Jochen Breyer

deutscher Fernsehmoderator

Jochen Breyer (* 11. November 1982 in Heidelberg)[1] ist ein deutscher Fernsehmoderator und Journalist.

Jochen Breyer (2022)

AusbildungBearbeiten

Jochen Breyer machte 2002 sein Abitur am Friedrich-Hecker-Gymnasium in Radolfzell. Im Anschluss begann er ein Studium der Politikwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, das er 2006 mit dem Magister Artium beendete. Während seines Studiums und danach arbeitete er für die Süddeutsche Zeitung und den Bayerischen Rundfunk. 2007 kam Breyer zum ZDF und wurde dort zunächst als Reporter und Interviewer eingesetzt. Seit 2011 arbeitet er als Moderator für das ZDF, seit 2016 dreht er zudem Dokumentationen und Reportagen.

ModeratorBearbeiten

Breyer begann seine Moderations-Karriere im ZDF-Morgenmagazin.[2] 2011 wurde er dort fester Moderator.

Ab der Saison 2012/2013 war er sechs Jahre lang Moderator der UEFA Champions League zusammen mit dem Experten Oliver Kahn.

Am 14. Dezember 2013 moderierte Breyer erstmals das aktuelle Sportstudio. Er trat dort die Nachfolge von Michael Steinbrecher an und wurde mit 30 Jahren der zweitjüngste Moderator in der Geschichte der Sendung.

Bei der WM 2018 bildete Breyer in Russland mit Oliver Welke das Moderationsduo des ZDF. Bei der EM 2021 war Breyer Hauptmoderator des ZDF mit den Experten Christoph Kramer und Per Mertesacker.

2021 wurde Breyer mit dem Deutschen Sportjournalistenpreis als "Bester Sportmoderator" ausgezeichnet.[3]

KritikenBearbeiten

Breyer war Moderator der EM-Sendung am 12. Juni 2021, als der dänische Nationalspieler Christian Eriksen im Spiel gegen Finnland kollabierte und um sein Leben kämpfte. Für die Art und Weise, wie Breyer und die Experten im Studio Christoph Kramer und Per Mertesacker mit dieser Ausnahmesituation umgingen, bekamen sie viel Lob.[4][5] Besonders hervorgehoben wurde die empathische und einfühlsame Moderation von Breyer.[6][7]

Ebenfalls positiv bewertet wurde Breyer für ein Interview mit Karl-Heinz Rummenigge im Februar 2021, in dem er den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern kritisch erwiderte.[8] Dabei ging es unter anderem um die Geschäftsbeziehung des FC Bayern mit Katar, die dem Verein viel Kritik einbringt. Auf Rummenigges Erklärung, in Katar herrsche nun mal eine andere Kultur, konterte Breyer mit dem Satz: „Menschenrechtsverletzungen sind keine Kultur.“ Dieser Satz brachte Breyer mediale Zustimmung.[9][10][11] Der Spiegel schrieb, Breyer habe mit dem Interview viel für die Reputation des Sportstudios getan.[12]

In die Kritik geriet Breyer nach einer Sendung des Aktuellen Sportstudio im April 2020 für ein Interview mit Dietmar Hopp, in dem es unter anderem um dessen Verhältnis zur Fan-Szene ging.[13][14][15] Grund für die Kritik war zum einen die redaktionelle Entscheidung, kein Live-Gespräch mit Hopp zu führen, sondern es Hopp zu gestatten, Video-Mitschnitte auf vorab gestellte schriftliche Fragen einzureichen, und zum anderen die Tatsache, dass Breyer wenige Monate zuvor als Nebentätigkeit den Neujahrsempfang der TSG Hoffenheim moderiert hatte. Kritiker warfen die Frage eines Interessenkonflikts Breyers auf.[16][17] Breyer kündigte daraufhin an, nicht mehr für Bundesligavereine zu moderieren.[18] Außerdem arbeitete er den Konflikt zwischen Hopp und den Fanszenen in Form einer Dokumentation auf, die im März 2021 im ZDF gesendet wurde und gute Kritiken bekam.[19][20][21] Laut eigener Aussage habe die Kritik nach jener Sportstudio-Sendung „sehr an ihm genagt“, was ausschlaggebend für die Erstellung dieser Dokumentation gewesen sei. Durch die Recherche habe sich sein Blick auf diesen Konflikt verändert.[22] Die Dokumentation schlug hohe Wellen, da Breyer darin aufdeckte, dass viele Funktionäre des FC Bayern, der TSG Hoffenheim und des DFB über die Pläne der Bayern-Fans, beim Bundesligaspiel Hoffenheim gegen Bayern am 29. Februar 2020 eine Protestaktion gegen Dietmar Hopp und den DFB durchzuführen, Bescheid wussten und die Reaktionen der Beteiligten an jenem Tag demnach nicht spontan, sondern teilweise inszeniert waren.[23][24]

