Hauptmenü öffnen
Klarna AB

Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2005
Sitz Stockholm, SchwedenSchweden Schweden
Leitung Sebastian Siemiatkowski, CEO
Mitarbeiterzahl rund 2.500 (2019)[1]
Umsatz 5,7 Mrd. SEK (2018)[2]
Branche Finanzdienstleistungen
Website www.klarna.com

Klarna ist ein schwedischer Zahlungsanbieter mit Hauptsitz in Stockholm. Das Unternehmen bietet Zahlungslösungen im Bereich E-Commerce an. Die Kernleistung besteht darin, die Zahlungsansprüche der Händler zu übernehmen und ab diesem Zeitpunkt deren Kundenzahlungen abzuwickeln. Insgesamt greifen den Angaben des Unternehmens zufolge 130.000 Online-Händler in 14 Ländern auf Klarna zurück, sodass 60 Millionen Endverbraucher die Zahlungsmethoden des Unternehmens nutzen.

Das Unternehmen wurde 2005 von Sebastian Siemiatkowski, Niklas Adalberth und Victor Jacobsson gegründet. Es beschäftigt nach eigenen Angaben 2.500 Mitarbeiter (Stand 2019).[1] In Deutschland ist es an den Standorten München, Berlin und Linden vertreten,[3][4] in Österreich mit einer Niederlassung in Wien.[5] Im Jahr 2018 erwirtschaftete Klarna einen Jahresumsatz von 5,7 Milliarden Schwedischen Kronen.[2]

Inhaltsverzeichnis

UnternehmensgeschichteBearbeiten

 
Standort in Linden (Hessen), 2015–2020
 
Messestand der 2017 übernommenen Billpay auf der Internet World 2017

Die drei Klarna-Gründer entwickelten ein Konzept zur Abwicklung von Online-Käufen im Rahmen von Factoring-Dienstleistungen, das sie erstmals im Jahr 2005 beim Entrepreneurship Award der Handelshochschule Stockholm vorstellten. Bei diesem Wettbewerb wurde ihre Idee jedoch nicht positiv aufgenommen und sie landeten auf einem der letzten Plätze. Trotzdem entschieden sie sich noch im selben Jahr für die Gründung des Unternehmens Kreditor in Schweden.[6] Ende 2007 investierte das Venture Capital-Unternehmen Investment AB Öresund in Kreditor. Im Jahr 2008 begann Kreditor seine Dienste in Norwegen, Finnland und Dänemark anzubieten. 2009 wurde Kreditor in Klarna umbenannt. 2010 wurde das Angebot auf Deutschland und die Niederlande ausgeweitet, und das in San Francisco ansässige Unternehmen Sequoia Capital stieg als größter alleiniger Anteilseigner bei Klarna ein. Klarna erhöhte seine Umsätze um über 80 % auf 54 Millionen US-Dollar (~392 Mio. SEK).

Anfang des Jahres 2011 führte das britische Magazin The Daily Telegraph Klarna als eines der hundert vielversprechendsten jungen Tech-Unternehmen auf. Im Mai 2011 übernahm Klarna das in Europa, Israel und den USA operierende Unternehmen Analyzd. Das Unternehmen ist auf Risk Management und Online-Zahlungen spezialisiert und seine Gründer arbeiteten zuvor bei PayPal. Im Dezember 2011 wurde bekannt, dass Klarna nach einer neuen Finanzierungsrunde mehr als 115 Millionen Euro einsammeln konnte.[7] Die Runde, geführt von General Atlantic und Yuri Milner (DST Global),[8][9] diente der weiteren internationalen Expansion des Unternehmens. 2012 begann Klarna, seinen Dienst in Österreich und Schweden anzubieten. Im Mai 2012 teilte Klarna mit, dass die internationale Investor Atomico als Investor gewonnen werden konnte.[10] Im Jahr 2013 erwarb Klarna den deutschen Bezahldienst Sofort.[11] Somit nahm Klarna Direktüberweisungen in das Produktportfolio auf[12] und ist in Deutschland für sogenannte Sofortüberweisungen bekannt.[13]

