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Kurt Barthel

deutscher Schriftsteller, Lyriker, Dramatiker, Dramaturg, Kulturpolitiker
Kuba 1954
Kuba (links) und Stephan Hermlin, 1952

Kurt Walter Barthel (* 8. Juni 1914 in Garnsdorf; † 12. November 1967 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Schriftsteller, Lyriker, Dramatiker und Dramaturg. Bekannt war er unter seinem Pseudonym „Kuba“, das ihm von seinem Förderer Louis Fürnberg empfohlen worden war, um Verwechslungen mit dem NS-nahen Autor Max Barthel auszuschließen.[1]

LebenBearbeiten

Barthel wurde 1914 geboren. Seinen Vater lernte er nie kennen; noch vor Kurts Geburt wurde der Eisenbahnarbeiter von einem Offizier erschossen. 1928 bis 1932 wurde Kurt Barthel in Chemnitz zum Dekorationsmaler ausgebildet. Früh politisch aktiv, gründete er während dieser Zeit in seinem Heimatort Ortsgruppen von Jugendorganisationen wie Sozialistische Arbeiter-Jugend (SAJ) und die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken. 1933 trat er in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein und emigrierte nach der NS-Machtübernahme in die Tschechoslowakei, wo er Louis Fürnberg kennenlernte, der ihm eine "aggressive Intelligenz" attestierte.[2] Auf dessen Anregung hin verfasste er erste Gedichte und Reportagen für Die Rote Fahne, gemeinsam mit ihm arbeitete er in der Laienspielgruppe „Das neue Leben“. Politisch betätigte er sich in der Jugendarbeit der linken Sozialdemokraten und half anderen Emigranten beim illegalen Grenzübertritt. Ab 1937 war er Redakteur der Arbeiter-Illustrierte-Zeitung (A-I-Z) in Prag. 1939 floh er weiter nach Großbritannien. Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt als Land- und Bauarbeiter, schrieb Naturgedichte auf Englisch und wurde Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ). 1940 wurde er als Enemy Alien zeitweilig interniert.[3]

1946 kehrte Barthel nach Deutschland zurück und trat der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) bei. Von 1946 bis 1948 war er Redakteur des Karl Dietz Verlags Berlin und ab 1949 freischaffender Künstler. Er wohnte wie viele Künstler und Wissenschaftler in der sogenannten Intelligenzsiedlung an der Straße 201 in Berlin-Schönholz[4] und hatte dort das Haus neben Erich Weinert, nach dem die Siedlung benannt ist. Von 1956 an bis zu seinem Tod 1967 war er Chefdramaturg am Volkstheater Rostock.

FunktionenBearbeiten

Von 1950 bis 1958 war er mit dem Mandat des Kulturbundes der DDR Abgeordneter in der Volkskammer. 1952 wurde er zudem 1. Sekretär des Deutschen Schriftstellerverbandes und Mitglied im Zentralkomitee der SED. 1953 wurde er ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Künste. Auf dem 6. SED-Parteitag 1963 zählte Barthel zu den Scharfmachern und nannte SED-kritische Kollegen "literarische Schwarzmaler".[5]

Kritisierte TexteBearbeiten

Bekannt sind Barthels Kantate auf Josef Stalin und sein öffentliches „Schämen“ für den Aufstand des 17. Juni.[6] Darin erklärte er die Arbeiter als unreif. Dafür handelte er sich den beißenden Spott von Bertolt Brecht ein, der über Barthel schrieb: „Nach dem Aufstand des 17. Juni ließ der Sekretär des Schriftstellerverbandes in der Stalinallee Flugblätter verteilen, auf denen zu lesen war, daß das Volk das Vertrauen der Regierung verscherzt habe und es nur durch verdoppelte Arbeit zurückerobern könne. Wäre es da nicht einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“[7] Barthel nannte diese Äußerung 1965 „ein wunderbares Bonmot“ und ergänzte vor westdeutschen Zuhörern, „er habe überhaupt keine Lust und keine Ursache, mit (dem 1956 verstorbenen) Bert Brecht hier eine Kontroverse anzufangen“. Lächerlich machte sich Barthel mit seiner Text-Bearbeitung von Giuseppe Verdis Oper Nabucco, wo er den Satz „Bald ist Juda vom Joch des Tyrannen befreit“ mit der Begründung strich, Verdi sei es gar nicht um die „Juden in Babylon“ gegangen, sondern um die „Befreiung“ Südtirols. Mit solchen Äußerungen wurde Barthel im Westen zu einem der meist gehassten DDR-Autoren. Der Literaturhistoriker Hans Mayer beschimpfte Barthel als „eine ungemein widerwärtige Figur“, Alfred Kantorowicz sprach sogar von einem „neuen Horst Wessel“.[8]

TodBearbeiten

Während einer Aufführung der Revolutionsrevue 50 Rote Nelken, mit der das Volkstheater Rostock in einer Veranstaltung der August-Bebel-Gesellschaft gastierte, gab es am 12. November 1967 vor 1100 Zuschauern im Frankfurter Zoo-Gesellschaftshaus „Tumult“ durch „Studenten, von der Polizei als ‚Mao-Anhänger‘ bezeichnet“. Kurt Barthel, schon länger krank, sank zusammen und starb auf dem Weg ins Krankenhaus an Herzstillstand.[9] Er wurde auf dem Neuen Friedhof in Rostock beigesetzt. Nach ihm war in der DDR die Kurt-Barthel-Medaille benannt, eine Auszeichnung für Kulturschaffende.

