Leusel

Stadtteil von Alsfeld

Leusel ist eine Ortschaft mit etwa 820 Einwohnern im mittelhessischen Vogelsbergkreis, die 1971 in die Stadt Alsfeld eingemeindet wurde.

Leusel
Stadt Alsfeld
Koordinaten: 50° 45′ 33″ N, 9° 13′ 59″ O
Höhe: 267 m ü. NHN
Fläche: 7,14 km²[1]
Einwohner: 649 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 91 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36304
Vorwahl: 06631

GeographieBearbeiten

Der Ort liegt 267 m über dem Meer. Benachbarte Ortschaften sind die Stadt Alsfeld samt deren Stadtteilen Angenrod, Billertshausen und Reibertenrod, sowie Vockenrod (Antrifttal) und Zell (Romrod).

An der Bundesstraße 62 gelegen, ist Leusel etwa drei Kilometer westlich von der Kernstadt Alsfeld entfernt.

GeschichteBearbeiten

Erstmals erwähnt wird Leusel 1107 unter dem Namen Liuzzelaha.[1]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Leusel:

„Leusel (L. Bez. Alsfeld) evangel. Pfarrdorf; liegt 34 St. von Alsfeld, hat 73 Häuser und 493 Einwohner, die alle evangelisch sind, sodann 1 Kirche, 1 Schulhaus und 1 Mahlmühle. – Der Ort kommt 1107 unter dem Namen Liuzziliha vor. Er gehörte zur Burg Romrod, wurde 1369 von Metze von Lißberg, einer Romrodischen Erbtochter, an Adelheid von Schrecksbach, auf Wiederkauf, verkauft, und scheint späterhin von den Landgrafen eingelößt worden zu seyn. In kirchlicher Hinsicht gehörte Leusel im 15. Jahrhundert zu Alsfeld.“[3]

GebietsreformBearbeiten

Am 31. Dezember 1971 wurde Leusel im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Alsfeld eingegliedert.[4]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Leusel lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][5][6]

Gerichte seit 1803Bearbeiten

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Leusel durch das Amt Alsfeld. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Alsfeld“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Alsfeld, das heutige Amtsgericht, das heutige Amtsgericht, das für Leusel zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[12] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

• 1791: 362 Einwohner[13]
• 1800: 380 Einwohner[14]
• 1806: 391 Einwohner, 64 Häuser[8]
• 1829: 493 Einwohner, 73 Häuser[3]
• 1867: 439 Einwohner, 72 Häuser[15]
Leusel: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2015
Jahr  Einwohner
1791
  
362
1800
  
380
1829
  
493
1834
  
458
1840
  
452
1846
  
439
1852
  
446
1858
  
425
1864
  
454
1871
  
460
1875
  
441
1885
  
450
1895
  
517
1905
  
544
1910
  
569
1925
  
585
1939
  
629
1946
  
879
1950
  
842
1956
  
759
1961
  
710
1967
  
686
1970
  
669
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2006
  
825
2011
  
735
2015
  
689
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[13]; 2006:[16]; Zensus 2011[17]; 2015:[18]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 493 evangelische Einwohner[3]
• 1961: 646 evangelische (= 90,99 %), 60 katholisch (= 8,45 %) Einwohner[1]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Evangelische Kirche in Leusel

WirtschaftsstrukturBearbeiten

Der Ort ist hauptsächlich geprägt von Neubauvierteln, sowie dem historischen Ortskern. Neben landwirtschaftlichen Betrieben (im Haupt- als auch Nebenerwerb) gibt es ferner auch ein textilverarbeitendes Gewerbe.

Öffentliche GebäudeBearbeiten

In der Ortsmitte befindet sich die evangelische Kirche, welche 1696–97 erbaut wurde. Die Kirche ist eine Barockkirche mit Holztonnendecke. Im Jahre 2004 wurde die Kirche aufwändig restauriert und gilt seitdem als vorzügliches Beispiel einer ländlichen Barockkirche. Zu weiteren öffentlichen Gebäuden gehört auch das 1984 errichtete Dorfgemeinschaftshaus, das für kommunalpolitische und regionale Veranstaltungen jeglicher Art genutzt wird. Bis zum Jahr 1976 war Leusel auch Schulstandort (Grundschule).

VerkehrBearbeiten

Mit der Bahn kann man über den nahe gelegenen Bahnhof Alsfeld, mit der Vogelsbergbahn in die Oberzentren Gießen und Fulda (dort mit ICE-Anschluss) gelangen. Eine Buslinie (RMV-Linie VB-13) verbindet Leusel mit den Städten Alsfeld, Kirtorf und Homberg (Ohm). Mit dem Fahrrad kann man über einen Radweg die Innenstadt von Alsfeld in etwa zehn Minuten erreichen.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Gustav Korell (1871–1935), Landtagsabgeordneter und 1904 bis 1906 Bürgermeister in Leusel

WeblinksBearbeiten

Commons: Leusel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Leusel, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Haushaltplan 2018, Vorbericht. Stadt Alsfeld, abgerufen im März 2020.
  3. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 163 (Online bei google books).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 347.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (Online bei google books).
  7. Die Zugehörigkeit des Amtes Romrod anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  8. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 230 (Online in der HathiTrust digital library).
  9. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 6 (Online bei google books).
  10. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 422 (online bei Google Books).
  11. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 6 ff. (online bei Google Books).
  12. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  13. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 179 (Online in der HathiTrust digital library).
  14. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 189 (Online in der HathiTrust digital library).
  15. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 54 (Online bei google books).
  16. Leusel im Webauftritt der Stadt Alsfeld, abgerufen im Oktober 2017.
  17. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  18. Haushaltsplan 2017, Vorbericht.