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LWL-Museum für Kunst und Kultur

Kunstmuseum in Münster
(Weitergeleitet von LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte)

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur ist das zentrale Kunstmuseum Westfalens. Träger ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Seit 1908 befindet es sich am Domplatz in Münster. Mehr als 300.000 Exponate befinden sich im Besitz des Museums[1] und in der Bibliothek des Museums über 130.000 Bücher, deren ältestes aus der Zeit um 900 nach Christus stammt.[2] Das LWL-Museum für Kunst und Kultur ist Mitträger der internationalen Ausstellung Skulptur.Projekte, die seit 1977 alle zehn Jahre für Kunst im öffentlichen Raum durchgeführt wird.

LWL-Museum für Kunst und Kultur
LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster, Neubau-1030.jpg
Neubau des Landesmuseums
Daten
Ort Münster
Architekt Volker Stabb
Eröffnung 2014
Betreiber Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Leitung Hermann Arnhold
Website www.lwl.org/LWL/Kultur/LWL-Landesmuseum-Muenster
ISIL DE-MUS-100818
Altbau (1908) am Domplatz nach Modernierung 1999
Lichthof des Altbaus (1908)

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Das heutige Museum entwickelte sich im 1908 vom Hannoveraner Architekten Hermann Schaedtler errichteten Neubau des "Landesmuseums des Westfälischen Provinzialverbandes" der Provinz Westfalen aus den Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens und des Westfälischen Kunstvereins, der seitdem im Museum eingebunden ist. Sein erster Direktor war von 1910 bis 1934 der Kunsthistoriker Max Geisberg.  Das Museum wurde nach seiner Entlassung 1934 in "Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte" umbenannt, im Krieg teilzerstört und nach 1945 wiederaufgebaut. Der Ursprungsbau von 1908 am Domplatz wurde 1974 unter Museumsdirektor  Prof. Dr. Paul Pieper nach Entwürfen des Architekten Hans Spiertz durch das Büro Kösters & Balke erweitert, um den Bau des Westfälisches Museum für Archäologie ergänzt und seine Modernisierung 1999 abgeschlossen; das Westfälische Museum für Archäologie ging 2003 nach Herne (LWL-Museum für Archäologie); die 2009 abgeräumte Museumsarchitektur der Nachkriegsmoderne wurde durch einen vom  Architekturbüro Volker Staab errichteten Neubau ersetzt und 2014 eröffnet.[3]

Nach Max Geisberg leiteten Robert Nissen (1934–1939), Wilhelm Rave kommissarisch (1939–1946), Walther Greischel (1946–1954), Hans Eichler (1956–1971), Paul Pieper (1971–1977), Peter Berghaus (1977–1984) und Klaus Bußmann (1985–2004) das Museum. Sein Direktor ist seit 2004 Hermann Arnold.[4]

SammlungBearbeiten

Das Museum zeigt Kunstwerke vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart. Die historischen Bestände umfassen Kunstwerke der Region und benachbarter Gebiete, darunter das Familienbild des Grafen Johann II. von Rietberg, Fragmente des Liesborner Altars sowie des Marienfelder Altars.

 
Haupteingang der Erweiterung des Westfälisches Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte von 1974, Abriss 2009, mit den Zwei Supraporten von Josef Albers (1972)

Eine Mittelalter-Sammlung zeigt einen Querschnitt der mittelalterlichen Kunst: Tafelgemälde und Glasmalereien, Skulpturen und Reliefs aus Holz, Stein, Edelmetall und Elfenbein, liturgische Gerätschaften und Gewänder. Das Museum zeigt das Soester Antependium, Bilder von Conrad von Soest und die romanischen Glasfenster des Meisters Gerlachus aus der Sammlung des Freiherrn vom Stein.

Weitere Schwerpunkte liegen auf der romanischen und gotischen Monumentalskulptur (Heinrich und Johann Brabender, Evert van Roden, der Meister von Osnabrück) sowie der frühwestfälischen Tafelmalerei etwa von Conrad von Soest, Johann von Soest und Johann Koerbecke.

