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Heinz-Dietrich Wendland

evangelischer Theologe und Sozialethiker

Heinz-Dietrich Wendland (* 22. Juni 1900 in Berlin; † 7. August 1992 in Hamburg) war ein evangelischer Theologe und Sozialethiker. Wendland gehörte zu den bedeutendsten Vertretern einer konservativ geprägten wissenschaftlichen Sozialethik.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Der durch die „deutschnationale Tradition des protestantischen Pfarrhauses“[1] geprägte Wendland gehörte seit 1913 der „Wandervogel“-Jugendbewegung, seit 1919 dem „Wingolf“ an. 1921 war er Mitbegründer des „Jungnationalen Bundes“. Ab 1919 studierte Wendland Theologie in Berlin und Heidelberg, wo er 1924 von Willy Lüttge über Alois Emanuel Biedermann promoviert und Mitarbeiter des Neutestamentlers Adolf Deissmann wurde.

1926 unterzeichnete er das Berneuchener Buch und war später Mitglied der Evangelischen Michaelsbruderschaft. Bis 1927 war er Assistent beim Zentralausschuss der Inneren Mission und wurde dann Dozent an der Evangelisch-sozialen Schule in Berlin-Spandau.

1929 habilitierte er sich bei Martin Dibelius mit Die Eschatologie des Reiches Gottes bei Jesus und wurde im selben Jahr Privatdozent, dann Professor für Neues Testament und Sozialethik in Heidelberg. 1935 trat Wendland der Bekennenden Kirche bei. 1937 wurde er als ordentlicher Professor für Neues Testament nach Kiel berufen.

Während des Zweiten Weltkriegs war Wendland ab 1939 Marinekriegspfarrer. Im Mai 1945 geriet er bis Ende November 1949 in sowjetische Gefangenschaft. Im Mai 1950 nahm er seine Lehrtätigkeit in Kiel wieder auf und wirkte 1955–70 als ordentlicher Professor der christlichen Gesellschaftswissenschaft in Münster.

Wendland war zudem seit 1950 im Deutschen Ökumenischen Studienausschuß und in der Evangelischen Marxismus-Kommission, in der unter anderem auch Günter Brakelmann, Trutz Rendtorff, Hermann Ringeling und Christian Walther tätig waren. 1957 war er Mitbegründer der Zeitschrift für Evangelische Ethik.

Im Ökumenischer Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) wirkte er als Mitglied über Jahre hinweg mit und trug zu Veröffentlichungen bei.[2]

WerkBearbeiten

Wendland, der in den 1930er Jahren noch einer nationalsozialistisch geprägten Ordnungsethik und Reichstheologie anhing, entwickelte nach 1945 eine Sozialtheologie, die den Arbeiten Hans Freyers, Arnold Gehlens und besonders Paul Tillichs verpflichtet war. Seine „Theologie der Gesellschaft“ beförderte die soziologische Wende in der evangelischen Ethik nach 1945.

Sozialethik sei kein „zeitloses System sozial-ethischer Wahrheiten“, sondern „sachgemäße Gesellschaftsanalyse“, die mit „realer Utopie“ eschatologisch die Unterscheidung von Gesellschaft und Reich Gottes einklage. Die moderne „funktionale Gesellschaft“ sah Wendland als eine von „Entfremdung“, „Verfall und Destruktion“, „Dämonie“ und „Pervertierung“ geprägte „technisierte Massenwelt“. Aufgabe der Kirche sei die „diakonische“ Arbeit, die sich an Leitgedanken „der Gerechtigkeit, der Freiheit, des Friedens“ orientiere. Ihr Ziel sei die „Humanisierung“ und „fortschreitenden Reform der gesellschaftlichen Institutionen“.[3]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Die Eschatologie des Reiches Gottes bei Jesus (1931)
  • Die Briefe an die Korinther (1932, 12. Aufl. 1968)
  • Reichsidee und Gottesreich (1934)
  • Die Kirche in der modernen Gesellschaft (1956, 2. Aufl. 1958)
  • Einführung in die Sozialethik (1963)
  • Die Kirche in der revolutionären Gesellschaft (1967)
  • Zur Theologie der Sexualität und der Ehe, in Theologie der Ehe, Verlage Friedrich Pustet Regensburg und Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 1969
  • Wege und Umwege. 50 Jahre erlebter Theologie 1919–1970 (1977)

LiteraturBearbeiten

  • Katja Bruns, Stefan Dietzel: Heinz-Dietrich Wendland (1900–1992). Politisch-apologetische Theologie (= Edition Ethik. Bd. 18). Ruprecht, Göttingen 2017, ISBN 978-3-8469-0289-9.
  • Karl-Wilhelm Dahm, Wolfgang Marhold: Theologie der Gesellschaft. In: Zeitschrift für Evangelische Ethik. Bd. 34, 1990, S. 174–191.
  • Friedrich Wilhelm Graf: Wendland, Heinz-Dietrich. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. 4. Auflage. Bd. 8 (2005), Sp. 1455 f.
  • Martin Honecker: Nachruf auf Wendland. In: Jahrbuch der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Künste. 1992, S. 63–66.
  • Dietz Lange: Ethik in evangelischer Perspektive. Grundfragen christlicher Lebenspraxis. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, S. 78–82.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Heinz-Dietrich Wendland: Wege und Umwege, 1977, S. 18
  2. Theologie der Ehe. Zur 29sten Tagung mit Beiträge von Rudolf Schnackenburg, Heinrich Greeven, Joseph Ratzinger, Heinz-Dietrich Wendland; Liste der Mitglieder des Arbeitskreises, Dokumente der Kirchen zu Ehe und Trauung, Verlage Friedrich Pustet Regensburg und Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 1969
  3. Vgl. Friedrich Wilhelm Graf: Wendland, Heinz-Dietrich. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Auflage, Bd. 8, Tübingen 2005, Sp. 1456
VorgängerAmtNachfolger
Heinz BittelRektor der WWU Münster
1964–1965
Friedrich Klein