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Jürgen Sarnowsky (* 16. November 1955 in Berlin) ist ein deutscher Historiker.

Jürgen Sarnowsky studierte ab 1975 an der FU Berlin Geschichte, Physik und Philosophie. 1981 legte er die Erste Staatsprüfung für das Amt des Studienrats ab. Von 1982 bis 1987 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Dietrich Kurze. Im Jahr 1985 wurde er in den Fächern Mittlere und Neuere Geschichte promoviert. An der FU Berlin war er von 1982 bis 1993 als Assistent tätig. Dort erfolgte 1992 die Habilitation mit dem Thema Die Wirtschaftsführung des Deutschen Ordens in Preußen (1382–1454). Sarnowsky nahm Lehrstuhlvertretungen an der Universität Chemnitz-Zwickau (1993/94) sowie der Universität Hamburg (1995/96) wahr. 1994/1995 war Sarnowsky Inhaber eines Heisenberg-Stipendiums. Seit 1996 lehrt Sarnowsky als Nachfolger von Gerhard Theuerkauf als Professor für mittelalterliche Geschichte am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Im selben Jahr gründete er mit Nikolaus Henkel den Hamburger Mittelalterkreis zur interdisziplinären Vernetzung der mediävistisch arbeitenden Disziplinen.[1]

Sarnowsky ist seit 2019 Vorsitzender der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung, deren ordentliches Mitglied er seit 1994 ist. Er ist auch Vorstandsmitglied des Hansischen Geschichtsvereins. 1999 wurde er korrespondierendes Mitglied der Historischen Fakultät der Universität Toruń, im Jahre 2000 Mitglied im Herder-Forschungsrat.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die geistlichen Ritterorden im mittelalterlichen Europa, Hanse-, landes-, wirtschafts-, sozial- und stadtgeschichtliche Forschungen, die Geistes- und Bildungsgeschichte des Mittelalters sowie England im Mittelalter. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die digitale Edition spätmittelalterlicher Quellen und das E-Learning. Seine Arbeit über die Wirtschaftstätigkeit des Deutschen Ordens wurde als eine der wichtigsten Arbeiten zur preußischen Deutschordens- und zur preußischen Landesgeschichte gewürdigt.[2] Darin wandte er sich gegen die These eines allgemeinen Niedergangs des Ordens nach der verlorenen Schlacht von Tannenberg. Im Jahr 2001 erschien von ihm eine Arbeit zur Spätphase der Johanniter auf Rhodos.[3] Bis dahin war die Geschichte des Johanniterordens während der letzten hundert Jahre angesichts der über ganz Europa verstreuten Überlieferung und des Mangels an Vorarbeiten weitgehend unerforscht. Sarnowsky veröffentlichte 2002 die erste deutschsprachige Überblicksdarstellung zum mittelalterlichen Jahrtausend englischer Geschichte.[4] In drei großen Hauptkapitel behandelt Sarnowsky das angelsächsische England von 400 bis 1066 (S. 79–150), das normannische und angevinische England von 1066 bis 1272 (S. 151–249) sowie das spätmittelalterliche England (S. 151–249). Im Jahr 2006 gab Sarnowsky die Beiträge einer 2003 abgehaltenen Tagung zu den städtischen Amtsbüchern des Hanseraums heraus.

SchriftenBearbeiten

Monografien

  • Die Erkundung der Welt. Die großen Entdeckungsreisen von Marco Polo bis Alexander von Humboldt. Beck, München 2015, ISBN 3-406-68150-6.
  • Der Deutsche Orden. 2., durchgesehene Auflage, Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-53628-1.
  • England im Mittelalter. Primus, Darmstadt 2002, ISBN 3-89678-420-X.
  • Macht und Herrschaft im Johanniterorden des 15. Jahrhunderts. Verfassung und Verwaltung der Johanniter auf Rhodos (1421–1522) (= Vita regularis. Ordnungen und Deutungen religiosen Lebens im Mittelalter. Band 14). Lit, Münster 2001, ISBN 3-8258-5481-7.
  • Die Wirtschaftsführung des Deutschen Ordens in Preußen (1382–1454) (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz. Band 34). Böhlau, Köln 1993, ISBN 3-412-07893-X.
  • Die aristotelisch-scholastische Theorie der Bewegung. Studien zum Kommentar Alberts von Sachsen zur Physik des Aristoteles (= Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters. Texte und Untersuchungen. Neue Folge, Band 32). Aschendorff, Münster 1989, ISBN 3-402-03927-3.

Herausgeberschaften

  • mit Stuart Jenks, Marie-Luise Laudage: Vera lex historiae. Studien zu mittelalterlichen Quellen. Festschrift für Dietrich Kurze zu seinem 65. Geburtstag am 1. Januar 1993. Böhlau, Köln 1993, ISBN 3-412-10191-5.
  • Verwaltung und Schriftlichkeit in den Hansestädten (= Hansische Studien. Band 16). Porta-Alba-Verlag, Trier 2006, ISBN 3-933701-21-X.
  • Bilder - Wahrnehmungen - Vorstellungen. Neue Forschungen zur Historiographie des hohen und späten Mittelalters (= Nova mediaevalia. Quellen und Studien zum europäischen Mittelalter. Band 3). V & R Unipress, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89971-340-4.
  • Konzeptionelle Überlegungen zur Edition von Rechnungen und Amtsbüchern des späten Mittelalters (= Nova mediaevalia. Quellen und Studien zum europäischen Mittelalter. Band 16). V&R unipress, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8471-0677-7.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Hamburger Mittelalterkreis
  2. Vgl. dazu die Besprechungen von Klaus Neitmann in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 53 (1997), S. 786–787 (Digitalisat); Bernhard Demel in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 105 (1997), S. 207–208.
  3. Vgl. dazu die Besprechung von Marie-Luise Favreau Lilie in: Historische Zeitschrift 277 (2003), S. 182–183.
  4. Vgl. dazu die Besprechung von Stephanie Irrgang in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 50 (2002), S. 1044 f.