Heinrich Horn (Glasmaler)

deutscher Glasmaler

Christian Georg Heinrich Horn (* 26. November 1816[1] in Rostock; † 1874)[2] war ein deutscher Zeichner, Maler und Glasmaler.[1]

Leben Bearbeiten

Heinrich Horn[2] war Sohn des Rostocker Schusters Georg Albrecht Horn und dessen Ehefrau Agnes Dorothea Katharina, geborene Kaufmann.[1]

Nach einer Ausbildung zum Maler erhielt Horn – nachdem er wegen des noch abzuleistenden Militärdienstes eine Kaution gestellt hatte – die Erlaubnis, von 1835 bis 1838 außerhalb seines Heimatlandes, des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, auf Wanderschaft zu gehen.[1]

Er arbeitete ab 1840 bis 1842 als Glasmaler in Straßburg, bevor er – wie aus einem Empfehlungsschreiben des Oppenheimer Bürgermeisters Dieterich hervorgeht – „spätestens ab 1843“ bei Nicolaus Usinger in Mainz tätig war. In Usingers wie ein Bauunternehmen aufgetretenen Werkstatt lag die künstlerische Arbeit, etwa bei den – 1857 zerstörten – Fenstern im Westchor des Mainzer Doms, in den Händen von Horn. Von ihm stammen unter anderem Usingers in der Oppenheimer Katharinenkirche ausführten Glasfenster. Dort erhaltene Arbeiten Horns, „umfangreiche, in der Ausführung so trockene wie plakative Ergänzungen“ in Fenstern im Norden und Süden der Kirche nach Rekonstruktionsvorschlägen von Franz Hubert Müller, „geben der Langhausverglasung bis heute ein unverwechselbares Gepräge.“[2]

1851 wurden laut einem Zeitungsartikel während einer Ausstellung in Lüneburg etwa 40 von Horn restaurierte Scheiben aus der Zeit des Mittelalters gezeigt.[1]

 
Das 1854 von Heinrich Horn gestaltete Kirchenfenster Kreuztragung Christi im Chor hinter dem Altar der Marktkirche von Hannover; später restauriert von Henning & Andres, Heinz Mühlenbein und der Glasmalereiwerkstatt Oidtmann aus Linnich

1854 ließ sich Horn in der Hannover[1] und wurde im selben Jahr Mitglied des Hannoverschen Künstlervereins.[3] Ebenfalls 1854 fertigte Horn im Zuge der durch Ludwig Droste[4] und Ludwig Frühling[5] vorgenommenen Restaurierung der hannoverschen Marktkirche drei völlig neu gestaltete Fenster für den Chorschluss an, davon zwei nach Entwürfen von August von Kreling.[4]

1864 erwarb Horn das Bürgerrecht der Stadt Hannover.[1] Im Folgejahr offerierte er in einer Annonce vom 25. November 1865 in der Illustrirten Zeitung das „Atelier für Glasmalerei von Heinrich Horn in Hannover“,[6] damals in der Theaterstraße 4b.II,[7] wie folgt:

„Seit mehr als 20 Jahren mit der Ausführung bedeutender kirchlicher Glasmalereien und Restaurationen beschäftigt, erlaube ich mir mein Atelier den geehrten Architekten, Geistlichen und Kirchenvorständen zur freundlichen Beachtung zum empfehlen. – Skizzen, Entwürfe und Ausführungen werden […] auf das Billigste berechnet. […] – Proben von Glasmalereien verschiedener Stilepochen stehen zur Ansicht in meinem Atelier bereit.“[6]

In seiner niedersächsischen Zeit fertigte Horn von verschiedenen Projekten, die er „zwischen Hannover und Warnemünde ausführte“, Zeichnungen an, die später in den Besitz des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover gelangten.[1]

1873 firmierte Horn laut dem Adressbuch der Stadt Hannover als Atelier für monumentale Glasmalerei und Styldekoration,[1] nachdem er kurz zuvor im Dezember 1872 als „H. Horn“ über eine Stellenanzeige in der Allgemeinen Zeitung einen „Glasmaler-Gehülfen, im Ornament erfahren“ gesucht hatte.[8] Das hannoversche Adressbuch verzeichnete unter dem Familiennamen Horn „(Chrn. Georg) Heinr., Kunstmaler“ sowie dessen Atelier im Jahr 1874 zuletzt Am Marstalle 7.[9] Nach seinem Tod im Jahr 1874[2] wohnte dort im Parterre des Hauses die Witwe des Kunstmalers, Frieda Horn, geborene Treu, als Haushaltsvorstand.[10]

Werke (Auswahl) Bearbeiten

Kirchen- und andere Fenster Bearbeiten

Zeichnungen Bearbeiten

  • Im Bestand des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover haben sich aus dem Bestand des Kunstvereins 50 Handzeichnungen Horns erhalten.[1]

Literatur Bearbeiten

  • Ivo Rauch: Die Farbverglasung der Oppenheimer Katharinenkirche. Ihre Wiederherstellung zwischen Romantik und Historismus. In: Falko Bornschein, Ulrike Brinkmann, Ivo Rauch: Erfurt – Köln – Oppenheim. Quellen und Studien zur Restaurierungsgeschichte mittelalterlicher Farbverglasungen (= Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland. Studien, Band 2). Deutscher Verlag für Kunstwissenschaften, Berlin 1996, ISBN 978-3-87157-170-1 und ISBN 3-87157-170-9, S. 250–202, v. a. S. 179–182.

