Hansmartin Schwarzmaier

deutscher Historiker und Archivar

Hansmartin Schwarzmaier (* 3. Mai 1932 in Tübingen; † 30. Mai 2021 in Karlsruhe) war ein deutscher Historiker und Archivar. Schwarzmaier war bis 1997 Leiter des Generallandesarchivs Karlsruhe. Er war durch jahrzehntelange Forschungstätigkeit ein ausgewiesener Kenner der staufischen Dynastie und ihrer Zeit.

Leben und WirkenBearbeiten

Hansmartin Schwarzmaier wurde 1932 als Sohn des Pfarrers Otto Schwarzmaier und dessen Frau Clara, geb. Haux in Tübingen geboren. Nach dem Abitur an der Ulrich v. Hutten-Oberschule in Korntal bei Leonberg 1951 und einer halbjährigen Studienzeit am Leibniz-Kolleg der Universität Tübingen studierte Schwarzmaier Geschichte, Germanistik und Anglistik in Tübingen und Freiburg. 1958 wurde er bei Gerd Tellenbach mit einer Dissertation über Königtum, Adel und Klöster in Oberschwaben im Früh- und Hochmittelalter promoviert. Schwarzmeier absolvierte seine Ausbildung als wissenschaftlicher Archivar in Stuttgart, Sigmaringen und Karlsruhe. Von 1966 bis 1969 war Schwarzmaier am Deutschen Historischen Institut Rom tätig. Aus der dortigen Tätigkeit entsprang eine sozialgeschichtliche Monografie über das mittelalterliche Lucca. Die Arbeit wurde als „ein sehr wichtiger Beitrag zur Geschichte des präkommunalen Italien“ gewürdigt.[1] Ab 1969 war er im Generallandesarchiv Karlsruhe tätig. Von 1986 bis 1997 war er dort Leitender Archivdirektor. Von 1975 bis 1985 leitete Schwarzmaier die Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein. Von 1984 bis 1988 lehrte er an der Universität Karlsruhe Landesgeschichte, seit 1987 mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg. Im Jahr 1988 wurde er dort Honorarprofessor. Von 1975 bis 2002 hatte er die Schriftleitung der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins inne.

Seine Forschungsschwerpunkte waren die südwestdeutsche Landesgeschichte sowie die hochmittelalterliche Geschichte Italiens. Schwarzmaier untersuchte die Herrschaftszeichen und Ikonografie der Zähringer bis in das 19. Jahrhundert. Er war Mitglied der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg (1972) und des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte (1989). Im Herbst 1997 leitete er gemeinsam mit Thomas Zotz und Helmut Maurer eine Tagung des Konstanzer Arbeitskreises zum Thema „Schwaben und Italien im Hochmittelalter (10.–13. Jahrhundert)“.[2] Schwarzmaier selbst befasste sich in seinem Beitrag mit „Wege des schwäbischen Adels nach Italien im 12. Jahrhundert“.[3]

Schwarzmaier war der Herausgeber des Handbuchs der baden-württembergischen Geschichte, das von 1992 bis 2007 in sechs Bänden erschienen ist. Er veröffentlichte 2005 eine Geschichte Badens vom Mittelalter bis zur Gründung Baden-Württembergs.[4] Schwarzmaier befasste sich wiederholt mit verhinderten oder gescheiterten Herrschern. Er veröffentlichte 2009 eine Einführung über die Stauferzeit im südwestdeutschen Raum.[5]

Er starb im Alter von 89 Jahren am 30. Mai 2021 in Karlsruhe.[6]

SchriftenBearbeiten

Monografien

  • Baden. Dynastie – Land – Staat. Kohlhammer, Stuttgart 2005, ISBN 3-17-018551-9.
  • Lucca und das Reich bis zum Ende des 11. Jahrhunderts. Studien zur Sozialstruktur einer Herzogstadt in der Toscana (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Bd. 41). Niemeyer, Tübingen 1972, ISBN 3-484-80061-5.
  • Königtum, Adel und Klöster im Gebiet zwischen oberer Iller und Lech. Verlag der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft, Augsburg 1961 (Zugleich: Freiburg, Universität, Dissertation, 1958).

Herausgeberschaften

  • Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 3-608-91371-8.
  • Das Mittelalterbild des 19. Jahrhunderts am Oberrhein (= Oberrheinische Studien. Bd. 22). Thorbecke, Ostfildern 2004, ISBN 3-7995-7822-6.
  • mit Helmut Maurer, Thomas Zotz: Schwaben und Italien im Hochmittelalter (= Vorträge und Forschungen. Bd. 52). Thorbecke, Stuttgart 2001, ISBN 3-7995-6652-X (Digitalisat).

Aufsatzsammlung

  • Klöster, Stifter, Dynastien. Studien zur Sozialgeschichte des Adels im Hochmittelalter (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B. Bd. 190). Herausgegeben zum 80. Geburtstag von Hansmartin Schwarzmaier im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg von Konrad Krimm und Peter Rückert. Kohlhammer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-17-022535-0.

LiteraturBearbeiten

  • Eintrag Hansmartin Schwarzmaier. In: Jürgen Petersohn (Hrsg.): Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Die Mitglieder und ihr Werk. Eine bio-bibliographische Dokumentation (= Veröffentlichungen des Konstanzer Arbeitskreises für Mittelalterliche Geschichte aus Anlass seines fünfzigjährigen Bestehens 1951–2001. Bd. 2). Thorbecke, Stuttgart 2001, ISBN 3-7995-6906-5, S. 391–395 (Digitalisat)
  • Konrad Krimm (Hrsg.): Archiv und Öffentlichkeit. Aspekte einer Beziehung im Wandel. Zum 65. Geburtstag von Hansmartin Schwarzmaier. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-014849-4.
  • Konrad Krimm: Bild und Geschichte. Studien zur politischen Ikonographie. Festschrift für Hansmartin Schwarzmaier zum fünfundsechzigsten Geburtstag. Thorbecke, Sigmaringen 1997, ISBN 3-7995-7077-2.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Vgl. die Besprechung von Werner Maleczek in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 82, 1974, S. 441–443. Weitere Besprechungen von Reinhold Schumann in: Speculum 50, 1975, S. 152–155; Gerhard Dilcher in: Historische Zeitschrift 219, 1974, S. 638–640.
  2. Vgl. dazu die Besprechungen von Uwe Israel in: sehepunkte 2 (2002), Nr. 3 [15. März 2002], (online); Rudolf Schieffer in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 58, 2002, (online)
  3. Hansmartin Schwarzmaier: Wege des schwäbischen Adels nach Italien im 12. Jahrhundert. In: Helmut Maurer, Hansmartin Schwarzmaier, Thomas Zotz (Hrsg.): Schwaben und Italien im Hochmittelalter. Stuttgart 2001, S. 151–174 (online).
  4. Vgl. dazu die Besprechungen von Eva Maria Werner in: sehepunkte 6 (2006), Nr. 5 [15. Mai 2006], online; Bernard Vogler in: Francia 33/2, 2006, S. 184 f. (online); Hans-Peter Becht in: Historische Zeitschrift 283, 2006, S. 145–146.
  5. Vgl. dazu die Besprechungen von Franz Maier in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 161, 2013, S. 607–608; Marco Leonardi in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“ 129, 2010, S. 181 (online).
  6. Hansmartin Schwarzmaier am 30. Mai 2021 verstorben, Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte, 7. Juni 2021.