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Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ / IGGÖ) ist als Körperschaft öffentlichen Rechts offizielle Vertretung und zuständig für die Verwaltung der religiösen Belange der in Österreich lebenden Muslime.

Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich – IGGÖ
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Rechtsform Körperschaft öffentlichen Rechts (Anerkannte Religionsgesellschaft)
Zweck Vertretung und Verwaltung der religiösen Belange in Österreich lebender Muslime
Sitz Wien 7, Bernardgasse 5 Welt-IconKoordinaten: 48° 12′ 22,9″ N, 16° 20′ 38,1″ O
Gründung 1979

Präsident Ümit Vural[1]
Website www.derislam.at

Neben der IGGÖ existieren weitere Islamische Organisationen in Österreich, die teilweise in ihrem Beirat vertreten sind. Mit der Islamischen Alevitischen Glaubensgemeinschaft (IAGÖ/ALEVI) wurde 2013 eine weitere Religionsgemeinschaft offiziell anerkannt.

Inhaltsverzeichnis

OrganisationBearbeiten

Die IGGÖ hat als Exekutivorgan den Obersten Rat, als legislatives Organ den Schura-Rat und als geschäftsführendes Organ die Gemeindeausschüsse der vier Religionsgemeinden Wien, Linz, Bregenz und Graz. Alle vier Gemeindeausschüsse bilden zusammen den Schurarat. Die mindestens 16 Mitglieder des Schurarates wählen aus ihrer Mitte die 12 Mitglieder des Obersten Rates, aus dessen Mitte wiederum der Präsident der IGGÖ gewählt wird. Das einzelne Mitglied kann den Schurarat, den Obersten Rat, den Mufti und den Präsidenten der IGGÖ nicht direkt wählen. Die Verfassung von 1985 (geändert 1988) wurde 1999/2000 reformiert, um einen IGGÖ-Beirat einzuführen, dem nach Ernennung durch den Schurarat die Vertreter verschiedener islamischer Vereine und Verbände in Österreich angehören können und der lediglich beratende Funktion hat.

Präsident der IGGÖ war von 2016 bis 2018 Ibrahim Olgun von der Türkisch-islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich. Zu seinem Nachfolger wurde im Dezember 2018 Ümit Vural gewählt.[1]

Mitglieder und WahlenBearbeiten

Laut Artikel 1 der Verfassung der IGGÖ[2] gehören ihr alle Anhänger des Islams an, welche in der Republik Österreich ihren Aufenthalt haben (ca. 500.000). Wahlberechtigtes Mitglied ist jedoch nur, wer gemäß Artikel 16 und 45 älter als 14 Jahre ist, in das vom Gemeindeausschuss geführte Mitgliederverzeichnis (Registerblätter) mindestens sechs Monate eingetragen ist und den jährlichen Mitgliedsbeitrag von 43,60 Euro zahlt. Laut Artikel 20 finden alle sechs Jahre Wahlen der Gemeindeausschüsse statt, die in Folge in indirekter Wahl das oberste Gremium – den Schura-Rat –, dieser den Obersten Rat und dieser wiederum den Präsidenten der IGGÖ wählen.

Die letzte Wahl fand 2011 statt, und war seit dem April 2007 überfällig. Im Rahmen der Wahlvorbereitung lief seit Juni 2010 eine Mitgliederregistrierung. Bis Anfang November 2010 haben sich mehr als 45.000 Muslime als Mitglieder registrieren lassen,[3] wobei hier die Zahlen von Wien nicht enthalten sind.

Laut der Diplomarbeit von Farid Hafez, der Vertreter aller vier Religionsgemeinden der IGGÖ interviewt hat, haben an der Wahl 2001 insgesamt 5.500 Personen teilgenommen (in Vorarlberg/Tirol 1.200, in Oberösterreich/Salzburg 2.500, Steiermark/Kärnten 1.000 und in Wien/Niederösterreich/Burgenland 800).[4]

GeschichteBearbeiten

Die IGGÖ konstituierte sich 1979 als anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich aufgrund des Islamgesetzes von 1912[5], das auf dem „Anerkennungsgesetz“ von 1874[6] basiert, und das von der Islam-Verordnung von 1988[7] präzisiert wird.

