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Hochschule für Politik München

Die Hochschule für Politik München – Bavarian School of Public Policy (Hochschule für Politik) (HfP) ist eine institutionell selbständige Einrichtung an der Technischen Universität München, die das Studium der Politikwissenschaft bzw. Politischen Wissenschaft anbietet. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die vom Bayerischen Landtag finanziert wird.[1] Im Ende 2019 auslaufenden Diplomstudiengang wird der akademische Grad eines Diplomaticus scientiae politicae Universitatis (Dipl. sc. pol. Univ.) von der Ludwig-Maximilians-Universität München verliehen. Mit dem im Wintersemester 2016/17 neu eingeführten Bachelorstudiengang verleiht die neue Trägerin, die Technische Universität München, den akademischen Grad eines Bachelor of Science. Die HfP wurde 1950 gegründet und hat ihren Sitz im Brienner Forum am Königsplatz.

Hochschule für Politik München
Gründung 14. Juli 1950
Ort München
Bundesland Bayern
Land Deutschland
Rektor Eugénia da Conceição-Heldt
Website www.hfp.tum.de
Das Brienner Forum am Königsplatz.

Im Herbst 2011 stellte sich das Geschwister-Scholl-Institut der LMU gegen die HfP, indem es der Presse mitteilte nicht mehr für die Vergabe der Diplomgrade verantwortlich sein zu wollen.[1] Daraufhin wurde 2012 vom Bayerischen Landtag ein Unterausschuss gebildet, um ein Zukunftskonzept zu erarbeiten. Die konstituierende Sitzung des Unterausschusses "Zukunftskonzept für die Hochschule für Politik (HfP) München" fand am Donnerstag, 10. Mai 2012 statt.[2] Am 24. November 2014 verabschiedete der Bayerische Landtag das Gesetz zur Neuausrichtung der HfP und übertrug die Trägerschaft an die Technische Universität München. Das Gesetz trat am 1. Dezember 2014 in Kraft. Um die Auswirkungen des technologischen Fortschritts z.B. in den Bereichen Energie, Umwelt, Klimawandel, Big Data, Datensicherheit und Mobilität auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft analysieren zu können, wurden 2016 sieben Professoren an die HfP berufen, die zu den Wechselwirkungen zwischen Technik und Gesellschaft forschen und lehren.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die HfP unterliegt nur in Teilen dem Bayerischen Hochschulgesetz. Dies hat historische Gründe: Die Hochschule wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf Veranlassung der US-Besatzungsmacht mit dem Ziel der Reeducation bzw. der Erziehung zur Demokratie gegründet. So sollte die Demokratie im Nachkriegs-Deutschland etabliert werden. Anfangs wurde die Hochschule als Körperschaft des privaten Rechts errichtet (Gründungsdatum: 14. Juli 1950). Am 27. Oktober 1970 wurde sie per Gesetz zu einer "institutionell selbständigen Einrichtung an der Universität München" (ähnlich einem "An-Institut" einer Universität). Damit ist sie eine Hochschule, die ihre Rechtsgrundlage in einem eigenen, nur für sie geltenden Hochschulgesetz findet. Obwohl sie eigenständig ist, wurden die akademischen Grade formal von der Ludwig Maximilians Universität München verliehen. Seit dem 16. Februar 1981 hat sie den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Seit Ende 2011 schwelt zwischen dem Geschwister-Scholl-Institut der LMU München und der Hochschule für Politik München (HfP) ein Streit. Die Sozialwissenschaftliche Fakultät der LMU hielt die Lehrinhalte und das Personal der HfP für reformbedürftig und wollte die gesetzlich vorgeschriebene Zusammenarbeit beenden. Davor hatte der Bayerische Landtag gewarnt.[1] Allerdings sah auch der Hochschulausschuss des Bayerischen Landtages Reformbedarf und richtete deshalb einen Unterausschuss zur Reform der HfP ein. Nach dem Willen aller Landtagsfraktionen sollte das Grundkonzept der HfP (berufsbegleitendes Studium und integrationswissenschaftlicher Ansatz) erhalten bleiben.[3]