DokumentationenBearbeiten

Seit 2016 dreht Breyer gesellschaftspolitische Reportagen für das ZDF. Die erste Reportage handelte von Rassismus in Frankreich und lief am 10. Juni 2016. Seit August 2017 hat Breyer seine eigene Reportagereihe im ZDF: Am Puls Deutschlands.[25] Darin werden zu aktuellen Themen die verschiedenen Standpunkte in der Gesellschaft abgebildet. Bislang sind neun Episoden erschienen. 2019 war er mit Am Puls Deutschlands für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.[26]

Im November 2022 sendete das ZDF die Dokumentation Geheimsache Katar, die Breyer gemeinsam mit der Journalistin Julia Friedrichs recherchiert hatte.[27] In ihrem Film warfen Breyer und Friedrichs einen kritischen Blick auf das Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 Katar und hinterfragten die Umstände der Vergabe des Turniers.[28] Unter anderem sorgte in diesem Zusammenhang sein Interview mit dem katarischen WM-Botschafter Khalid Salman für zahlreiche Reaktionen.

SonstigesBearbeiten

2019 moderierte er zusammen mit der Schauspielerin Anna Loos das Bühnenprogramm der offiziellen Feierlichkeiten zu „30 Jahre Mauerfall“ am Brandenburger Tor.[29]

Breyer engagiert sich für die Nicolaidis Young Wings Stiftung[30] und Viva con Agua.[31]

