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Hans-Joachim Griephan

deutscher Journalist

Hans-Joachim Griephan (* 26. September 1937 in Malchin) ist ein deutscher Journalist, Verleger und Gründer eines seit 1964 erscheinenden Wirtschaftsinformationsdienstes (Griephan Briefe).

Leben und BerufBearbeiten

Nach einer Kindheit in Mecklenburg verließ Griephan Anfang der 1950er Jahre die DDR und ging zunächst nach Westberlin, später in die Bundeshauptstadt Bonn.[1] Er begann seine journalistische Laufbahn 1958 bei der Berliner Morgenpost und wechselte 1961 als Korrespondent zur US-amerikanischen Nachrichtenagentur United Press International, anfangs im Berliner, danach im Bonner Büro.[2]

1964 war Griephan für einige Monate Redaktionsmitglied der Zeitung - Ein deutsches Magazin“ im Verlag Waldemar Schweitzer in Stuttgart[3] (zusammen mit Sigfrid Dinser und Helmut Markwort[4]).

Von 1964 bis 1993 gab Griephan die Zeitschrift Wehrdienst. Der Informationsbrief für die Verteidigungswirtschaft heraus.[5][6] Damit lieferte er als Dienstleistung eine Fülle bis dahin nur informell vorhandener Informationen, die sich die im Raum Bonn ansässigen Verbände, Firmenvertretungen und Industrieberater zu eigen machen konnten, die ihrerseits in einer „Lobbyliste“ (Friedrich Schwarz) ausgewiesen waren, aus der aber auch die Namen anschließend in Parlamente gewechselter Interessenvertreter zu entnehmen waren. Der Wehrdienst richtete sich an Unternehmen wie auch an Abgeordnete.[7]

Der Wehrdienst meldete Nachrichten aus dem Rüstungsbereich, die das Verteidigungsministerium nicht veröffentlichte, und unterstützte darüber hinaus den personellen Austausch zwischen staatlichen Stellen und der Rüstungsindustrie.[8] Dem Wehrdienst fügte Griephan nach und nach weitere Informationsdienste zur Vergabe öffentlicher Aufträge („Government Business“) über das Rüstungsgeschäft hinaus hinzu (Informationen aus Politik und Wirtschaft mit Informationen zum zivilen Behördengeschäft mit dem Bund[9], Sonderdrucke für die Wirtschaft mit Organisationsübersichten von Ministerien und Behörden des Bundes sowie Bonnkontakt und Berlinkontakt). Eine hervorgehobene Rolle spielten die Griephan-Briefe („Wer Umsätze und Gewinn aus dem Milliardenmarkt staatlicher Beschaffung ziehen“ wolle, solle ihre Informationen „für die Auftragsakquisition bei staatlichen Dienststellen“ nutzen).[10] Sämtliche Informationsbriefe Griephans erschienen in dem von ihm gegründeten Wehrdienst Verlag, später umbenannt in Bonnkontakt Verlag bzw. Griephan Verlag.

Griephan war 1979 zeitweise Kolumnist der Wirtschaftswoche („Hans-Joachim Griephan über Behördenaufträge“).[11][12] Für die Welt am Sonntag, Hamburg, schrieb Griephan von 1979 bis 1981 eine wöchentliche Kolumne „Bonner Geschäfte“.[13] Von 1980 bis 1985 veröffentlichte das Unternehmermagazin Impulse, Köln, Griephans Kolumne „Geschäfte mit dem Staat“.[14]

In Bonn war Griephan von 1969 bis 1993 geschäftsführender Gesellschafter der 3-W-Büro Agentur für Wehr-Wirtschafts-Werbung GmbH bzw. Bonnservice Werbe & Beratungsdienste GmbH.[15]

1979 stellte der Bundestagsabgeordnete Heinz Pensky (SPD) Strafantrag wegen Beleidigung gegen Griephan. Pensky hatte bei der Novellierung des Kriegswaffenkontrollgesetzes 1978 eine strikte Einengung jeglichen Waffenhandels durch deutsche Staatsbürger und von westdeutschem Boden aus durchgesetzt. Die Beleidigung („Dämelack“[16]) war mit dem Vorwurf verbunden, Pensky verursache der deutschen Rüstungsindustrie Schwierigkeiten im internationalen Rüstungshandel. In einem Vergleich übernahm Griephan die Verfahrenskosten. Er nahm seine Beleidigung zurück und Pensky den Strafantrag.[17]