Präsident der IGGÖ ist seit 2016 Ibrahim Olgun von der Türkisch-islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich (Atib). Olguns Wahl zum Präsident der IGGÖ führte zu Kontroversen.[8] Olgun löste den gebürtigen Türken Fuat Sanaç als Präsident ab, der seit 2011 das Amt innehatte. Im November 2018 beschloss der Schurarat auf Antrag der beiden Vizepräsidenten vorgezogene Neuwahlen am 8. Dezember 2018. Ibrahim Olgun kündigte an, nicht mehr zu kandidieren.[9] Vorausgegangen waren dem Konflikte rund um die Anzeige der Arabischen Kultusgemeinde durch Olgun beim Kultusamt, da diese nicht über die erforderlichen zehn Moscheen verfügte, um nach dem Islamgesetz 2015 als Kultusgemeinde anerkannt zu werden.[10]

Reform der IGGÖ-VerfassungBearbeiten

Präsident Schakfeh erklärte im Oktober 2006, dass eine Verfassungsreform der IGGÖ geplant sei, bereits ein Entwurf im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur liege und auf die Bewilligung durch das Kultusamt (§ 2 Abs. 2 Islam-Verordnung) warte.[11] Durch IGGÖ-Sprecherin Carla-Amina Baghajati[12] wurde bisher folgendes über die Verfassungsreform bekannt:

  • Zahl der Religionsgemeinden soll auf acht erhöht werden
  • Stimmabgabe in jeder Moschee, die mit der IGGÖ assoziiert ist (bisher pro Religionsgemeinde nur in einem einzigen Lokal)
  • neues Wahlrecht: Jede Moschee soll sich auf eine Wahlperson einigen, die diese in den Abstimmungen zu den beiden wichtigsten Institutionen der IGGÖ vertritt, u. a. das Budget erstellt und den Obersten Rat und den Präsidenten wählt

Der Entwurf der neuen Verfassung wurde im März 2008 vorgestellt,[13] jedoch vom Bundesministerium an die Islamische Glaubensgemeinschaft zur Nachbesserung zurückgewiesen.[14]

  Folgende Teile des folgenden Abschnitts scheinen seit 2011 nicht mehr aktuell zu sein: 2011 ist vorbei, wie hat sich die Situation mittlerweile entwickelt?.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Die Amtszeit von Präsident Anas Schakfeh ist mittlerweile ausgelaufen, er amtiert jedoch bis zu den Neuwahlen (voraussichtlich 2011) provisorisch weiter. Im Juni 2009 wurde eine überarbeitete Verfassung vom Schurarat beschlossen.[15] Im November 2009 wurde die neue Verfassung der Islamischen Glaubensgemeinschaft vom Kultusamt im Bildungsministerium genehmigt.[16]

Präsidenten der GlaubensgemeinschaftBearbeiten

AufgabenBearbeiten

Zu ihren Aufgabenfeldern zählt die IGGÖ unter anderem[17] die Errichtung und Verwaltung islamischer Friedhöfe, Service bei muslimischen Angelegenheiten wie Eheschließungen nach islamischem Ritus (unter Ausschluss von Mehrehen[18]), Ausstellung von Bescheinigungen (bei Namensgebung, vor Antritt des Militärdienstes, im Todesfall usw.) oder Beaufsichtigungen von Schächtungen sowie die Organisation von Symposien und Imamekonferenzen, dem interreligiösen Dialog, Besuchs- und Sozialdienst in Spitälern und Haftanstalten, Islamunterricht an Schulen und der Ausbildung von Islamlehrern.

Islamischer SchulunterrichtBearbeiten

Islamischen Religionsunterricht an den Schulen gibt es seit dem Schuljahr 1982/1983.[19] Im Jahr 2007 erteilten ca. 350 Islamlehrer rund 48.000 Schülern Religionsunterricht.[20] 55 Prozent der muslimischen Schüler meldeten sich vom Unterricht ab.[21] Der Religionsunterricht[22] wird in Pflichtschulen und höheren Schulen als Pflichtfach angeboten. Es ist möglich, im Fach islamische Religion zu maturieren.

