Korbblütler

Familie der Ordnung Asternartige (Asterales)

Die Korbblütler (botanisch Asteraceae oder Compositae), auch Körbchenblütler, Korbblütengewächse, Asterngewächse oder Köpfchenblütler genannt, sind die artenreichste Familie der Ordnung der Asternartigen (Asterales) innerhalb der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida).[1] Etwa 10 % der Arten der Bedecktsamer gehören zu den Asteraceae. Von der Blütenstandsform sind der deutschsprachige Trivialname Korbblütler und der botanische Name Compositae (lat. für ‚Zusammengesetzte‘) abgeleitet.

Korbblütler

Margerite (Leucanthemum vulgare), Asteroideae,
Illustration: (2) zygomorphe Zungenblüte mit drei Kronzipfeln, (3), (4) und (5) radiärsymmetrische Röhrenblüte

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler
Wissenschaftlicher Name
Asteraceae
Bercht. & J.Presl

Die Familie Asteraceae enthält etwa 1600 bis 1700 Gattungen mit 24.000 bis 30.000 Arten und ist weltweit auf allen Kontinenten (außer Antarktika) in allen Klimazonen vertreten.[2]

Vielfalt der Blütenkörbe bei den Asteraceae:
1. Anthemis tinctoria (Asteroideae),
2. Glebionis coronaria (Asteroideae),
3. Coleostephus myconis (Asteroideae),
4. Chrysanthemum spec. (Asteroideae),
5. Sonchus oleraceus (Cichorioideae),
6. Cichorium intybus (Cichorioideae),
7. Gazania rigens (Cichorioideae),
8. Tithonia rotundifolia (Asteroideae),
9. Calendula arvensis (Asteroideae),
10. Leucanthemum vulgare (Asteroideae),
11. Hieracium lachenalii (Cichorioideae),
12. Osteospermum ecklonis (Asteroideae)

BeschreibungBearbeiten

Erscheinungsbild und BlätterBearbeiten

Es gibt überwiegend ein- bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzenarten, aber es gibt auch verholzende Arten: Halbsträucher und Sträucher, selten Lianen oder Bäume. Es gibt monokarpische und polykarpische Arten. Es gibt Arten in fast jedem Habitattyp, nur wenige Arten wachsen als echte Epiphyten oder Wasserpflanzen. Bei einigen Taxa enthalten die Pflanzen Milchsaft.

Die Anordnung der Blätter ist meist wechselständig, selten gegenständig oder quirlständig; sie sind oft zu einer grundständigen Rosette vereinigt. Die gestielten bis sitzenden Laubblätter besitzen selten einfache, oft fiederteilige bis gefiederte Blattspreiten. Sie sind krautig bis ledrig, manchmal sind sie in Dornen umgewandelt. Der Blattrand ist glatt, gewellt, gelappt, gesägt, gezackt oder gezähnt. Es sind meist keine Nebenblätter vorhanden.

BlütenständeBearbeiten

In verschiedenen, unterschiedlich aufgebauten Gesamtblütenständen zusammengefasst stehen auf mehr oder weniger unbeblätterten Blütenstandsschäften die Blütenkörbe oder sie stehen einzeln.

Typisch für diese Familie sind die körbchenförmigen Blütenstände.[3] Die Hüllblätter umgeben die Blütenkörbchen und bilden das Involucrum („Hüllkelch“). Die kegelig verlängerte oder abgeflachte Blütenstandsachse, der Blütenboden, das Blütenlager (Clinanthium, Phoranthium), der einzelnen Blüten, welche zusammen das Blütenkörbchen (Calathium, Anthodium) bilden, ist kahl und glatt oder behaart. Der Körbchenboden kann sitzende, schuppenförmige Tragblätter, die sogenannten Spreublätter (Palea), besitzen.

Ein Blütenkorb enthält je nach Art ein bis tausend Blüten.[3] Die Blüten eines Blütenkorbes entwickeln sich und blühen von außen nach innen auf (zentripetal).

