Hohnstädt

Ortschaft in Deutschland

Hohnstädt ist ein Stadtteil der sächsischen Stadt Grimma im Landkreis Leipzig. Politisch gehört der Ort seit 1952 zu Grimma.[1] Vorher war er eine eigenständige Gemeinde mit den Ortsteilen: Burgberg, Hohnstädt und Böhlen.[2] Die Gewerbegebiete um Hohnstädt werden teilweise auch als „Grimma Nord“ bezeichnet, diese Bezeichnung ist jedoch nicht weit verbreitet.

Hohnstädt
Große Kreisstadt Grimma
Koordinaten: 51° 15′ 6″ N, 12° 43′ 48″ O
Eingemeindung: 1. Januar 1952
Postleitzahl: 04668
Vorwahl: 03437
Hohnstädt (Sachsen)
Hohnstädt

Lage von Hohnstädt in Sachsen

Göschenhaus Hohnstädt

Geographische LageBearbeiten

Hohnstädt liegt nördlich der Innenstadt von Grimma, östlich befindet sich die Mulde. Nördlich grenzt Hohnstädt an die Bundesautobahn 14 und an die Gemeinde Trebsen. Im Westen begrenzt die Ortsumgehung Grimma den Ort.

GeschichteBearbeiten

Hohnstädt wurde das erste Mal 1269 als „Hoenstat“ benannt. Weitere Namensänderungen waren:[3]

 
Siegelmarke Gemeinde Hohnstädt
 
Hohnstädt auf einer Karte von Hermann Oberreit (1836–39)
  • 1301: Honstete
  • 1372: Honstad
  • 1514: Hohnstadt
  • 1678: Hohenstädt
  • 1875: Hohnstädt (Hohenstädt)

Entwicklung der EinwohnerzahlBearbeiten

Jahr Einwohnerzahl[3]
1548/51 14 besessene Mann, 15 Gärtner, 20 Inwohner, 12½ Hufen
1764 4 besessene Mann, 15 Gärtner, 18 Häusler, 5 4/5 Hufen je 20 Acker
1834 337
1871 335
1890 545
Jahr Einwohnerzahl
1910 794
1925 827
1939 2151
1946 2376

RittergutBearbeiten

In Hohnstädt existierte ein Rittergut, von dem zum heutigen Zeitpunkt nur noch das Herrenhaus und einige Wirtschaftsgebäude erhalten sind.

Göschen in HohnstädtBearbeiten

Der Verleger Georg Joachim Göschen besaß zu seiner Lebzeit ab 1795 ein ehemaliges Pferdnergut in Hohnstädt als Sommerresidenz. Ab 1812 war dies sein dauerhafter Wohnsitz,[4] den er bis zu seinem Tode behielt.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

  • Seume-Park
  • Waltherturm
  • Wasserturm

GöschenhausBearbeiten

Das von Göschen gekaufte Pferdnergut wird heute als „Göschenhaus“ bezeichnet. Renate Sturm-Francke erwarb 1934 das Göschenhaus und richtet im Laufe der Jahre eine Heimatstube ein, die 1950 eröffnet wurde.[5] Heute ist im Göschenhaus das „Museum Göschenhaus“ untergebracht, das man mitsamt dem dazugehörigen Park besichtigen kann. Das Museum ist das einzige Verlegermuseum Deutschlands.[6]

HerrenhausBearbeiten

 
Herrenhaus Hohnstädt

Das Herrenhaus Hohnstädt war Teil des Rittergutes Hohnstädt und wurde wahrscheinlich um 1700 von der Familie von Döring errichtet.[7] Nach 1945 wurde es als Kindergarten genutzt und steht seit den 1990er Jahren leer. Im Herrenhaus existiert ein sogenannter „Mendelssohn-Saal“. Das Herrenhaus wurde 2019 von zwei Grimmaer Unternehmern erworben, soll saniert und als Kita genutzt werden.[8]

Rittergut Böhlen-HohnstädtBearbeiten

 
Das Torhaus des Rittergutes Böhlen-Hohnstädt

Das Rittergut in Böhlen wurde das erste Mal als „allodium Belin“ 1393 benannt und 1606 als Rittergut.[9] 1814 wird das Rittergut folgend beschrieben:

„Böhlen, Dorf, aber vielmehr bloßes Rittergut im Leipziger Kreise, im Erbamte Grimma, 1/2 Stunde von der Stadt Grimma nördl. auf dem linken Ufer an der Mulde nennt. Die dabei befindlichen 24, auf Riterguts Grund und Boden erbauten Häuser enthalten 112 Einwohner und 2 Kühe, es sind also bloße Häusler.“

