Christian Baron

Deutscher Journalist und Autor

Christian Baron (* 27. Mai 1985 in Kaiserslautern, Betonung: Báron[1]) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

LebenBearbeiten

Baron wuchs mit drei Geschwistern (einem Bruder und zwei Schwestern)[2] in einfachen Verhältnissen in Kaiserslautern auf. Sein Vater arbeitete als Möbelpacker und fiel in Barons Darstellung in den Bereich der Erwerbsarmut. Christian Barons Tante ermutigte ihn, als Sportreporter für die Zeitung Rheinpfalz zu schreiben. Baron studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik in Trier. Er trat in die SPD ein und engagierte sich bei den Jusos, wurde jedoch von Gerhard Schröders Agenda-Politik enttäuscht.[1] Von 2014 bis 2018 war er Redakteur beim Neuen Deutschland, wo er im Feuilleton verantwortlich fürs Theater war, aktuell ist er Politikredakteur der Wochenzeitung Der Freitag. Baron ist verheiratet und lebt in Berlin.

WerkeBearbeiten

2012 erschien seine mit Britta Steinwachs verfasste Studie Faul, frech, dreist. Die Diskriminierung von Erwerbslosigkeit durch BILD-Leser*innen. 2016 schrieb er das autobiographisch motivierte Sachbuch Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten, dem 2020 mit Ein Mann seiner Klasse eine autobiographischer Roman folgte. 2021 gab Baron zusammen mit Maria Barankow den Sammelband Klasse und Kampf heraus.

Proleten, Pöbel, Parasiten (2016)Bearbeiten

Baron beklagt darin eine in den letzten Jahrzehnten zunehmend entstandene Entfremdung zwischen Arbeitern sowie sich als links verstehenden Personen und Gruppen, insbesondere mit akademischem Hintergrund. Anstatt sich mit den Arbeitern, die in der linken Tradition lange das vorherrschende politische Subjekt bildeten, zu solidarisieren, habe eine zunehmende Vernachlässigung, ja teils Verachtung der Arbeiterklasse stattgefunden. Anhand zahlreicher (oftmals vom Autor selbst erlebter) Beispiele (etwa Vornamen, Wohnviertel oder Kleidungs- und Essgewohnheiten) schildert Baron, dass auch innerhalb der Linken mit abwertender Haltung gegenüber unteren Schichten gesprochen würde.

In Diskussionen innerhalb des linken Lagers, insbesondere an den Universitäten, hätten es Arbeiterkinder schwer, gegenüber Kindern aus bürgerlichem Elternhaus Anerkennung und Gehör zu finden. Kinder aus Arbeiterhaushalten würden „in linken Gruppen sozial sanktioniert, wenn sie mit dem gebildeten Gehabe nicht mithalten“[3] könnten. Baron kritisiert, dass marginalisierte Gruppen wie Arbeitslose „eine abstrakte Referenzgruppe“[4] seien, mit deren Lebensrealität sich die Linke nicht oder zu wenig auseinandersetze. Konflikte hätten sich für Baron auch dadurch ergeben, dass sein „von Alltagsbeobachtungen und eigenem Erleben in der Familie angeeignetes Verständnis von Arbeiterklasse nicht jenem entsprach, das diese Linken in ihren staubigen Büchern gefunden und auswendig gelernt hatten.“[5] Für deutsche Universitäten konstatiert Baron ein Karrieredenken, dem sich auch sich selbst als links bezeichnende Akademiker unterworfen hätten.

Baron bilanziert am Ende des Buches, dass Linke „zum Opfer jenes Erfolges geworden“ seien, „den sie sich haben einreden lassen. Bewegungs- und Parteilinke haben nach 1989 ernsthaft geglaubt, dass es keine sozialen Klassen mehr gebe. Also konzentrierten sie sich auf identitätspolitische Themen wie die Gleichstellung der Geschlechter oder die Akzeptanz von Homo- und Transsexualität. Sie begannen, Vorurteile zu bekämpfen, und vergaßen dabei, gegen das vorzugehen, was sie hervorbringt.“[6] Für den Erfolg der AfD macht Baron auch Linke mitverantwortlich, da sie den Arbeitern „zu lange keine politische Stimme mehr verliehen“[7] hätten.