BlütenBearbeiten

Die zwittrigen oder eingeschlechtigen Blüten sind meist fünfzählig. Die Kelchblätter sind teilweise oder ganz reduziert, bei vielen Taxa sind sie zu einem charakteristischen Haarkranz oder seltener zu einem häutigen Saum umgebildet; dieser Flugapparat für die Frucht heißt Pappus. Die Kronblätter sind zu einer Röhre verwachsen. Es ist nur ein Kreis mit drei bis fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Die Staubfäden sind nur kurz. Die Staubbeutel (Antheren) sind zu einer Röhre verwachsen und bilden ein typisches Merkmal der Familie. Zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Je Fruchtknoten ist nur eine basale, epitrope Samenanlage vorhanden.[1] Die Griffel, mit immer zwei Griffelästen, schieben sich durch die Antherenröhre und schieben dabei den Pollen aus der Röhre mit Fegehaaren, die sich an der Außenseite oder der Spitze der Griffel befinden. Erst danach wird die Narbe empfängnisfähig.

Es gibt zwei grundsätzliche Blütenformen in der Familie: radiärsymmetrische Röhrenblüten (Scheibenblüten) und zygomorphe Zungenblüten (Strahlenblüten). Je nach Unterfamilie sind beide Blütenformen zusammen oder nur eine davon vorhanden.

Die Blütenformel lautet   oder  .

 
Achänen mit Pappus von Centaurea cyanus

FrüchteBearbeiten

Je Blüte wird nur maximal eine Achäne gebildet.[1] Die Frucht ist meist eine Sonderform einer Nuss, die Achäne, meist mit einem Pappus, der in Form von Schuppen, Borsten oder Haaren ausgebildet sein kann.

 
Pollenkörner der Sonnenblume (Helianthus annuus). Die meisten Asteraceae werden von Insekten bestäubt; dabei hilft die stachelige Oberfläche, die ihnen Halt gibt.

ChromosomensätzeBearbeiten

Die Chromosomengrundzahlen betragen x = 2 bis 19 oder mehr, vermutlich meist x = 9[1].[4]

ÖkologieBearbeiten

Die Blütenkörbe sehen wie Einzelblüten aus und fungieren auch blütenökologisch als Gesamtheit zur Anlockung von Bestäubern. Es sind also Blumen, in denen viele, kleine Einzelblüten zusammengefasst sind, sie bilden also eine Scheinblüte (Pseudanthium). Am Rand des Blütenkörbchens angeordnete Zungenblüten verstärken oft den Eindruck, dass es sich bei dem Blütenstand um eine einzige Blüte handelt.

SynökologieBearbeiten

Die Bestäubung erfolgt überwiegend durch Insekten oder durch den Wind.

Die Ausbreitungseinheit (Diaspore) ist die Achäne. Die Achänen werden entweder durch den Wind durch die Flughaare oder durch Tiere verbreitet. Zur Tierverbreitung bilden die Involukralblätter z. B. bei der Großen Klette (Arctium lappa) an der Spitze Haken aus, die sich im Fell von Säugetieren oder in der Kleidung von Menschen verhaken, um später an anderer Stelle wieder abzufallen. Dies ist eine spezielle Form der Zoochorie, die man Epizoochorie nennt.

InhaltsstoffeBearbeiten

Viele Arten sind reich an ätherischen Ölen, die sich in sehr charakteristischen Drüsenschuppen befinden. Oft wird als Reservestoff Inulin gebildet.

NutzungBearbeiten

Einzelne Arten der Familie der Asteraceae und besonders ihre Kulturformen werden auf vielfältige Weise genutzt. Hier eine unvollständige Liste mit dem Pflanzenteil, der überwiegend genutzt wird:[5][6]

 
Glänzendblütige Studentenblume, Mexikanische Tarragon (Tagetes lucida)
Als Salat oder Gemüse:
Als Heil- und Gewürzpflanze:
Zur Gewinnung von Pflanzenölen:
Sonstige:
Zierpflanzen:

Eine große Fülle an Arten und ihre Sorten werden als Zierpflanzen in allen Teilen der Welt genutzt. Sie werden in Parks und Gärten gepflanzt oder dienen als Schnitt- und Trockenblumen.