Die Kunst der Renaissance ist neben einigen deutschen (Lucas Cranach) und niederländischen Werken (Jan Gossaert) vor allem durch Werke westfälischer Künstler vertreten. Das Museum zeigt das malerische Werk der aus Münster stammenden Künstlerfamilie tom Ring, im Bereich der Plastik ergänzt durch Werke der münsterschen Bildhauer Heinrich und Johann Brabender.

Die barocke Malerei ist mit allen Gattungen vertreten. Das Kunsthandwerk der Epoche wird durch Augsburger und Münstersche Goldschmiedearbeiten, frühes Glas sowie Truhen- und Schrankmöbel gezeigt, darunter u. a. der in Augsburg gefertigte Wrangel-Schrank, ein um 1566 entstandenes intarsiertes Kabinett-Möbel. Geschichtliche Ereignisse in Westfalen wie die Wiedertäuferzeit und der Westfälische Friede spiegeln sich ebenso in der Sammlung wie die adelige und bürgerliche Kultur der Barockzeit. Der Symbolismus ist mit dem Werk Gestade der Vergessenheit vertreten.

Die seit 1950 aufgebaute „Moderne Galerie“ umfasst einen Gemäldebestand vom deutschen Impressionismus mit Liebermann, Slevogt und Corinth, dem Expressionismus (Die Brücke und Blauer Reiter mit besonderem Gewicht auf den aus Westfalen stammenden August Macke) über die Bauhauszeit und die Kunst der fünfziger Jahre bis zur internationalen Avantgarde.

 
Otto Piene: Silberne Frequenz (1970/71), Rückfront und Kolonnade an der Pferdegasse (Abriss 2009)

Die historischen Sammlungen umfassen ein Porträtarchiv Diepenbroick, das Lebenswerk des Freiherrn Diepenbroick (1902–1980), der dem Museum testamentarisch seine Sammlung druckgraphischer Porträts it ca. 120.000 Porträts verschiedener Techniken (Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien sowie Zeichnungen, Aquarelle und Silhouetten) und ca. 150 Porträtstichwerken sowie Sammel- und Klebebände des 16. bis 20. Jahrhunderts übertragen hat.

Die Münzsammlung des Museums geht im Kern auf die 1825 begonnene Sammlung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens zurück[5] und enthält vorrangig Münzen und Medaillen aus Westfalen und der Region sowie römische Münzen und solche aus der Zeit der Ottonen und Salier (10./11. Jahrhundert). Das Münzkabinett (rund 130.000 Objekte von der Antike bis zur Gegenwart: Münzen, Medaillen, Papiergeld, Prägestempel, Siegel und Siegelabdrücke) bearbeitet auch Münzfunde in Westfalen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden unterschiedlichen Aufzeichnungen zufolge 41 oder 90 Werke unter anderem von Christian Rohlfs, Peter August Böckstiegel, Otto Pankok, Eberhard Viegener und Karel Niestrath als „entartete Kunst“ beschlagnahmt. Ausstellungen des Museums wie etwa „Das deutsche Danzig“ (1937) oder eine Ausstellung mit Beutewaffen (1942) waren politisch und ideologisch ausgerichtet.[3] Nach einem Bombeneinschlag 1941 wurde der Museumsbestand an verschiedene Orte ausgelagert, so dass die Verluste während des Zweiten Weltkriegs vergleichsweise gering blieben.[3]

Im November 2009 hat die Bundesregierung das Gemälde Siesta am Hofe der Mediceer von Hans Makart aus dem Bestand des Landesmuseums im Rahmen der Restitution von NS-Raubkunst an die Erbin der ehemaligen Besitzerin zurückgegeben. Die vom NS-Regime verfolgte jüdische Eigentümerin war 1940 gezwungen gewesen, das Werk zu verkaufen, hatte aber über den Verkaufserlös nicht frei verfügen können. Das Kunstwerk befand sich seit 1966 als Leihgabe des Bundes im Landesmuseum. Das Museum hat nach der Rückgabe Kontakt zu der rechtmäßigen Besitzerin aufgenommen, um das Werk zu kaufen.[6]