Im Januar 2009 gerieten die islamischen Religionslehrer öffentlich in die Kritik, nachdem der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide in einer Studie zum Schluss kam, dass ein Teil der Islamlehrer Demokratie ablehnt, weil sie sich nicht mit dem Islam vereinbaren lasse.[23]

Islamische Religionspädagogische AkademieBearbeiten

Der Private Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen in Wien (IRPA) bietet ein "Bachelor of Education"-Studium für islamische Religionslehrer in Österreich. Studierende erhalten eine wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte Lehrerausbildung auf Hochschulniveau, sowie islamisch-theologisches Wissen, pädagogisches und didaktisches Fachwissen und Informationen zum Schulrecht.[24] Leiterin ist die Theologin und Religionspädagogin Amena Shakir.[25] Aktuell werden 220 Studierende unterrichtet.[26]

Der staatlich anerkannte Studiengang wurde 1998 als Islamische Religionspädagogische Akademie (IRPA) gegründet und wurde infolge der Neugestaltung des Hochschulwesens aufgrund des Bologna-Abkommens zu einem Privaten Studiengang im tertiären Sektor weiterentwickelt. Unterrichtssprache ist Deutsch. Die Bewerber des Studienganges müssen sich einem Aufnahmeverfahren unterziehen, in welchem sowohl ihre sprachlichen Fähigkeiten als auch pädagogische Begabungen festgestellt werden.

Außerhalb des regulären Studiums finden im monatlichen Rhythmus öffentliche Vortragsveranstaltungen statt, etwa vom Dekan der katholisch-theologischen Fakultät, Martin Jäggle, wie etwa auch vom Musiker und Künstler André Stern, aber auch dem US-Botschafter William Eacho.[27][28] Seit dem Wintersemester 2007/2008 haben Absolventen die Möglichkeit, an der Universität Wien ein Masterstudium "Islamische Religionspädagogik" zum Religionslehrer für höhere Schulen zu absolvieren.[29]

Laut einer Studie[30] des internationalen Extremismusforschers Lorenzo Vidino, die von der George Washington Universität in Kooperation mit der Universität Wien (Institut für Orientalistik), dem Verfassungsschutz sowie dem Österreichischen Integrationsfonds erstellt wurde „steht die IRPA – verantwortlich für die Ausbildung von islamischen Religionslehrer/innen – aufgrund verschiedener Verbindungen zur Muslimbruderschaft zweifellos unter deren Einfluss.“[31]

Islamisches Religionspädagogisches InstitutBearbeiten

Das Islamische Religionspädagogische Institut (IRPI) ist in Österreich für die Fortbildung der rund 350 islamischen Religionslehrer zuständig, die jährlich zu mindestens 24 Stunden Schulung verpflichtet sind.[32] Im Frühjahr 2006 wurden vier von fünf Religionslehrern an Schulen in Wels von der zuständigen Landesschulinspektion zum Deutschlernen verpflichtet. Seit der Institutionalisierung der Islamlehrerausbildung dürften solche Fälle eigentlich nicht mehr vorkommen.[11] Seit der Gründung des IRPI im Jahr 2003 ist Amir Zaidan dessen Leiter.

FinanzierungBearbeiten

Die IGGÖ wird für die Verwaltung des Religionsunterrichtes an den österreichischen Schulen mit Geldmitteln durch die öffentliche Hand finanziert.[33] Die Gehälter von Islamlehrern, Schulfachinspektoren und Dozenten an IRPA und IRPI bezahlt der Bund. Die Finanzierung des Islamischen Friedhofs Wien in Höhe von rund 1,4 Mio. Euro wird fast ausschließlich[34] von Großspendern getragen, darunter des OPEC-Fonds und die Botschaft von Katar.[35] Von der Möglichkeit zur eigenen Steuererhebung macht die IGGÖ nicht Gebrauch. Sie erhebt jedoch einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 43,60 Euro.

Moscheen und Gebetsräume werden nicht von der IGGÖ finanziert, sondern durch Beiträge und Spenden der jeweiligen Vereine.[19]

PositionenBearbeiten

Islamische StrömungenBearbeiten

Es wurde kritisiert, dass die IGGÖ ihrem ursprünglichen gesetzlichen Auftrag – der offiziellen Vertretung aller in Österreich lebenden Muslime – nicht ausreichend nachkam, denn einige islamische Richtungen wie Ahmadiyya, Aleviten und Schiiten fühlten sich durch die Glaubensgemeinschaft nicht oder nur unzureichend repräsentiert. Die Aleviten haben seit Ende 2010 eine eigene staatlich eingetragene Bekenntnisgemeinschaft,[36] die 2013 als Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich gesetzlich anerkannt wurde.[37]