 
Unterfamilie Asteroideae: Sonnenblume (Helianthus annuus)
 
Unterfamilie Barnadesioideae: Chuquiraga oppositifolia
 
Unterfamilie Carduoideae: Kornblume (Centaurea cyanus)
 
Unterfamilie Corymbioideae: Gesamtblütenstand von Corymbium enerve
 
Unterfamilie Dicomoideae: Blütenkorb von Dicoma anomala subsp. anomala
 
Unterfamilie Gymnarrhenoideae: Gymnarrhena micrantha
 
Unterfamilie Hecastocleioideae: Hecastocleis shockleyi

Systematik und VerbreitungBearbeiten

TaxonomieBearbeiten

Die Familie Asteraceae wurde durch Friedrich Graf von Berchtold und Jan Svatopluk Presl in O Prirozenosti Rostlin, obsahugjcj gednanj o ziwobitj rostlin, 1820, 254 aufgestellt.[7] Typusgattung ist Aster L.

Botanische GeschichteBearbeiten

George Bentham gliederte 1873 die Familie Asteraceae in die beiden Unterfamilien Asteroideae sowie Cichorioideae mit 13 Tribus.[2] Molekulargenetische Daten brachten viel Bewegung in die Systematik und ergeben im 21. Jahrhundert ein neues Konzept für die Gliederung der Familie Asteraceae.[2]

Eine wichtige Zusammenfassung der wissenschaftlichen Erkenntnisse der 1990er und 2000er Jahre über die Asteraceae ist: Vicki A. Funk, Alfonso Susanna, Tod F. Stuessy, Randall J. Bayer: Systematics, Evolution and Biogeography of the Compositae, 2009. IAPT (International Association for Plant Taxonomy, Vienna, Austria).

Äußere SystematikBearbeiten

Bei APG IV gehört die Familie Asteraceae zusammen mit den Familien Alseuosmiaceae, Argophyllaceae, Calyceraceae, Campanulaceae, Goodeniaceae, Menyanthaceae, Pentaphragmataceae, Phellinaceae, Rousseaceae, Stylidiaceae zur Ordnung der Asternartigen (Asterales) innerhalb der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida).[1][8]

Innere SystematikBearbeiten

In Europa gehört Asteraceae zu den artenreichsten Pflanzenfamilien. In China gibt es sieben Unterfamilien mit 22 Tribus und etwa 255 Gattungen mit etwa 2336 Arten.[2] Asteraceae ist artenreichste Pflanzenfamilie in Mexiko mit etwa 417 Gattungen sowie 3113 Arten, mehr als 60 % davon kommen nur dort vor.[9]

Die Familie Asteraceae enthält etwa 1600 bis 1700 Gattungen mit 24.000 bis 30.000 Arten.[2] Nach phylogenetischen Erkenntnissen wurden zwölf Unterfamilien eingeführt (Stand 2009), die insgesamt etwa 43 Tribus enthalten.[7] 2015 kam eine weitere Unterfamilie dazu. 2016 gibt es 45 Tribus.[2][3] 2020 kamen zwei weitere Unterfamilien dazu. Damit sind es 16 Unterfamilien mit etwa 50 Tribus (Stand 2020)[10]

Unterfamilie der Familie Asteraceae mit ihren Tribus:[10]

