Indigene Sprachen in Mexiko

Indigene Sprachen in Mexiko
Sprache Anzahl Sprecher (2015)
Nahuatl (Aztekisch, Nahuatlahtolli) 1.725.620
Maya von Yucatán (Maaya t'aan) 859.607
Tzeltal (Bats'il K'op) 556.720
Mixtekisch (Tu'un savi) 517.625
Tzotzil (Batsil k'op) 487.898
Zapotekisch (Benezaa) 479.474
Otomí (Hñä hñü) 307.928
Totonakisch (Tachihuiin) 267.635
Chol (Lak t'an) 251.809
Mazatekisch (Ha shuta enima) 239.078
Huastekisch (Téenek) 173.765
Mazahua (Jñatio) 147.088
Taraskisch (P'urhépecha) 141.177
Chinantekisch (Tsa jujmí) 138.741
Tlapanekisch (Me'phaa) 134.148
Mixe (Ayüük) 133.632
Tarahumara (Rarámuri) 73.856
Zoque (O'de püt) 68.157
Amuzgo (Tzañcue) 57.589
Tojolabal (Tojolab'al, Tojolwinik otik) 55.442
Huichol (Wixárika) 52.483
Chatino (Cha'cña) 51.612
Tepehuan (O'odham) 46.281
Popoluca (Tuncápxe) 43.829
Mayo (Yoreme) 42.601
Cora (Naáyarite) 28.718
Chontal de Tabasco (Yokot t'an) 27.666
Trique (Tinujéi) 25.674
Yaqui (Yoreme) 20.340
Huave (Ikoods) 18.539
Popoloca (Oto-Mangue) 18.206
Cuicatec (Nduudu yu) 13.318
Pame (Xigüe) 12.232
Mam (Qyool) 11.387
Tepehua (Hamasipini) 10.427
Kanjobal (Q'anjob'al) 8.421
Chontal de Oaxaca (Slijuala sihanuk) 5.064
Sayultekisch (Sayula Popoluca) 4.117
Chuj 2.890
Akatekisch (Acateco) 2.837
Chichimeca Jonaz (Uza) 2.134
Guarijío (Makurawe) 2.088
Ocuilteco (Tlahuica) 1.568
Kekchí (Q'eqchi) 1.324
Chontal (unspezifiziert) 1.135
Lakandonisch (Hach t'an) 998
Seri (Concaac) 754
Pima (O'odham) 743
Chocho (Runixa ngiigua) 729
Quiché (K'iche') 730
Jakaltekisch (Abxubal) 527
Kumiai (Ti'pai) 486
Texistepequenisch (wää 'oot) 455
Cucapá (Es péi) 278
Paipai (Akwa'ala) 216
Kiliwa (Ko'lew) 194
Ixcatekisch 148
Mototzintleco oder Mocho (Qatok) 134
Kickapoo oder Kikapú (Kikapooa) 124
Pápago (Tohono o'odam) 112
Ixil 103
Olutekisch (Oluta Popoluca) 90
Teko 81
Cakchiquel (Kaqchikel) 61
Ayapaneco (Nuumte Oote) 24
Aguacateco (Awakatek) 17
Andere indigene Sprachen1 1.126
Nicht spezifizierte indigene Sprachen 101.187

1 einschließlich Ópata, Soltec und Papabucan

Quelle: mex. Statistikamt INEGI (2015)[1]

Mexiko gehört zu den Ländern mit der größten Anzahl indigener Sprachen. Neben dem Spanischen, welches de facto die einzige Amtssprache ist, erkennt Mexiko seit 2003 gesetzlich 62 indigene Sprachen als „Nationalsprachen(lenguas nacionales) an. Nach Angaben der „Nationalen Kommission für die Entwicklung der indigenen Völker“ Mexikos (CDI) sind 13 % der Bevölkerung als indigen einzustufen, obwohl die Volkszählung im Jahr 2000 nur 7,1 % der Gesamtbevölkerung als Muttersprachler und weniger als 1 % einsprachige Sprecher indigener Sprachen auswies.

