Hure

Person, die sexuelle Handlungen gegen Bezahlung vornimmt

Hure (ahd. huora, mhd. huore) ist die gemeingermanische, oft abwertende Bezeichnung für eine Prostituierte. In der Umgangssprache wird dieser Begriff auch für Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern gebraucht. Ein verhüllendes Synonym ist Freudenmädchen, umgangssprachliche Bezeichnungen sind Bordsteinschwalbe und Trottoiramsel, abwertende Synonyme Nutte, Dirne und Metze. Hübschlerinnen nannte man fahrende Frauen.[1]

Die Kupplerin, Gemälde von Dirck van Baburen, um 1622

Etymologie und Begriffsgeschichte

Das Wort leitet sich von der indogermanischen Wurzel *qār- „begehrlich, lieb“ ab, aus der sich auch das lateinische cārus „lieb, teuer“ entwickelt hat. Im Althochdeutschen bezeichnete huor nicht nur die Prostitution im Besonderen, sondern den außerehelichen Beischlaf im Allgemeinen; huora wurde so auch in der Bedeutung „Ehebrecherin“ gebraucht. Eine Entsprechung für ehebrüchige Männer ist nur im Gotischen (hôrs) und Altnordischen (hórr) bezeugt.[2]

Das Wort Hure wurde und wird auch als Schimpfwort für Frauen benutzt, insbesondere wenn diese sexuell selbstbestimmt bzw. aktiv waren. In den letzten Jahren hat das Wort Hure (früher auch „Lohnhure“[3] im Gegensatz zur „Gelegenheitsbuhlerin“[4]) durch die Aktivitäten verschiedener Hurenvereinigungen (Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen, Huren wehren sich gemeinsam), die sich bewusst so nennen, eine gewisse Aufwertung bzw. Neutralität erhalten. Die Mitglieder der niederländischen Prostituierten-Gewerkschaft benennen sich sogar mit einem gewissen Stolz als Huren (siehe Dysphemismus-Tretmühle).

Geschichte

In einer „Gegenwartstudie“ zum Thema Prostitution stellte Oskar Panizza Ende des 19. Jahrhunderts einige Daten zusammen: während Karl der Große die strengsten Verordnungen gegen Prostitution erließ, wurden selbige nach seinem Tod wieder aufgehoben, weil unhaltbar. Dabei hielten die vornehmen Herren sich selbst mehrere Kebse. Ab dem 13. Jahrhundert schließen die Räte mehrerer Großstädte mit Frauenwirten Verträge ab, die genügend hübsche Mädchen in ihren Häusern verpflichten. Es wird bei Strafe verboten, diese Mädchen grundlos zu beleidigen und sie erhalten allerlei milde Bezeichnungen, wie törichte, schöne, fahrende oder gelüstige Dirnen, Hübschlerinnen, lustige oder barmherzige Schwestern. Der Ausdruck Hure wird seltener. Fürsten und Kaiser scheuen sich nicht, diese Frauenhäuser öffentlich zu besuchen. So ging es in vielen europäischen Staaten zu, erst Strafverfolgung, dann Verschlimmerung des Zustandes durch Verbreitung von Geschlechtskrankheiten, dann Milde gegenüber den Huren.[5]

Variationen

  • „Hurenbock“ ist eine veraltete Bezeichnung für Männer, die wahllos Sexabenteuer mit vielen verschiedenen Frauen eingehen („herumhuren“), ohne sich an eine Frau emotional binden zu wollen.
  • In der Typografie wird ein bestimmter Setzfehler als Hurenkind bezeichnet.
  • Der Ausdruck Hurensohn hat sich seit den 1990er Jahren in der Sprache Jugendlicher von seiner ursprünglichen Bedeutung gelöst und gilt nun als allgemeine Beleidigung unabhängig vom familiären Hintergrund.
  • Im Schweizerdeutschen ist Huere, huere- eine seit dem 19. Jahrhundert bezeugte Verstärkungspartikel, etwa Huereglück „unverdientes Glück“, huereschön „sehr schön“.[6][7]

Kunst

 
„Hure Babylon“

Für die „Hure Babylon“ in einem Holzschnitt von Albrecht Dürer stand dem Künstler wohl eine wirkliche Prostituierte Modell.[8] Anlässlich seiner Venedig-Reise im Jahr 1495 skizzierte er eine Venetianerin und verwendete das Studienblatt als Vorlage für die Große Hure Babylon in der Holzschnittfolge für die Apokalypse. Die ausgefallene Kleidung sollte die sittliche Verworfenheit symbolisieren.[9]Dirck van Baburen malte 1622 eine Laute spielende junge Hure mit entblößter Brust mit einem Freier und ihrer alten Kupplerin.[10]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Brockhaus Konversationslexikon. Band 7. F.A. Brockhaus, 1894, S. 238.
  2. Kluge. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 431;
    Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Erarbeitet unter Leitung von Wolfgang Pfeifer. Akademie, Berlin 1989 (und weitere Auflagen), Hure. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache.
  3. Kruenitz: Oeconomische Encyklopädie
  4. Anita Winkler: Prostitution – ein Fall für die Sittenpolizei
  5. Oskar Panizza: Prostitution, eine Gegenwartstudie. Hrsg.: Die Gesellschaft. Verlag von Wilhelm Friedrich, 1892, S. 1159.
  6. Christoph Landolt: huereguet. Wortgeschichte vom 1. Juni 2016, hrsg. von der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons.
  7. Schweizerisches Idiotikon. Band II, Sp. 1590, Artikel Huer, unter Bedeutung 2 (Digitalisat).
  8. Kurt Gärtner, Ingrid Kasten, Frank Shaw: Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters: Bristoler Kolloquium 1993. Walter de Gruyter, 2017, ISBN 978-3-11-091884-7, S. 19.
  9. Cornelia Plieger, Artur Rosenauer: Michael Pacher e la sua cerchia. Giunta provinciale dell'Alto Adige, 1999, ISBN 978-88-8266-048-2, S. 95.
  10. Wayne E. Franits: Dutch Seventeenth-century Genre Painting: Its Stylistic and Thematic Evolution. Yale University Press, 2004, ISBN 978-0-300-10237-6, S. 65 (englisch).