 
Zwei Supraporten von Josef Albers, neuer Standort: Seitenfront des Neubaus (2014), Pferdegasse, mit Graffiti Toy (anonym, 17. September 2017)

Auch die rechtmäßigen Besitzer des Gemäldes Romantische Landschaft mit Ruine von Carl Blechen wurden ermittelt und das Bild an sie zurückgegeben. Es stammte aus der Kunstsammlung des jüdischen Kaufmanns Julius Freund in Berlin, der 1939 nach England emigrierte. Nach seinem Tod ließen seine Erben das Bild 1942 in der Schweiz versteigern. Das Museum konnte das Gemälde mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder von den in Kanada lebenden Erben im Jahr 2010 erwerben.[7][8]

 
August Macke, „Modegeschäft“

Ausstellungen (Auswahl)Bearbeiten

  • „Das nackte Leben“ (8. November 2014 bis 22. Februar 2015)
    Die erste Ausstellung nach der Neueröffnung befasst sich mit der Malerei in London von 1950 bis 1980.[9][10] Arbeiten von Francis Bacon, Lucian Freud, Frank Auerbach, Leon Kossoff, David Hockney und Richard Hamilton sind zu sehen.[9][2]
  • Dauerausstellung „Aufgemischt – Meisterwerke der Sammlung im Dialog“ (23. August 2009 bis 1. Juli 2012)
    Das Museum präsentierte im Altbau am Domplatz eine Auswahl seiner Hauptwerke. Die Ausstellung zeigte die Kunstwerke nicht mehr chronologisch gegliedert, sondern epochenübergreifend. Thematische, formale sowie Stimmung und Gefühl erzeugende Gemeinsamkeiten und bestimmte Aspekte waren Kriterien für ihre Auswahl und Gruppierung.
  • „Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen“ (26. Februar 2012 bis 28. Mai 2012)
    Gemeinsam mit der Domkammer des Bistums Münster und dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zeigte das Museum (kunst-)historische, soziale, funktionale und technische Facetten der mittelalterlichen Goldschmiedearbeiten aus westfälischen Bischofs- und Hansestädten seit dem 13. Jahrhundert: Reliquienschreine und Reliquiare, liturgische Geräte wie Kelche und Monstranzen, Kruzifixe, Buchdeckel, Mantelschließen, weltlicher Schmuck und Ratssilber. Ausstellungsorte waren das LWL-Museum für Kunst und Kultur und die Domkammer des Bistums Münster.
  • „PALERMO – Who knows the beginning and who knows the end“ (27. Februar 2011 bis 15. Mai 2011)
    In Zusammenarbeit mit dem Palermo-Archiv in Amerika zeigte das Museum Werke des Künstlers Blinky Palermo (1943–1977). Thema der Ausstellung war der offene, durchlässige und flüchtige Farbauftrag. Es ging dem Museum um den Aspekt des Malerischen in Palermos Werk, jedoch eigentlich nicht um Bilder. Die Ausstellung umfasste rund 60 – teilweise mehrteilige – Bildobjekte und Zeichnungen (Aquarelle) aus allen Schaffensperioden des Malers. Der Ausstellungstitel „Who knows the beginning and who knows the end“ war einer seiner Werktitel.
  • „Orte der Sehnsucht – Mit Künstlern auf Reisen“ (28. September 2008 bis 11. Januar 2009)
    Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Museums widmete sich diese Ausstellung dem Thema der Künstlerreise: Künstler wie Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens, Paul Gauguin und Paul Klee sind zu unterschiedlichen Zielen gereist und haben ihre Ortserfahrung in ihren Werken verarbeitet. Die Jubiläumsausstellung zeigte dazu über 550 Werke von mehr als 200 Künstlern vom ausgehenden Mittelalter bis in die Gegenwart. Fast 100.000 Besucher sahen die Ausstellung.[11]