Sonstige AktivitätenBearbeiten

Bis 1988 war Griephan stellvertretender Präsident der 1960 in Lübeck gegründeten Fritz Reuter Gesellschaft e. V. (FRG), dann Präsident.[18] 1991 verlegte sie ihren Sitz von Lübeck nach Neubrandenburg.[19] Auf Initiative von Griephan entstand 1991 der Förderverein Reuter-Museen e. V. zur Unterstützung der vier Reuter-Museen in Stavenhagen, Eisenach, Neubrandenburg und Dömitz. Griephan ist Gründer und Inhaber des Fritz Reuter Literaturarchivs in Berlin (vormals Privates Fritz Reuter Literaturarchiv [FRLA], Bonn).[20] Er gilt als bedeutender Autographensammler zur Literatur des 19. Jahrhunderts. Seine Sammlung überträgt Griephan seit 2018 nach und nach als Geschenk auf die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, die diese Bestände im Nachlass 597 (Sammlung Hans-Joachim Griephan) zugänglich macht.[21]

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre, ausgelöst durch seine Leitungstätigkeit in der Fritz Reuter Gesellschaft,[22] war Griephan der Ausforschung durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR ausgesetzt.[23] Anlass war das gemeinsame Bestreben des Leiters der Bundesanstalt für gesamtdeutsche Aufgaben (BfgA) Detlef Kühn und Griephans, Einfluss auf den Umgang mit dem Fritz-Reuter-Erbe in der DDR zu gewinnen, nach Ansicht der DDR-Stellen „im gesamtdeutschen Sinne“. Dergleichen lehnte man dort ab und versuchte, es zu unterbinden.[24] Zu den Informanten über Griephan gehörten insbesondere die IM Jürgen Borchert,[25][26] DDR-dissidenter Träger des Fritz-Reuter-Kunstpreises des Bezirks Schwerin (1980),[27] Klaus Meyer,[28] Arnold Hückstädt,[25][29] Marion Schmidt,[25] (Mecklenburgisches Folklorezentrum). Nachdem Borchert im Verlauf der Affäre Suizid begangen hatte, war Griephan in den Regionalzeitungen in Neubrandenburg, Rostock und Schwerin, von Seiten der Evangelischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern wie auch durch die damalige PDS dem Vorwurf ausgesetzt, Borchert „mit der Stasi-Keule erledigt“ (Wolf Spillner) zu haben.[30]

Für die Wahlperioden 1994 bis 1999 und 1999 bis 2004 wurde Griephan für die CDU in die Stadtvertretung von Neubrandenburg gewählt.[31][32]

SchriftenBearbeiten

  • Fritz Reuter und Berthold Auerbach. Ein Brief Reuters an Auerbach und ein Manuskript Auerbachs über Reuter, in: Ulf Bichel/Friedrich Minssen/Helmut de Voss, Vom Reichtum des Erzählens. Fritz Reuter 1810–1874, München/Wien 1985, S. 243–253
  • Die Bedeutung des Reutergeldes Fünfteilige Folge in: Mecklenburg : Heimatzeitschrift für Landsleute und Freunde Mecklenburgs, Band 26, 1984, Nr. 7 S. 6–7, Nr. 8 S. 10–11, Nr. 9 S. 7–8, Nr. 10 S. 10–11, Nr. 11 S. 12–13

