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Der Regensburger Hafen umfasst mehrere Standorte an der Donau im Gebiet der Stadt Regensburg in Bayern.

Hafen Regensburg
Daten
UN/LOCODE DE REG
Eigentümer Freistaat Bayern
Betreiber Bayernhafen GmbH & Co. KG
Eröffnung Antike
Hafentyp Binnenhafen
Gesamtfläche des Hafens 175 ha
Piers/Kais 5.200 m Kailänge
Umschlagsmenge 1,50 Mio. t (2017)[1]
Webseite http://www.donauhafen.de/
Geografische Informationen
Ort Regensburg
Land Bayern
Staat Deutschland
Luftbild Osthafen Regensburg
Luftbild Osthafen Regensburg
Koordinaten 49° 1′ 20″ N, 12° 7′ 48″ OKoordinaten: 49° 1′ 20″ N, 12° 7′ 48″ O
Hafen Regensburg (Bayern)
Hafen Regensburg
Lage Hafen Regensburg

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

 
Hafen Regensburg: Lage im Stadtgebiet

Der Hafen Regensburg, besteht aus mehreren Hafenbecken und Länden. Er ist der nördlichste Hafen an der Donau und liegt bei Flusskilometer 2373 bis 2379 an.

Er gliedert sich im Wesentlichen in vier Teilabschnitte:

  • Osthafen, (erbaut 1960/61 und 1970–72) Zufahrt bei Donaukilometer 2773, rechts
  • Ölhafen, Zufahrt bei Donaukilometer 2776,4, rechts
  • Westhafen, erbaut 1906 bis 1910 (Luitpoldhafen), Zufahrt, bei Donaukilometer 2776,4, rechts
  • Personenschifffahrt, im Donausüdarm bei Kilometer 2779, links

GeschichteBearbeiten

Bereits die Kelten und Römer nutzen den Fluss. Weiter flussaufwärts gelegene Vorläufer waren verschiedene Länden (Weinlände, Holzlände etc.) und ein Winterhafen im Bereich der Altstadt.

 
1926, Entladen mit Holz beladener Frachtschiffe (Bundesarchiv)

19. JahrhundertBearbeiten

Mitte des 19. Jahrhunderts war Regensburg der Endpunkt der Dampfschifffahrt auf der Donau und somit von zentraler Bedeutung. Durch die Anbindung des Donauufers an die Streckenführung der Ostbahn (Regensburg-München und Regensburg-Nürnberg) entstand 1865 nach dem Abriss der Stadtmauern am östlichen Südufer der Donau ein neuer mit Kaimauern befestigter Ländeplatz, der am Ende des 19. Jahrhunderts eine Länge von 1300 m hatte und bis an die Altstadt Regensburgs heranreichte. Dort wurde 1890 ein Lagerhaus für Getreide errichtet, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Hochgesetzte Kranbahnanlagen machten erstmals den unmittelbaren Warenumschlag zwischen Schiff und Eisenbahn möglich.[2]

 
Alter Hafenkran an der Donaulände

20. JahrhundertBearbeiten

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war die Kapazität der Donaulände mit einem jährlichen Warenumschlag von rund 150.000 t erschöpft. 1906 wurde mit dem Bau neuer hochwasserfreier Hafenanlagen (Becken 580 m lang, 80 m breit) begonnen. Für die feuergefährlichen Ölprodukte wurde ein kleinerer, getrennter Petroleumhafen (Becken 350 m lang, 60 m breit)[3] mit eigenem Lagerbereich gebaut. Im Juni 1910 erfolgte die Einweihung des Luitpoldhafens (benannt nach dem damaligen Prinzregenten Bayerns). Zwischen 1919 und 1923 wurde das Westhafenbecken um rund 220 m auf 800 m verlängert.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Hafen weitgehend zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurde der Schiffsgüterumschlag von 1938 mit 1,3 Millionen Tonnen ab 1950 übertroffen. Bis Ende der 1950er Jahre stieg der Umschlag auf 3 Millionen an. Die städtebauliche Entwicklung der Stadt Regensburg ließ eine weitere Vergrößerung des Westhafens nicht mehr zu. In zwei Bauabschnitten (1960/61 und 1970–72) wurde daher ca. 3 km flussabwärts der Osthafen gebaut (Becken 750 m lang, 90 m breit). Im Bereich des Osthafens entstand später auch das Hafenbecken des Wasser- und Schifffahrtsamtes.

