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Inulin ist ein Gemisch von Polysacchariden aus Fructosebausteinen mit einer Kettenlänge von bis zu 100 Monomeren und einem endständigen Glucoserest. Es zählt zu den Fructanen.

Strukturformel
Strukturformel von Inulin
n = etwa 35
Allgemeines
Name Inulin
Andere Namen
  • Alantstärke
  • Alantin
  • Dahlin
  • Polyfructose
Summenformel C6nH10n+2O5n+1
Kurzbeschreibung

weißer, kristalliner Feststoff[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 9005-80-5
EG-Nummer 232-684-3
ECHA-InfoCard 100.029.701
Wikidata Q201552
Arzneistoffangaben
ATC-Code

V04CH01

Eigenschaften
Molare Masse variiert mit der Kettenlänge des Polymers
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

178–181 °C[1]

Löslichkeit

löslich in heißem Wasser,[2] gering löslich in organischen Lösungsmitteln[3]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Vorkommen und EntdeckungBearbeiten

 
Gelber Blütenstand eines Topinambur (Helianthus tuberosus)
 
Topinambur-Knollen, aus ihnen wird Inulin hergestellt
 
frische Yaconwurzeln enthalten Inulin

Viele Pflanzen lagern Inulin als Reservestoff ein, insbesondere Arten der Korbblütler und Doldenblütler. Beispiele dafür sind Yacon, Topinambur, Chicorée, Dahlie, Artischocke, Gewöhnlicher Löwenzahn, Schwarzwurzeln, Gemeine Wegwarte, und Pastinake. Inulin wurde 1807 von Valentin Rose dem Jüngeren in der Alantenwurzel (Inula helénium L.) entdeckt.

VerwendungBearbeiten

In der ErnährungBearbeiten

Inulin ist heutzutage oft Zutat in der Lebensmittelherstellung, beispielsweise in Joghurt als Fettersatz und um den Geschmack, die Textur und das Mundgefühl zu verbessern. In Wurstwaren dient es dazu, den Ballaststoffanteil zu erhöhen.[4][5] Inulin gehört zu den präbiotischen Nahrungszusatzstoffen. Es dient weiterhin als Grundstoff zur hydrolytischen Herstellung von Fructose und Oligofructose.[6]

Inulin kann von Bifidobakterien als Energiequelle verstoffwechselt werden. Damit kann Inulinaufnahme zur selektiven Anreicherung von Bifidobakterien im menschlichen Darm genutzt werden.[7] Die übermäßige Einnahme kann bei empfindlichen Menschen jedoch zu Blähungen und Durchfall führen.[8]

In geringerer Menge spielt Inulin in der Tierernährung eine Rolle als Zusatzstoff.

In der MedizinBearbeiten

Niedermolekulares Inulin ist in warmem Wasser löslich. Es wird in der physiologischen Forschung zur Bestimmung des extrazellulären Raums eingesetzt, da es leicht in das Interstitium eindringt, nicht jedoch in die Zellen. Die Messung der Inulin-Clearance kann man (statt der üblichen Kreatinin-Clearance) zur exakteren Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) der Nieren benutzen. Dies ist deshalb möglich, weil Inulin im Glomerulum vollständig filtriert wird, im Tubulus-System aber weder sezerniert noch reabsorbiert wird.

Inulin kann in der Therapie der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) als Stärkeersatz dienen, da es den Blutzuckerspiegel nicht beeinflusst. Inulin wird im Dünndarm nicht resorbiert, da dem Menschen das abbauende Enzym (Inulinase) fehlt. Stattdessen wird es im Enddarm durch Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren umgebaut. Die dabei gebildeten Gase können bei empfindlichen Menschen zu Flatulenzen führen – der einzigen bekannten Nebenwirkung beim Verzehr inulinhaltiger Pflanzenteile.[9][10] Die u. a. entstehenden Propionate können außerdem als natürlicher Appetitzügler wirken.[11]

Ausgangsstoff für andere VerbindungenBearbeiten

Beim Rösten von Zichorienwurzeln zur Herstellung von Ersatzkaffee wird Inulin teilweise zu Oxymethylfurfurol umgewandelt, das für das kaffeeähnliche Aroma sorgt.[12]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Datenblatt Inulin bei AlfaAesar, abgerufen am 13. Februar 2013 (PDF) (JavaScript erforderlich)..
  2. Datenblatt Inulin bei Acros, abgerufen am 22. November 2007.
  3. The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals. 14. Auflage. Merck & Co., Whitehouse Station, NJ, USA 2006, ISBN 0-911910-00-X, S. 870#.
  4. Artikel zu Fettreduzierten Wurstwaren in www.foodaktuell.ch (Memento des Originals vom 16. September 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.foodaktuell.ch
  5. Beispiel einer Geflügel-Pastete (Memento des Originals vom 18. April 2010 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.boerner-eisenacher.de
  6. Stellungnahme zu Fructooligosacchariden und Inulin, Lebensmittelchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh
  7. Glenn R. Gibson, Emily R. Beatty, Xin Wang, John H. Cummings: Selective stimulation of bifidobacteria in the human colon by oligofructose and inulin. In: Gastroenterology. 108, Nr. 4, 1995, S. 975–982. doi:10.1016/0016-5085(95)90192-2.
  8. Ernährungsberatung Rheinland-Pfalz: Vergessene Gemüse: Schwarzwurzeln. Zuletzt besucht am 29. Januar 2018.
  9. A. Pedersen, B. Sandström, J. M. Van Amelsvoort: The effect of ingestion of inulin on blood lipids and gastrointestinal symptoms in healthy females. In: Br J Nutr. 78(2), Aug 1997, S. 215–222. PMID 9301412.
  10. L. Sobotka, M. Brátova, M. Slemrová, J. Manák, J. Vizd'a, Z. Zadák: Inulin as the soluble fiber in liquid enteral nutrition. In: Nutrition. 13(1), Jan 1997, S. 21–25. PMID 9058443.
  11. Harald Frater: scinexx – Hilfe gegen Heißhungerattacken: Ein Abbauprodukt von Ballaststoffen hemmt die Lust aufs Schlemmen. In: scinexx.de. 5. Juli 2016, abgerufen am 5. Juli 2016.
  12. Ben-Erik van Wyk: Food Plants of the World. Timber Press, 2006, ISBN 0-88192-743-0, S. 134.
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