  • Unterfamilie Barnadesioideae (D.Don) Bremer & Jansen: Es ist die basale Gruppe der Familie und die Schwestergruppe zu allen anderen Asteraceae und enthält mit etwa 88 Arten etwa 1 % der Arten der Asteraceae. Sie wurde 1992 aufgestellt und enthält nur eine Tribus:[10]
    • Tribus Barnadesieae D.Don: Sie enthält seit 2020 nur noch sieben Gattungen[11] mit etwa 94 meist verholzenden Arten. Mit einer Verbreitung nur in Südamerika, besonders in den Anden. Die Kronröhre ist zweilippig (Lippe oder Zunge) (eine Lippe/Zunge wird aus vier Kronblättern, die andere aus einem Kronblatt gebildet.):
      • Arnaldoa Cabrera: Die etwa drei Arten kommen in Südamerika vor.
      • Barnadesia Mutis ex L. f.: Sie enthält etwa 19 Arten in Südamerika besonders in den tropischen Anden.
      • Chuquiraga Juss. (Syn.: Johannia Willd.): Sie enthält etwa 22 Arten in den Anden und Patagonien.
      • Dasyphyllum Kunth (Syn.: Flotovia Spreng.): Sie enthält etwa 41 Arten in Chile.
      • Doniophyton Wedd.: Die etwa zwei Arten kommen in Südamerika vor.
      • Duseniella K.Schum.: Sie enthält nur eine Art:
      • Fulcaldea Poir.: Sie enthält nur eine Art:
      • Huarpea Cabrera: Sie enthält nur eine Art:
      • Schlechtendalia Less. (Syn.: Chamissomneia Kuntze): Sie enthält nur eine Art:
  • Unterfamilie Carduoideae Sweet:[2][10] Sie enthält eine bis vier Tribus, 83 Gattungen mit über 2.700 bis 2.864[3] Arten, mit weltweiter Verbreitung, die meisten Arten auf der Nordhalbkugel. Es sind nur Röhrenblüten vorhanden:
  • Unterfamilie Cichorioideae Chev.:[2] Sie enthält etwa 15 % der Arten, in etwa sieben Tribus, 224 Gattungen und 3600 bis 3.994[3] Arten, mit einer weltweiten Verbreitung. Die Blütenstände enthalten bei den in Mitteleuropa vorkommenden Vertretern nur Zungenblüten. Die Zunge wird aus fünf Kronzipfeln gebildet. Sie enthält 2020 nur noch eine Tribus, die anderen Tribus sind in Vernonioideae verschoben:[10]
  • Unterfamilie Corymbioideae Panero & Funk: Sie wurde 2002 aufgestellt und enthält nur eine Tribus:
    • Tribus Corymbieae Panero & V.A.Funk: Sie enthält nur eine Gattung:
  • Unterfamilie Famatinanthoideae S.E.Freire, Ariza & Panero: Sie wurde 2014 aufgestellt und enthält nur eine Tribus:[11][10]
    • Tribus Famatinantheae S.E.Freire, Ariza & Panero: Sie enthält nur eine Gattung:[11][3]
      • Famatinanthus Ariza & S.E.Freire: Sie enthält nur eine Art:[12]
        • Famatinanthus decussatus (Hieron.) Ariza & S.E.Freire (Syn.: Aphyllocladus decussatus Hieron.): Sie wurde 2014 aus der Gattung Aphyllocladus ausgegliedert. Dieser Endemit kommt nur in der Sierra del Famatina einer Nebengebirgskette der Anden in der nordwestlichen argentinischen Provinz La Rioja vor.[12]
  • Unterfamilie Gochnatioideae Panero & Funk:[2] Sie wurde 2002 aufgestellt und enthält nur eine Tribus:[10]
    • Tribus Gochnatieae (Benth. & Hook. f.) Panero & V.A.Funk: Sie wurde 2002 aufgestellt und enthält vier bis fünf Gattungen mit etwa 90 Arten. Der Pappus besteht aus Borsten:
      • Cnicothamnus Griseb.: Sie enthält nur zwei Arten in Bolivien und Argentinien.
      • Cyclolepis Gillies ex D.Don: Sie enthält nur eine Art:
      • Gochnatia Kunth (Syn.: Pentaphorus D.Don): Sie enthält etwa 72 Arten in der Neotropis.
