Janka Bryl

Belarussischer Schriftsteller

Janka (Iwan Antonawitsch) Bryl (belarussisch Янка (Іван Антонавіч) Брыль, wiss. Transliteration Janka (Ivan Antonavič) Bryl‘), (* 4. August 1917 in Odessa; † 25. Juli 2006 in Minsk) war ein belarussischer Schriftsteller.

Janka Bryl', 1985
Kyrillisch (Weißrussisch)
Янка Брыль
Transl.: Janka Bryl'
Transkr.: Janka Bryl

LebenBearbeiten

Kindheit und JugendBearbeiten

Bryls Vater Anton Danilovič Bryl verließ sein Heimatdorf im Südbelarus im Jahr 1892 auf der Suche nach Arbeit. 30 Jahre später kehrte er aufgrund schwerer Krankheit in seine Heimat zurück und brachte seine in Odessa gegründete Familie mit. Der junge Janka Bryl‘ besuchte dort eine Grundschule, danach bis 1931 eine weiterführende Schule im Nachbardorf Turešč. Während seiner Schulzeit begann er sich für polnische Literatur zu interessieren, insbesondere für Orzeszkowa, Prus und Maria Konopnicka. Nach eigenen Angaben sei der Kontakt mit den literarischen Werken das wichtigste, was er aus seiner Schulzeit mitnehmen konnte. Mit elf schrieb Bryl‘ erste Gedichte. Seine Familie hatte Bücher aus Odessa mitgebracht und seine Mutter brachte ihm noch vor der Grundschule das Lesen auf Russisch bei.

Großen Einfluss übten zu der Zeit Werke der Schriftsteller Alexander Sergejewitsch Puschkin, Michail Jurjewitsch Lermontow, Wassili Andrejewitsch Schukowski, Alexei Wassiljewitsch Kolzow und Iwan Andrejewitsch Krylow. In der Schule kam er in Kontakt mit den Büchern von Janka Kupala und Jakub Kolas. In seinen ersten Geschichten waren die Natur und die bäuerliche Arbeit Thema seiner Arbeiten. Im Herbst 1932 besuchte er erstmals die Bibliothek in Turez und entdeckte dort die Literatur Fjodor Michailowitsch Dostojewskis, Maxim Gorkis, Kopolenks und Anton Pawlowitsch Tschechows für sich. Auch weißrussische Schriftsteller wie Taras und Gušča begannen ihn zu interessieren. Den größten Einfluss auf seine nachfolgenden Werke jedoch sollte Lew Nikolajewitsch Tolstoi behalten.

Erste literarische ArbeitenBearbeiten

Im Jahr 1936 wurden die in den Nachbardörfern Lykoviča, Čižinovza und Kačana von Polen gefangen gehaltenen Weißrussen entlassen. Die Geschichten, die die ehemaligen Häftlinge zu berichten hatten, prägten den jungen Bryl‘ nachhaltig und führten zu einem ersten politischen Interesse. Seine Erfahrungen mit der sozialen Ungerechtigkeit, die im damals polnisch regierten Teil Weißrusslands herrschte, wurden in den knappen Kurzgeschichten Mein Heimatland (belarussisch Мой край родной) und Waisenbrot (russisch Сиротский хлеб) verarbeitet. In letzterer Erzählung wird der Held Danik Malez mit Ungerechtigkeiten konfrontiert; nur im Widerstand findet er einen Ausweg. In der Mitte der 1930er Jahre kam Bryl‘ in Kontakt mit weißrussischen Literaturzirkeln und wurde Teil einer Literaturbewegung mit Sitz in Vil’no. Dort begann er die Zeitschrift Unser Wille (belarussisch Наша Воля) zu lesen und lernte dort die revolutionäre Poesie des Maksim Tank kennen. Erste Gedichte wurden im Jahr 1938 in der Zeitschrift Млях молаццi veröffentlicht.

Ein Ausschnitt aus einem dieser Gedichte:

--- Ну, проклятая!

Як быццам ты не знаеш,

Што ў хляве карова не ўстае,

Што канiна шоры ледзь цягае,

Што ў хаце хлеба не стае,

Што год за годам ў лесе даражае...

ArmeezeitBearbeiten

Im Jahr 1939 wurde Bryl' in die polnische Armee berufen. Eingesetzt wurde er in der Garnison Gryni. Nach dreiwöchigem Kampfeinsatz geriet er in deutsche Gefangenschaft. In Deutschland musste er als Zwangsarbeiter zunächst in der Stettiner Landwirtschaft, später in oberpfälzischen Glashütten arbeiten. Im Sommer 1940 unternahm er einen Fluchtversuch, welcher scheiterte und zu seiner Versetzung nach Bayern führte. Im August 1941 gelang ihm die Flucht, die ihn zurück in sein Heimatdorf führte. Er schloss sich im Frühling 1942 einem Partisanenkorps an, bei welchem er als Späher eingesetzt wurde. Gleichzeitig agierte er als Redakteur der Zeitschriften Banner der Freiheit (belarussisch Знамя свободье) und Ein Hallo der Partisanen (belarussisch Партiзанское хало). Seine Zeit im Partisanenkorps verarbeitete er in der Kurzgeschichte Das Heimatland hört (belarussisch Родина слышит). Nach der Befreiung Minsks im Juni 1944 durch sowjetische Truppen nahm er an einer Partisanenparade teil. Im Oktober 1944 zog er nach Minsk.

