Ika Freudenberg

bayrische Frauenrechtlerin
Grab von Ika Freudenberg auf dem Nordfriedhof in Wiesbaden

Ika Freudenberg (eigentlich Friederike Freudenberg; * 25. März 1858 in Raubach bei Neuwied; † 9. Januar 1912 in München) war eine führende Akteurin der bürgerlichen Frauenbewegung in Bayern.

Leben und WirkenBearbeiten

Ika Freudenberg war die Tochter des Hüttenbesitzers Johann Philipp Freudenberg (1803–1890) und dessen Frau Caroline (1817–1893), die aus einer Pfarrersfamilie stammte; ihr Bruder war Wilhelm Freudenberg.[1] In ihrer Jugend erhielt sie eine professionelle Musikausbildung; den Beruf der Musikerin übte sie jedoch nie aus.[2]

Freudenberg engagierte sich in vielfacher Hinsicht für die Rechte der Frauen. Sie erklärte das Wahlrecht der Frau und damit ihren vollen Anteil an der Gesetzgebung als den Kernpunkt der ganzen Frauenbewegung.[3]

Im Jahr 1894 zog Freudenberg mit ihrer ersten Lebensgefährtin nach München, wo sie begann, sich in der dortigen Frauenbewegung zu engagieren. Sie knüpfte Kontakte zu Schriftstellerinnen wie Ricarda Huch, Gabriele Reuter und Lou Andreas-Salomé und lernte die Fotografinnen und Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg und Sophia Goudstikker kennen. Mit letzterer zog sie 1899 nach dem Tod der ersten Lebensgefährtin zusammen; das Haus an der Königinstraße am Englischen Garten wurde zum beliebten Treffpunkt für die Münchner Bohème und für Freundinnen aus der Frauenbewegung inner- und außerhalb Münchens.

Spätestens 1896 übernahm Ika Freudenberg den Vorsitz des zwei Jahre zuvor gegründeten Vereins für Fraueninteressen (anfangs noch unter dem Namen Gesellschaft zur Förderung der geistigen Interessen der Frau) und behielt dieses Amt bis zu ihrem Tod im Jahr 1912.[4] Der Verein nahm auch Männer auf; ihm gehörten unter anderem der Dichter Rainer Maria Rilke und der Satiriker Ernst von Wolzogen an, der den Verein und seine Mitglieder (darunter Freudenberg, die Schwestern Goudstikker und Augspurg) in seiner Satire Das Dritte Geschlecht (1899) verewigte.

Unter dem Dach des Vereins entstanden unter anderem Auskunftsstellen für Frauenberufe, berufsständische Organisationen für Frauen sowie eine Rechtsschutzstelle für Frauen. Letztere unterstand der Leitung von Sophia Goudstikker, die – als erste Frau in München – auch als Verteidigerin vor erst- und zweitinstanzlichen Gerichten zugelassen war.[5] Als eine von Ika Freudenbergs größten Errungenschaften zitiert die mit Freudenberg ebenfalls eng befreundete Gertrud Bäumer in einem Lebensbild die erfolgreiche Initiierung einer Berufsvertretung für Kellnerinnen, die zu jener Zeit noch kaum arbeitsrechtlichen Schutz besaßen.[6] Freudenberg engagierte sich zudem im Vorstand des Bunds Deutscher Frauenvereine, dessen Vorsitz später Gertrud Bäumer übernehmen sollte.

1905 wurde bei Freudenberg Brustkrebs diagnostiziert. Sie wurde mehrfach operiert, blieb aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiter in der Frauenbewegung aktiv.[7] Am 9. Januar 1912 starb Ika Freudenberg in München an den Folgen ihrer Krankheit. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Nordfriedhof in Wiesbaden. Ihre Nachfolgerin als Vorsitzende des Vereins für Fraueninteressen wurde Luise Kiesselbach.

Zeitgenossinnen und Zeitgenossen schätzten an Freudenberg ihre besonnene Argumentation ebenso wie ihren Humor, ihre Feinfühligkeit und ihre Liebe zum Leben.[8][9]

EhrungenBearbeiten

Durch Stadtratsbeschluss vom 30. September 2004 wurde in München eine Straße nach ihr benannt.

PublikationenBearbeiten

  • Der Bund Deutscher Frauenvereine: eine Darlegung seiner Aufgaben und Ziele und seiner bisherigen Entwickelung, nebst einer kurzgefassten Übersicht über die Thätigkeit seiner Arbeits-Kommissionen. Mit Marie Stritt; Bund Deutscher Frauenvereine, Frankenberg (Sachsen). L. Reisel, 1900.
  • Ein Wort an die weibliche Jugend. Leipzig, Verlag der Frauen-Rundschau, 1903.
  • Ein Manifest gegen das Frauenstimmrecht. In: Die Frau. Monatsschrift für das gesamte Frauenleben unserer Zeit. Heft 16 (1908), S. 18–25. (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Die Frau und die Politik. Mit Wilhelm Ohr; Nationalverein für das liberale Deutschland. München, Heller 1908
  • Weshalb wendet sich die Frauenbewegung an die Jugend? Leipzig, Voigtländer, 1907.
  • Was die Frauenbewegung erreicht hat. München: Buchhandlung National-Verein, 1910.
  • Die Frau und die Kultur des öffentlichen Lebens. Leipzig, C. F. Amelang, 1911.
  • Grundsätze und Forderungen der Frauenbewegung. Mit Helene Lange; Anna Pappritz; Elisabeth Altmann-Gottheiner. Leipzig, 1912.
  • Was die Frauenbewegung erreicht hat. München, Buchhandlung Nationalverein, 1912.

LiteraturBearbeiten

  • Marita A. Panzer, Elisabeth Plößl: Bavarias Töchter. Frauenporträts aus fünf Jahrhunderten. Pustet, Regensburg 1997. ISBN 3-7917-1564-X
  • Heiner Feldhoff, Carl Gneist: Westerwälder Köpfe. 33 Porträts herausragender Persönlichkeiten. Rhein-Mosel-Verlag, Zell/Mosel 2014. ISBN 978-3-89801-073-3

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Friedrich Prüser: Freudenberg, Johann Philipp. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 409 f. (Digitalisat).
  2. Gertrud Bäumer: Lebensweg durch eine Zeitenwende. Verlag Rainer Wunderlich, Tübingen 1933, S. 182.
  3. Marie Stritt: Der Internationale Frauenkongress in Berlin 1904. Berlin 1905, S. 520, URL: https://archive.org/stream/derinternationa00fraugoog#page/n530/mode/2up.
  4. Gertrud Bäumer: Ika Freudenberg. In: Dies.: Gestalt und Wandel. Frauenbildnisse. F. A. Herbig 1939, S. 412–437, S. 418.
  5. Bäumer 1939, S. 424.
  6. Bäumer 1939, S. 425.
  7. Vgl. Bäumer 1939, S. 429.
  8. Bäumer 1939, S. 426ff.
  9. Antonius Lux (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild. Sebastian Lux Verlag, München 1963, S. 173.