Konflikt in Nordwest-Pakistan

Krieg

Der Konflikt in Nordwest-Pakistan ist ein bewaffneter Konflikt zwischen der Armee Pakistans und Islamisten, darunter den Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP).[14][15] Er begann 2004, als Spannungen eskalierten, die in der Suche nach al-Qaida-Mitgliedern in Wasiristan durch die pakistanische Armee begründet waren.

Konflikt in Nordwest-Pakistan

Situation 2016
Unter Kontrolle von:
  • Regierung und Verbündete
  • Taliban, al-Qaida und Verbündete
  • Datum 16. März 2004 bis heute
    Ort Khyber Pakhtunkhwa bzw. Stammesgebiete unter Bundesverwaltung
    Ausgang andauernd
    Konfliktparteien

    Pakistan
    Vereinigte Staaten
    Vereinigtes Königreich[1]

    Tehrik-i-Taliban Pakistan (seit 2007)
    al-Qaida
    Lashkar-e-Jhangvi
    Lashkar-e-Islam
    Jundallah (bis 2014)
    Islamische Bewegung Usbekistan (bis 2015)[2]
    Jamaat-ul-Ahrar[3]
    Tehreek-e-Nafaz-e-Shariat-e-Mohammadi (bis 2016)
    Islamische Turkestan-Partei
    Islamischer Staat

    Befehlshaber

    Präsident Arif Alvi
    Premierminister Imran Khan
    Militärgeneral Nadeem Raza
    Armee-Stabschef Qamar Javed Bajwa
    Faiz Hameed (Geheimdienst)
    Außenminister Shah Mehmood Qureshi
    Innenminister Ijaz Ahmed Shah
    Mujahid Anwar Khan (Luftwaffe)
    Amjad Khan Niazi (Marine)
    Shah Farman (Gouverneur der Provinz)
    Mahmood Khan (Ministerpräsident der Provinz)
    Joe Biden (Präsident USA)
    Boris Johnson (Premierminister UK)

    Abdul Aziz Ghazi (TTP)
    Mangal Bagh (TTP)
    Adnan Rashid (TTP)
    Hafiz Gul Bahadur (TTP)
    Aiman az-Zawahiri (al-Qaida)
    Abi Ibrahim al-Haschimi al-Kuraschi (IS)
    Mirzazhanov Atoyevich (IBU)

    Truppenstärke
    140.000 pakistanische Soldaten[4] 25.000 TTP-Milizionäre[5]
    2.000 Lashkar-e-Islam-Milizionäre[6]
    1.000 TNSM-Milizionäre[7]
    300-3.000 al-Qaida-Milizionäre[8]
    12.000+ (Jundallah)
    500-1.000 (IBU)[9]
    Verluste

    4.631 Sicherheitskräfte
    8.214 Sicherheitskräfte (bis Mitte 2016)[10]
    15 US-Soldaten[11]

    29.398–31.000[12][13]

    9.934–22.100 tote Zivilisten
  • Stammesgebiete Pakistans, einschließlich Süd- und Nord-Wasiristans
  • Chaibar Pachtunchwa (ehemals Nordwestliche Grenzprovinz, NWFP)
  • VorgeschichteBearbeiten

    Nachdem das Regime der Taliban in Afghanistan im Jahr 2001 durch einen US-geführten Militäreinsatz gestürzt worden war, etablierten sich aus Afghanistan geflohene Taliban in den nordwestlichen Regionen Pakistans. Dort gewannen sie zunächst die Kontrolle über Gebiete innerhalb der Stammesgebiete unter Bundesverwaltung (FATA), eines pakistanischen Sonderterritoriums, das mehrheitlich von Paschtunen bewohnt wird. Diese Region, die sich insbesondere durch eine schwache Kontrolle durch die Zentralregierung auszeichnete, hatten die Taliban schon früher als Rückzugsgebiet genutzt. Von den Stammesgebieten griffen die Taliban auf die Nordwestliche Grenzprovinz (NWFP) und nach Belutschistan aus. Der damalige Präsident Pervez Musharraf versuchte ab 2001 im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Terror, die Taliban an der Festsetzung im Nordwesten Pakistans zu hindern.[16][17]

    Ausbruch des KonfliktsBearbeiten

    Zu Beginn des Jahres 2004 entsandte die pakistanische Zentralregierung 80.000 Soldaten in die Stammesgebiete. Dort kam es, vornehmlich in Süd- und Nord-Wasiristan, zu Zusammenstößen zwischen den pakistanischen Truppen und den Taliban sowie anderen Kämpfern, denen sich jeweils örtliche Clans anschlossen. In diesem Konflikt starben bis 2006 mehrere hundert pakistanische Soldaten. Aufgrund einer Initiative des Gouverneurs der NWFP, Ali Muhammad Orakzai, wurde zu diesem Zeitpunkt eine Jirga einberufen, von der eine Beendigung der Kampfhandlungen erhofft wurde. Als Resultat dieser Versammlung schloss die pakistanische Regierung mit den Stämmen Nord-Wasiristans am 5. September 2006 das Abkommen von Miranshah. Kernpunkte waren ein Rückzug der pakistanischen Armee aus den Stammesgebieten sowie die Einstellung der Kampfhandlungen durch die pakistanischen Streitkräfte. Stattdessen sollten fortan Stammesangehörige die Regierungstruppen ersetzen und für den Schutz der örtlichen Behörden sorgen.