Islam und DemokratieBearbeiten

Im Herbst 2008 erschien in einem Handbuch des politischen Islam eine Kritik junger säkularer Muslimas an führenden Funktionsträgern der Glaubensgemeinschaft, insbesondere an Amir Zaidan, Adnan Ibrahim und El-Sayed El-Shahed, denen eine inhaltliche Nähe zu demokratiefeindlichen Positionen vorgeworfen wurde.[38]

Weiters wurde die IGGÖ dafür kritisiert, radikale Kräfte in Österreich zu unterstützen. Unter anderem unterstütze sie einen Prediger, der in einer Moschee in Wien-Leopoldstadt im August 2014 zum Jihad aufgerufen hatte. Die IGGÖ hatte den Prediger 2006 noch verteidigt.[39] Der Präsident des IGGÖ bezeichnete wenige Wochen nach diesem Vorfall den Einfluss auf radikale Muslime als „begrenzt“.[40]

Israel und AntisemitismusBearbeiten

Der ehemalige Präsident des IGGÖ, Anas Schakfeh, nannte 2009 das Ziel der Hamas, Israel von der Landkarte zu tilgen, eine „Utopie“ und behauptete, man kenne keinen Antisemitismus im Nahen Osten.[41] Die IGGÖ unterstützte 2014 offiziell eine Anti-Israel Demonstration.[42]

EvolutionstheorieBearbeiten

Ibrahim Olgun, der ehemalige Präsident der IGGÖ, ist für die Behandlung der Evolutionslehre in den Schulen, lehnt aber persönlich die Evolutionstheorie ab.[43]

KritikBearbeiten

Verhältnis zur TürkeiBearbeiten

Die große Nähe der IGGÖ zur türkischen Regierung wird regelmäßig kritisiert. Der Professor für islamische Religionspädagogik Ednan Aslan bezeichnet die IGGÖ sogar als "außenpolitische Organisation der Türkei".[44]

Die personelle Dominanz des Vereins ATIB, der als "der österreichische Arm des Amtes für Religiöse Angelegenheiten der türkischen Regierung" gilt, wird kritisiert. Diese werde auch in der Person des Präsidenten Olgun, der Mitglied des Vereins ist, in der AKP groß geworden und zur „Generation Erdoğan“ zu zählen sei, sichtbar.[45] Olgun hat auch nach Kritik aus der Türkei bereits mehrmals offizielle Positionen der IGGÖ geändert: Die Evolutionstheorie akzeptierte er in einem Interview zunächst[46] und lehnte sie nach türkischer Kritik ab, auch seine Gülen-freundliche Haltung revidierte er auf türkischen Zuruf.[47] Nach Meinung IGGÖ-interner Kritiker geht diese personelle Verflechtung jedoch weit über die Person des Präsidenten hinaus und wird kontinuierlich ausgebaut. So meinte IGGÖ-Vizepräsident Abdi Tasdögen aus Anlass von Postenbesetzungen für den Hochschul-Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion, dass "die IGGiÖ eine staatliche Einrichtung Österreichs und kein Zweigeinrichtung des Herrn Botschaftsrats [der Türkei]" sein solle.[48]

Auch die im November 2018 überraschend ausgerufenen Neuwahlen wurden als Machtkampf zwischen dem aufgrund der großen Türkei-Nähe umstrittenen Dachverband Atib und der türkisch-nationalistischen Millî Görüş Bewegung interpretiert.[49]

Einfluss der MuslimbrüderBearbeiten

Im Jahr 2017 dokumentierte eine Studie der George Washington Universität in Kooperation mit der Universität Wien, dass die IGGÖ unter Einfluss der islamistischen Muslimbrüder stehe. Die IGGÖ habe eine "zentrale Rolle" bei der Verbreitung der Positionen des Milieus der Muslimbrüder gespielt.[50] Kritik am Islam würde von der IGGÖ in Übereinstimmung mit der Strategie der Muslimbrüder pauschal als "Islamophobie" abgelehnt.[51] Bereits davor gab es den wiederholten Verdacht, dass unter anderem die Jugendorganisation der IGGÖ, die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ), aber auch der frühere Vorsitzende der IGGÖ Anas Schakfeh der Muslimbruderschaft nahestünden.[52][53][54]

