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WerdegangBearbeiten

Harald Seubert studierte Philosophie, Geschichte, Literaturwissenschaft, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften und evangelische Theologie in Erlangen, München, Würzburg, Frankfurt am Main, Tübingen und Wien. Von 1992 bis 1999 war er Lehrbeauftragter für Religionsphilosophie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. In den Jahren 1993 bis 1999 war er an derselben Universität zugleich Lehrbeauftragter für Neuere Literaturwissenschaften. Im März 1998 erfolgte dort die Promotion mit einer Dissertation über Martin Heidegger. 1998 wurde Seubert Lehrbeauftragter für Philosophie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, von 1999 bis 2004 wissenschaftlicher Assistent bei Manfred Riedel. Im Sommer 2002 wurde seine Habilitationsschrift Polis und Nomos. Untersuchungen zu Platons Rechtslehre angenommen. Von 2003 bis 2009 lehrte er als Privatdozent an der Universität Halle-Wittenberg. Seit 2009 war er nach Umhabilitation Privatdozent für Philosophie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg bis zum 1. April 2013.[1][2]

Neben seinen Privatdozenturen war Seubert zwischen 2005 und 2012 in verschiedenen Zeitabschnitten an der polnischen Adam-Mickiewicz-Universität Posen (UAM) tätig. Im Sommersemester 2005 nahm er dort über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) eine Kurzzeitdozentur wahr. Vom 1. Oktober 2006 bis 30. Juni 2010 war er an der UAM vertraglich als „Extraordinarius“ (poln.: „profesor nadzwyczajny“) bedienstet.[3][4] Dabei war er dem Fremdsprachenkolleg (Kolegium Języków Obcych UAM) zugeordnet und lehrte Philosophie und Geistesgeschichte. Daran schloss sich vom 2. August 2010 bis 31. August 2012 eine Beschäftigung als Gastprofessor (poln.: profesor wizytujacy) in der deutschen Sektion des Fremdsprachenkollegs (Kolegium Języków Obcych) der UAM an. Dort lehrte er Methoden der Literaturwissenschaft, Literatur- und Kulturgeschichte.

Zwischenzeitlich war er von 2006 bis 2010 Lehrbeauftragter für Philosophie, insbesondere Religionsphilosophie, an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2010 ist er Mitglied des Lehrkörpers der Hochschule für Politik München und dort Lehrbeauftragter. Von 2010 bis 2013 war er zusätzlich als Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilian-Universität München tätig und dort dem Guardini-Lehrstuhl zugeordnet.[5]

Von 2010 bis 2014 war Seubert als Nachfolger von Wolfgang Stribrny Präsident des Vereins Preußeninstitut e.V.-Zollernkreis[6]. Sein Nachfolger ist der bisherige Vorsitzende Rolf Sauerzapf. 2011 wurde Seubert Präsident des Studienzentrums Weikersheim[7]. Dieses Amt legte er 2016 im inhaltlichen Dissens mit sofortiger Wirkung nieder[8][9]. In der Folge veröffentlichte Seubert das Buch Der Frühling des Missvergnügens (2018), in dem er die Neue Rechte analysiert und sich deutlich von den Zielsetzungen und Protagonisten der Bewegung distanziert.[10]

Die umfangreiche Privatbibliothek Günter Rohrmosers, die er nach dessen Tod 2008 geerbt hatte, übergab er der Bibliothek des Konservatismus.[11]

Seit September 2012 ist Seubert Professor für Philosophie und Religionswissenschaft und Fachbereichsleiter für Missions- und Religionswissenschaften an der staatlich anerkannten, evangelikalen Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel[12].

Seit Juni 2016 ist Seubert Vorsitzender des Vorstands der Martin-Heidegger-Gesellschaft.[13]

Seit September 2017 lehrt er zusätzlich als apl. Professor für Philosophiegeschichte an der Freien Theologischen Hochschule Gießen.[14]

Neben der akademischen Tätigkeit hält Seubert auch zahlreiche Vorträge im öffentlichen Raum.

DenkenBearbeiten

Seuberts historische Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind die antike Philosophie (vor allem Platon),[15] die spekulative Metaphysik und Mystik des Mittelalters (Meister Eckhart und Nikolaus von Kues),[16] der deutsche Idealismus (Kant, Hegel, Schelling, Fichte) und die Philosophie der Moderne seit Nietzsche, Husserl und Heidegger.[17][18] Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt liegt u. a. auf Fragen der Interkulturellen Philosophie.[19] Von grundlegender Bedeutung ist hierzu seine Weltphilosophie. Weltphilosophie. Ein Entwurf ist gleichzeitig der Auftaktband der von Seubert herausgegebenen Reihe Philosophie der Interkulturalität.[20] Den Verbindungen von Glaube und Vernunft, Weltreligionen und Kulturen geht er in seiner religionsphilosophischen Monographie Zwischen Religion und Vernunft im Einzelnen nach.[21]