Durch die Gesetzesänderung vom 24. November 2014 wechselte die HfP als politikwissenschaftliche Einrichtung von der Ludwig-Maximilians-Universität München zum 1. Dezember 2014 in die Trägerschaft der Technischen Universität München.[4] Am 18. Dezember 2014 startete das Berufungsverfahren für die neuen HfP-Professuren. Aus 350 Bewerbungen[5] aus dem In- und Ausland wurden sieben Professoren berufen, die zum 1. März / 1. Juli 2016 ihren Dienst an der Hochschule für Politik München antraten.[6] Im Juli 2016 erfolgte der Umzug der Hochschule für Politik München in ihre neuen Räumlichkeiten im Brienner Forum am Königsplatz. Zum Wintersemester 2016/17 startete der neue Bachelorstudiengang Politikwissenschaft. Dieser bietet eine "vollumfängliche politikwissenschaftliche Ausbildung mit möglicher Schwerpunktbildung in Politikfeldern an der Schnittstelle zwischen Politik und Technik"[7].

StudiumBearbeiten

BachelorstudiumBearbeiten

Seit dem WS 2016/17 bietet die Hochschule für Politik München einen Bachelorstudiengang Politikwissenschaft an.

StudieninhalteBearbeiten

Der neue Studiengang beinhaltet neben den klassischen Teilbereichen der Politikwissenschaft, Grundlagenmodule in den Bereichen Wirtschaft und Recht und Module aus den Bereichen der Technik- und Naturwissenschaften, sowie Lebenswissenschaften und Medizin. (z.B. Mobilität, Energie, Big Data, Gesundheit).[8]

StudienabschlussBearbeiten

Der Bachelorstudiengang Politikwissenschaft wird mit dem akademischen Grad eines Bachelor of Science (B.Sc.) abgeschlossen.[7]

DiplomstudiumBearbeiten

Im WS 2010/11 waren an der HfP insgesamt 616 Studenten im Diplomstudium eingeschrieben. Davon waren 377 männlich und 239 weiblich (Frauenquote 38,80 %). Die Ausländerquote betrug 17,05 % (105 Studenten). An der HfP lehren im Diplomstudiengang ca. 150 nebenamtliche Dozenten.

StudienaufbauBearbeiten

Das Studium gliedert sich in ein Grund- und ein Hauptstudium, das jeweils in sich abgeschlossen ist. Es erstreckt sich auf vier Lehrbereiche: Theorie der Politik, Recht und Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, Internationale Politik und neueste Geschichte. Im Grundstudium werden Grundkurse, Proseminare und Arbeitsgemeinschaften absolviert. Das Hauptstudium sieht Vorlesungen und Hauptseminare vor. Außerdem werden speziell auf das Diplom vorbereitende Seminare angeboten.

Zum Grundstudium werden auch Bewerber ohne Hochschulreife zugelassen, sofern sie eine Aufnahmeprüfung bestehen. Sollten sie das Diplom anstreben, müssen sie die allgemeine Hochschulreife (erfolgreiche Abiturprüfung bei Schulen oder Begabtenprüfung) nachholen. Als Vorbereitung hierfür werden eigene Arbeitsgemeinschaften angeboten.

Das Grundstudium wird mit einer Diplom-Vorprüfung (für Studenten mit Hochschulreife) oder einer Abschlussprüfung (für Studenten ohne Hochschulreife) abgeschlossen. Das Grundstudium dauert vier Semester und verlängert sich für Studenten ohne Hochschulreife um zwei Semester. Das Hauptstudium steht nur Studenten mit Hochschulreife offen und dauert vier weitere Semester.

StudienabschlussBearbeiten

Studenten mit Hochschulreife beenden das Grundstudium mit der Diplom-Vorprüfung und das Hauptstudium mit der Diplomprüfung. Der Student erhält dadurch den akademischen Grad eines "Diplomaticus scientiae politicae Universitatis" (Dipl. sc. pol. Univ.) der Ludwig-Maximilians-Universität München.