Auch der aktuelle Präsident der IGGÖ, Ümit Vural, weist eine Nähe zur Muslimbruderschaft auf. So wird seine Teilnahme (gemeinsam mit seinem Vize Seyfi Recalar und dem Mitglied des Obersten Rates der IGGÖ, Muhammed al-Khoutanian) an einer prominent mit Muslimbrüdern besetzten Veranstaltung in Köln genauso wie seine fehlende Distanzierung von der Muslimbruderschaft kritisiert.[55]

Islamismus im SchulunterrichtBearbeiten

Die Recherche-Plattform Addendum hat den durch die IGGÖ organisierten Islamunterricht an österreichischen Schulen untersucht. Dabei wurden vielfache Belege für die politisch-islamische Ideologie festgestellt.[56]

Das im Islamunterricht verwendete Buch "Islamstunde" (herausgegeben von Amena Shakir, die der Muslimbruderschaft nahestehen soll) wird vom Verlag Veritas im Auftrag der IGGÖ herausgegeben. Da Religionsbücher im Gegensatz zu allen anderen Schulbüchern nicht staatlich genehmigt werden, bestimmt die IGGÖ allein Inhalt, Form und Ausrichtung der Lehrmaterialien. Ein vom Verlag Veritas beim Religionspädagogen Ednan Aslan in Auftrag gegebenes Gutachten beurteilte das Schulbuch sehr negativ. So kritisiert Aslan die Reduktion des Moslem-Seins auf "das Kopftuch und politisch-muslimische Persönlichkeiten" genauso wie die theologisch unhaltbare Arabisierung der islamischen Religion als Hindernisse für einen Islam europäischer Prägung. Die sehr detaillierte und konkrete Kritik Aslans wurde von der IGGÖ bisher weitestgehend ignoriert.

Auch die Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums „Globaler Islam“ Susanne Schröter kritisiert die in dem Schulbuch angewandte schwarze Pädagogik. Man arbeite mit Angst, um "autoritätshörige Untertanen zu schaffen, die nichts kritisch hinterfragen, sondern einfach alles nachbeten". Da Muslime in der "Islamstunde" mehrfach als Opfer einer diskriminierenden Gesellschaft dargestellt werden (ohne auf Vorurteile von Muslimen der Mehrheitsgesellschaft gegenüber einzugehen), wird durch die Opferrolle eine Identifikation der Schüler mit Österreich zunehmend erschwert. Auch etliche der im Schulbuch vorkommenden Autoren und Persönlichkeiten (z. B. Tariq Ramadan, Enkel des Gründers der Muslimbruderschaft; Ahmad von Denffer, selbsterklärter Gegner der freiheitlich-demokratischen Grundordnung; Muhammad Asad, Anhänger einer fundamentalistischen Auslegung des Islam) unterstützen diese „Ideologie der antiwestlichen Ressentiments“, die in dem Buch vorherrscht.

Der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide kritisiert vor allem die Fokussierung der IGGÖ auf das Kopftuch, wodurch eine sehr stark konservative Leseart des Islams dominiere, die nicht integrationsfördernd sei. Auch werden problematische Aussagen teilweise mit unsicheren Quellen aus der islamischen Lehre belegt und unkritisch übersetzt. Da die Quellen mit Absolutheitsanspruch dargestellt werden bleibt den Schülern kein Spielraum, diese zu hinterfragen. Es wird kritisiert, dass diese Art des in den Büchern vermittelten unkritischen Islamverständnisses von Extremisten genutzt werden könne. Schließlich wird an dem Buch auch der Zwang zum Arabischen als ein weiterer Hinweis für eine theologisch konservative Grundhaltung kritisiert, zumal dies theologisch nicht notwendig wäre. Da die meisten Muslime in Österreich kein Arabisch sprechen, handelt es sich dabei auch um ein problematisches Machtargument einer kleinen Gruppe, die für sich die Deutungshoheit über den Koran beansprucht.[57]