Seine philosophische Programmatik legt er in dem Buch Philosophie. Was sie ist und sein kann dar: Seubert verbindet dabei Systematik und Ideengeschichte eng, die einander wechselseitig beleuchten sollen.[22] Innovation sei nur möglich, wenn Philosophie auch komplexe Denkformen, die vertreten wurden, kennt, prüft und weiter tradiert. Seubert votiert dafür, die Philosophie nicht nur im Verhältnis zur Wissenschaft, sondern auch zu Religion, Literatur und Kunst zu thematisieren. In seinem eigenen Werk verfolgte er dieses Anliegen bislang für die Ästhetik und die Politische Philosophie.

Seine politische Philosophie ist in dem 73-stündigen Audio-Book Politische Philosophie. Von der Antike bis zur Gegenwart dokumentiert.[23]

WerkeBearbeiten

MonographienBearbeiten

HerausgeberschaftBearbeiten

  • Natur und Kunst in Nietzsches Denken. Böhlau, Köln 2002, ISBN 3-412-09502-8.
  • Heideggers Zwiegespräch mit dem Deutschen Idealismus. Böhlau, Köln 2003, ISBN 3-412-09602-4.
  • Zwischen Philosophie, Medizin und Psychologie. Heidegger im Dialog mit Medard Boss (mit Manfred Riedel und Hanspeter Padrutt). Böhlau, Köln 2003, ISBN 3-412-04003-7.
  • Walter Falk: Wissen und Glauben um 2000. Zu einer weltbewegenden Problematik und ihrer Herkunft. Schöningh, Paderborn 2003, ISBN 3-506-72330-8.
  • Geschichte in Wissenschaft und Politik. Festschrift für Michael Stürmer zum 65. Geburtstag (mit Ulrich Schlie und Eckart Conze). Nomos, Baden-Baden 2003, ISBN 3-8329-0363-1.
  • Verstehen in Wort und Schrift. Europäische Denkgespräche für Manfred Riedel. Böhlau, Köln 2004, ISBN 3-412-17503-X.
  • Die Auflösung des abendländischen Subjekts und das Schicksal Europas (mit Beatrix Vogel). Buch & Media, München 2005, ISBN 3-86520-120-2.
  • Tamen! Gegen den Strom. Günter Rohrmoser zum 80. Geburtstag (mit Rolf Peter). Neinhaus, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-87575-027-0.
  • Günter Rohrmoser: Kulturrevolution in Deutschland. Philosophische Interpretationen der geistigen Situation unserer Zeit. Resch, Gräfelfing 2008, ISBN 978-3-935197-91-5.
  • Günter Rohrmoser: Glaube und Vernunft am Ausgang der Moderne. Hegel und die Philosophie des Christentums. EOS, St. Ottilien 2009, ISBN 978-3-8306-7361-3.
  • Manfred Riedel: Bürgerliche Gesellschaft. Eine Kategorie der klassischen Politik und des modernen Naturrechts. (zusammen mit Friedemann Sprang), Steiner, Wiesbaden 2011.
  • Manfred Riedel: Vorspiele zur ewigen Wiederkunft. Nietzsches Grundlehre. (Mit einer Einleitung herausgegeben von Harald Seubert, unter Mitarbeit von Friedemann Sprang), Collegium Hermeneuticum Band 14, Böhlau, Köln 2012, ISBN 978-3-412-20939-1.
  • Klaus Hornung: Vernunft im Zeitalter der Extreme. Die konservative Position. (Mit einer Einleitung herausgegeben von Harald Seubert), VTR, Nürnberg 2012, ISBN 978-3-941750-85-2.
  • mit G. Schultz und S. Leuenberger: Grenzüberschreitung. Christlicher Glaube im Gespräch mit Philosophie und Weltreligionen. LIT, Münster 2013, ISBN 978-3-643-80149-4.
  • Mission und Transformation. Beiträge zu neueren Debatten in der Missionswissenschaft, Studien zu Theologie und Bibel 12, LIT, Münster 2015, ISBN 978-3-643-80197-5.
  • mit Jacob Thiessen: Die Königsherrschaft Jahwes. Festschrift zur Emeritierung von Herbert H. Klement, Studien zu Theologie und Bibel 13, LIT, Münster 2015, ISBN 978-3-643-80199-9.
  • mit Reiner Andreas Neuschäfer: Reformation gegen Deformation in der Kirche. Ausgewählte Aufsätze, Vorträge und Gutachten. Festschrift für Reinhard Slenczka zum 85. Geburtstag, Neues und Altes 4, Freimund, Neuendettelsau 2016, ISBN 978-3-946083-02-3.
  • unter Mitarbeit von Werner Neuer: Adolf Schlatter. Das Verhältnis von Theologie und Philosophie I, Die Berner Vorlesung (1884): Einführung in die Theologie Franz von Baaders, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-7668-4385-2.
  • mit Klaus Neugebauer: Auslegungen. Von Parmenides bis zu den Schwarzen Heften, Schriftenreihe der Martin-Heidegger-Gesellschaft, Band 11, Karl Alber, Freiburg, 2017, ISBN 978-3-495-48940-6.
  • gemeinsam mit Marcus Knaup, unter Mitarbeit von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Martin Hähnel und René Rasche: Edith Stein-Lexikon, Herder, Freiburg, 2017, ISBN 978-3-451-34550-0.
  • mit Sven Grosse: Radical Orthodoxy. Eine Herausforderung für Christentum und Theologie nach der Säkularisierung, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig, 2017, ISBN 978-3-374-04859-5
  • Neunzig Jahre 'Sein und Zeit'. Die fundamentalontologische Frage nach dem Sinn von Sein, Alber, Freiburg(Br.)/München, 2019, ISBN 978-3495490396

