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Herbert von Hintzenstern

deutscher Theologe

LebenBearbeiten

Von Hintzenstern studierte von 1936 bis 1940 Evangelische Theologie in Halle (Saale) und Jena. Im Jahr 1937 trat er der NSDAP bei.[1] Im Jahr 1939 erklärte er seine Mitarbeit am Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben. 1940 promovierte er in Jena mit einer von Walter Grundmann betreuten Doktorarbeit über Houston Stewart Chamberlains Darstellung des Urchristentums zum Dr. theol.[2] Grundmann betrachtete Hintzenstern als seinen begabtesten Schüler und machte ihn zu seinem Mitarbeiter im Eisenacher „Entjudungsinstitut“.[3] Im Anschluss war er Vikar in Jena und Eisenach, wo er zum Pfarrer ordiniert wurde und im Landeskirchenamt tätig war.[4] Seit 1943 war er Hilfsprediger in Eisenach. Von 1943 absolvierte er seinen Kriegsdienst als Sanitäter und geriet in Gefangenschaft. Seit August 1945 war er in Lauscha, ab 1948 als Pfarrer. Hier trat er der DDR-CDU bei. Im Jahre 1952 wurde er zum Landesjugendpfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen berufen. Seit 1956 leitete er die Evangelische Akademie Thüringen und die Pressestelle der Kirche. Gleichzeitig wurde er zum Chefredakteur der Kirchenzeitung Glaube und Heimat berufen. 1962 wurde er zum Kirchenrat ernannt. Von 1968 bis 1986 war er nebenamtlicher Leiter des Pfarrhausarchivs im Lutherhauses in Eisenach. 1981 ging er in den Ruhestand.[5]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

Vgl. Konrad Marwinski: Herbert von Hintzenstern (1916–1996). Personalbibliographie. In: Herbergen der Christenheit. Jahrbuch für deutsche Kirchengeschichte 25 (2001), S. 93–149.

MonographienBearbeiten

  • H. St. Chamberlains Darstellung des Urchristentums. Weimar: Verlag Deutsche Christen; Weimar: Der neue Dom, Schneider & Co. 1941 (Studien zu deutscher Theologie und Frömmigkeit; Bd. 6)
  • Der Kreuzaltar in Gräfentonna – ein unbekanntes Meisterwerk. Ein Bildbuch. Berlin: Ev. Verlagsanstalt, 1957
  • (mit Karl Brinkel): Des Herren Name steht uns bei. Luthers Freunde und Schüler in Thüringen. Bd. 1, 1961
  • (mit Karl Brinkel): Ach, Herrgott, wie reich tröstest du. 1962
  • Die Bilderpredigt des Gothaer Tafelaltars. Berlin 1965
  • Luther in Eisenach. 1967
  • Die Altäre in Bibra – Aus Riemenschneiders Werkstatt. Berlin 1969
  • Lucas Cranach d. Ä. Altarbilder aus der Reformationszeit. 1975
  • 300 Tage Einsamkeit: Dokumente und Daten aus Luthers Wartburgzeit. 1982
  • Farbiger Abglanz. 1985
  • Dorfkirchen in Thüringen. 2. Auflage, Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1986. (1. Auflage 1979)
  • Von Würzburg nach Bibra. Riemenschneideraltäre in Thüringen. 1987
  • Herder in Weimar. 1988

AufsätzeBearbeiten

  • Das Ganze sehen. Zum 2-jährigen Todestag von Hans von Wolzogens. In: Deutsches Christentum 5 (1940), Heft 16, S. 2.
  • Arthur Bonus (1864–1941). Wille und Werk. In: Volk im Werden 10 (1942), S. 1–12.

HerausgeberschaftBearbeiten

  • Domine dirige me in verbo tuo. Herr, leite mich nach deinem Wort! Festschrift zum 70. Geburtstag von Landesbischof Dr. Moritz Mitzenheim.
  • 50 Jahre im Dienste der Kirche. Eine Festgabe zum goldenen Ordinationsjubiläum von Landesbischof Dr. Moritz Mitzenheim am 18. Oktober 1964.
  • Altarbilder aus der Reformationszeit Lucas Cranach d. Ä. – Hrsg. 1969
  • Martin Luther: Briefe von der Wartburg 1521/22. (Schriften der Wartburg Stiftung 4), Neuauflage 1991
  • Fundamente: Dreißig Beiträge zur thüringischen Kirchengeschichte. 1987

LiteraturBearbeiten

  • Erich Stegmann: Der Kirchenkampf in der Thüringer evangelischen Kirche 1933–1945. Berlin 1984.
  • Ernst Koch: In memoriam Herbert von Hintzenstern. In: Herbergen der Christenheit, Jg. 21/22 (1997/1998), S. 271–273.
  • Thomas A. Seidel (Hrsg.): Thüringer Gratwanderungen. Beiträge zur 75-jährigen Geschichte der evangelischen Landeskirche Thüringens (= Herbergen der Christenheit. Jahrbuch für deutsche Kirchengeschichte, Sonderband 3). Leipzig 1998, ISBN 3-374-01699-5.
  • Konrad Marwinski: Herbert von Hintzenstern (1916–1996). Personalbibliographie. In: Herbergen der Christenheit. Jahrbuch für deutsche Kirchengeschichte 25 (2001), S. 93–149, zur Biographie v. a. S. 93–95.
  • Oliver Arnhold: „Entjudung“ – Kirche im Abgrund. Die Thüringer Kirchenbewegung Deutsche Christen 1928–1939 und das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ 1939–1945. 2 Bde. Berlin 2010, ISBN 978-3-938435-00-7.
  • Kurzbiografie zu: Hintzenstern, Herbert von. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Harry Waibel: Diener vieler Herren. Ehemalige NS-Funktionäre in der SBZ/DDR. Lang, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-631-63542-1, S. 142.
  2. Laut Marwinski (2001), S. 96, wurde die Publikation auf „Veranlassung der Reichsschrifttumskammer eingestampft“.
  3. Hans Prolingheuer: Das kirchliche „Entjudungsinstitut“ 1939 bis 1945 in der Lutherstadt Eisenach, S. 16, Fußnote 35.
  4. Hier ordnete er den Nachlass von Arthur Bonus, einem Vertreter des germanisierten Christentums, vgl. Marwinski (2001), S. 94.
  5. Thomas A. Seidel: Im Übergang der Diktaturen. Eine Untersuchung der kirchlichen Neuordnung in Thüringen 1945–1951 (Konfession und Gesellschaft 29), Stuttgart 2003, S. 341; Oliver Arnhold: „Entjudung“ – Kirche im Abgrund, Bd. 2. Das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des Jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ 1939–1945 (Studien zu Kirche und Israel 25/2), Berlin 2010, S. 805.