Hermann Schaedtler

deutscher Architekt

Hermann Schaedtler (* 28. August 1857 in Benthe; † 28. März 1931 in Hannover) war ein deutscher Architekt, der vorwiegend Bauten im Stil der Neorenaissance entwarf.[1]

LebenBearbeiten

Nach dem Studium von 1874 bis 1880 an der Polytechnischen Schule Hannover unter Conrad Wilhelm Hase war Schaedtler zunächst als Mitarbeiter bei den hannoverschen Architekten Otto Goetze und Edwin Oppler tätig, ehe er sich in Hannover selbständig machte.

Am 28. April 1888 heiratete Schaedtler Emilie Klug[2] (geboren 9. März 1866 Hannover; gestorben nach 1943), nach der auf Antrag ihres Vaters, ebenfalls Architekt, 1885 die Emilienstraße benannt worden war, der heutige Wildermuthweg in der Südstadt von Hannover.[3] Kurz nach der Eheschließung erwarb Schaedtler das Bürgerrecht der Stadt Hannover. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor; am 4. Oktober 1894 die Zwillinge Edith und Paul, am 4. Oktober 1894 die Tochter Margarethe und am 7. Oktober 1902 der Sohn Hermann junior.[2]

Unterdessen hatte Schaedtler 1898 das Haus Arnswaldtstraße 31 bezogen, in dem er auch sein Atelier unterhielt[2] und in dem er bis in sein Todesjahr[1] laut dem Adressbuch der Stadt Hannover für 1931 als Hauseigentümer im zweiten Stockwerk des Gebäudes wohnte.[4]

Laut einer Vereinschronik wurde Schaedtler 1885 in den Hannoverschen Künstlerverein aufgenommen; laut einer in Privatbesitz befindlichen Urkunde wurde die Mitgliedschaft jedoch erst mit Datum vom 9. März 1886 bescheinigt.[2]

Mehrere von Schaedtlers Bauten in Hannover sind erhalten und stehen unter Denkmalschutz.

Schaedtlers Grab befindet sich auf dem Stadtfriedhof Engesohde.[1]

Schaedtler war Mitglied des Corps Saxonia Hannover.