    Das Abkommen von Miranshah am 5. September 2006 beendete die Auseinandersetzungen zwischen der pakistanischen Regierung und der Mehrzahl der lokalen Stämme. Es wurde jedoch kritisiert, dass hierdurch der Einfluss der Taliban eher gefördert als aufgehalten werde. Die Taliban ermordeten in der Folgezeit mehrere Stammesführer, die das Abkommen mit unterzeichnet hatten, und setzten ihre Expansion fort. Im Jahr 2007 warben die Taliban offen neue Mitglieder in Koranschulen und versuchten, durch Angriffe auf Schulbehörden deren Kooperation zu erzwingen. Auch verübten die Taliban Anschläge gegen Einrichtungen, die nicht mit ihrem Weltbild zu vereinbaren waren, wie z. B. Musik- und Videoläden oder Modegeschäfte. Zudem gingen die Taliban gegen Kriminelle und auch Behörden vor. Zu dieser Zeit nahmen sie vermehrt Geiseln unter den Polizeikräften der Region, um dadurch inhaftierte Mitkämpfer freizutauschen. Im Dezember 2007 schlossen sich die verschiedenen islamistischen und Taliban-Gruppierungen zur "Tehrik-i-Taliban Pakistan" (TTP), der Taliban-Bewegung in Pakistan, zusammen. Anführer dieser Organisation wurde der Islamist und Stammesführer Baitullah Mehsud. Laut dem Harvard-Wissenschaftler Hassan Abbas bestanden die Ziele Mehsuds darin, die Scharia in Pakistan einzuführen, den Kampf gegen die NATO in Afghanistan weiterzuführen sowie eine Art "Verteidigungsdschihad" gegen die pakistanische Armee und eine kompromisslose Linie gegenüber der pakistanischen Regierung. Abbas schätzte, dass Mehsud etwa 5000 Mann unter seinem Kommando hatte.[18]

    Bisher konnte das pakistanische Militär fast jede Schlacht gegen die Kämpfer gewinnen. Die Militanz bleibt jedoch immer noch in verschiedenen Teilen der Nordwestlichen Grenzprovinz stark. 2008 wurde das Militär Pakistans und das Grenzkorps von Großbritannien und den USA in der Aufstandsbekämpfung ausgebildet.[19] Als Mehsud Anfang August 2009 bei einem US-Drohnenangriff starb, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen um seine Nachfolge, aus denen Hakimullah Mehsud als neuer Anführer der Taliban hervorging.

    OpferBearbeiten

    Bis 2011 starben in dem Konflikt etwa 3.097 Soldaten, 721 erlitten dauerhafte Behinderungen.[20] Laut dem South Asia Terrorism Portal kamen zwischen 2000 und 2019 im Terror in Pakistan 63.872 Menschen ums Leben, darunter mindestens 34.106 Terroristen, 7.118 Sicherheitskräfte und mehr als 22.648 Zivilisten.[21] Von 2004 bis 2018 gab es in Pakistan 12.853 Terroranschläge.[22]

     
    Tote durch Terrorangriffe in Pakistan von 2000 bis 2018

    Siehe auchBearbeiten

    WeblinksBearbeiten

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. UK support for US drones in Pakistan may be war crime, court is told. In: The Guardian. 23. Oktober 2012, abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
    2. Uzbek militants in Afghanistan pledge allegiance to ISIS in beheading video. In: Khaama Press. 31. März 2015, abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
    3. Pakistani splinter group rejoins Taliban amid fears of isolation. In: Reuters. 12. März 2015, abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
    4. Pentagon chief defends arms sales to India, Pakistan. In: Los Angeles Times. 23. Januar 2010, abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
    5. Pakistan army eyes Taliban talks with unease. In: British Broadcasting Corporation. 25. April 2014, abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
    6. A Profile of Mangal Bagh
    7. Pak Taliban claims to be using Afghan soil. Abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
    8. Al-Qaeda map: Isis, Boko Haram and other affiliates' strongholds across Africa and Asia. In: The Telegraph. 12. Juni 2014, abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
    9. Islamic Movement of Uzbekistan (IMU). In: The Investigative Project on Terrorism. Abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
    10. Update on the Human Costs of War for Afghanistan and Pakistan, 2001 to mid-2016. August 2016, abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
    11. [1]
    12. Terrorism Fatalities Khyber Pakhtunkhwa (SATA)
    13. Terrorism Fatalities Federally Administered Tribal Areas (SATA)
    14. The War in Pakistan - washingtonpost.com. Washingtonpost.com, abgerufen am 19. Oktober 2008.
    15. Zaffar Abbas: BBC NEWS | South Asia | Pakistan's undeclared war. News.bbc.co.uk, 10. September 2004, abgerufen am 19. Oktober 2008.
    16. David Montero: Killing scares media away from Waziristan. Christian Science Monitor, 22. Juni 2006, abgerufen am 25. August 2008.
    17. Pakistan attacks Waziristan compound. al-Dschasira, 16. März 2006, abgerufen am 25. August 2008.
    18. Radikale in Pakistan: Al-Qaida ringt um mehr Einfluss bei den Taliban. In: Spiegel Online. 18. Oktober 2009, abgerufen am 9. Juni 2018.
    19. U.S. training Pakistani forces to fight Taliban in: NBC News, 25. Oktober 2008
    20. Pakistan lost two brigades in war on terror. In: Dawn (Tageszeitung). 19. Oktober 2011, abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
    21. Fatalities in Terrorist Violence in Pakistan 2000-2019
    22. Search Results for Pakistan 2004-2018 in der Global Terrorism Database.