Anhand von Analysen in sozialen Netzwerken wurde weiters festgestellt, welche Islam-Lehrer durch Sympathiebekundungen für den türkischen Präsidenten Erdoğan oder anderer Führer des politischen Islam auffielen, bzw. wurden mögliche Verbindungen zu politisch-islamischen Organisationen überprüft. Es stellte sich heraus, dass jeder 13. Wiener Islam-Lehrer mit der Muslimbruderschaft, Millî Görüş oder dem türkischen Präsidenten Erdogan sympathisiert. Da sich die politisch-islamische Ideologie in ihren Grundzügen gegen den liberal-demokratischen Verfassungsstaat richte, wird dies als sehr problematisch kritisiert.[58]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c orf.at: Rechtsanwalt Vural ist neuer IGGÖ-Präsident. Artikel vom 8. Dezember 2018, abgerufen am 9. Dezember 2018.
  2. Verfassung der IGGÖ. derislam.at. Abgerufen am 22. Mai 2013.
  3. Muslime werben Mitglieder mit allen Mitteln, diepresse.com
  4. Farid Hafez: Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich. Eine Analyse der Organisationsstruktur unter Berücksichtigung muslimischer Spitzenverbände, Diplomarbeit Universität Wien, 2006.
  5. Islamgesetz von 1912 (Deutsch, Englisch, Französisch) Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich. 31. Oktober 2003. Abgerufen am 28. Dezember 2010.
  6. Gesetz, betreffend die gesetzliche Anerkennung von Religionsgesellschaften von 1874
  7. Islam-Verordnung des BMUKS vom 2. August 1988 (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive)
  8. Die Presse: Araber wollen Wahl des neuen IGGiÖ-Präsidenten anfechten; abgerufen am 23. März 2017
  9. orf.at: IGGÖ: Olgun kandidiert nicht mehr. Artikel vom 12. November 2018, abgerufen am 12. November 2018.
  10. diepresse.com: Islam: Das Ende der kurzen Ära Olgun. Artikel vom 11. November 2018, abgerufen am 12. November 2018.
  11. a b Peter Draxler, Solmaz Khorsand: Fast eine für alle (Memento des Originals vom 9. November 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.datum.at, Datum 10/06
  12. Neue Verfassung für Muslime in Österreich. In: Die Presse. 23. November 2006
  13. orf.at: Neue Verfassung der Islamischen Glaubensgemeinschaft (13. März 2008)
  14. ots.at: Kultusamt kritisiert neue Statuten
  15. derStandard.at: Islamische Glaubensgemeinschaft segnet neue Verfassung ab, 27. Juni 2009.
  16. Erich Kocina: Neue Verfassung für Muslime. In: Die Presse, 27. November 2009. Abgerufen am 22. Mai 2013. 
  17. Übersicht aus Broschüre zu Religionsgemeinschaften in Niederösterreich (Memento des Originals vom 30. September 2007 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.familienpass.at, 2004
  18. Martina Schmied: Islam in Österreich (PDF; 117 kB) siehe erläuternde Bemerkungen zum Islamgesetz vom 15. Juli 1912
  19. a b Moslems in Österreich, Wiener Zeitung vom 16. Mai 2006
  20. Neue islamische Pädagogikkonzepte, Wiener Zeitung vom 19. Oktober 2007
  21. "Vertuschen von Problemen hilft Muslimen nicht" Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide kritisiert konservativen Religionsunterricht – 55 Prozent melden sich ab. Die Presse vom 15. November 2007
  22. BGBl. II Nr. 234/2011: Lehrplan für islamischen Religionsunterricht laut Bekanntmachung des Bundesministers für Unterricht und Kunst vom 29. Juli 1983
  23. derstandard.at: Wirbel um Studie über muslimische Religionslehrer, 27. Jänner 2009 (aufgerufen am 31. Jänner 2009)
  24. IRPA-Eigendarstellung (Memento des Originals vom 22. Dezember 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.irpa.ac.at
  25. Religion aktuell, Ö1
  26. Neuer Campus für islamische Religionslehrer, ORF Wien
  27. Veranstaltungskalender, IRPA (Memento des Originals vom 22. Dezember 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.irpa.ac.at
