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Karl Frenzel (SS-Mitglied)

deutscher SS-Oberscharführer und Lagerkommandant des Vernichtungslagers Sobibor I

Karl August Wilhelm Frenzel (* 28. August 1911 in Zehdenick; † 2. September 1996 in Garbsen) war SS-Oberscharführer und Kommandant des Lagers I im Vernichtungslager Sobibor.

LebenBearbeiten

Frenzel, von Beruf Zimmermann und Fleischer, trat 1930 der SA und der NSDAP (Mitgliedsnummer 334.948) bei. Im Rahmen der Aktion T4 war er ab Januar 1940 in den Euthanasieanstalten Grafeneck, Hadamar und Bernburg eingesetzt.[1]

Vom 28. August 1942 bis zum Gefangenenaufstand am 14. Oktober 1943 war er tätig im Vernichtungslager Sobibor. Dort war er an der „Endlösung“ beteiligt, der systematisch betriebenen, industriellen Ermordung von insgesamt Millionen Juden sowie Sinti und Roma im Rahmen der Aktion Reinhardt.[2]

Ende 1943 wurde er in der Operationszone Adriatisches Küstenland zur Sonderabteilung Einsatz R nach Triest versetzt, die der „Judenvernichtung“, der Konfiszierung jüdischen Vermögens und der Partisanenbekämpfung diente.[1]

Nach Kriegsende wurde er von der US-Army festgenommen und in einem Kriegsgefangenenlager nahe München interniert, aus dem er Ende November 1945 entlassen wurde. Später arbeitete er in einem Film-Atelier in Göttingen.[3]

Am 20. Dezember 1966 wurde er für den Mord an sechs Juden und für seine weitere Teilnahme an dem Mord an 150.000 Lagerinsassen als Kommandant des Vernichtungslagers von Sobibór Nr. I vom Landgericht Hagen im Sobibor-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt.[4] Im Jahr 1982 wurde er aufgrund einer Formsache nach einem Revisionsverfahren von seiner lebenslangen Haftstrafe freigesprochen.[5] Im Jahr 1983 konfrontierte ihn der Sobibór-Überlebende Thomas Blatt mit seiner Vergangenheit und versuchte in einem Gespräch Frenzels Motiven nachzugehen.[6]

Ein Häftling wollte sich 1943 durch Aufschneiden der Pulsadern das Leben nehmen, was ihm misslang, er lag in der Baracke im Sterben. Frenzel entschied, kein Jude habe das Recht, sich das Leben zu nehmen und peitschte den Häftling aus. Dann erschoss er ihn.[7]

1985 wurde Frenzel erneut zu lebenslanger Haft verurteilt. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes wurde die Strafe jedoch erlassen.[4] Frenzel lebte bis zu seinem Tod 1996 in einem Altenheim nahe Hannover.

FilmeBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  • Sobibor. In: deathcamps.org. 15. September 2006;.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Vgl.: Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 164.
  2. Yitzak Arad: Belzec, Sobibor, Treblinka. The Operation Reinhard death camps. Indiana University Press, Bloomington IN u. a. 1987, ISBN 0-253-34293-7, S. 191f.
  3. Sobibor Perpetrators: Frenzel, Karl SS-Oberscharführer. In: deathcamps.org. 23. September 2006, abgerufen am 15. Juni 2019 (englisch).
  4. a b Thomas Toivi Blatt: Sobibor, The Forgotten Revolt: Murderers. In: sobibor.info. Archiviert vom Original am 4. Mai 2008; abgerufen am 15. Juni 2019 (englisch).
  5. Waltraud Schwarz: Ein ehemaliger Insasse des Nazi-Vernichtungslagers erzählt in St. Georgen von seinem schweren Schicksal. Der Überlebende von Sobibór. In: Südkurier, 12. Juni 2009.
  6. Thomas Toivi Blatt: The Forgotten Revolt – Confrontation: The Confrontation with a Murderer. In: sobibor.info. 1984, archiviert vom Original am 9. Dezember 2013; abgerufen am 15. Juni 2019 (englisch, Interview mit Karl Frenzel).
  7. Thomas T. Blatt: Gespräch mit Karl A. Frenzel. In: Franz-Josef Hutter, Carsten Tessmer (Hrsg.): Die Menschenrechte in Deutschland: Geschichte und Gegenwart. Beck, München 1997, ISBN 978-3-406-42008-5, S. 116.