Rhein-Main-Donau-KanalBearbeiten

Die Fertigstellung des Main-Donau-Kanals im Jahre 1992 brachte für den Hafen Regensburg die größten Veränderungen in Bezug auf die Verkehrsgeographie und die Hinterlandverbindungen. Die Funktion als Kopfhafen ging verloren. So ist es nicht überraschend, dass die Umschlagmengen dieser Jahre einen Wendepunkt in der Geschichte des Regensburger Hafens markieren.

Durch den Main-Donau-Kanal eröffneten sich aber auch neue Chancen und Perspektiven. Direkte Verkehrsbeziehungen nach Westeuropa und zu den Nordseehäfen wie Rotterdam wurden möglich. Der Transportmarkt richtete sich aufgrund dieser Möglichkeiten völlig neu aus. Heute werden rund 45 % des Gesamtaufkommens mit steigender Tendenz über die Kanalverbindung abgewickelt. Regensburg entwickelt sich immer mehr zu einer Relaisstation beim Übergang zwischen den technisch unterschiedlichen Flotten der Rhein- und Donauschifffahrt.

 
Moderner Hafenkran im Westhafen

Modernisierung nach der Öffnung OsteuropasBearbeiten

Nach 1990 wurden die aus der Zeit der Jahrhundertwende stammenden Hafenbereiche den heutigen Anforderungen folgend modernisiert:

1995 wurde eine Ro-Ro-Anlage neu errichtet. Über sie können alle Transporte direkt, ohne weitere Umschlagsanlagen wie z. B. Kräne, von Land auf das Schiff (und umgekehrt) gefahren werden.

Ab 1997 wurden die Uferanlagen des Westhafen-Nordkai, einschließlich der Gleise, Abwasserkanäle, Stromversorgung und Betriebswege erneuert. Dabei wurde auch die Breite des Hafenbeckens auf einheitliche 73 m geändert. Die alten Krananlagen mit Tragfähigkeiten bis 5 t wurden durch zwei moderne Anlagen mit Tragfähigkeiten bis 45 t ersetzt.

2005 wurde ein neues Terminal für die Rollende Landstraße in Betrieb genommen. Die erste Verbindung führt ins 440 km entfernte Graz und kann die Straßen jährlich um 13.000 Lkw-Fahrten entlasten.

Ende 2006 wurde am Westhafen ein Containerterminal für den Umschlag von der Bahn auf die Straße in Betrieb genommen. Im sogenannten Nachtsprung ist der Regensburger Hafen damit viermal pro Woche mit Bremerhaven und fünfmal pro Woche mit dem Hamburger Überseehafen verbunden. Das Terminal soll mittelfristig für den trimodalen Umschlag (Bahn, LKW, Schiff) ausgebaut werden. Aufgrund der deutlich angestiegenen Lager- und Umschlagtätigkeit steht derzeit eine Erweiterung des Terminals unmittelbar bevor.

Im Frühjahr 2007 wurden die Modernisierungsmaßnahmen am Osthafen abgeschlossen und auf rund 600 m Kailänge neue Bahn- und Krangleise verlegt.

Zur verbesserten und vereinfachten Betriebsabwicklung wurde 2010 eine Teilelektrifizierung im Hafenbahnhof vorgenommen, welche die Abwicklung der Rollenden Landstraße mit elektrischen Lokomotiven ohne den bisher erforderlichen Traktionswechsel ermöglicht.

