Li Hongzhang

chinesischer General, der mehrere größere Rebellionen beendete, Staatsmann der Qing-Dynastie

Li Hongzhang (chinesisch 李鴻章 / 李鸿章, Pinyin Lǐ Hóngzhāng, IPA (hochchinesisch) [/li˨˩˦ xʊŋ˧˥ ʈʂɑŋ˥˥/], W.-G. Li Hung-chang, veraltet nach Stange Li Hung Tschang; * 15. Februar 1823 im Dorf Qunzhi, bei Hefei; † 7. November 1901 in Peking, China) war ein chinesischer General, der mehrere größere Rebellionen beendete. Als „Vizekönig von Zhili“ war er einer der mächtigsten Staatsmänner im feudalen China der späten Qing-Zeit und betreute zahlreiche Reformen zur Modernisierung des Landes.

Li Hongzhang – in Amtstracht, 1896

HerkunftBearbeiten

Li Hongzhang wurde in eine Familie der Oberklasse der Stadt Hefei in der Provinz Anhui geboren. Sein Ur- und Großvater hatten jeweils durch Ämterkauf erworbene Titel. In seiner Jugend kam die Familie in ökonomische Schwierigkeiten. Sein Vater konnte durch das Erreichen des höchsten Titels in der Beamtenprüfung jedoch den Status der Familie sichern und fungierte in leitender Position im kaiserlichen Justizwesen in der Hauptstadt Peking.[1] Li Hongzhang verbrachte seine Jugend in Hefei – sein Geburtsort Qunzhi – 群治村 – liegt 14 km nordöstlich.

LebenBearbeiten

 
Li Hongzhang – 李鴻章 1823–1901

AusbildungBearbeiten

Li Hongzhang legte 1847 im erfolgreichen Erstversuch den höchsten Grad der Beamtenprüfung ab. Er war vorher drei Jahre lang im Auftrag des Vaters unter der Ägide von Zeng Guofan unterrichtet. Diesen verband seit dem gemeinsam absolvierten höchsten Examensgrad 1837 eine tiefe Freundschaft mit dem Vater von Li Hongzhang. Infolge seines erfolgreichen Abschlusses bedingte sich ein Patronatverhältnis zwischen Schüler und Lehrer, welches die Bahnen Li Hongzhangs weiterer Karriere vorgab.[2] Nach seinem Abschluss an der Han-lin-Hochschule wollte er eigentlich die Laufbahn eines Gelehrten einschlagen.[3]

Aufstieg während der Taiping-RebellionBearbeiten

Während der Taiping-Rebellion fungierte er zunächst als Assistent seines ehemaligen Lehrer und jetzt einflussreichen Heerführers Zeng Guofang, der die Hunan-Armee aufgestellt hatte, um seine Heimat Hunan gegen die christlichen Rebellen zu verteidigen.[4] Zengs Armee rekrutierte nach persönlicher, meist auf Verwandtschaft basierender Loyalität möglichst geschlossene lokale Rekrutenkontingente. Im Jahr 1860/61 wurde Zeng Guofan zum dominierenden Akteur der Kriegsanstrengungen gegen die Taiping. Er plante neben seiner Hunan-Armee die Aufstellung zusätzlicher Armeen, eine davon in der gerade von den Rebellen zurückeroberten Provinz Anhui. Für die Führung dieser Operation wählte er Li Hongzhang aus mit der Begründung, er sei als Hanlinabsolvent gelehrtester General. Li Honzhang begann im Herbst 1862 mit der Aushebung der Truppen. Zeng setzte Li hierfür in den Gouverneursposten der Provinz Jiangnan ein.[2] Im Dezember 1863 erreichte er die kampflose Einnahme von Suzhou durch eine Kriegslist. Hierbei überzeugte er acht hohe Offiziere des örtlichen Taipingbefehlshabers Tan Shaoguang, diesen zu ermorden und sich zu ergeben. Nach dem erfolgreichen Mord ließ er die Verräter hinrichten. Die Hinrichtung führte zu einem Zerwürfnis mit dem Oberbefehlshaber der britischen Interventionstruppen, Charles George Gordon, die auf der Seite der Qing standen.[5] In dieser Funktion stellte Li dort mit der Huai-Armee sein eigenes Militär nach dem bereits bewährten Muster seines ehemaligen Lehrers auf. Li nahm als Heerführer an den entscheidenden Offensiven gegen die Taiping teil. Nach der erfolgreichen Niederschlagung der Revolte wurde er im Mai 1865 Gouverneur von Jiangsu, Jiangxi und Anhui.[6]

Zentrale Machtposition im KaiserreichBearbeiten

1870 erhielt er das Gouverneursamt in der Provinz Zhílì (heute Hebei), in der die Hauptstadt Peking liegt, und wurde damit eine der mächtigsten Gestalten in der chinesischen Innenpolitik.