      • Richterago Kuntze: Sie enthält etwa sechs Arten in Brasilien.
  • Unterfamilie Hecastocleioideae Panero & Funk: Sie enthält nur eine Tribus:[10]
    • Tribus Hecastocleideae: Sie enthält nur eine Gattung (monogenerisches Taxon):[3]
      • Hecastocleis A.Gray: Sie enthält nur eine Art:
        • Hecastocleis shockleyi A.Gray: Sie kommt in den südwestlichen USA vor. Das Blütenkörbchen enthält nur eine Blüte und der Pappus besteht aus Schuppen.
  • Unterfamilie Mutisioideae Lindl.:[2] Sie enthält drei bis vier Tribus[10] und 44 Gattungen mit 630 bis 637[3] Arten, hauptsächlich in Südamerika, aber auch in Afrika, Asien und Australien. Die Kronröhre ist zweilippig (Lippe oder Zunge) (eine Lippe/Zunge wird aus zwei, die andere aus drei Kronblättern gebildet.):
  • Unterfamilie Pertyoideae Panero & Funk:[2] Sie enthält nur eine Tribus:[10]
    • Tribus Pertyeae Panero & V.A.Funk:[2] Sie enthält fünf bis sechs Gattungen mit 70 Arten von Afghanistan bis ins östliche Asien. Die Kronröhre ist tief, ungleich geteilt:
      • Ainsliaea DC.:[2] Sie enthält fast 70 Arten vom östlichen Asien bis ins westliche Malesien.
      • Catamixis Thomson: Sie enthält nur eine Art:
      • Diaspananthus Miq.: Sie enthält nur eine Art:
      • Macroclinidium Maxim.: Sie enthält etwa sieben Arten hauptsächlich in Japan.
      • Myripnois Bunge:[2] Sie enthält etwa drei Arten in Indien, Sri Lanka und Südostasien.
      • Pertya Sch.Bip.:[2] Die etwa 23 Arten sind in Afghanistan, Thailand, China sowie Japan verbreitet. In China kommen 17 Arten vor, 16 davon nur dort.
  • Unterfamilie Stifftioideae Panero:[2] Sie wurde 2007 aufgestellt und enthält nur eine oder zwei Tribus:[10]
    • Tribus Stifftieae D.Don:[10] Sie enthält zehn bis elf Gattungen mit etwa 40 Arten in den Anden und im nordöstlichen Südamerika.
    • Tribus Hyalideae Panero:[10] Sie enthält seit 2016 etwa vier Gattungen:[2]
      • Hyalis D.Don ex Hook. & Arn.: Sie enthält nur zwei Arten in Südamerika.
      • Ianthopappus Rogue & D.J.N.Hind: Sie enthält nur eine Art:
      • Leucomeris D.Don: Sie enthält nur eine Art:
      • Nouelia Franch.: Sie enthält nur eine Art:
        • Nouelia insignis Franch.: Sie gedeiht in Höhenlagen von 1000 bis 2900 Metern in den chinesischen Provinzen südwestliches Sichuan sowie Yunnan.
  • Unterfamilie Tarchonanthoideae S.Ortiz: Sie wurde 2020 aufgestellt und enthält zwei Tribus mit nur drei Gattungen. Es sind ausdauernde krautige oder verholzende Pflanzen:[10]
  • Unterfamilie Wunderlichioideae Panero & Funk: Sie wurde 2007 aufgestellt und enthält eine oder zwei Tribus[10] und etwa acht Gattungen sowie 24 Arten im östlichen Südamerika und südwestlichen China:
    • Tribus Wunderlichieae Panero & V.A.Funk: Sie enthält etwa vier Gattungen mit fast 40 Arten in Südamerika:
      • Chimantaea Maguire et al.: Die etwa neun Arten kommen in Venezuela und Guyana vor.
      • Stenopadus S.F.Blake: Sie enthält etwa 14 Arten hauptsächlich auf dem Guayana-Schild.
      • Stomatochaeta (S.F.Blake) Maguire & Wurdack: Die etwa sechs Arten kommen in Venezuela, nördlichen Brasilien und Guyana vor.
      • Wunderlichia Riedel ex Benth. & Hook. f.: Die etwa neun Arten kommen in Brasilien vor.