ModerationenBearbeiten

FortlaufendBearbeiten

Ehemals/EinmaligBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Jochen Breyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jürg Kruse: CL-Moderator Jochen Breyer: Mit dem Treppenlift nach ganz oben. In: taz.de. 3. Oktober 2012, abgerufen am 18. September 2013.
  2. DWDL de GmbH: ZDF weitet Doppelmoderationen im "Moma" aus. Abgerufen am 9. November 2020 (englisch).
  3. Der Deutsche Sportjournalistenpreis · 2023 wieder in Hamburg - Gewinner '21. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  4. Oskar Beck: Der Fall Christian Eriksen: Ein Plädoyer für Breyer, Rethy und das ZDF. In: DIE WELT. 13. Juni 2021 (welt.de [abgerufen am 24. Mai 2022]).
  5. Ralf Wiegand: EM 2021: Eriksens Zusammenbruch und die Rolle des Fernsehens. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  6. Peter Ahrens: (S+) Fußball-EM: Zur ZDF-Übertragung nach dem Kollaps von Christian Eriksen. In: Der Spiegel. 13. Juni 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 24. Mai 2022]).
  7. Schweigen von Béla Réthy „große Leistung“ - Aktuelle Meldungen - News - newsroom.de. Abgerufen am 24. Mai 2022 (deutsch).
  8. FOCUS Online: ZDF-Moderator Breyer kontert Rummenigge mit Einwand zu Katar – und wird dafür gefeiert. Abgerufen am 22. März 2021.
  9. FOCUS Online: ZDF-Moderator Breyer kontert Rummenigge mit Einwand zu Katar – und wird dafür gefeiert. Abgerufen am 22. März 2021.
  10. Peter Ahrens, DER SPIEGEL: Karl-Heinz Rummenigge im ZDF-Sportstudio: Die Uefa ist schuld, nicht wir. Abgerufen am 22. März 2021.
  11. Menschenrechte: Moderator Breyer kontert Rummenigge im ZDF-Sportstudio mit Einwand zu Katar… – Dressed Like Machines. 22. Februar 2021, abgerufen am 22. März 2021 (deutsch).
  12. Peter Ahrens, DER SPIEGEL: Karl-Heinz Rummenigge im ZDF-Sportstudio: Die Uefa ist schuld, nicht wir. Abgerufen am 22. März 2021.
  13. Warum ein Videoeinspieler von Dietmar Hopp für Kritik sorgt. Abgerufen am 11. Mai 2020.
  14. Andreas Rüttenauer: Hassfigur Hopp: Knallhart am Journalismus vorbei. In: Die Tageszeitung: taz. 5. April 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 11. Mai 2020]).
  15. Hopps Videobotschaft im "Aktuellen Sportstudio": Wie glaubwürdig ist die Begründung des ZDF? In: Übermedien. 7. April 2020, abgerufen am 11. Mai 2020 (deutsch).
  16. Danial Montazeri, DER SPIEGEL: Umstrittenes Hopp-Interview im ZDF-Sportstudio: Fragwürdiger Auftritt. Abgerufen am 28. Januar 2021.
  17. Hopp will «alles vergessen» - wenn der Hass aufhört - STIMME.de. Abgerufen am 28. Januar 2021.
  18. NDR: Zu große Nähe? Das ZDF, Jochen Breyer und die TSG Hoffenheim. Abgerufen am 22. März 2021.
  19. Nico Horn: ZDF-Doku über Dietmar Hopp: Was für ein Theater. In: Die Zeit. 27. März 2021, abgerufen am 7. Juni 2021.
  20. Der Glaubenskrieg. Abgerufen am 7. Juni 2021.
  21. Evi Simeoni: Fußballfans gegen Dietmar Hopp: Geht in euch, Pöbler! In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 7. Juni 2021]).
  22. „Fast alle wussten Bescheid“, taz.de, 27. März 2021, abgerufen am 27. März 2021
  23. FOCUS Online: Fan-Hass gegen Hopp: ZDF-Doku enthüllt, was am Skandalspiel mit Bayern inszeniert wurde. Abgerufen am 7. Juni 2021.
  24. Süddeutsche Zeitung: "Fast alle wussten offenbar vor dem Spiel Bescheid". Abgerufen am 7. Juni 2021.
  25. Jochen Breyer fühlt Deutschlands Politpuls. 15. Mai 2017, abgerufen am 9. November 2020 (deutsch).
  26. Der Deutsche Fernsehpreis: 2019 Bestes Infotainment. In: Deutscher Fernsehpreis 2020. Abgerufen am 9. November 2020 (deutsch).
  27. Cornelius Pollmer: ZDF-Doku über Katar: Getriebe im Sand. Abgerufen am 9. November 2022.
  28. Peter Ahrens: (S+) ZDF-Doku über Katar: Die gemischten Gefühle vor der Fußball-WM in Katar. In: Der Spiegel. 8. November 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. November 2022]).
  29. Der Abend des 9. November. Abgerufen am 9. November 2020 (deutsch).
  30. Stiftungsblog - Hilfe bei Tod und Trauer. Abgerufen am 9. November 2020.
  31. Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. Abgerufen am 9. November 2020.
  32. Herbert Award 2013 - hamburg.de. 24. September 2015, archiviert vom Original am 24. September 2015; abgerufen am 9. November 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hamburg.de
  33. Der Deutsche Fernsehpreis: 2019 Bestes Infotainment. In: Deutscher Fernsehpreis 2020. Abgerufen am 9. November 2020 (deutsch).
  34. Der Deutsche Sportjournalistenpreis · 2023 wieder in Hamburg - Gewinner '21. Abgerufen am 24. Mai 2022.