In den 1870er und 1880ern stieß er wirtschaftliche Reformen an, aus denen eine chinesische Dampfschifffahrtsgesellschaft, Telegraphenverbindungen, Modernisierungen im Bergbauwesen und die Etablierung einer Textilproduktion in Shanghai hervorgingen.[7]

1880 wurde durch Li Hongzhangs Betreiben eine Marineakademie in Tianjin gegründet. Eine Militärakademie für das Heer folgte 1885 in derselben Stadt, welche im Verlauf in der Militärakademie Baoding fortbestand. Li Hongzhang musste bei der Einrichtung dieser Institutionen auf Vorbehalte der traditionellen Militärelite Rücksicht nehmen, welche sich durch ein neues Ausbildungssystem in ihrer Position bedroht sahen.[8] Als Gouverneur von Zhili trieb er auch den Aufbau der Beiyang-Flotte zur modernsten Flotte Ostasiens voran. Ab 1884 fungierten zwei Schlachtschiffe aus deutscher Produktion als Herzstück der Einheit. Hierzu bediente er sich sowohl des Zukaufs von Schiffen als auch Versuchen der Eigenproduktion und dem Nachbau ausländischer Entwürfe. Die Flotte wurde während des ersten Japanisch-Chinesischen Krieges geschlagen und kapitulierte 1895 im Hafen von Weihaiwei, ohne das Eingreifen der übrigen Marinekräfte des Reiches.[9] Nach Kriegsende unterschrieb er 1895 den Vertrag von Shimonoseki. Er wurde für die Niederlage im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg verantwortlich gemacht und entlassen.

 
Otto v. Bismarck und Li Hongzhang, Schloss Friedrichsruh 1896

1896 unternahm Li Hongzhang eine diplomatische Weltreise. Während dieser besuchte er Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Großbritannien sowie die USA.[10]

Dennoch verhandelte er 1898 als kaiserlicher Bevollmächtigter den Lüda-Pachtvertrag mit der russischen Regierung und reiste zur Unterzeichnung des Zusatzprotokolls ins Russische Reich.[11] Das Zusatzabkommen ermöglichte unter anderem den Anschluss der gepachteten Halbinsel Liaodong mit dem Militärhafen Port Arthur an die Transsibirischen Eisenbahn.[12] Dabei erhielt er vom russischen Finanzminister Witte ein Bestechungsgeld von drei Millionen Goldrubel im Gegenzug für die Konzession zur Durchquerung der Mandschurei mit der Chinesischen Osteisenbahn, einem vor Fertigstellung der Amurstrecke (Amur-Bahn) sehr wichtigen Teilabschnitt der Transsib. Als diese Zahlung bekannt wurde, litt Li Hongzhangs Ruf massiv darunter. 1901 wurde er wieder mit den Verhandlungen zur Beendigung des Boxeraufstands betraut, starb aber vor deren Abschluss.

Im Auftrag der Firma Krupp in Essen entwarf Otto Lang ein Denkmal für Li Hongzhang. Dieses wurde im Garten des für Li Hongzhang erstellten Gedächnistempels in Shanghai aufgestellt.[13]

NamenBearbeiten

Name
Kurzzeichen: 李鸿章
Langzeichen: 李鴻章
Pinyin: Lǐ Hóngzhāng
Wade-Giles: Li Hung-chang
Höfliche Anrede (字): Jianfu (漸甫), Zifu (子黻)
Pseudonyme (號):
(Yisou and Shengxin
im hohen Alter verwendet)
Shaoquan (少荃)
Yisou (儀叟)
Shengxin (省心)
Spitzname: Herr Li II. (李二先生)A
postume Bezeichnung: Wenzhong (文忠)B
Anmerkung
A 李二先生 – „zweiter Sohn seines Vaters“
B 文忠 – „belesen und loyal“

LiteraturBearbeiten

chronologisch aufsteigend

WeblinksBearbeiten

Commons: Li Hongzhang – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kwang-Ching Liu : The Confucian as Patriot and Pragmatist: Li Hung-chang's Formative Years, 1823-1866. in Samuel C. Chu, Kwang-Ching Liu : Li Hung-Chang and China's Early Modernization. New York, 1994, 2015 S. 18f
  2. a b Stephen R. Platt : Autumn in the Heavenly Kingdom - China the West and the Epic Story of the Taiping Civil War. New York, 2012, S. 252–255
  3. Es ist für die Wirkungsgeschichte Li Hongzhangs interessant, dass der Soziologe Max Weber in seiner Schrift Politik als Beruf den Chinesen als Beispiel für den Herrschertypus „humanistisch gebildeter Literat“ sieht. vgl. Weber, Max Politik als Beruf Stuttgart 1992, Seite 28 (Reclams Universal-Bibliothek)
  4. Dr. Xiaobing Li : Li Hongzhang. in China at War - An Encyclopedia. Oxford 2012, S. 221–224
  5. Stephen R. Platt : Autumn in the Heavenly Kingdom - China the West and the Epic Story of the Taiping Civil War. New York, 2012, S. 295 – 297, S. 329–333
  6. Dr. Xiaobing Li : Li Hongzhang. in China at War - An Encyclopedia. Oxford 2012, S. 221–224
  7. Dr. Xiaobing Li : Li Hongzhang. in China at War - An Encyclopedia. Oxford 2012, S. 221–224
  8. John K. Fairbank, Kwang-Ching Liu : The Cambridge History of China. Bd. 2 Late Ch'ing 1800 - 1911. Teil 2, Cambridge, 1980, S. 266–268
  9. Bernard D. Cole : The History of the Twenty-First-Century Chinese Navy. Naval War College Review Vol. 67, No. 3 (Summer 2014), pp. 43–62 S. 47f; Online abrufbar als pdf ; zuletzt abgerufen am 26. April 2019
  10. Dr. Xiaobing Li : Li Hongzhang. in China at War - An Encyclopedia. Oxford 2012, S. 221–224
  11. (englisch)
  12. (englisch)
  13. Denkmal für Li Hongzhang