Im Jahr 2017 erwarb das Unternehmen den britischen Zahlungsdienst BillPay, wodurch auch die Gesamtzahl von 12 Millionen Kunden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden übernommen wurde. Die Marke BillPay soll mit der Zeit aufgegeben werden. Der Kaufpreis für BillPay wurde offiziell nicht genannt, nach Informationen der Financial Times lag er bei 60 Millionen Pfund (rund 69,5 Millionen Euro). Klarna kaufte BillPay dem Unternehmen Wonga ab. Der wiederum hatte BillPay 2013 von der Berliner Start-up-Fabrik Rocket Internet übernommen.[14] Im August 2017 startete Klarna "Wavy", eine App für kostenlose Euro-Überweisungen.[15]

Seit Oktober 2018 kooperiert Klarna mit H&M.[16] Der Modehändler beteiligte sich mit rund 18 Millionen Euro (Anteil von ca. 1 %) an Klarna.[17] Im Januar 2019 wurde bekannt, dass Snoop Dogg als Werbeträger und Investor gewonnen werden konnte.[18] Im März 2019 gab Klarna bekannt, seine Schnittstellen zu Bankkonten über eine Open-Banking-Plattform anderen Firmen zur Verfügung zu stellen.[19] Seit April 2019 bietet Klarna eine Authentifizierungsplattform mit verschiedenen Methoden zur Nutzeridentifikation an[20] und bietet in Kooperation mit der Kreditkartengesellschaft Visa eine eigene Kreditkarte in Deutschland an.[21] Seit Mai 2019 arbeitet Klarna mit dem chinesischen Online-Bezahlsystem Alipay sowie dem niederländischen Zahlungsdienstleister Adyen zusammen, um auch auf der Handelsplattform Aliexpress den Kauf auf Rechnung anzubieten.[22]

GeschäftsmodellBearbeiten

Für VerbraucherBearbeiten

Endverbrauchern bietet Klarna die Möglichkeit, ihre im Internet bestellte Ware mittels Rechnung, Sofortüberweisung oder Ratenkauf zu bezahlen. Beim Rechnungskauf in Onlineshops erhalten Verbraucher die Ware vor Zahlung, was zwar für die Verbraucher Sicherheit bedeutet, für Händler aber mit dem Risiko des Zahlungsausfalls verbunden ist. Anbieter wie Klarna ermöglichen Kunden den Rechnungskauf und garantieren den Händlern die Zahlung.[23] Bei einer Sofortüberweisung bezahlen Kunden sofort im Zuge der Bestellung.[24] Danach erhalten sie ihre Ware. Der Ratenkauf ermöglicht es Verbrauchern, den fälligen Betrag in mehrere Raten aufzuteilen und diese über einen längeren Zeitraum hinweg zu zahlen. Der Ratenkauf von Klarna unterscheidet sich nicht von einer klassischen Ratenzahlung. Hier wird die Ratenzahlung jedoch nicht über eine dritte, mit einem Shop zusammenarbeitende Bank durchgeführt, sondern über Klarna selbst.[25]

Für HändlerBearbeiten

Klarna gibt Händlern einerseits, die Möglichkeit Rechnung, Sofortüberweisung und Ratenzahlung als Zahlungsmethoden in ihren Onlineshop zu integrieren. Dabei übernimmt das Unternehmen das Betrugs- und Ausfallrisiko. Das bedeutet, dass Klarna Shop-Betreibern den offenen Rechnungsbetrag bezahlt, sollte ein Verbraucher seine Rechnung nicht innerhalb der Frist beglichen haben. Dies gilt auch für Betrugsfälle.[26] Andererseits bietet Klarna Onlineshops ein System – den sogenannten Klarna Checkout – an, bei dem die Bestellung mit nur wenigen Klicks abgeschlossen werden kann. Sofern der Endverbraucher schon einmal mit Klarna bezahlt hat, sind Angaben wie Rechnungsadresse oder Geburtsdatum bereits hinterlegt und müssen nicht mehr manuell eingeben werden. Es reicht aus, wenn Verbraucher ihre E-Mail-Adresse und ihre Postleitzahl eingeben.[27]