August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen[10]

Das Rittergut verfügte über eine geschlossene Hofform mit einem freistehenden Herrenhaus. Dies wurde jedoch in der Zeit von 1945 bis 1949 abgebrochen.[9] Besitzer des Rittergutes war unter anderem auch die Familie von Döring die ebenfalls das Rittergut Hohnstädt innehatten. Einige Wirtschaftsgebäude werden vom Reit- und Fahrverein Grimma e. V. genutzt. Das 1628 errichtete Torhaus[9] wurde 2008 der „Kartoffelkäferbande Grimma“ durch die Stadt Grimma übergeben.[11] und durch diese wieder komplett hergerichtet.

VereineBearbeiten

In Hohnstädt existieren unterschiedlichste Vereine so z. B. der 1946 wieder gegründete Hohnstädter SV e. V.[12] als auch den Reit- und Fahrverein Grimma e. V.[13]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

FeuerwehrBearbeiten

In Hohnstädt besteht eine Freiwillige Feuerwehr, die Teil der Gemeindefeuerwehr Grimma ist. Die Feuerwehr Hohnstädt wurde am 11. Februar 1939 gegründet. 2010 erfolgte ein Neubau des Feuerwehrhauses und die Beschaffung eines neuen LF 10, um den über 30 Jahre alten Vorgänger, ein Robur LF 8-TS8, abzulösen.[2]

VerkehrBearbeiten

In Hohnstädt spaltet sich die Bundesstraße 107 in den Teil, der durch die Stadt Grimma verläuft, und in die Ortsumgehung, die an der S11 in Richtung Großbardau endet. Außerdem verläuft nördlich die Bundesautobahn 14 mit der Anschlussstelle 31 „Grimma“.

BildungBearbeiten

Eine der drei Grundschulen[14] im Ortsgebiet der Stadt Grimma ist die „Grundschule Hohnstädt“. Diese ist in den Gebäuden der ehemaligen POS Bruno Lau untergebracht zudem wurde auf dem Gelände der ehemaligen „Wägetechnik Hohnstädt“ die neue Sporthalle Hohnstädt errichtet.

Bedeutende PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter von HohnstädtBearbeiten

Personen mit Verdiensten um HohnstädtBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Hohnstädt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Hohnstädt im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

LiteraturBearbeiten

August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen. Band 1. Im Verlage der Gebrüder Schumann, Zwickau 1814 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Grimma – HOV | ISGV e.V. Abgerufen am 19. März 2018.
  2. a b Freiwillige Feuerwehr Hohnstädt - Historischer Rückblick. (Memento vom 20. März 2018 im Internet Archive) Abgerufen am 19. Februar 2017.
  3. a b Vgl. Hohnstädt im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Shirtbuster GmbH: Museum Göschenhaus » Göschenhaus » GEORG JOACHIM GÖSCHEN (1752-1828). Abgerufen am 19. März 2018.
  5. Renate Sturm-Francke. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 20. August 2017; abgerufen am 19. März 2018.
  6. Shirtbuster GmbH: Museum Göschenhaus » Göschenhaus » GESCHICHTE DES GÖSCHENHAUSES. Abgerufen am 19. März 2018.
  7. Rittergut Hohnstädt (bei Leipzig) › Landkreis Leipzig, Sachsen, Schlösser & Herrenhäuser. Abgerufen am 19. März 2018 (deutsch).
  8. Frank Prenzel: Grimma drückt beim Rappenberg aufs Tempo. Leipziger Volkszeitung, abgerufen am 21. Dezember 2019.
  9. a b c Rittergut Böhlen an der Mulde (bei Leipzig) › Landkreis Leipzig, Sachsen, Schlösser & Herrenhäuser. Abgerufen am 20. März 2018 (deutsch).
  10. siehe August Schumann, 1814 S. 434
  11. Kartoffelkäferbande Grimma: Club. Abgerufen am 20. März 2018.
  12. Chronik Hohnstädter SV /Böhlen und Umgebung. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 27. Juni 2017; abgerufen am 19. März 2018.
  13. Startseite - Reit- und Fahrverein Grimma e.V. Abgerufen am 19. März 2018.
  14. flashlight-media Werbeagentur Leipzig - Grimma: Grimma » Bildung » erste Schuljahre » Grundschulen. Abgerufen am 19. März 2018.