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Helmut Moll

deutscher Theologe und Kirchenhistoriker
Helmut Moll (2011)

Helmut Moll (* 2. Juli 1944 in Euskirchen) ist römisch-katholischer Priester und Historiker. Er ist Beauftragter des Erzbistums Köln für Selig- und Heiligsprechungen, Herausgeber des Deutschen Martyrologiums des 20. Jahrhunderts und gilt als Experte für katholische Hagiographie und Exorzismus.

LebenBearbeiten

Moll wuchs am Annaturmplatz in Euskirchen auf, seine Eltern sind in Euskirchen begraben.[1] Nach dem Abitur am Neusser Quirinus-Gymnasium studierte er Geschichte und Katholische Theologie an den Universitäten Bonn, Tübingen, Regensburg und Münster sowie in Rom an der Universität Gregoriana und am Päpstlichen Bibelinstitut. 1973 wurde er in Regensburg bei Joseph Ratzinger mit der Arbeit Die Lehre von der Eucharistie als Opfer. Eine dogmengeschichtliche Untersuchung vom Neuen Testament bis Irenäus von Lyon zum Doktor der Theologie promoviert. 1976 empfing er die Priesterweihe für das Erzbistum Köln.

Auf Betreiben des damaligen Kölner Weihbischofs Hubert Luthe wurde Moll 1982 als Diözesanreferent im Erzbistum Köln für Fragen der Glaubenslehre zuständig. Bei einem Treffen mit seinem Doktorvater Joseph Ratzinger, der seit 1982 Leiter der Glaubenskongregation im Vatikan war, bat ihn dieser 1983, zu ihm an die Römische Kurie zu kommen. Von 1984 bis 1995 war Moll Mitarbeiter der Lehrabteilung der Kongregation für die Glaubenslehre in Rom. Er befasste sich unter anderem mit der kirchenamtlichen Bewertung der Befreiungstheologie und prüfte aus theologischer Sicht bioethische Fragen wie die Zulässigkeit der künstlichen Befruchtung oder den Zeitpunkt des Beginns des menschlichen Lebens. 1993 wurde er zusätzlich zum Konsultor der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse bestellt, für die er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2004 tätig blieb.[1]

1996 erhielt Moll auf Wunsch des damaligen Kölner Kardinals Joachim Meisner, der seit 1989 Vorsitzender der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz war, die hauptamtliche Leitung einer speziellen Arbeitsstelle, die im Auftrag der Bischofskonferenz das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts erarbeitete, ein umfangreiches Verzeichnis mit Lebensbildern deutscher und deutschstämmiger katholischer Märtyrer, die Moll in Zusammenarbeit mit Historikern und anderen Fachleuten aus den deutschen Diözesen und Ordensgemeinschaften zusammentrug. Die Erstausgabe überreichte er am 18. November 1999 zusammen mit Kardinal Karl Lehmann, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, an Papst Johannes Paul II., der die Dokumentation 1994 initiiert hatte.[1][2] Das Werk wurde 2008 mit dem Stephanus-Preis der „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“ ausgezeichnet.[3] Im September 2010 konnte Moll Papst Benedikt XVI. die um zahlreiche Namen erweiterte fünfte Auflage übergeben.[1][4] Die sechste Auflage des Martyrologiums überreichte Moll Papst Franziskus am 15. April 2015.[1] Auch die siebte Auflage des Werkes hat er dem Papst am 8. Mai 2019 persönlich ausgehändigt.

1998 wurde er bei der Erzdiözese Köln für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren verantwortlich. Moll begleitet unter anderem den Seligsprechungsprozess von Friedrich Joseph Haass, der aus Münstereifel stammende „heilige Arzt von Moskau“.