Stammbaum mit den 13 Unterfamilien der Familie Asteraceae nach Panero & Funk 2002 und 2008 und Panero et al. 2014:[13][14][11][3] Die zwei neuen Unterfamilien aus Susanna et al. 2020 fehlen noch im folgenden Kladogramm.[10]

 Asteraceae 

Barnadesioideae


   

Famatinanthoideae


   

Mutisioideae


   

Stifftioideae


  

Wunderlichioideae


   

Gochnatioideae


   

Hecastocleidoideae


   

Carduoideae


   

Pertyoideae


   

Gymnarrhenoideae


  

Cichorioideae


   

Corymbioideae


  

Asteroideae










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Evolutions- und EntwicklungsgeschichteBearbeiten

Es wird angenommen, dass die Familie Asteraceae sich vor etwa 83 Millionen Jahren entwickelte.[1][3] Die meisten der Unterfamilien trennten sich vor der KreidePaläozän-Grenze voneinander.[3]

Fossilfunde der Asteraceae sind meist Pollenablagerungen und Früchte. Aus dem Eozän gibt es nur wenige Pollennachweise, aber ab dem Oligozän und Miozän sind die Pollen der Asteraceae häufig. Die Wichtigkeit der Familie in den Ökosystemen der Erde nimmt vom Mittleren Oligozän bis heute zu.

Seit den 1990er Jahren nutzte man die Fossilfunde der Pollen und molekulargenetische Untersuchungen (an ndhF und rbcL Genen), um den Ursprung der Asteraceae aufzudecken. Bremer and Gustafsson 1997 oder Kim et al. 2005 schlossen, dass der Ursprung vor mindestens 38 Mio. Jahren liegt, vermutlich im Mittleren Eozän (vor 42 bis 47 Mio. Jahren).[1][14]

Die rezente Verbreitung der am nächsten verwandten Familien Goodeniaceae und Calyceraceae und der basal und isoliert stehenden Unterfamilie Barnadesioideae lassen vermuten, dass der Ursprung der Familie auf Gondwana in Gebieten der Kontinente Südamerika, Antarktika und Australien lag.[15]

Die Abstammungsgruppe der Asteraceae waren wohl verholzende Pflanzen mit wechselständigen Laubblättern, einzelnstehende körbchenförmigen Blütenständen, Blütenstandsböden ohne Spreublätter, glatte Griffel, weißen bis gelben Blütenkronen und es erfolgte Insektenbestäubung.[11] Kurz nachdem sich die Asteraceae von Südamerika ausgehend in andere Gebiete ausbreiteten entwickelten sich verholzende Pflanzen, Blütenstände mit mehreren Blütenkörben, flaumig behaarte Griffel und auch andere Pollenkornoberflächen.[11]

Die Asteraceae und Calyceraceae haben gemeinsame paläotetraploide Vorfahren. Die meisten Asteraceae Nachkommen aus einer Paläohexaploidie.[16]

QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jose L. Panero, Vicki A. Funk: Toward a phylogenetic subfamilial classification for the Compositae (Asteraceae). In: Proceedings of the Biological Society of Washington, Volume 115, 2002, S. 909–922. eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  • Theodore M. Barkley, Luc Brouillet, John L. Strother: Asteraceae.: textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 19, 20 und 21: Magnoliophyta: Asteridae, part 7: Asteraceae, in drei Teilen. Oxford University Press, New York und Oxford, 2006. (Abschnitte Systematik und Beschreibung)
  • Jose L. Panero, Vicki A. Funk: The value of sampling anomalous taxa in phylogenetic studies: major Klades of the Asteraceae revealed. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 47, 2008, S. 757–782: PDF. doi:10.1016/j.ympev.2008.02.011
  • Vicki A. Funk, Alfonso Susanna, Tod F. Stuessy, Randall J. Bayer: Systematics, Evolution and Biogeography of the Compositae, 2009. IAPT (International Association for Plant Taxonomy, Vienna, Austria), ISBN 978-3-9501754-3-1. (Abschnitte Systematik und Beschreibung)
  • J. Mauricio Bonifacino, Vicki A. Funk: Compositae Classification: Revisited, reevaluated, reeverythinged: Compositae-Metatree-Poster. (PDF-Datei; 2,96 MB)
  • China Phylogeny Consortium: Zhi-Xi Fu, Bo-Han Jiao, Bao Nie, Guo-Jin Zhang, Tian-Gang Gao: A comprehensive generic‐level phylogeny of the sunflower family: Implications for the systematics of Chinese Asteraceae. In: Journal of Systematics and Evolution, Volume 54 Issue 4, 2016, S. 416-437. doi:10.1111/jse.12216
  • Michael S. Barker, Zheng Li, Thomas I. Kidder, Chris R. Reardon, Zhao Lai, Luiz O. Oliveira, Moira Scascitelli, Loren H. Rieseberg: Most Compositae (Asteraceae) are descendants of a paleohexaploid and all share a paleotetraploid ancestor with the Calyceraceae. In: American Journal of Botany, Volume 103, Issue 7, 2016, S. 1203–1211. doi:10.3732/ajb.1600113
  • Jennifer R. Mandel, Rebecca B. Dikow, Carolina M. Siniscalchi, Ramhari Thapa, Linda E. Watson, Vicki A. Funk: A fully resolved backbone phylogeny reveals numerous dispersals and explosive diversifications throughout the history of Asteraceae. In: Proceedings of the National Academy of Sciences, Volume 116, Issue 28, 2019, S. 14083–14088. doi:10.1073/pnas.1903871116
  • Katy E. Jones, Tomáš Fér, Roswitha E. Schmickl, Rebecca B. Dikow, Vicki A. Funk, Sonia Herrando‐Moraira, Paul R. Johnston, Norbert Kilian, Carolina M. Siniscalchi, Alfonso Susanna, Marek Slovák, Ramhari Thapa, Linda E. Watson, Jennifer R. Mandel: An empirical assessment of a single family‐wide hybrid capture locus set at multiple evolutionary timescales in Asteraceae. In: Applications in Plant Sciences, Volume 7, Issue 10, 2019. doi:10.1002/aps3.11295
  • Linda E. Watson, Carolina M. Siniscalchi, Jennifer Mandel: Phylogenomics of the hyperdiverse daisy tribes: Anthemideae, Astereae, Calenduleae, Gnaphalieae, and Senecioneae. In: Journal of Systematics and Evolution, Volume 58, Issue 6, 2020, S. 841–852. doi:10.1111/jse.12698
  • Patricia Rivera, José Luis Villaseñor, Teresa Terrazas, José L. Panero: The importance of the Mexican taxa of Asteraceae in the family phylogeny. In: Journal of Systematics and Evolution, Volume 59, Issue 5, 2020, S. 935–952. doi:10.1111/jse.12681
  • Alfonso Susanna, Bruce G. Baldwin, Randall J. Bayer, José Mauricio Bonifacino, Núria Garcia-Jacas, S. C. Keeley, Jennifer R. Mandel, Harold Robinson, Tod F. Stuessy: The classification of the Compositae: a tribute to Vicki Ann Funk (1947-2019). In: Taxon, Volume 69, Juli 2020, S. 807–814. doi:10.1002/tax.12235 online.
  • Linda E. Watson, Carolina M. Siniscalchi, Jennifer Mandel: Phylogenomics of the hyperdiverse daisy tribes: Anthemideae, Astereae, Calenduleae, Gnaphalieae, and Senecioneae. In: Journal of Systematicsand Evolution, Volume 58, Issue 6, Oktober 2020, S. 841–852. doi:10.1111/jse.12698
  • Caifei Zhang, Chien‐Hsun Huang, Mian Liu, Yi Hu, Jose L. Panero, Federico Luebert, Tiangang Gao, Hong Ma: Phylotranscriptomic insights into Asteraceae diversity, polyploidy, and morphological innovation. In: Journal of Integrative Plant Biology, Volume 63, Issue 7, 2021, S. 1273–1293. doi:10.1111/jipb.13078