EhrungenBearbeiten

WerkeBearbeiten

  • Gedicht vom Menschen. 1948.
  • Kantate auf Stalin. 1949.
  • Gedanken im Fluge. 1950 (Reportagen über die Sowjetunion)
  • Gedichte. Eine Auswahl. 1952.
  • Osten erglüht. 1954 (Reportagen über die Volksrepublik China)
  • Klaus Störtebeker. (Dramat. Ballade), 1959.
  • Gedichte. 1961.
  • Brot und Wein. Gedichte, Lieder, Nachdichtungen. 1961.
  • terra incognita. (Dramat. Poem), 1964.
  • Marsch der Dynamosportler, Gedicht. 1983.

Postum veröffentlichte WerkeBearbeiten

  • Wort auf Wort wächst das Lied. Gedichte. 1970.
  • Schlösser und Katen. 1970.
  • Hexen. 1970.
  • Vergeßt mir meine Traudel nicht. Filmerzählungen. 1974.
  • Zack streitet sich mit der ganzen Welt. Erzählungen. 1982.

VerfilmungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Günter Albrecht, Kurt Böttcher, Herbert Greiner-Mai, Paul Günter Krohn: Deutsches Schriftstellerlexikon – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Vierte, ergänzte und bearbeitete Auflage. Volksverlag Weimar, Leipzig 1963, Seiten 385/386.
  • Dieter Schiller: Die politische Lyrik des Dichters Kuba (Kurt Barthel). 1934–1947. Berlin, Humboldt-U., Phil. Fakultät, Diss. vom 3. Nov. 1965. Berlin, 196, 422 gez. Bl.
  • Erhard Scherner: Der Schriftsteller Kuba: zu Grundpositionen seines künstlerischen Schaffens. Berlin 1973 (Berlin, Institut für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED, Diss.)
  • Erhard Scherner: Ich hab den Morgen oftmals kommen sehen ... Zur Poetik des Dichters Kuba. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1975.
  • Louis Fürnberg: Kuba (Kurt Barthel). Werk und Wirkung heute. Untersuchungen zur Aktualität, Standpunkte, Bekenntnisse. Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik. Zusammenstellung und Redaktion: Peter Liebers. Henschelverlag Kunst u. Gesellschaft [in Komm.], Berlin 1976, 202 S. (Arbeitshefte / Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik; 20: Sektion Literatur und Sprachpflege).
  • 30 Jahre DDR – Schriftsteller, die unseren Weg mitbestimmten. Zentralhaus für Kulturarbeit der DDR. Leipzig.
    • Kuba (Kurt Barthel). Herausgegeben anlässlich seines 65. Geburtstages am 8. Juni 1979 (15 S.).
  • Gottfried Hamacher, bei Mitarbeit von André Lohmar: Gegen Hitler – Deutsche in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung „Freies Deutschland“. Kurzbiographien. Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin. Band 53. ISBN 3-320-02941-X (PDF).
  • Leonore Krenzlin, Bernd-Rainer BarthBarthel, Kurt Walter. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Roman Guski, Johanna Jawinsky, Hannelore Rabe: Gedenkstätten für Opfer und Verfolgte des Naziregimes auf dem Neuen Friedhof in Rostock. Herausgegeben von der VVN-BdA Mecklenburg-Vorpommern. Rostock 2011, ISBN 978-300-0350-375.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kurt Barthel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mitteldeutsche Zeitung vom 7. Juni 2004, Kurt Barthel Thälmann, Traudl und Störtebecker [1] abgerufen am 22. März 2019
  2. Mitteldeutsche Zeitung vom 7. Juni 2004, Kurt Barthel Thälmann, Traudl und Störtebecker [2] abgerufen am 22. März 2019
  3. Kurt Barthel in der Datenbank Britain, Enemy Aliens and Internees
  4. Max-Lingner-Stiftung
  5. DDR KUBA – Kaum zu ertragen. Literatur machen ist Parteiarbeit. Kuba. In: Der Spiegel 48/1967, 20. Nov. 1967.
  6. Kuba Wie ich mich schäme (Seite 7) (Memento vom 1. November 2013 im Internet Archive)
  7. DDR KUBA – Kaum zu ertragen. Literatur machen ist Parteiarbeit. Kuba. In: Der Spiegel 48/1967, 20. Nov. 1967.
  8. Mitteldeutsche Zeitung vom 7. Juni 2004, Kurt Barthel Thälmann, Traudl und Störtebecker [3] abgerufen am 22. März 2019
  9. DDR KUBA – Kaum zu ertragen. Literatur machen ist Parteiarbeit. Kuba. In: Der Spiegel 48/1967, 20. Nov. 1967.