AuszeichnungenBearbeiten

Bauten und Entwürfe (Auswahl)Bearbeiten

 
Das 1897 von Schaedtler und anderen errichtete „Haus der Striehlschen Waisenstiftung“ an der (damaligen) Goseriede 4, mit einer Skulptur von Roland Engelhard
Lichtdruck nach einem Foto von Georg Alpers zum Text von Paul Graef in den Blättern für Architektur und Kunsthandwerk vom 1. Mai 1899
  • 1884/1888–1889 Rittergut Eimbeckhausen, Herrenhaus (Ausbau)
  • 1889–90 Rittergut Wittingen, Herrenhaus
  • 1891–92 Muster-Wirtschaftshof, St. Magnus b. Bremen
  • 1891–92 Rittergut Beyenrode b. Königslutter (Ausbau)
  • 1891–94 Hauptwache der Städtischen Feuerwehr, Goetheplatz, Hannover
  • 1892–93 Rittergut Schwedesdorf in Lauenau, Herrenhaus (Neu- und Umbau)
  • 1893–95 Rittergut Bennigsen, Herrenhaus (Umbau)
  • 1893–97 Neues Palais in Bückeburg
  • 1894–97 Wiederaufbau von Schloss Lütetsburg bei Norden
  • 1894–99 St. Nicolai-Stift in Hannover, Drostestraße 22 (Altersheim)
  • 1894–99 Striehlsche Stiftung in Hannover, Goseriede 4
  • 1895–98 Schloß Aldelebsen bei Göttingen (Neu- und Umbau)
  • 1896 Flußwasserkunst für Hannover (Ausbau des Beginenturmes) (Wettbewerb)
  • 1896–97 Gebäude der Johann-Jobst Wagener’schen Stiftung in Hannover, Theodor-Krüger-Straße (Altersheim)
  • 1896 Wettbewerbsentwurf für den Neubau eines Rathauses in Linden (prämiert mit einem 3. Preis in Höhe von 1000 Mark)[6]
  • 1897 Bank für Niedersachsen in Hannover (Wettbewerbsbeitrag)
  • 1897–98 Gebäude der Ostfriesischen Landschaft in Aurich
  • 1897–98 Gebäude der Ostfriesischen Sparkasse in Aurich
  • 1897–99 Waldwirtschaft Lister Turm in Hannover
  • 1897, 1899 und 1900 Neues Rathaus in Hannover (Wettbewerb)
  • 1897, 1899, 1900 und 1902 Rathaus in Linden bei Hannover (Wettbewerb)
  • 1898 Geschäftshaus der Bremer Baumwollbörse in Bremen (Wettbewerb, prämiert mit dem 2. Preis in Höhe von 2000 Mark)[7]
  • 1898–99 Rittergut Tietenwiese b. Nordstemmen
  • 1899 Villa Wolpers in Hannover, Wilhelmstraße 11 (Um- und Erweiterungsbau)
  • 1899 Kasino des 1. Hannoverschen Infanterie-Regimentes Nr. 74 in Hannover (Ausbau)
  • 1899–1902 Schloss Loburg in Ostbevern
  • 1899–1904 Schloss Darfeld b. Coesfeld
  • 1900 Häuserblock am Kaiser-Wilhelm-Ring in Bremen (Wettbewerb)
  • 1900 Villa Edler in Hannover, Simsonstraße 1
  • 1900–01 Drachentöterhaus mit Georgspassage in Hannover, Georgstraße 10 (mit Karl Hantelmann, ursprünglich Doppelhaus für den Möbelfabrikanten Louis Fuge, nur noch Eingangsfassade erhalten)[8] – denkmalgeschützt
  • 1900–02 Villa Schlange in Hannover, Walderseestraße 5
  • 1900–03 Schloss Assen b. Lipborg (Um- und Ausbau)
  • 1902 Wettbewerbsentwurf (Motto „Stille Wasser“) für eine Feuerbestattungshalle in Bremen (gemeinsam mit Karl Müller, Entwurf angekauft)[9]
  • 1902–04 Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover (Wiederherstellung und Ausbau)
  • 1903 Villa Reinhold in Hannover, Tiergartenstraße 35
  • 1903–04 Schloss Krickenbeck b. Venlo in Nettetal
  • 1903–05 Villa Seligmann für die Familie von Siegmund Seligmann in Hannover, Hohenzollernstraße 39, heute Sitz des Europäischen Zentrums für jüdische Musik
  • 1903–05 Villa von Crayenberg in Hannover, Hohenzollernstraße 34
  • 1904–08 Westfälisches Provinzialmuseum in Münster (Wettbewerb 1902)
  • 1904 Schloss Calbeck b. Goch
  • 1904–05 Schloss Wissen b. Weeze (Neu- und Umbau)
  • 1904–05 Schloss Leye b. Osnabrück (Ausbau)
  • 1904–07 Schloss Eldingen b. Celle
  • 1904/1908 Königsulanenkaserne in Hannover, Schackstraße / Dickensstraße (erhalten sind zwei Wohnhäuser im Neobarock)
  • 1905–07 Kreisständehaus in Weißenfels
  • 1905–07 Kreisständehaus in Hannover, Höltystr. 17 (heute Altes Kreishaus, Region Hannover)
  • 1906 Wettbewerbsentwurf für das Verwaltungsgebäude des Allgemeinen Knappschaftsvereins in Bochum (prämiert mit einem von zwei 1. Preisen in Höhe von 1.500 Mark, nicht ausgeführt)[10]
  • 1906–08 Schloss Ostenwalde b. Melle (Neu- und Ausbau)
  • 1907 Friedhofskapelle, Stadtfriedhof Ricklingen in Hannover
  • 1908 Neue Stadthalle in Hannover (Planung)
  • 1908 Wasserturm in Hannover, Stader Chaussee
  • 1909–10 Villa Thiel in Hannover, Warmbüchenstraße 27 (Um- und Erweiterungsbau)
  • 1910–11 St. Nicolai-Stift in Hannover, Edenstraße (Erweiterung)
  • 1911 Geschäftshaus für den Gewerbeverein in Hannover (Wettbewerb)
  • 1911 Haus Rixförde, Autogarage (Entwurf)
  • 1911–12 Corpshaus des Corps Saxonia Hannover in Hannover, Wilhelm-Busch-Straße 16 – denkmalgeschützt
  • 1911–13 Wasserturm in Hannover, Vahrenwalder Straße 267 (errichtet im Zusammenhang mit dem Wasserwerk Elze, 62 m hoch, einstmals 4.100 Kubikmeter Wasser fassend, nicht mehr in Betrieb) – denkmalgeschützt
  • 1916 Verwaltungsgebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse Hannover in Hannover, Arnswaldtstraße 9 (zusammen mit A. Ziegenhorn, später Haus der Region, abgerissen)
  • 1915 Grabmal für die Familie Reinhold in Hannover, Stadtfriedhof Stöcken[1]
  • 1916 Grabmal Thiel in Hannover, Stadtfriedhof Engesohde
  • 1923 Grabmal für den Bankier Bernhard Caspar (1844–1918) und seine Familie in Hannover, Stadtfriedhof Engesohde[1]
  • 1925 Grabmal für Siegmund Seligmann in Hannover, Stadtfriedhof Engesohde[1]
  • 1929 Grabmal Osan in Hannover, Stadtfriedhof Engesohde
  • 1929 Grabmal Schimmler/Uehre in Hannover, Stadtfriedhof Engesohde