Audios und VideosBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Paradigmen des Denkens. Festschrift für Harald Seubert zum 50. Geburtstag, hg. von Hamid Reza Yousefi, Traugott Bautz, Nordhausen, 2017, ISBN 978-3-95948-232-5.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Seubert Vita auf der Seite der STH Basel
  2. Prof. Dr. Harald Seubert. Website der Universität Bamberg, archiviert vom Original am 21. Dezember 2012; abgerufen am 3. Juli 2014.
  3. Schreiben der UAM an Prof. Seubert vom 15. Januar 2013 (PDF; 576 kB)
  4. Uni Posen: Beschäftigung als „profesor nadzwyczajny“
  5. Seubert, Harald, Prof. Dr. - Einzelansicht. LMU München, abgerufen am 3. Juli 2014.
  6. http://www.preusseninstitut.de/
  7. H. Seubert: Für einen modernen Konservatismus. Antrittsrede als Präsident des Studienzentrums Weikersheim, in: Deutschland und Europa in einer veränderten Welt. Weikersheimer Dokumentationen Neue Folge Band 1, vtr Verlag, Nürnberg 2012, S. 9–19.
  8. Südwest Presse Online-Dienste GmbH: Richtungsstreit: Zoff wegen angeblicher Nähe zu AfD. In: swp.de. 16. Dezember 2016 (swp.de [abgerufen am 13. August 2018]).
  9. Harald Seubert: Erklärung SZW. In: Dr. Harald Seubert. 31. Juli 2016, abgerufen am 13. August 2018 (deutsch).
  10. Harald Seubert: Der Frühling des Missvergnügens. Eine Intervention. Ergon, Würzburg 2018, S. 45–59.
  11. http://www.fkbf.de/
  12. http://www.sthbasel.ch/de/gesichter/lehrkoerper/prof.-dr.-harald-seubert.html
  13. Vorstand | Martin-Heidegger-Gesellschaft. Abgerufen am 2. Dezember 2017 (deutsch).
  14. Freie Theologische Hochschule Gießen: Prof. Dr. Harald Seubert – Freie Theologische Hochschule Gießen. Abgerufen am 17. April 2019.
  15. Seubert, Polis und Nomos. Untersuchungen zu Platons Rechtslehre. Berlin 2005, Rezension von K. Nusser, Zeitschrift für philosophische Forschung 62 (2008), S. 294 ff.
  16. Seubert, Nicolaus Cusanus interkulturell gelesen. Bautz, Nordhausen 2005
  17. Vgl. hierzu die ausführliche Publikationsliste
  18. Harald Seubert: Bibliographie – Harald Seubert. Abgerufen am 20. Juni 2019 (deutsch).
  19. Vgl. H. R. Yousefi, Die Bühnen des Denkens. Neue Horizonte des Philosophierens. Münster u. a. 2013, S. 189 ff.
  20. Reihe im Nomos-Verlag
  21. Zu Seuberts religionsphilosophischem Ansatz, auch kritisch: J. Schnurer in: socialnet-Rezension 2014; M. Hailer, in THLZ 139 (2014), S. 499 f.; Chr. Böhr, Wer philosophisch über Religion spricht, bleibt, in: Tagespost 25. Januar 2014, S. 13.
  22. P.C. Mayer-Tasch: Rezension zu Seubert, Philosophie. Was sie ist und sein kann. In: Zeitschrift für Politik. Nr. 4, 2016, S. 484 f.
  23. Inhaltsverzeichnis online