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Kelze ist eine ehemals selbständige Gemeinde im Landkreis Kassel in Nordhessen. Seit der hessischen Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre ist Kelze ein Stadtteil der Stadt Hofgeismar.

Kelze
Koordinaten: 51° 27′ 53″ N, 9° 22′ 17″ O
Höhe: 199 m ü. NHN
Einwohner: 257(HW+NW)[1]
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Postleitzahl: 34369
Vorwahl: 05671
Kelze aus der Luft gesehen
Evangelische Kirche

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der Karneval am Aschermittwoch und das Mayence-Fest am ersten Maisonntag erinnern bis heute an die Volksbräuche der französischen Bewohner, die ab 1699 in Kelze eine neue Heimat fanden. Landgraf Carl von Hessen siedelte im 17. Jahrhundert auch in der Umgebung der Stadt Hofgeismar französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) an, die nach dem Edikt von Fontainebleau und der Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten. Ebenso fanden hier Hugenotten und Waldenser Flüchtlinge eine neue Heimat, die 1698 auf Befehl Ludwig XIV. vertrieben worden waren. Nach 1698 bildeten sich nach der Vertreibung von Waldensern (in Kelze z. B. aus Orpierre) auch in anderen Gegenden Deutschlands waldensische Gemeinden.

Kelze entstand im Anschluss an diese zweite Ausweisung von Glaubensflüchtlingen aus Frankreich ab dem Jahre 1699 an der Stelle eines wüsten Dorfes, das unter der Bezeichnung Oberkelze im Jahre 1146 urkundlich erwähnt wurde.

Die evangelische Kirche des in Kreuzform angelegten Ortes Kelze wurde in Fachwerk errichtet und im Jahre 1709 eingeweiht.

 
David Clément

Die seelsorgerische Betreuung der Gemeinde erfolgte in den Anfangsjahren durch Pfarrer David Clément bis zu dessen Tod im Jahre 1725. Bereits seit 1686 war Clément Pfarrer der französisch-reformierten Gemeinde an der Neustädter Kirche in Hofgeismar. An sein Wirken bis zu seinem Tod am 29. Januar 1725 in Hofgeismar erinnern eine Gedenktafel an der Neustädter Kirche sowie eine unweit der Kirche errichtete Statue. Seine Eintragungen im Kirchenbuch der Gemeinde in den Jahren 1686 bis 1725 geben Auskunft über die Amtshandlungen in der französisch-reformierten Gemeinde in Hofgeismar, später aber auch in Carlsdorf, Kelze und Schöneberg.

Bei der Volkszählung im Jahre 1779 wurden in Kelze 131 Personen in 36 Haushalten erfasst, davon noch 22 rein französische Haushalte und weitere acht Haushalte, in denen ein Ehepartner französischer Abstammung war. Durch die damals hohe Kindersterblichkeit hatte sich die Zahl der Bevölkerung seit der Neugründung des Ortes kaum verändert. Die Dorfbevölkerung war 1779 in der Landwirtschaft tätig, bei einigen Bewohnern wurden Nebenberufe erfasst, darunter zwei Strumpfwirker, ein Schuhmacher und ein Weber.

Zeit des NationalsozialismusBearbeiten

Bereits zur Reichstagswahl 1920 wählten die Kelzer Bürger konservativ und extrem rechtsgerichtete Parteien.[2] Bei der Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924 erreichte eine nationalsozialistische Gruppierung 16,8 % der Wählerstimmen.[3][4] Bei den Reichstagswahlen 1930 erzielte die NSDAP in Kelze 45,6 % der Stimmen und wurde damit stärkste Partei. Die NSDAP löste damit die DNVP als dominierende Kraft ab, die bei den Reichstagswahlen 1920–1928 noch Ergebnisse von 60,2 % bis 83,3 % erreicht hatte. Bei den Reichstagswahlen 1932 steigerte die NSDAP ihr Ergebnis auf 93,2 % (1932, I), 82,7 % (1932, II). Bei der Stichwahl zum Reichspräsidenten 1932, bei der Hindenburg siegte, erreichte Adolf Hitler in Kelze 94,0 % der Stimmen (Landkreis Hofgeismar 51,1 %, Deutschland 36,7 %). Bei dem vom republikfeindlichen Stahlhelm initiierten Volksentscheid am 9. August 1931 stimmten 87,1 % von 148 Wahlberechtigten für die Auflösung des preußischen Landtages. Bereits im Jahre 1931 wurde aus Kelze von antidemokratischen und republikfeindlichen Gewalttaten gegen republiktreue Einwohner berichtet.[5] Als den Nationalsozialismus besonders unterstützend wurde in dieser Zeit die Kelzer Gastwirtsfamilie und Inhaber eines Geschäfts Jean Bonnet geschildert.[6] Für die Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus wird Kelze allgemein als Hochburg des Nationalsozialismus eingeschätzt.[7]

EingemeindungBearbeiten

Am 1. Februar 1971 wurde Kelze im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Hofgeismar eingegliedert.[8][9]

PartnerschaftBearbeiten

  • Frankreich  Seit 1984 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Maringues.

KulturdenkmälerBearbeiten

Für die unter Denkmalschutz stehenden Kulturdenkmäler des Ortes siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Kelze.

EhrenbürgerBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Auguste Homburg: Die französische Kolonie Kelze. Hofdruckerei Paul Schulz, Hofgeismar 1941.
  • Friedrich Bleibaum (Schriftleitung): Kreis Hofgeismar (= Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen, Bd. 3). Oberhessische Presse, Marburg/Lahn 1966, S. 158 ff.
  • Jochen Desel: Französische Dörfer: 300 Jahre Kelze und Schöneberg, Band II: Deutsche Zuwanderer 1669–1779. Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde Kassel 1834, Zweigverein Hofgeismar, Hofgeismar 1999.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zahlen und Fakten (Haupt- und Nebenwohnsitze). In: Internetauftritt. Stadt Hofgeismar, archiviert vom Original; abgerufen im Juli 2018.
  2. Th. Klein: „Die Hessen als Reichstagswähler: Tabellenwerk zur politischen Landesgeschichte 1867–1933“, Zweiter Band, Erster Teilband, Marburg 1992 (Veröffentlichung der Historischen Kommission für Hessen, 51), S. 529–565
  3. Handschriftliche Zusammenstellung der Ergebnisse der Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924 (StAM, Bestand 180 LA Hofgeismar Nr. 3520)
  4. Hofgeismarer Zeitung, 58. Jg., Nr. 288, 8. Dezember 1924.
  5. Bericht des Kreisschulrats Vecherer an den Regierungspräsidenten vom 18. Juni 1931 (StAM, Bestand 165 Nr. 7010)
  6. Abschrift des Berichtes des Oberlandjägers Trochim an den Oberstaatsanwalt vom 15. Juni 1931 (StAM, Bestand 165 Nr. 7010).
  7. Michael Schmitt: „Ein Republikaner auf Vorposten: Eine politische Auseinandersetzung im Landkreis Hofgeismar am Ende der Weimarer Republik. Dargestellt an einem Vorfall in der Gemeinde Kelze.“, in Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Band 100, Kassel 1995
  8. Der Hessische Minister des Inneren: Gemeindegebietsreform: Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 20. Januar 1971. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 6, S. 248, Abs. 11 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,2 MB]).
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 398.