Kritik und Probleme beim RechnungskaufBearbeiten

Da die Verkäufer beim Rechnungskauf die Zahlungsforderungen im Rahmen des Factoring an Klarna abtreten, nehmen die Verbraucher die Rolle des Debitors gegenüber Klarna ein. Hierbei kam es in der Vergangenheit zu Problemen, wenn die Rechnung seitens Klarna früher eintraf als eine verspätete Sendung des Verkäufers: „Wer darauf nicht reagierte, erhielt - selbst ohne Ware - eine kostenpflichtige Mahnung“.[28]

Auch bei Retouren wurden teilweise Mahngebühren erhoben, sofern die Bearbeitung bzw. die Verbuchung einer Rücksendung seitens der Händler etwas längere Zeit in Anspruch nahm. Um nicht in Zahlungsverzug zu geraten, hätten Kunden die „Zahlungsfrist verlängern“ oder gleich „bezahlen“ müssen. Laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ließ sich in diesem Fall zwar später „bei Klarna ein 'Erstattungs-Formular' ausfüllen“, jedoch werde durch diese Praxis „der Rechnungskauf aus Verbrauchersicht ad absurdum geführt: für Waren zahlen, die man definitiv nicht behalten will.“[28]

Zudem wurde darauf hingewiesen, dass Verbraucher bei nicht fristgerechter Zahlung durch Klarna vertraglich bereits ohne weitere Mahnung in Verzug gesetzt würden und dass daher schnell Mahngebühren anfallen könnten.[29]

Im Jahr 2018 kam es zu einer „Welle von Fake-E-Mails“ mit scheinbaren Mahnungen von Klarna, die eine gefährliche Schadsoftware im Anhang enthielten. Klarna empfahl daraufhin, verdächtige Rechnungen mit der genauen Rechnungsauflistung des jeweiligen Kundenaccounts auf klarna.de oder in der Klarna-App abzugleichen.[30]