 
Westhafen in Regensburg
 
Stadtlagerhaus, denkmalgeschütztes Silogebäude im Westhafen

BeschreibungBearbeiten

Der gewerbliche Güterumschlag wird hauptsächlich von bayernhafen betrieben. Der Regensburger Hafen bildet einen zentralen Knotenpunkt zwischen den aufstrebenden Wirtschaftsräumen in Süd-Osteuropa und den westeuropäischen Kerngebieten. Als Bestandteil des Güterverkehrszentrums Regensburg verknüpft er die Donau und den (Rhein)-Main-Donau-Kanal mit den Bundesautobahnen A3 und A93 sowie den Bahnstrecken nach Weiden/Hof, Landshut/München, Nürnberg, Ingolstadt und Leipzig.

Mit der Fertigstellung des Main-Donau-Kanals 1992 wurde der 3.500 km lange Rhein-Main-Donau-Wasserweg zwischen Nordsee und dem Schwarzen Meer wieder durchgängig schiffbar. Seither entwickelt sich Regensburg zur Relaisstation beim Flottenübergang zwischen Rhein- und Donauschifffahrt. Er ist der Hafen mit dem höchsten Schiffsgüterumschlag in Bayern.

2005 wurden knapp 3,5 Millionen Tonnen Schiffsgüter umgeschlagen. Bis 2015 haben sich die Umschlagmengen auf unter 1,6 Millionen mehr als halbiert.[4]

90 Unternehmen aus Logistik, Produktion, Recycling, Versorgung und Dienstleistung nutzen den Hafen als Unternehmensstandort und induzieren rund 2.000 Arbeitsplätze in die Region. Der bayernhafen Regensburg selbst beschäftigt 51 Mitarbeiter im Umschlagbetrieb, der Instandhaltung und der Verwaltung.

Im Jahr 2016 hatte der Hafen Regensburg mit 1.349.470 t Schiffsgüterverkehr einen Anteil von 18,81 % des Schiffsgüterverkehrs in Bayern, der 2016 bei insgesamt 7.174.477 t lag.[5]

Im Osthafen hat die Wasserschutzpolizei ihren Standort.[6]

StatistikBearbeiten

Güterumschlag nach Verkehrsträgern im Hafen RegensburgBearbeiten

in tausend Tonnen

Jahr Schiff Bahn LKW Gesamt
2000 2.300[7] 460 2.310 5.070
2001 2.161[7] 485 2.735 5.381
2002 2.453[8] 578 2.842 5.873
2003 3.194[8] 756[9] 2.731[9] 6.681[9]
2004 3.462[8] 723[9] 2.702[9] 6.886[9]
2005 3.470[8] 661[9] 2.935[9] 7.066[9]
2006 2.403[8] 1.104[9] 3.303[9] 6.810[9]
2007 2.278[8] 1.543[9] 3.518[9] 7.339[9]
2008 2.505[8] 1.786[9] 3.413[9] 7.704[9]
2009 1.873[8] 1.627[9] 3.187[9] 6.687[9]
2010 1.642[10] 2.089[10] 3.652[10] 7.383[10]
2011 1.495[10] 2.180[10] 3.921[10] 7.596[10]
2012 1.563[10] 1.978[10] 4.073[10] 7.614[10]
2013 1.645[10] 1.816[10] 4.541[10] 8.002[10]
2014 2.199[10] 1.824[10] 4.371[10] 8.394[10]
2015 1.649[11] 1.983[11] 4.373[11] 8.005[11]
2016 1349[1] 1.710[11] 4.331[11] 7.391[11]
2017 1501[1] '

Aus den o. g. Güterumschlagsmengen ergibt sich für 2016 als Anteil der jeweiligen Verkehrsträger (Modalsplit) für Schiffsverkehr 18,3 %, Bahn 23,1 % und ein LKW-Anteil von 58,6 %.