1994 wurde Helmut Moll in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem investiert. 2004 wurde Moll zum ehrenamtlichen Professor für Exegese und Hagiographie an der privaten Gustav-Siewerth-Akademie in Weilheim-Bierbronnen ernannt. Er ist Mitglied des Schülerkreises Joseph Ratzingers. Seit 2015 ist Moll Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Görres-Gesellschaft.

Moll hält regelmäßig Referate und Vorträge über Teufelsaustreibungen und ist Autor eines beachteten Kriterienkatalogs für Besessenheit, wird selbst aber nicht als Exorzist genannt.[5][6][7]

EhrungenBearbeiten

  • Von Papst Johannes Paul II. wurde er 1995 zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt.
  • Am 20. Juli 2017 wurde Helmut Moll in Ankum mit dem August-Benninghaus-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird vom Freundeskreis P. August Benninghaus SJ vergeben, der sich dem Gedenken des im Jahr 1880 bei Ankum geborenen Jesuitenpaters August Benninghaus widmet. Er starb 1942 im KZ Dachau und wurde 2015 in Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Der Preis ehrt nach Angaben der Stifter Personen, die sich „durch Forschung und Veröffentlichung zu Glaubenszeugen oder durch karitative Tätigkeiten im Sinn von Pater Benninghaus ausgezeichnet haben“.[8][9]

SchriftenBearbeiten

  • Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, Schöningh, Paderborn u. a. 1999, 7., überarbeitete und aktualisierte Auflage 2019, 2 Bände, ISBN 978-3-506-78012-6.
  • „Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen …“, Martyrer des Erzbistums Köln aus der Zeit des Nationalsozialismus. Mit einem Vorwort von Joachim Kardinal Meisner, Bildungswerk der Erzdiözese Köln, Köln 1998, 7., erweiterte Auflage 2016, ISBN 3-931739-09-0.
  • „Weiße Rose“ – vor 60 Jahren zerschlagen (PEK-Skript). Presseamt des Erzbistums Köln, Köln 2003.
  • Die katholischen deutschen Martyrer des 20. Jahrhunderts. Ein Verzeichnis. Schöningh, Paderborn 1999, 4. Auflage 2005, ISBN 3-506-75777-6.
  • Martyrium und Wahrheit. Zeugen Christi im 20. Jahrhundert. Gustav-Siewerth-Akademie, Weilheim-Bierbronnen 2005, 6. Auflage 2017, ISBN 3-928273-74-4.
  • Selige und heilige Ehepaare. Dominus Verlag, Augsburg 2016, 2., durchgesehene Auflage 2017, ISBN 978-3-940879-48-6.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Stefan Lieser: Drei Päpste und die „Zeugen für Christus“. In: Kölner Stadtanzeiger, 9. Oktober 2015, abgerufen am 28. Mai 2019.
  2. "Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts". Pressemeldung Nr. PRD99-072 der Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz vom 18. November 1999 (Statement von Bischof Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zur Vorstellung der Publikation), abgerufen am 30. Mai 2019.
  3. Personalien. In: Die Tagespost Nr. 140, 20. November 2008, S. 4.
  4. Blutzeugen des 20. Jahrhunderts. In: Kath.net, 3. September 2010, abgerufen am 29. Mai 2019.
  5. Thomas Jansen (KNA): Wenn man vom Teufel spricht …. In: Katholisch.de, 9. Mai 2014, abgerufen am 7. Mai 2019.
  6. Agathe Lukassek: "Nur Unwissende halten dämonische Kräfte für Märchen". In: Katholisch.de, 18. April 2016, abgerufen am 7. Mai 2019.
  7. Hugo Stamm: Auf Teufel komm raus – der Vatikan bildet 200 Exorzisten aus. In: Watson, 7. Mai 2016, abgerufen am 7. Mai 2019.
  8. Website des Freundeskreis P. August Benninghaus SJ, Abruf im Mai 2019.
  9. Roland Müller: "Die Kirche hat schon viele Reiche überlebt". In: Katholisch.de, 20. Juli 2017, abgerufen am 28. Mai 2019.