NachkriegszeitBearbeiten

Im Jahr 1946 erschien die Geschichtensammlung Erzählungen (belarussisch Рассказы) mit fünf Geschichten, unter anderem Wunder (belarussisch Марвеля), die schon im Jahr 1937 entstand. Die zweite Geschichtensammlung erschien im Jahr 1947 unter dem Titel Нёманскiя казакi. Im selben Jahr begann er seine Arbeit an dem Roman Grenze (belarussisch Граница), der unvollendet blieb. Zwei Jahre später erschien der erste Teil des Romans unter dem Namen Tags zuvor (belarussisch Накануне). In den Jahren von 1947 bis 1949 entstand der Novellenzyklus Für eine wahre Freude (russisch Для натоящей радости). Wiederum zwei Jahre später erschien die Novelle Du bist mein bester Freund (belarussisch Ты мой лучший друг).

Im Jahr 1952 wurde ihm der Stalinpreis verliehen. In den folgenden Jahren häuften sich die Veröffentlichungen. Es erschienen На быстранке, die kurzen Erzählungen Gehen müssen (belarussisch Нужно съездить), Mein Heimatland (belarussisch Мой край родной), Последния в стреча восемь und Ein Bruchstück des Regenbogens (russisch Осколочек радуги). In den Jahren von 1962 bis 1964 arbeitete er an seinem Roman Vögel und Nester (belarussisch Птушкi i гнëзды), der im Jahr 1968 erstmals in deutscher Sprache im Verlag Kultur und Fortschritt der DDR erschien. Entstanden war der Roman aus Erzählungen wie Sonne scheint durch Wolken und Lebendes und Verfaultes, die bereits im Jahr 1942/1943 nach der Flucht aus seiner Gefangenschaft geschrieben wurden, als er sich in der Hütte seiner Mutter verbarg. Er erhielt im Jahr 1981 den Titel Schriftsteller des Volkes der Belarussischen SSR. Im Jahr 1994 wurde er in die Nationale Akademie des Belarus gewählt.

Bryl' starb am 25. Juli 2006 nach langer Krankheit in Minsk; beerdigt wurde er zwei Tage später.

ErzählstilBearbeiten

Nach dem Krieg wurde er zu einem der bekanntesten belorussischen Schriftsteller. Seine Novellen und Erzählungen wie Verwirrung, Die Aufschrift auf dem Holzgerüst, Memento Mori und Eine Hand voll Sonnenstrahlen zeichnen sich bis heute durch ihre lyrische Erzählweise und volkstümliche Sprache aus. Die in seinen Geschichten beschriebenen Helden zeigen typische Charaktereigenschaften der westlichen Weißrussen auf. Oftmals trifft ein idealistischer, lebensfroher, naturverbundener, jedoch armer Held auf einen Gegenspieler, der blind für die Schönheit dieser Welt ist.

WerkeBearbeiten

  • Апавяданнi. Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1946.
  • Нёманскiя казакi, Апавяданнi i нарысы, Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1947.
  • Вераснёвая рунь. (Апавяданнi i нарысы), Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1949.
  • Лiпка i клёнiк. Апавяданнi. Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1949.
  • У Забалоццi днее. Аповесць. Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1951.
  • Зялёная школа. (Апавяданнi для дзяцей), Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1951.
  • Дзеля сапраўднай радасцi. (Аповесць i апавяданнi), Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1952.
  • Светлае ранне. Апавяданнi. (Для дзяцей малодш. узросту), Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1954.
  • На быстрансы. (Аповесць i апавяданнi), Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1955.
  • Вачыма друга. Польскi дзённiк, Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1956.
  • Сэрца камунiста. Нарыс, Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1957.
  • Пачатак сталасцi (Аповесць i апавяданнi), Для дзяцей сярэдн. узросту. Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1957.
  • Надпiс на зрубе. Апавяданнi, Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1958.
  • I смех i бяда. (Апавяданнi) Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1958.
  • Мой родны кут. (Апавяданнi, нарысы, аповесць) Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1959.
  • Выбраныя апавяданнi. Мінск, Вучпедвыд, 1959.
  • Збор твораў. у двух тамах, Мінск, Дзяржвыд, БССР, 1960.

In deutscher Sprache erschienen:

  • Land ohne Pans. Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1953.
  • Vögel und Nester. Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1968.

LiteraturBearbeiten

  • Сцяпан Майхровiч: Янка Брыль, Жыццë i творчасць. Дзяржаўнае выдавецтва БССР, Мінск 1961.
  • Юлия Канэ: Янка Брыль, Критико биографический очерк. Советский писатель, Москва 1964.
  • Aleksandr Adamovič: Janka Bryl. In: Sowjetliteratur. 8, 1977, S. 150–154.

WeblinksBearbeiten