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Henryk Hoser

polnischer Ordensgeistlicher, Kurienerzbischof und Bischof von Warschau-Praga
Erzbischof Henryk Hoser
Wappen von Henryk Hoser

Henryk Hoser SAC (* 27. November 1942 in Warschau, Polen, damals Generalgouvernement) ist ein polnischer Ordensgeistlicher und emeritierter römisch-katholischer Bischof von Warschau-Praga sowie ehemaliger Kurienerzbischof.

LebenBearbeiten

Henryk Hoser besuchte die Grundschule in Pruszków und die weiterführende Schule in Warschau. Danach studierte er an der Medizinischen Akademie in Warschau, wo er 1966 sein Diplom im Fach Medizin erwarb und danach als Assistent an der Hochschule tätig war[1]. 1969 trat er in die Gesellschaft des Katholischen Apostolats (SAC) des heiligen Vinzenz Pallotti ein, wo er am 8. September 1970 die zeitlichen Gelübde ablegte. Von 1970 bis 1974 studierte er Philosophie und Katholische Theologie am Priesterseminar der Pallottiner in Ołtarzew (Polen).

Am 16. Juni 1974 spendete ihm der Warschauer Weihbischof Władysław Miziołek die Priesterweihe. Von 1974 bis 1975 studierte er zur Vorbereitung auf seine Tätigkeit als Missionar in Ruanda Französisch und Tropenmedizin in Paris. Von 1975 bis 1995 war er Missionar in Ruanda, wo er verschiedene Ämter innehatte: Pfarrvikar, Gemeindepfarrer, Beauftragter für die Animation des Familienapostolats, Beauftragter für die apostolische Fortbildung der Laien; Beauftragter für die Förderung des Presseapostolats.

1978 gründete er in Kigali ein Zentrum für Gesundheits- und Sozialdienst, das er selbst 17 Jahre lang leitete, und ein Zentrum der Familienpastoral (Action Familiale). Einige Jahre lang war er als Sekretär der bischöflichen Kommission für Gesundheit und der bischöflichen Kommission für die Familie tätig. Außerdem war er Vorsitzender des Verbandes der Assoziierten Ärztezentren in Kigali (BUFMAR), Leiter eines AIDS-Observatoriums und Leiter eines Programms zur psychisch-medizinischen und sozialen Betreuung von AIDS-Kranken.

Während seiner Zeit als Missionar in Ruanda war er auch 10 Jahre lang Regionaloberer der Gesellschaft des Katholischen Apostolates (Pallottiner) und Vorsitzender der Konferenz der Ordensoberen und der Oberen der Gesellschaften des Apostolischen Lebens (COSUMA) in Ruanda. Im Jahr 1994 nahm er als Experte für Familienfragen und Entwicklung an der Afrikasynode teil. Ebenfalls 1994 wurde für die Zeit der Abwesenheit des Apostolischen Nuntius in Ruanda zum Apostolischen Visitator in diesem Land ernannt. In diesem Amt war er bis zur Ernennung eines neuen Vatikanvertreters zwei Jahre lang tätig. Von 1996 bis 2003 war er Regionaloberer der Pallottiner und Mitglied des Missionsrates der Konferenz der Ordensoberen in Frankreich. Während dieser Jahre besuchte er im Auftrag der Kongregation für die Evangelisierung der Völker Priesterseminare in verschiedenen Missionsländern. Er war Mitgründer der 2001 gegründeten „Federation Africaine de l’Action Familiale“. Ab 2004 leitete er als Rektor die Missionsprokur der Pallottiner in Brüssel (Belgien), wo er auch als Seelsorger bei der Europäischen Gemeinschaft tätig war.

Hoser wurde am 22. Januar 2005 von Papst Johannes Paul II. zum Titularerzbischof von Tepelta und zum beigeordneten Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker sowie zum Präsidenten der Päpstlichen Missionswerke ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm Crescenzio Kardinal Sepe am 19. März desselben Jahres. Mitkonsekratoren waren der persönliche Sekretär des Papstes, Erzbischof Stanisław Dziwisz, und der Erzbischof von Kigali, Thaddée Ntihinyurwa.

Am 24. Mai 2008 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. unter Beibehaltung des persönlichen Titels eines Erzbischofs zum Bischof von Warschau-Praga.[2] Die Inthronisation erfolgte am 28. Juni 2008. Am 4. Juli 2009 berief ihn Papst Benedikt XVI. zum Konsultor der Kongregation für die Evangelisierung der Völker.

Henryk Hoser wurde am 23. September 2009 durch Papst Benedikt XVI. zum Mitglied der Zweiten Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika (4. bis 25. Oktober 2009) ernannt.[3] 2011 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Warschau.

Am 11. Februar 2017 ernannte Papst Franziskus Hoser zu seinem Sondergesandten für Međugorje. Er soll Erkenntnisse über die Situation vor Ort und die Bedürfnisse der Pilger sammeln sowie Vorschläge für pastorale Initiativen unterbreiten. Hosers Auftrag, den er neben der Leitung seiner Diözese wahrnimmt, soll bis zum Sommer 2017 abgeschlossen sein. Ausdrücklich betont wurde der ausschließlich seelsorgliche Charakter dieser Mission.[4][5]

Am 8. Dezember 2017 nahm Papst Franziskus seinen altersbedingten Rücktritt an.[6]

Politische PositionenBearbeiten

Henryk Hoser ist ein erklärter Gegner von Abtreibung, der Pille danach[7] und künstlicher Befruchtung.[8] So wird er zum Thema Abtreibung zitiert mit „Die Kinder werden dort getötet, wo ihr sicherster Platz sein soll – unter dem Herz der Mutter“.[9]

Im Jahr 2016 verbreitete er im Rahmen der politischen Diskussion in Polen zur Verschärfung des Abtreibungsverbots beim staatlichen TV-Senders TVP Info die wissenschaftlich falsche Aussage, das Vergewaltigungsopfer eine geringere Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft haben.[10]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Henryk Hoser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lekarz, Misjonarz, Arcybiskup. (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) S. 6, Warschauer Medizinische Universität, 2. Oktober 2008
  2. Benedikt XVI. ernennt Erzbischof Henryk Hoser SAC zum Bischof von Warschau-Praga. (Memento vom 23. März 2016 im Internet Archive)
  3. Nomine nell’ambito della Seconda Assemblea Speciale per l’Africa del Sinodo dei Vescovi, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 23. September 2009.
  4. Comunicato della Segreteria di Stato: Nomina dell’Inviato Speciale della Santa Sede per Medjugorje. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 11. Februar 2017, abgerufen am 11. Februar 2017 (italienisch).
  5. Medjugorje: Papst ernennt Sonderbeauftragten. Radio Vatikan vom 11. Februar 2017
  6. Rinuncia e successione del Vescovo di Warszawa-Praga (Polonia). In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 8. Dezember 2017, abgerufen am 8. Dezember 2017 (italienisch).
  7. Einnahme der Pille danach ist schwere Sünde, Kath.net vom 18. Januar 2015, abgerufen am 8. Januar 2017
  8. Streit über künstliche Befruchtung, TAZ.de vom 26. Oktober 2010, abgerufen am 8. Januar 2017
  9. Polinnen fordern Abtreibungsrecht, Kurier.at vom 4. Oktober 2016, abgerufen am 8. Januar 2017
  10. Erzbischof Hoser auf TVP über Schwangerschaften nach Vergewaltigung., abgerufen am 8. Januar 2017
VorgängerAmtNachfolger
Sławoj Leszek GłódźBischof von Warschau-Praga
2008–2017
Romuald Kamiński