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Die Familie der Asteraceae Berchtold & J. Presl nom. cons. / Compositae Giseke nom. cons. bei der APWebsite.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az China Phylogeny Consortium: Zhi-Xi Fu, Bo-Han Jiao, Bao Nie, Guo-Jin Zhang, Tian-Gang Gao: A comprehensive generic‐level phylogeny of the sunflower family: Implications for the systematics of Chinese Asteraceae. In: Journal of Systematics and Evolution, Volume 54, Issue 4, 2016, S. 416-437. doi:10.1111/jse.12216
  3. a b c d e f g h i j k l Caifei Zhang, Chien‐Hsun Huang, Mian Liu, Yi Hu, Jose L. Panero, Federico Luebert, Tiangang Gao, Hong Ma: Phylotranscriptomic insights into Asteraceae diversity, polyploidy, and morphological innovation. In: Journal of Integrative Plant Biology, Volume 63, Issue 7, 2021, S. 1273–1293. doi:10.1111/jipb.13078
  4. Die Familie der Compositae Giseke = Asteraceae Dum. bei L. Watson & M. J. Dallwitz: DELTA.
  5. Nutzpflanzen der Asteraceae, S. 25, in Kleine Nutzpflanzensystematik (Praktikum) von Christoph Reisdorff & Reinhard Lieberei, Universität Hamburg – Biozentrum Klein Flottbek. (Memento vom 1. Februar 2012 im Internet Archive) (PDF-Datei; 229 kB)
  6. Jose L. Panero: Economically Important Sunflowers.
  7. a b Asteraceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  8. The Angiosperm Phylogeny Group: An update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG IV. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Volume 181, Issue 1, 2016, S. 1–20. doi:10.1111/boj.12385
  9. Patricia Rivera, José Luis Villaseñor, Teresa Terrazas, José L. Panero: The importance of the Mexican taxa of Asteraceae in the family phylogeny. In: Journal of Systematics and Evolution, Volume 59, Issue 5, 2020, S. 935–952. doi:10.1111/jse.12681
  10. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh bi bj Alfonso Susanna, Bruce G. Baldwin, Randall J. Bayer, José Mauricio Bonifacino, Núria Garcia-Jacas, S. C. Keeley, Jennifer R. Mandel, Harold Robinson, Tod F. Stuessy: The classification of the Compositae: a tribute to Vicki Ann Funk (1947-2019). In: Taxon, Volume 69, Juli 2020, S. 807–814. doi:10.1002/tax.12235 online.
  11. a b c d e f Jose L. Panero, Susana E. Freire, Luis Ariza Espinar, S. Bonnie Crozier, Gloria E. Barboza, Juan J. Cantero: Resolution of deep nodes yields an improved backbone phylogeny and a new basal lineage to study early evolution of Asteraceae. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 80, Issue 1, 2014, S. 43–53. doi:10.1016/j.ympev.2014.07.012
  12. a b Susana E. Freire, Gloria E. Barboza, Juan J. Cantero, Luis Ariza Espinar: Famatinanthus, a new Andean genus segregated from Aphyllocladus (Asteraceae). In: Systematic Botany, Volume 39, Issue 1, 2014, S. 349–360. doi:10.1600/036364414X678062
  13. Jose L. Panero, Vicki A. Funk: Toward a phylogenetic subfamilial classification for the Compositae (Asteraceae). In: Proceedings of the Biological Society of Washington, Volume 115, 2002, S. 909–922. eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  14. a b Jose L. Panero, Bonnie S. Crozier, 2008: Eintrag beim Tree of Life Projekt.
  15. M. L. DeVore, T. F. Stuessy: The place and time of origin of the Asteraceae with additional comments on the Calyceraceae and Goodeniaceae. In: D. J. N. Hind et al. (Hrsg.): Advances in Compositae Systematics, 1995, S. 23–40.
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