LiteraturBearbeiten

  • Kriminalist in Sachen Literatur. Bislang hat sich Hans-Joachim Griephan als Archivar von Reuter und Hahn einen Namen gemacht, jetzt kommt der Autor Friedrich Griese dazu. In: Nordkurier, Neubrandenburg, 3. Januar 2011, S. 25.
  • „... eine unschätzbare Quelle für die Erforschung der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts“. Handschriften von Ida Gräfin Hahn-Hahn im Fritz Reuter Literaturarchiv, in Bibliotheken, Archiven und Museen. In: Winfried Wilhelmy (Hg.), Bibliothecarius Martinianus, Geisteswissenschaftliche Studien im Umfeld der Mainzer Martinus-Bibliothek, Mainz/Würzburg 2018, S. 371–398. ISBN 978-3-934450-71-4 (Bistum Mainz), 978-3-429-05347-5 (echter).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jan von Flocken, Dichter und Berichter, in: Focus, 2. November 1998, online.
  2. Wirtschaftswoche, Nr. 23 vom 30. Mai 1975, S. 21.
  3. Aus unseren Kreisen, Informationsdienst für Presse, Verlage, Rundfunk und Werbung, Stuttgart, Jg. 6, Folge 118, 19. März 1964, S. 9.
  4. Aus unseren Kreisen, Folge 121, 30. April 1964, S. 6a.
  5. Wer ist wer?, Verlag Schmidt-Römhild Lübeck, u. a. in Ausgabe XXVII, 1988/89, S. 440, und Ausgabe XXVIII, 1989/90, S. 442.
  6. Wehrdienst : der Informationsbrief für die Verteidigungswirtschaft. Hamburg, Griephan, OCLC 634062590
  7. Friedhelm Schwarz, Das gekaufte Parlament. Piper, München 1999, S. 207ff., 231ff., siehe auch: Archivlink (Memento des Originals vom 3. März 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ewaldboehmer.de.
  8. Wolfgang Hoffmann: Bonner Kulisse. In: Die Zeit Nr. 48 vom 22. November 1974; Wolfgang Hoffmann: Vorhut am Rhein. In: Die Zeit Nr. 46 vom 8. November 1991.
  9. Wolfgang Hoffmann: Bonner Kulisse. In: Die Zeit Nr. 28 vom 7. Juli 1978.
  10. Vgl. die Eigenwerbung in: Zivilverteidigung. H. 2, 1979, S. 10.
  11. Wirtschaftswoche, Nrn. 9, 15 und 19 vom 26. Februar, 9. April und 7. Mai 1979, S. 27, 43 und 29.
  12. Ernest Mandel, Winfried Wolf: Ende der Krise oder Krise ohne Ende?: Bilanz der Weltwirtschaftsrezession und der Krise in der Bundesrepublik. Westberlin 1977, S. 34.
  13. Welt am Sonntag, Nr. 41 vom 14. Oktober 1979, bis Nr. 42 vom 18. Oktober 1981.
  14. Impulse, Heft 6/1980 bis Heft 10/1985.
  15. Bundesanzeiger vom 24. Oktober 1969. Registriert beim Amtsgericht Bonn unter HRB 960.
  16. https://de.wiktionary.org/wiki/D%C3%A4melack
  17. Bonner Kulisse. in: Die Zeit. Nr. 20 vom 11. Mai 1979; Unter Ausschluß der Deutschen in: Die Zeit, 7. Juli 1978.
  18. Hans-Joachim Griephan, Helmut de Voss (Hrsg.): Mecklenburg - Land Fritz Reuters und Uwe Johnsons: Beiträge zu den Internationalen Reuter-Tagen vom 03. - 05. März 1989 in Lüneburg. Lübeck 1989.
  19. Sabine Frank: Ein großer Dichter kehrt zurück. Fritz-Reuter-Gesellschaft nimmt ihren Sitz in Neubrandenburg. In: Norddeutsche Neueste Nachrichten, Rostock, vom 15. April 1991
  20. Siehe die Danksagung von Arnold Hückstädt u. a. an das Archiv von Griephan nach der Entgegennahme des Annalise-Wagner-Preises 2009, [1]; Sven Arnold (Hrsg.),Literarische Gesellschaften in Deutschland, Berlin 1991, S. 306.
  21. Privater Sammler trennt sich von wertvollen Reuter-Briefen. In: Nordkurier, Neubrandenburg, 11. Februar 2019, S. 25.
  22. Peter Schütt: „Unmoralischer Umgang mit blöden Akten“. In: Die Welt vom 19. April 2000.
  23. Peter Schütt: Fritz Reuter im Visier der Stasi. In: Die Welt vom 22. Januar 1999.
  24. Detlef Kühn: Das Gesamtdeutsche Institut im Visier der Staatssicherheit (Memento des Originals vom 8. Januar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlin.de. Berlin 2011, S. 41.
  25. a b c Dichter und Berichter. In: Focus, München, Nr. 45, 2. November 1998, S. 114.
  26. Christiane Baumann: Das Literaturzentrum Neubrandenburg 1971–200?. Schriftenreihe des Robert-Havemann-Archivs, Bd. 11, Berlin 2006.
  27. Siehe: Peter Hansen, Die plattdeutschen Autoren und ihre Werke, Archivlink (Memento des Originals vom 9. Januar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ins-bremen.de; der Preis ist nicht zu verwechseln mit dem alle zwei Jahre verliehenen Fritz-Reuter-Preis der Hamburger Carl-Toepfer-Stiftung.
  28. Joachim Walther: Sicherungsbereich Literatur, Berlin: 1996, S. 611–613, 754.
  29. Christiane Baumann: Das Literaturzentrum Neubrandenburg 1971–2005, S. 96.
  30. Peter Schütt: „Unmoralischer Umgang mit blöden Akten“. In: Die Welt vom 19. April 2000.
  31. Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.), Statistische Sonderhefte, Wahlen 94, Kommunalwahlen in Mecklenburg-Vorpommern am 12. Juni 1994, 4 (1994), H. 14, S. 244.
  32. Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.), Statistische Sonderhefte Mecklenburg-Vorpommern, Wahlen 1999, 9 (1999), H. 6, S. 22, siehe: [2].