GebührenBearbeiten

Die Hochschule für Politik erhebt keine Studiengebühren. Pro Semester sind lediglich der Studentenwerksbeitrag sowie der Solidarbeitrag des Semestertickets fällig.

HochschulgruppenBearbeiten

An der Hochschule existieren momentan drei politische Hochschulgruppen: Die "ALi - Alternative Liste an der HfP" als überparteiliches Bündnis grüner, sozialdemokratischer und linker Studierender, der CSU-nahe "Ring Christlich-Demokratischer Studenten an der HfP e.V. - RCDS", sowie "Die überparteiliche Hochschulgruppe" (ÜHG), die im Mai 2017 von drei Bachelorstudenten gegründet wurde. Seit den Hochschulwahlen im Sommersemester 2016 stellten die Alternative Liste und der RCDS ein Jahr lang jeweils einen Studierendenvertreter. Die Freie Hochschulgruppe (FHG) trat seit 2014 zu dieser Wahl nicht mehr an und löste sich auf. Seit den Hochschulwahlen im Sommersemester 2017 stellen der RCDS und die ÜHG jeweils einen Studierendenvertreter.[9]

Lehre und InstitutionBearbeiten

PublikationenBearbeiten

Die Zeitschrift für Politik München, in der neben dem aktuellen politischen Geschehen auch die Theorien und Schriften klassischer Politik- und Sozialwissenschaftler besprochen und erläutert werden, wird gemeinsam mit der Hochschule für Politik München herausgegeben und erscheint vierteljährlich.

HochschulbibliothekBearbeiten

Die Hochschulbibliothekt wurde im Zuge des Umzugs in die TUM-Bibliothek integriert.[10]

ProfessorenBearbeiten

An die reformierte HfP wurden folgende Professoren berufen:

  • Lehrstuhl für International Relations: Tim Büthe
  • Lehrstuhl für European and Global Governance: Eugénia da Conceição-Heldt
  • Professur für Political Data Science: Simon Hegelich
  • Professur für Political Philosophy and Theory: Lisa Herzog
  • Professur für Computational Social Science and Big Data: Jürgen Pfeffer
  • Lehrstuhl für Environmental and Climate Policy: Miranda Schreurs
  • Professur für Policy Analysis: Stefan Wurster

Rektoren der HochschuleBearbeiten

Bekannte Absolventen und ehemalige StudentenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Alfred Jüttner: Die Hochschule für Politik München. Geschichte - Entwicklung - Charakter 1950 - 1990. Vögel München 1990 ISBN 3-925355-62-6.
  • Hochschule für Politik München: Hochschulführer 2010. München 2010

ReferenzenBearbeiten

  1. a b c Sebastian Krass: Landtag rettet Hochschule für Politik, in: Süddeutsche Zeitung|SZ vom 16. Dezember 2011.
  2. Mitteilung des Bayerischen Landtages.
  3. Zoran Gojic: Pressemitteilung des Bayerischen Landtages vom 28. September 2012.
  4. Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Hochschule für Politik München vom 24. November 2014 (GVBl. S. 490, PDF, 2 MB)
  5. Jakob Wetzel: TU als Träger-Uni: Die Hochschule für Politik zieht um. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 20. Oktober 2016]).
  6. a b Hochschule für Politik München startklar. In: www.tum.de. Abgerufen am 20. Oktober 2016.
  7. a b Hochschule für Politik: Bachelorstudiengang. In: www.hfp.tum.de. Abgerufen am 20. Oktober 2016.
  8. Hochschule für Politik München startklar. In: idw-online.de. Abgerufen am 20. Oktober 2016.
  9. Dr. Claudia Höfer-Weichselbaumer: Bekanntmachung Wahlergebnis. Hochschule für Politik München, 29. Juni 2017, abgerufen am (deutsch).
  10. Hochschule für Politik: Bibliothek. In: www.hfp.tum.de. Abgerufen am 5. Januar 2017.
  11. http://www.hfpm.de/index.php/hfp-hochschule/personen-menu

WeblinksBearbeiten