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Kunsthalle in Emden

Museum in Emden, Ostfriesland, Deutschland
Entrée der Kunsthalle in Emden, im Mai 2008

Die Kunsthalle in Emden (Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo) ist ein Museum in der Seehafenstadt Emden (Ostfriesland). Es wurde 1986 von Henri Nannen gestiftet. Durch eine Schenkung des Münchner Galeristen und Sammlers Otto van de Loo wurde die Kunstsammlung erweitert, was auch Erweiterungsbauten notwendig machte. Das im ortstypischen Klinker gehaltene Gebäudeensemble wurde vom Architektenpaar Friedrich und Ingeborg Spengelin aus Hannover entworfen. Die Kunsthalle ist Mitglied im Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute, einem Verbund von derzeit 35 national und international angesehenen, selbständigen Kultur- und Forschungsinstituten, die durch eine wertvolle Sammlung in besonderem Maße die Qualität und Vielfalt des kulturellen Deutschland repräsentieren.

Die Kunsthalle verfügt über etwa 1500 Bilder. 650 Kunstwerke hatte Henri Nannen bei der Gründung selbst eingebracht. Allein 368 weitere Bilder sind seit 2001 durch Ankäufe und Schenkungen hinzugekommen.[1]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Planungen für die Kunsthalle begannen 1983. Nannen spendete sein gesamtes, während seines Wirkens als Stern-Chef erarbeitetes Vermögen. Er brachte auch seine eigene umfangreiche Kunstsammlung – Bilder und Skulpturen vor allem aus der Zeit des Expressionismus – in das Haus ein. Nannen hat später in Zeitungsinterviews erklärt, dass er in dieser Zeit oft gefragt worden sei, warum er die Kunsthalle in Emden gebaut habe und nicht in Hamburg, wo er lange Zeit gelebt und gearbeitet hatte. Der Stifter begründete dies sinngemäß damit, dass er in Hamburg nur eine weitere Kunsthalle eröffnen würde, in Emden hingegen das einzige Museum dieser Art. In der Stadt hatte Nannen dabei durchaus auch Skeptiker zu überzeugen. Für sein Lebenswerk, insbesondere aber für die Errichtung der Kunsthalle, ist Nannen später mit der Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt ausgezeichnet worden. Die Kunsthalle ist heute neben dem Ostfriesischen Landesmuseum und der Johannes a Lasco Bibliothek die herausragende kulturelle Einrichtung Emdens.

Am 3. Oktober 1986 wurde die Kunsthalle vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eröffnet, der an dem Haus die menschlichen Dimensionen rühmte. Das Museum hat seinen Sammlungsschwerpunkt auf Bildern der Neuen Sachlichkeit und des deutschen Expressionismus, unter anderem mit Werken von Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Emil Nolde.

Wissenschaftlich wurde die Kunsthalle erst von Thorsten Rodiek, dann bis 2006 von Achim Sommer geleitet, der Direktor des Max Ernst Museum Brühl des LVR wurde. Von 2006 bis 2010 war Nils Ohlsen wissenschaftlicher Leiter. 2010 übernahm Ohlsen die Leitung der Nationalgalerie Oslo. Nachfolger von Ohlsen an der Kunsthalle Emden war seit Oktober 2011 der Kunsthistoriker Frank Schmidt,[2] der Anfang 2016 die Leitung der Museen Böttcherstraße in Bremen übernahm. Seit November 2016 leitet Stefan Borchardt das Haus als Direktor.[3]

Geschäftsführer der Stiftung ist Stefan Borchardt. Zum ersten Mal sind in der Kunsthalle in Emden Geschäftsführung und Wissenschaftliche Leitung damit in einer Person vereint. Der Kunsthistoriker löste Eske Nannen im Februar 2017 ab. Die Frau des ehemaligen Stern-Chefs 1990 hatte die Stiftung seit seinem Tod 1996 geleitet.

Unterstützt wird das Museum durch den gemeinnützigen Verein Freunde der Kunsthalle – Kunstverein in Ostfriesland e.V. Im April 2006 begannen Modernisierungs- und Umbauarbeiten, die zwanzig Monate andauerten. Die neue Kunsthalle wurde am 2. Dezember 2007 mit der Ausstellung „Garten Eden – Der Garten in der Kunst seit 1900“ wiedereröffnet. Der Kunsthalle in Emden ist eine Malschule für Kinder angeschlossen.