  28. Remarks at the Islamic Teachers’ Academy (IRPA), US Embassy (Memento des Originals vom 15. Februar 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/austria.usembassy.gov
  29. Islamische Religionspädagogik, Universität Wien
  30. Lorenzo Vidino: The Muslim Brotherhood in Austria. Hrsg.: GW Program on Extremism. August 2017 (gwu.edu [PDF]).
  31. Internationaler Extremismus-Forscher: Muslimbruderschaft auch in Österreich aktiv und stark vernetzt. In: OTS.at. 14. September 2017 (ots.at [abgerufen am 26. April 2018]).
  32. Dienstvertrag der IGGiÖ Islamlehrer (Memento vom 27. März 2008 im Internet Archive)
  33. IGGiÖ Website (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  34. laut Omar Al-Rawi in "Liesing: Gräberfeld nur für Muslime" Der Standard vom 23. Mai 2007
  35. Islamischer Friedhof erst ab 2008 wien.ORF.at, 5. November 2006
  36. Irene Brickner: „Kleine Revolution“ für Muslime, made in Austria. In: Der Standard, 21. Dezember 2010. Abgerufen am 22. Mai 2013. 
  37. Staatliche Anerkennung für Aleviten fixiert. In: religion.ORF.at, 23. Mai 2013. 
  38. Larise, Dunja / Schmidinger, Thomas (Hrsg.): Zwischen Gottesstaat und Demokratie. Handbuch des politischen Islam. Wien 2008. ISBN 978-3-552-06083-8
  39. Hassprediger wirbt für „wahren Dschihad“ in Wien. 23. November 2014. 
  40. IGGiÖ-Vorsitzender: Einfluss auf radikale Kreise begrenzt. In: wien.ORF.at, 1. September 2014. Abgerufen am 23. November 2014. 
  41. Nina Weißensteiner: Anas Schakfeh rügt Israel für Gewalteinsätze. In: Der Standard. 2. Jänner 2009.
  42. Tausende bei Demo für Frieden in Gaza. In: wien.ORF.at, 23. November 2014.  @1 @2Vorlage:Toter Link/wien.orf.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: ORF.
  43. Glaube versus Evolution: Das Kreuz mit Darwin, in: ORF Religion am 28. Juli 2017. - Islamische Glaubensgemeinschaft gegen Evolutionstheorie in Die Presse am 21. Juli 2017.
  44. Geringes Interesse an Austro-Imamen. 15. Mai 2018 (orf.at [abgerufen am 16. Mai 2018]).
  45. Stefan Kaltenbrunner: Interview: Der neue IGGiÖ-Präsident und der Einfluss des türkischen Vereins Atib. 20. Juni 2016 (kurier.at [abgerufen am 16. Mai 2018]).
  46. ATIB distanziert sich von Darwinismus-Bann in der Türkei. 13. Juli 2017 (kurier.at [abgerufen am 16. Mai 2018]).
  47. Bilal Baltaci: Muslime-Chef Olgun lehnt nach Protest die Evolutionstheorie doch ab. 21. Juli 2017 (kurier.at [abgerufen am 16. Mai 2018]).
  48. Thomas Trescher: "Die IGGiÖ ist kein Zweig vom Herrn Botschaftsrat". 30. August 2016 (kurier.at [abgerufen am 16. Mai 2018]).
  49. Islam: Das Ende der kurzen Ära Olgun. In: Die Presse. 11. November 2018 (diepresse.com [abgerufen am 15. November 2018]).
  50. Lorenzo Vidino: The Muslim Brotherhood in Austria. Hrsg.: GW Program on Extremism. August 2017, S. 23 (gwu.edu [PDF]).
  51. Wiener Zeitung Online: Muslimbrüder laut Studie in Österreich gut vernetzt. 15. September 2017, abgerufen am 14. Februar 2019.
  52. Heiko Heinisch: Im Dunstkreis der Muslimbruderschaft? In: Kurier. 4. März 2015, abgerufen am 14. Februar 2019.
  53. Nina Scholz: Die Muslimische Jugend und die Muslimbruderschaft. 20. Oktober 2016, abgerufen am 14. Februar 2019.
  54. Wiener Zeitung Online: Anas Schakfeh. 17. Oktober 2007, abgerufen am 14. Februar 2019.
  55. Der IGGÖ-Präsident und die Muslimbruderschaft. In: Addendum.org. 4. Februar 2019, abgerufen am 14. Februar 2019.
  56. Wie politisch ist der Islamunterricht in Österreich? In: Addendum. Abgerufen am 21. Juni 2019.
  57. „Islamstunde“: Propagandaheft für den politischen Islam? 17. Juni 2019, abgerufen am 21. Juni 2019.
  58. Die Islamlehrer, die Muslimbruderschaft, Millî Görüş, Erdoğan nahestehen. 17. Juni 2019, abgerufen am 21. Juni 2019.