Weblinks Bearbeiten

Commons: Heinrich Horn – Sammlung von Bildern

Anmerkungen Bearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k Elgin Vaassen: Bilder auf Glas. Glasgemälde zwischen 1780 und 1870 (= Kunstwissenschaftliche Studien, Band 70). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1997, ISBN 978-3-422-06206-1 und ISBN 3-422-06206-8, S. 131, 321 u.ö. (Vorschau über Google-Bücher).
  2. a b c d e f Uwe Gast (Verf.), Ivo Rauch (Mitarb.): Oppenheim, Katharinenkirche, in dies.: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Oppenheim, Rhein- und Südhessen (= Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland, Band 3: Hessen und Rheinhessen, Teilband 1). Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2011, ISBN 978-3-87157-225-8, S. 247–410 u.ö., v. a. S. 270–271 (Digitalisat).
  3. Glasmalerei-Werkstätten im 19. Jahrhundert in Niedersachsen. Einblicke in das Forschungsprojekt „Kirchliche Glasmalerei zwischen 1800 und 1914 in Niedersachsen“, in: Das Münster. Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft, Bd. 62 (2009), S. 94 (Vorschau über Google-Bücher).
  4. a b c d e Elena Kosina: Hannover, Marktkirche, in dies.: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Niedersachsen. Ohne Lüneburg und die Heideklöster, unter Verwendung von Vorarbeiten von Ulf-Dietrich Korn (= Corpus Vitrearum Medii Aevi, Deutschland, Band 7, Heft 1). Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2017, ISBN 978-3-87157-244-9, S. 228–258; hier: S. 233, 255 (Digitalisat).
  5. Helmut Knocke, Hugo Thielen: Hanns-Lilje-Platz 1, in Dirk Böttcher, Klaus Mlynek (Hrsg.): Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon, Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, zu Klampen, Springe 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, S. 127–132; hier: S. 129; ebenda S. 130 wird für das Glasfenster mit Darstellung der Kreuztragung Christi nahegelegt, die Firma Henning & Andres habe dieses Fenster 1908 „nach Vorbild von 1478 in St. Sixtus, Northeim“ geschaffen.
  6. a b Illustrirte Zeitung, Jahrgang 1865, Nummer 1169 vom 25. November 1865, S. 383 (Google-Books).
  7. Adreßbuch der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Hannover für 1865. Mit dem Plane der Stadt, Teil 1: Adreß- und Wohnungsanzeiger, Abteilung 4: Alphabetisches Verzeichniß der Einwohner, Hannover: Verlag der Lammingerschen Hof-Buchdruckerei, Hannover 1865, S. 211 (Digitalisat).
  8. Stellenanzeige als Digitalisat über das Portal bavarikon.de.
  9. Adressbuch 1874.
  10. Adressbuch Hannover 1875.
  11. Monika Böning u. a.: Glasmalerei des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Katalog zur Ausstellung, Angermuseum Erfurt, 23. September 1993 bis 27. Februar 1994, veranstaltet vom Angermuseum Erfurt und der Arbeitsstelle für Glasmalereiforschung des Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland in Potsdam. Edition Leipzig, Leipzig 1993, ISBN 978-3-361-00415-3 und ISBN 3-361-00415-2 sowie ISBN 978-3-361-00414-6 und ISBN 3-361-00414-4, S. 168 (Vorschau über Google-Bücher).
  12. Cornelia Aman et al.: Glasmalereien aus acht Jahrhunderten. Meisterwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz - ihre Gefährdung und Erhaltung, hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundesdenkmalamt Wien und dem Schweizerischen Zentrum für Forschung und Information zur Glasmalerei in Romont, 2., überarbeitete Auflage, Edition Leipzig, Leipzig 1999, ISBN 978-3-361-00479-5 und ISBN 3-361-00479-9, S. 60 (Vorschau über Google-Bücher).
  13. Angela Klauke: Stifterfenster, um 1868; Entwurf von Heinrich Horn im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, Bd. 29 (2009), Heft 1, S. 26–30.
  14. Reinhard Glaß: Lüer, Johann Heinrich Wilhelm in der Datenbank Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902), ein Forschungsprojekt von Günther Kokkelink, Monika Lemke-Kokkelink und Reinhard Glaß, [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 20. November 2022.