2019 wurde das Museum mit dem Museumsgütesiegel des Museumsverbands Niedersachsen und Bremen e.V. ausgezeichnet.[4]

 
Panoramaaufnahme der Kunsthalle in Emden
 
Panoramaaufnahme der Kunsthalle in Emden April 2008

Förderung und FinanzierungBearbeiten

Die Kunsthalle in Emden wird durch das Land Niedersachsen finanziell gefördert. So übernahm das Land 2012 Altschulden in Höhe von 300.000 Euro aus der letzten Bauphase[5]. Zudem beteiligt sich das Land an den Unterhaltskosten der Kunsthalle. Sie erhält seit 2014 einen jährlichen Zuschuss von 850.000 Euro.[6]

Das Vermittlungsprojekt „Auf Augenhöhe“ wurde 2012 mit dem BKM-Preis Kulturelle Bildung ausgezeichnet. Der Verein Freunde der Kunsthalle hat mittlerweile 1154 Mitglieder.[7] 255 von ihnen gehören der Unterabteilung „Junge Freunde der Kunsthalle“ an. 2004 hatten sich die Ludolf Backhuysen-Gesellschaft, die sich ebenfalls der Kunstförderung in der Seehafenstadt verschrieben hatte, und der zum damaligen Zeitpunkt bereits bestehende Verein Freunde der Kunsthalle zusammengetan. Seither firmiert der Verein unter seinem heutigen Namen. Die Freunde der Kunsthalle ermöglichen durch ihren Jahresbeitrag sowie durch weitere Schenkungen den Ankauf von Gemälden. So wurde schon in den 1980er-Jahren ein Werk von Gerhard Richter angeschafft, das heute ein Vielfaches dessen wert ist, was seinerzeit für den Ankauf aufgebracht worden war. Durch die Zuwendungen der Freunde der Kunsthalle werden zudem befristete Stellen beim Personal ebenso bezuschusst wie der Druck von Katalogen.

AusstellungenBearbeiten

 
Franz Marcs Gemälde Die blauen Fohlen aus dem Jahr 1913 gehört zur Sammlung der Kunsthalle. Im Sommer 2013 wurde eine bisher unbekannte Katzenstudie des Künstlers unter diesem Bild gefunden und ab Oktober ausgestellt.[9]

Die bislang erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte der Emder Kunsthalle war eine über den norwegischen Maler Edvard Munch, die 2005 rund 120.000 Besucher anzog. Diese wurde gefolgt von einer Ausstellung über Emil Nolde (1987, 46.000 Besucher) und der Ausstellung Der Akt (2002/2003, 42.000 Besucher). Bislang haben 103 Ausstellungen in der Kunsthalle stattgefunden (Stand: April 2006).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heiner Schröder: Kunsthalle ist reicher geworden, in: Ostfriesen-Zeitung, 19. Februar 2013, abgerufen am selben Datum.
  2. Dr. Frank Schmidt ab 1. 10. wissenschaftlicher Direktor (Memento des Originals vom 13. September 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/kunsthalle-emden.de, abgerufen am 28. Juli 2013.
  3. Rundschau Online: Stefan Borchardt löst Eske Nannen in Emder Kunsthalle ab. Abgerufen am 10. Mai 2017.
  4. Neun Museen mit Gütesiegel ausgezeichnet bei ndr.de vom 6. Februar 2019
  5. Ina Wagner: Land begleicht nun auch die Altschulden der Kunsthalle. In: Emder Zeitung vom 24. Juli 2012. Abgerufen am 10. Mai 2017.
  6. Regina Jerichow: Land sichert Emder Kunsthalle ab. In: Nordwest-Zeitung vom 7. August 2014. Abgerufen am 10. Mai 2017.
  7. Heiner Schröder: Kunsthalle hat immer mehr Freunde, in: Ostfriesen-Zeitung, 26. Februar 2013, abgerufen am selben Tag.
  8. Eine Übersicht sämtlicher Ausstellungen findet sich unter www.kunsthalle-emden.de: Ausstellungsarchiv, abgerufen am 26. Februar 2013.
  9. Unter „Blauen Fohlen“ schlummern zwei Katzen (Memento vom 15. Oktober 2013 im Internet Archive)

Koordinaten: 53° 22′ 11,6″ N, 7° 12′ 11,4″ O