SchriftenBearbeiten

  • Baugeschichte des Palais-Neubaus Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht Hermine, Fürstin Mutter zu Schaumburg-Lippe, Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont in Bückeburg. Hannover 1896 Digitalisat

LiteraturBearbeiten

  • Thieme-Becker, Band 29, S. 548[1]
  • Gabriele Zeitler-Abresch: Das Neue Palais in Bückeburg im Werk des Architekten Hermann Schaedtler. Ein Beitrag zur Villenarchitektur des späten 19. Jahrhunderts. (= Veröffentlichung der Abteilung Architektur des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln, 34.) Köln 1987.
  • Cordula Steffen-Hammes: Die Schlossbauten des Architekten Hermann Schaedtler von 1888-1927. Eine traditionelle Bauaufgabe in ihrer Spätphase. (= Dissertation, vorgelegt der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn) Bonn 1996.
  • Günther Kokkelink und Monika Lemke-Kokkelink: Hannoversche Schule 1850–1900. Schlüter, Hannover 1998 (Biografie, Werke: S. 561).
  • Wolfgang Leonhardt: Biographie des Architekten Hermann Schaedtler. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. 19 (1999), S. 187–192.
  • Wolfgang Leonhardt: 100 Jahre Lister Turm. Bilder und Planungen einer wechselvollen Geschichte. Leuenhagen/ Paris, Hannover 1998, ISBN 3-923976-23-2, S. 113–115 u.ö.
  • Wolfgang Leonhardt: Der Wasserturm an der Vahrenwalder Straße. In: Althannoverscher Volkskalender, Sulingen: Plenge, 2012
  • Helmut Knocke in: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 309 (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche).

WeblinksBearbeiten

Commons: Hermann Schaedtler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Helmut Knocke: Schaedtler, Hermann, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 309
  2. a b c d Cordula Steffen-Hammes: Die Schlossbauten des Architekten Hermann Schaedtler von 1888-1927. Eine traditionelle Bauaufgabe in ihrer Spätphase. (= Dissertation, vorgelegt der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn) Bonn 1996, S. 25; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  3. Helmut Zimmermann: Verschwundene Straßennamen in Hannover, in: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge 48 (1994), S. 355–378; hier: S. 362; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. Adreßbuch der Stadt Hannover zugleich Adreßbuch von Hannover Stadt- und Geschäftshandbuch 1931, Teil 1: Einwohner Hannover, Abteilung Alphabetisches Verzeichnis der Einwohner und Handelsfirmen, S. 422; Digitalisat der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek über die Deutsche Forschungsgemeinschaft
  5. Centralblatt der Bauverwaltung, 18. Jahrgang 1898, Nr. 40 (vom 1. Oktober 1898) (online), S. 477. (Rubrik „Amtliche Mittheilungen“)
  6. Centralblatt der Bauverwaltung 16. Jahrgang 1896, Nr. 47 (vom 21. November 1896) (online), S. 519. (Notiz zum Wettbewerbsergebnis)
  7. Centralblatt der Bauverwaltung, 18. Jahrgang 1898, Nr. 26a (vom 29. Juni 1898) (online), S. 310. (Notiz zum Wettbewerbsergebnis)
  8. Hugo Thielen: Hantelmann, Werner. In: Stadtlexikon Hannover, S. 269.
  9. Zentralblatt der Bauverwaltung, 22. Jahrgang 1902, Nr. 80 (vom 8. Oktober 1902) (online), S. 491. (Notiz zu den angekauften Wettbewerbsentwürfen)
  10. Zentralblatt der Bauverwaltung, 26. Jahrgang 1906, Nr. 94 (vom 21. November 1906) (online), S. 606. (Notiz zum Wettbewerbsergebnis)