Ein Mann seiner Klasse (2020)Bearbeiten

Für eine Freitag-Sonderausgabe zum Internationalen Frauentag 2019, die nur von Männern gestaltet werden sollte, veröffentlichte Baron einen autobiographischen Essay über die Gewalt seines alkoholabhängigen Vaters gegen seine Mutter. Er trägt die Überschrift Ein Mann seiner Klasse.[8] Daraufhin schlug ihm die Literaturagentin Franziska Günther vor, ein Buch über seine Kindheit zu schreiben.[9] 2020 veröffentlichte er seine gleichnamige autobiographische Erzählung. Barons Buch kam auf die Spiegel-Bestsellerliste, erhielt zahlreiche Rezensionen und erschien als Hörbuch.[10] Das Echo der Literaturkritik war gemischt.[11] Barons Buch wurde mit Werken der französischen Schriftsteller Didier Eribon, Edouard Louis und Annie Ernaux verglichen.[12] Es erschienen im Frühjahr 2020 mit Christian Barons Buch sogar zwei Bücher über eine Kaiserslauterner Kindheit in Armut, bemerkte Susanne Schütz in der Zeitung Die Rheinpfalz anlässlich des Erscheinens des thematisch verwandten Erstlingswerk des 18-jährigen Jeremias Thiel, der ebenfalls über seine Erfahrungen mit dem Heranwachsen in einer armen Familie in Kaiserslautern berichtet.[13]

AuszeichnungenBearbeiten

BücherBearbeiten

  • 2016: Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten, Das Neue Berlin Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-360-01311-8.
  • 2020: Ein Mann seiner Klasse, Autobiografie. Claassen Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-546-10000-7.
  • 2021: mit Maria Barankow (Hrsg.): Klasse und Kampf, Claasen Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-546-10025-0.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Dear Reader | Christian Baron über seine Kindheit und das Viellesen – „Literatur soll Empathie erwecken“ | detektor.fm – Das Podcast-Radio. 20. März 2020, abgerufen am 20. März 2020 (deutsch).
  2. https://www.rbb-online.de/rbbkultur/themen/literatur/rezensionen/buch/2020/04/Christian-Baron-ein-mann-seiner-klasse.html
  3. Christian Baron: Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten. Berlin 2016, S. 49.
  4. Christian Baron: Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten. Berlin 2016, S. 50.
  5. Christian Baron: Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten. Berlin 2016, S. 57.
  6. Christian Baron: Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten. Berlin 2016, S. 267.
  7. Christian Baron: Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten. Berlin 2016, S. 268.
  8. Christian Baron: Ein Mann seiner Klasse. In: der Freitag. Oktober 2019, abgerufen am 7. Februar 2020.
  9. Cornelia Geißler: „Am Ende des Monats hatten wir manchmal nichts zu essen“. In: Berliner Zeitung. 1. Februar 2020, abgerufen am 7. Februar 2020.
  10. Hörbuch: Baron - Ein Mann seiner Klasse. Abgerufen am 8. Juni 2020.
  11. Christian Baron: Ein Mann seiner Klasse. Abgerufen am 8. Juni 2020.
  12. «Ein Mann seiner Klasse»: Selbst am untersten Rand der Gesellschaft schaut man noch auf andere herunter. Abgerufen am 18. März 2020.
  13. Rheinpfalz. Der Armut den Rücken gekehrt. Abgerufen am 2. April 2021.
  14. Christian Baron erhält Klaus-Michael Kühne-Preis für seinen Roman „Ein Mann seiner Klasse“, buchmarkt.de, erschienen und abgerufen am 16. September 2020.