GebührenBearbeiten

Die Gebühren für den Käufer bei der Bezahlung über Klarna sind je nach Shop verschieden. Die Angabe der Gebühren erfolgt über eine von Klarna bereitgestellte Übersichtsseite.[31][32] Für den Ratenkauf fallen für den Käufer zusätzliche Gebühren und Zinsen an.[33] Händler zahlen 1,99 % pro Transaktion + 0,35 € beim Klarna Checkout, 3,25 % + 1,69 € pro Transaktion bei Kauf auf Rechnung, 1,35 % + 0,20 € pro Transaktion bei Sofortüberweisung und 3,00 % pro Transaktion bei Ratenzahlung. Eine Startgebühr fällt nicht an.[34]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Über uns. Website der Klarna Bank AB, abgerufen am 20. Mai 2019.
  2. a b Klarna - Umsatz weltweit 2018. In: Statista. Abgerufen am 29. März 2019.
  3. Gießener Anzeiger Verlags GmbH & Co KG: „Klarna“ in Linden wächst und wächst: 40 Mitarbeiter sollen eingestellt werden. In: Gießener Anzeiger. Abgerufen am 29. März 2019.
  4. Maß statt Kölsch: Milliarden-Fintech Klarna zieht nach München. In: Munich Startup. 13. März 2017, abgerufen am 29. März 2019.
  5. Klarna: Jetzt auch in Österreich. In: e-commerce-magazin.de. Abgerufen am 29. März 2019.
  6. Geschichte. Klarna, abgerufen am 12. Mai 2015.
  7. | F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 9. April 2019.
  8. European Payment Service Klarna Raises A Whopping $155 Million From DST And General Atlantic, auf techcrunch.com
  9. Zahlungsabwickler Klarna holt $155 Mio. (Die Hintergründe), auf excitingcommerce.de
  10. Atomico ist neuer Investor bei Klarna. e-commerce-magazin.de
  11. Klarna Geschichte. Klarna, abgerufen am 12. August 2015.
  12. Mit Sofortüberweisung bezahlen. Abgerufen am 9. April 2019 (deutsch).
  13. FOCUS Online: Rapper Snoop Dogg investiert in Paypal-Konkurrenten. Abgerufen am 4. April 2019.
  14. Rechnungskauf-Deal: Klarna übernimmt Konkurrenten BillPay, auf heise.de
  15. Klarna-App bietet kostenlose Überweisungen zwischen Freunden. In: Golem. 1. August 2017, abgerufen am 13. November 2018.
  16. H&M beteiligt sich an Finanzdienstleister Klarna. In: Frankfurter Allgemeine. 8. Oktober 2018, abgerufen am 5. November 2018.
  17. Wirtschaftswoche: Klarna: H&M steigt bei Bezahldienst ein. Abgerufen am 5. November 2018.
  18. Rapper Snoop Dogg steigt bei Zahlungsdienstleister Klarna ein. In: handelsblatt.com. Abgerufen am 19. Januar 2019.
  19. Zahlungsdienstleister: Klarna bietet Schnittstellen zum Bankkonto an – und gibt seine Technologie weiter. Abgerufen am 28. Mai 2019.
  20. Hanna Behn: Klarna vereinfacht Authentifizierungsverfahren durch eine Plattform. Abgerufen am 28. Mai 2019 (deutsch).
  21. Zahlungsdienstleister: Klarna gibt eigene Kreditkarte heraus. Abgerufen am 28. Mai 2019.
  22. I. T. Finanzmagazin: Klarna und Alipay realisieren Lösung für Aliexpress · IT Finanzmagazin. In: IT Finanzmagazin. 10. Mai 2019, abgerufen am 28. Mai 2019 (deutsch).
  23. Klarna – Über uns. Abgerufen am 12. August 2015.
  24. Sofortüberweisung – Kosten und Gebühren. 2. Januar 2018, abgerufen am 11. April 2019.
  25. Ratenkauf bei Klarna: Wie funktioniert das? 3. April 2017, abgerufen am 11. April 2019.
  26. Kein Risiko – Sie erhalten immer Ihr Geld Klarna. Abgerufen am 12. August 2015.
  27. Jochen G. Fuchs: Onlineshops: Klarna erfindet den Checkout neu. Abgerufen am 11. April 2019.
  28. a b Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Stichprobe bei 30 Shops zum Kauf auf Rechnung: Liebling macht Probleme. In: Pressemitteilung. 2. Februar 2017, abgerufen am 14. Mai 2019.
  29. Online-Shopping mit Klarna-Bezahlung kann schnell teuer werden. In: RTL.de. 4. September 2018, abgerufen am 14. Mai 2019.
  30. Vermeintliche Klarna-Rechnungen. Gefälschte Mahnungen bringen Schadsoftware mit. In: Spiegel Online. 6. März 2018, abgerufen am 14. Mai 2019.
  31. Klarna Bedingungen von planet-sports.de. Klarna AB. Abgerufen am 11. August 2014: „Pro Einkauf wird eine Bearbeitungsgebühr von Euro 0 erhoben.“
  32. Klarna Bedingungen von wildwechsel-shop.de. Klarna AB. Abgerufen am 11. August 2014: „Pro Einkauf wird von uns eine Rechnungsgebühr von Euro 1.50 erhoben“
  33. Ratenkauf mit Klarna ab 6,95 €/Monat! Abgerufen am 12. August 2015.
  34. Verkaeufer. Abgerufen am 11. April 2019 (deutsch).