slam – Dead or Alive“, bei dem lebendige und tote, von Schauspielern verkörperte Dichter auf der Bühne zu einem literarischen Wettstreit antreten.

OrganisationBearbeiten

Das Festival wurde bis zum Jahr 2018 von livelyrix e. V. mit vielen verschiedenen Partnern organisiert. Die Programmgestaltung und Organisation lag in den Händen von Michael Bittner (Autor), Leif Greinus (Verlag Voland & Quist), Ludwig Henne (Kulturmanager), Helge Pfannenschmidt (Verlag edition AZUR) und Volker Sielaff (Autor).

2019 übernahm der Verein LiteraturJetzt! e. V. die Organisation. Der Verein besteht aus den bisherigen Organisatoren sowie weiteren Personen aus der Literatur-, Museums-, Theater- und Klublandschaft Dresdens.

FinanzierungBearbeiten

Das Festival finanziert sich durch die Einnahmen aus den Ticketverkäufen. Zusätzlich wird es von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank und der Landeshauptstadt Dresden gefördert. Seit 2019 erhält es vom Kulturamt Dresden eine institutionelle Förderung[13] sowie ggf. Förderungen durch private Stiftungen und Medienpartner.

2019Bearbeiten

Das Festival wird seit 2019 einmal im Jahr vom Literatur Jetzt! e. V. (bis 2018 vom Livelyrix e. V.) veranstaltet, in Kooperation mit verschiedenen Dresdner Partnern. Die 11. Ausgabe findet vom 25. bis 29. September 2019 im Zentralwerk Dresden und an anderen Orten statt, mit Autoren wie Karen Köhler, Feridun Zaimoglu, Isabelle Lehn, Ahne oder David Schalko und Künstlern wie dem Comiczeichner Nicolas Mahler und Annamateur.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. „Junge Autoren willkommen“, in: Sächsische Zeitung vom 19. November 2007, Seite 23
  2. „Eine Verwandtschaft ersten Grades.“ Dresdner Literaturfestival widmet sich auch der Malerei und zeigt eine Herrndorf-Ausstellung, in: Welt kompakt Nr. 207 vom 25. Oktober 2017, Seite 9
  3. „Der erste Wolkenkratzer an der Elbe“, in: Dresdner Neueste Nachrichten vom 10. November 2017, S. 9
  4. „Mit Literatur können wir die Mehrdeutigkeit verteidigen“, in: Döbelner Allgemeine Zeitung vom 6. November 2018, S. 10
  5. „Tanz auf den Trümmern der Ideale“, in: Dresdner Neueste Nachrichten vom 7. November 2017, S. 8
  6. Leben im Überfluss
  7. Zorn
  8. Neue Welten
  9. Wir müssen reden (in Kooperation mit dem Hygiene-Museum Dresden)
  10. Kunst!
  11. Sieg über die Sonne (in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden)
  12. Ein Dresdner Seitensprung und andere Seelenstürme, in: Sächsische Zeitung – Dresden vom 6. November 2018, S. 8
  13. Stadt Dresden: Zusätzliche Mittel für die kommunale Kulturförderung. In: Stadt Dresden. Rathaus, 27. März 2019, abgerufen am 12. April 2019 (deu).