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Aufbau einer Röhrenblüte:
A. Fruchtknoten
B. Blütenkronröhre
C. Verwachsene Antherenröhre
D. Zweiästiger Stempel

Als Röhrenblüten (auch Scheibenblüten) bezeichnet man die meistens radiären, aktinomorphen Einzelblüten von Korbblütlern (Asteraceae), die in den scheinblütigen Blütenkörbchen meistens vorkommen. Bei manchen, wenigen Taxa sind die randlichen Röhrenblüten mehr oder weniger zygomorph und vergrößert.[1]

Der Kelch ist zum Pappus umgebildet, er besteht aus Borsten, Haaren oder Schuppen oder kann auch ganz reduziert sein. Die drei oder fünf verwachsenen Kronblätter haben in der Regel nur kurze Kronblattzipfel, während die Kronröhre lang und schmal ist, wodurch sie insgesamt eine lang röhrige Form aufweisen. Der Fruchtknoten ist unterständig, einkammerig und besteht aus zwei Fruchtblättern mit einer Samenanlage und basaler Plazentation. Die drei bis fünf Staubblätter sind an den Antheren verwachsen, durch welche der zweiästige, -narbige Griffel hindurchwächst. Die meistens freien Staubfäden sind an Basis mit der Krone verwachsen und bilden einen Stamen-Corollentubus. Es können oft reduziert Deckblätter (Spreuschuppen, Palea) vorhanden sein. Es werden Achänen (Cypselas) oder sehr selten Steinfrüchte (Chrysanthemoides) gebildet.

Die meistens zwittrigen Blüten stehen häufig dicht in der Mitte des Blütenkorbs und am Rand die Zungenblüten. Sie sind normalerweise protandrisch (vormännlich), der Griffel schiebt sich durch die Antherenröhre und schiebt dabei den Pollen mit „Fegehaaren“ heraus, die sich an der Außenseite oder der Spitze des Griffels befinden (sekundäre Pollenpräsentation). Erst danach ist die Narbe empfängnisfähig. Röhrenblüten sind in der Regel fruchtbar (fertil), während die meistens umgebenden, größeren Zungenblüten häufig nur Lockfunktion haben und unfruchtbar (steril oder neutral) sind. Wie bei vielen Vertretern der Unterfamilie der Asteroideae. Die Blüten können auch nur weiblich oder nur männlich sein. Auch eine zweilippige Ausbildung ist selten möglich, bilabiat oder pseudobilabiat; mit einer drei- oder vierlappige Oberlippe und ein oder zwei kleinen Unterlappen, wie im Tribus der Mutisieae oder in der Unterfamilie der Barnadesioideae und bei den Pectis.

Bei der Unterfamilie Carduoideae bestehen die Körbchen nur aus Röhrenblüten. Bei der Unterfamilie der Cichorioideae und einigen Asteroideae enthalten die Blütenkörbchen ausschließlich Zungenblüten.

Auch einige Vertreter der Familien der Nachtschattengewächse, Primelgewächse und Enziangewächse besitzen zu einer Röhre verwachsene Kronblätter, so dass auch ihre Blüten gelegentlich als Röhrenblüten bezeichnet werden.

LiteraturBearbeiten

  • Peter H. Raven, Ray F. Evert, Helena Curtis: Biologie der Pflanzen. Walter de Gruyter, Berlin 1985, ISBN 3-11-007446-X, S. 412.
  • Peter Sitte, Hubert Ziegler, Friedrich Ehrendorfer, Andreas Bresinsky: Strasburger, Lehrbuch der Botanik. Gustav Fischer, Stuttgart, Jena, New York 1991, ISBN 3-437-20447-5, S. 808.
  • Asteraceae (PDF), bei Plantz Africa - SANBI, abgerufen am 1. Juni 2018.
  • Nádia Roque, David J. Keil, Alfonso Susanna: Illustrated glossary of Compositae. 2009, in: V. A. Funk u.  a.: Systematics, evolution, and biogeography of Compositae. International Association for Plant Taxonomy, University of Vienna, 2009, ISBN 978-3-9501754-3-1, Appendix A, online (PDF) auf researchgate.net, abgerufen am 1. Juni 2018.
  • James W. Byng: The Flowering Plants Handbook. Plant Gateway, 2014, ISBN 978-0-9929993-0-8, S. 501.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Blütenstände auf uni-marburg.de, abgerufen am 21. Juni 2018.