Die wichtigsten indigenen Sprachen MexikosBearbeiten

Die am meisten gesprochenen indigenen Sprachen sind Nahuatl mit über 1,7 Millionen (gesprochen in vielen Bundesstaaten, häufig auch als erlernte Zweit- oder Drittsprache) und Mayathan (Maya auf der Halbinsel Yucatán) mit fast 900.000 Sprechern. Es gibt in Mexiko insgesamt 11 indigene Sprachfamilien und 68 Sprachgruppen.[2] 16 indigene Sprachen haben mehr als 100.000 Sprecher, mehr als in jedem anderen Land Amerikas. Von den 8 Millionen Einwohnern der Hauptstadtmetropole Mexiko-Stadt sprechen 129.000 eine indigene Sprache, davon 30 % Nahuatl (Stand: 2015).[3]

GeschichteBearbeiten

Vor der Eroberung Mexikos durch die Spanier wurden weit über hundert Sprachen auf dem Gebiet des heutigen Mexiko gesprochen. Einige davon hatten als Handelssprachen überregionale Bedeutung. Das Nahuatl war durch mehrere Einwanderungswellen aus dem Norden nach Zentralmexiko gelangt und wurde durch die Hochkulturen der Tolteken, der Tepaneken und schließlich der Mexica (Azteken) zur Prestigesprache Mesoamerikas. Wichtigste Kultur- und vollwertige Schriftsprachen im Kulturraum der Maya (Yucatán, Zentralamerika) waren das Mayathan und das Chol. Im Gebiet des heutigen Oaxaca waren wiederum das Mixtekische und Zapotekische als Verkehrssprachen wichtig.

Nach der Conquista wurde zunächst noch das Nahuatl als Missionssprache bevorzugt und so – in begrenztem Maße – weiterverbreitet. Gestützt wurde dies durch einen Erlass Philipps II. von Spanien von 1570, Nahuatl zur offiziellen Sprache in Neuspanien für die Kommunikation zwischen Weißen und Indigenen zu machen. Über ein Jahrhundert später, 1696, erließ Karl II. von Spanien ein Dekret, dass allein Spanisch die Amtssprache im spanischen Kolonialreich zu sein habe.

Der beschleunigte Niedergang der indigenen Sprachen begann jedoch erst nach der Unabhängigkeit Mexikos, als die herrschenden Kreolen ihre Sprache, das Spanische, als Amtssprache durchsetzten. So sollen 1820 noch etwa 60 % der Bevölkerung indigene Sprachen gesprochen haben, während 1889 der Anteil nach Angaben des Geografen Antonio García Cubas bereits auf 38 % gefallen war. Die Volkszählung von 2000 ergab einen Anteil von nurmehr 7,1 %. Die Daten aus dieser Zählung zeigen, dass viele indigene Sprachen Mexikos gefährdet sind, da sie nur noch von wenigen Kindern gelernt werden. Dies gilt – zumindest in wesentlichen Teilen ihres Sprachgebiets – selbst für die „großen“ indigenen Sprachen wie z. B. Nahuatl, Mayathan und Otomí.

Die Verwirklichung des Rechts auf Schulbildung für alle, aber eben nur in der Amtssprache Spanisch, nach der mexikanischen Revolution und der damit auch erleichterte soziale Aufstieg dürfte dabei zur Beschleunigung der Assimilierung beigetragen haben. Bis in die jüngste Vergangenheit war das erklärte Ziel der mexikanischen Regierung (wie auch anderer lateinamerikanischer Staaten) die Hispanisierung der indigenen Bevölkerung, die auch als „Befreiung von der Rückständigkeit“ verstanden wurde. Wichtig ist jedoch anzumerken, dass bei Volkszählungen regelmäßig die Kenntnis einer Sprache mit geringem Ansehen verleugnet wird und so zu niedrige Zahlen für indigene Sprachen ermittelt werden (underreporting).