Kunstvermittlung und KulturprogrammBearbeiten

Das LWL-Museum sieht seine Hauptaufgaben im Bewahren, Sammeln, Forschen und Vermitteln sowie als regionaler Identitätsstifter.[12]

Ein begleitendes Kulturprogramm des Museums umfasst Künstlergespräche, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Konzerte und Performances, Familientage, eine Nacht für Schüler und Studierende sowie Veranstaltungen wie die „Lange Nacht“, in der das Museum bis 24 Uhr geöffnet ist.[13] Die „FilmGalerie“ wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, im LWL-Museum einen Ort für den Film als eigenständige Kunstgattung zu schaffen und die filmische Bildsprache einem breiten Publikum näherzubringen. In Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Katholischen Filmkommission sowie dem LWL-Medienzentrum für Westfalen zeigt das Landesmuseum zweimal jährlich Filmreihen, die thematisch die Sammlungs- und Ausstellungspolitik des Museums aufnehmen oder eigenständige thematische Schwerpunkte setzen.[14]

FördererBearbeiten

Förderer des Museums sind der Freundeskreis des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte e.V., die Provinzial Stiftung LWL-Landesmuseum, die Stiftung kunst³ sowie die Gesellschaft zur Förderung der westfälischen Kulturarbeit.

FilmeBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: LWL-Museum für Kunst und Kultur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Westfälische Nachrichten: Rückkehr aus dem Exil: Verwaltung bezieht den Neubau des Landesmuseums / Lkw haben 2500 Umzugskartons angeliefert (online), Münster, Münster, Martin Kalitschke, 12. April 2013
  2. a b Westfälische Nachrichten: Bibliothek ist bereits eingerichtet: Neubau des Landesmuseums wird am 20. September eröffnet / 1800 Kunstwerke in 51 Sälen, Münsterischer Anzeiger, Münster, Martin Kalitschke, 31. Januar 2014
  3. a b c lwl.org: Website des Museums: Geschichte des Museums. Abgerufen am 8. Februar 2014
  4. Westfälische Nachrichten: Kapitulation vor einem Kürzel: Das frühere Westfälische Landesmuseum heißt ab sofort „LWL-Museum für Kunst und Kultur“, Kultur, Münster, Johannes Loy, 9. Februar 2013, online
  5. Das Münzkabinett in Münster 1825–1907. Numismatisches Nachrichtenblatt 2000, S. 379–382
  6. Ruhr Nachrichten: Museum gibt Bild an Erbin von NS-Opfer zurück, 25. November 2009
  7. Kulturstiftung der Länder: Schlüsselwerk von Carl Blechen für Münster, 23. April 2010
  8. lwl.org: Pressemitteilung des Museums, 23. April 2010
  9. a b Westfälische Nachrichten: Landesmuseum öffnet seine Pforten: Neubau präsentiert sich am „Schauraum“-Wochenende erstmalig der Öffentlichkeit / Freier Eintritt (online), Münster, Münster, 19. August 2013
  10. Westfälische Nachrichten: Flaggschiff ist bereit zum Stapellauf: Schlüsselübergabe im Landesmuseum, Münsterischer Anzeiger, Münster, Johannes Loy, 31. August 2013
  11. lwl.org: Fast 100.000 Menschen sahen Jubiläumsausstellung im LWL-Landesmuseum, Presse-Infos | Kultur, Münster, lwl, 12. Januar 2009.
  12. lwl.org: Museums-Website: Das Museum
  13. lwl.org: Museums-Website: Programm
  14. lwl.org: Museums-Website: FilmGalerie

Koordinaten: 51° 57′ 43″ N, 7° 37′ 28″ O