Schiffsgüterverkehr nach Güterabteilung 2013[12]Bearbeiten

Güterabteilung Güter Empfang Versand Gesamt Anteil
01 Landwirtschaftliche und verwandte Erzeugnisse 152.585 t 256.966 t 409.551 t 24,9 %
02 Kohle, rohes Erdöl und Erdgas 5.527 t 3.946 t 9.473 t 0,6 %
03 Erze, Steine und Erden 168.763 t 103.061 t 271.824 t 16,5 %
04 Nahrungs- und Genussmittel 171.052 t 23.655 t 194.707 t 11,8 %
06 Holzwaren, Papier, Pappe, Druckerzeugnisse 2.678 t 432 t 3.110 t 0,2 %
07 Kokerei und Mineralölerzeugnisse 248.457 t 3.035 t 251.492 t 15,3 %
08 Chemische Erzeugnisse 126.110 t 20.952 t 147.062 t 8,9 %
09 Sonstige Mineralerzeugnisse (Glas, Zement etc.) 65.340 t 3.901 t 69.241 t 4,2 %
10 Metalle u. Metallerzeugnisse 130.215 t 18.969 t 149.184 t 9,1 %
14 Sekundärrohstoffe, Abfälle 130.506 t 130.506 t 7,9 %
16 Geräte und Material für die Güterbef. 1.898 t 1.898 t 0,1 %
19 Nicht identifiz. Güter; unbekannt 1.116 t 5.747 t 6.863 t 0,4 %
insgesamt 1.204.247 t 440.664 t 1.644.911 t 100 %

InfrastrukturBearbeiten

Hafenbecken 4
Kailänge 5.200 Meter
Gesamtgröße des Hafens ca. 175 ha (das entspricht einer Fläche von rund 246 Fußballfeldern)
Gleisnetz Hafenbahn 36,2 km
Umschlaganlagen Krane bis max. 80 t am Haken im Twinbetrieb
Schwergutplatte 1
Roll-on-Roll-off-Anlage 1
Terminal für die Rollende Landstraße (RoLa) 1
Mineralölpumpanlagen 4
Anlegestelle für Flusskreuzfahrtschiffe für bis zu 9 Kreuzfahrtschiffe mit einer Länge von je 110 m

Freizeit- und PersonenschifffahrtBearbeiten

Die Personenschifffahrt benutzt weiterhin die Lände im Donau-Südarm als Anlegestelle, da diese ÖPNV-Anbindung hat. Auf Flusskreuzkahrtschiffen ist diese beliebt für Landgänge zur Altstadt.

Für Kleinfahrzeuge bestehen zwei gesonderte Einrichtungen; zum einen etliche Landungsstege im Südarm bei Donaukilometer 2380 bis 2381 links sowie der geschützte Sportboothafen bei Sinzing (km 2387 links), nahe an der Mündung der Naab.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hafen Regensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Umschlag 2017
  2. Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 404.
  3. Zur Bedeutung Regensburg als Ölstandort zu dieser Zeit vgl. Rainer Ehm: Bayern, im Speziellen Regensburg im Fokus der französischen und britischen Luftstreitkräfte 1939–1941 (S. 305) auf: heimatforschung-regensburg.de
  4. Umschlag Hafen Regensburg 2005 bis 2015 IHK Regensburg, im März 2016
  5. Binnenschifffahrt in Bayern im Dezember und im Jahr 2016. In: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Statistische Berichte, H II 1 m 12/2016. März 2017, S. 15–17 (online).
  6. WSP Regensburg
  7. a b Die Binnenschifffahrt in Bayern im Dezember und im Jahr 2004. (PDF; 878 kB) H21003 200412. In: Statistische Berichte. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, März 2005, S. 6, abgerufen am 9. März 2014.
  8. a b c d e f g h Binnenschifffahrt in Bayern im Dezember und im Jahr 2012. (PDF; 1,2 MB) H21003 201212. In: Statistische Berichte. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, März 2013, S. 6, abgerufen am 9. März 2014.
  9. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u bayernhafen Regensburg - Statistik 2013. (PDF; 924 kB) Bayernhafen GmbH & Co. KG, 2014, abgerufen am 24. März 2014.
  10. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t bayernhafen Regensburg - Statistik 2014. (PDF; 2 MB) Bayernhafen GmbH & Co. KG, 2015, abgerufen am 24. Dezember 2015.
  11. a b c d e f g Statistikflyer 2016. (PDF) Abgerufen am 19. April 2017.
  12. Binnenschifffahrt in Bayern im Dezember 2013. (PDF; 527 kB) H21003 201312. In: Statistische Berichte. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, 14. März 2014, S. 15–17, abgerufen am 14. März 2014.