Einen Wendepunkt in der offiziellen Politik stellen die 1990er Jahre dar, in denen erstmals auch auf internationaler Ebene in Amerika die so genannte interkulturelle zweisprachige Erziehung (Educación Intercultural Bilingüe, EIB oder EBI) thematisiert wurde. Aus diesen Jahren stammt die Festlegung im zweiten Artikel der mexikanischen Verfassung, dass Mexiko eine multikulturelle Nation sei und das Recht der indigenen Völker anerkenne, "ihre Sprachen zu erhalten und zu bereichern..." und der Staat die EIB fördere.

2003 beschloss das mexikanische Parlament das "Allgemeine Gesetz über die sprachlichen Rechte der indigenen Völker", das Spanisch und die indigenen Sprachen Mexikos auf Grund ihres historischen Hintergrunds als "Nationalsprachen" anerkannte und den indigenen Sprachen "dieselbe Gültigkeit in ihrem Territorium, Gebiet und Kontext" zusprach. Auf Grund dieses Gesetzes dürfen Indigene amtliche Unterlagen in ihrer Sprache vorlegen und anfordern. Der Staat ist hiernach verpflichtet zum Erhalt und der Förderung des Gebrauchs der Nationalsprachen durch die Tätigkeit des "Instituts für Indigene Sprachen"[4].

Mit etwa zehn Millionen Sprechern indigener Sprachen hat Mexiko die zweitgrößte absolute Anzahl indigener Sprecher in Amerika nach Peru. In prozentualer Hinsicht liegt es jedoch hinter Paraguay (Guaraní über 90 %), Bolivien (ca. 60 %), Guatemala (42,8 %), Peru (35 %), Ecuador (9,4 %) und Panama (8,3 %) erst an siebter Stelle.

Vitalität der indigenen Sprachen MexikosBearbeiten

Die Vitalität einer Sprache lässt sich daran messen, in welchem Maße sie von den Eltern (oder Großeltern) an die Kinder weitergegeben wird. In dieser Hinsicht gibt es starke Unterschiede zwischen den indigenen Sprachen in Mexiko. Insgesamt nimmt die absolute Zahl der Sprecher indigener Sprachen immer noch zu, doch nimmt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ab, da diese schneller wächst. Bei einigen Sprachen – darunter auch wichtige Sprachen wie Otomí und Mayathan – hat zwischen 2000 und 2010 auch die absolute Zahl der Sprecher abgenommen. Bei einigen anderen nimmt dagegen auf Grund sehr hoher Geburtenraten und der Weitergabe der Sprache an fast alle Kinder selbst der prozentuale Anteil an der Gesamtbevölkerung deutlich zu. Hierzu gehören die Maya-Sprachen Tzotzil und Tzeltal in Chiapas, aber auch kleinere Sprachen wie etwa die uto-aztekischen Sprachen der Huichol und Tarahumara in der Sierra Madre Occidental.

Von einem Sprecherrückgang sind insbesondere Sprachen betroffen, die in wirtschaftlich und verkehrsmäßig gut erschlossenen Gebieten gesprochen werden, so etwa in Teilen Zentralmexikos und auf der Halbinsel Yucatán, während Sprachen in abgelegenen Gebieten auch heute noch von vielen Kindern gesprochen werden. Diesem Muster folgt auch das über viele voneinander entfernte Gegenden verbreitete Nahuatl, das in Mexiko-Stadt nur noch von wenigen alten Menschen gesprochen wird, dessen Sprecherzahl in vielen Gegenden nahe der Hauptstadt zurückgeht, in abgelegeneren Gegenden wie etwa in Guerrero dagegen zu den indigenen Sprachen mit den höchsten Zuwachsraten zählt.

Indigene Sprachen in Mexiko: Sprecheranzahl und Anteil der Kinder (Volkszählung 2010)
Indigene Sprache Sprecher ab 3 Jahren Sprecher von 3–14 Jahren Anteil der Sprecher von 3–14 an allen Sprechern Anteil der Sprecher an allen Mexikanern ab 3 Jahren Anteil der Sprecher an allen Mexikanern von 3–14 Jahren
Alle Mexikaner 104781265 26357929 25,16 % 100,00 % 100,00 %
Alle indigenen Sprachen 6913362 1549365 22,41 % 6,60 % 5,88 %
Nahuatl 1586884 331456 20,89 % 1,51 % 1,26 %
Mayathan 796405 89994 11,30 % 0,76 % 0,34 %
Mixtekisch 489630 123079 25,14 % 0,47 % 0,47 %
Tzeltal (Tseltal) 474298 171840 36,23 % 0,45 % 0,65 %
Zapotekisch 434201 70118 16,15 % 0,41 % 0,27 %
Tzotzil (Tsotsil) 429168 149543 34,84 % 0,41 % 0,57 %
Otomí 288052 32562 11,30 % 0,27 % 0,12 %
Totonakisch 250252 49277 19,69 % 0,24 % 0,19 %
Mazatekisch 230124 53660 23,32 % 0,22 % 0,20 %
Chol (Ch’ol) 222051 66967 30,16 % 0,21 % 0,25 %
Huastekisch 166952 43204 25,88 % 0,16 % 0,16 %
Mixe 136736 29333 21,45 % 0,13 % 0,11 %
Mazahua 136717 11407 8,34 % 0,13 % 0,04 %
Chinantekisch 135353 30555 22,57 % 0,13 % 0,12 %
Taraskisch (Purépecha) 128344 26855 20,92 % 0,12 % 0,10 %
Tlapanekisch 127244 45266 35,57 % 0,12 % 0,17 %
Tarahumara 89503 26488 29,59 % 0,09 % 0,10 %
Zoque 65372 16990 25,99 % 0,06 % 0,06 %
Tojolabal 54201 16367 30,20 % 0,05 % 0,06 %
Huichol 47625 17069 35,84 % 0,05 % 0,06 %
Chatino 47327 15665 33,10 % 0,05 % 0,06 %
Amuzgo de Guerrero 45889 14915 32,50 % 0,04 % 0,06 %
Popoluca 42473 11524 27,13 % 0,04 % 0,04 %
Mayo 39759 1880 4,73 % 0,04 % 0,01 %
Chontal de Tabasco 37091 3976 10,72 % 0,04 % 0,02 %
Triqui 27137 8342 30,74 % 0,03 % 0,03 %
Tepehuano de Durango (Tepehuano del sur) 26804 9939 37,08 % 0,03 % 0,04 %
Zapoteco sureño 24089 7791 32,34 % 0,02 % 0,03 %
Cora 21445 7762 36,19 % 0,02 % 0,03 %
Popoloca 18485 4017 21,73 % 0,02 % 0,02 %
Huave 18264 4579 25,07 % 0,02 % 0,02 %
Yaqui 17592 3408 19,37 % 0,02 % 0,01 %
Cuicateco 13037 1928 14,79 % 0,01 % 0,01 %
Pame 11627 3927 33,77 % 0,01 % 0,01 %
Mame (Mam) 10467 1155 11,03 % 0,01 % 0,00 %
Kanjobal (Q’anjob’al) 9625 2616 27,18 % 0,01 % 0,01 %
Tepehua 8968 1094 12,20 % 0,01 % 0,00 %
Tepehuano de Chihuahua (Tepehuano del norte) 8399 2991 35,61 % 0,01 % 0,01 %
Amuzgo de Oaxaca 5203 1417 27,23 % 0,00 % 0,01 %

KartenBearbeiten

Karten der indigenen Sprachen in Mexiko (Stand: 2000)
     
Sprachen mit mehr als 100.000 Sprechern Sprachen mit 20.000 bis 100.000 Sprechern Sprachen mit weniger als 20.000 Sprechern

QuellenBearbeiten

  1. Lenguas indígenas en México y hablantes (de 3 años y más) al 2015. INEGI, abgerufen im September 2020 (spanisch).
  2. Catálogo de las lenguas indígenas nacionales. Gobierno de México, abgerufen im September 2020 (spanisch).
  3. Lenguas indígenas. Sekretariat für Urvölker, Ureinwohnerquartiere und indigene Gemeinschaften in der Wohnbevölkerung des Hauptstadtdistrikts (SEPI-CDMX), abgerufen im September 2020 (spanisch).
  4. Ley general de derechos linguísticos de los pueblos indígenas, http://www.inali.gob.mx/pdf/LGDLPI.pdf