Petroleum

chemische Verbindung

Petroleum (von mittellateinisch petroleum ‚Steinöl, Bergöl, Erdöl‘,[3] von lateinisch petra ‚Fels‘ bzw. ‚(großer) Stein‘ und lateinisch oleum ‚Öl‘; Kurzform Petrol) ist ein flüssiges Stoffgemisch von Kohlenwasserstoffen, das durch fraktionierte Destillation von Erdöl gewonnen wird. Die Eigenschaften des Stoffgemisches sind von der jeweiligen genauen chemischen Zusammensetzung abhängig und können stark variieren. Petroleum ist wenig flüchtig und schwer entzündlich mit einem Flammpunkt zwischen 55 und 74 °C. Petroleumdämpfe sind wesentlich schwerer als Luft und können mit dieser explosionsfähige Gemische bilden. Die Petroleumfraktion bei der Erdöldestillation liegt im Siedebereich zwischen Benzin und Dieselkraftstoff von etwa 175 °C bis 325 °C.

Petroleum
Siedeverläufe von Erdöl qualitativ
Andere Namen

Leuchtöl[1], Mitteldestillat

Kurzbeschreibung Brennstoff, Reinigungsmittel, Kraftstoff für Modellflugzeug-Selbstzündermotoren
Eigenschaften
Aggregatzustand flüssig
Viskosität

2 mm²/s (20 °C)[2]

Dichte

etwa 0,8 g/cm³[1]

Schmelzbereich −48 bis −26 °C[1]
Siedebereich

etwa 175–325 °C[1]

Flammpunkt

55 bis ca. 74 °C[1]

Zündtemperatur 210 °C[1]
Explosionsgrenze 0,7–5,0 %vol[1]
Temperaturklasse T3[1]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 304
P: 301+310​‐​331 [1]
UN-Nummer 1223
Gefahrnummer 30
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Die korrekte Bezeichnung für Petroleum im amerikanischen Englisch ist kerosene; die des Öfteren auftretende Übersetzung ins Deutsche mit Kerosin ist fehlerhaft, da der deutsche Begriff Kerosin ausschließlich auf leichtes Petroleum beschränkt ist. Die korrekte Bezeichnung im britischen Englisch ist dagegen paraffin.[4] (Die Bezeichnung paraffin oil ist so selten, dass sie in den meisten Wörterbüchern nicht einmal erwähnt wird.)

Petroleum war der historische Ausdruck für Erdöl, und das englische Wort petroleum bedeutet weiterhin Erdöl oder Rohöl. Im Britischen Englisch ist petrol der Name für Benzin. Die Bezeichnung nach dem Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) lautet „KEROSIN“.

VerwendungBearbeiten

Petroleum wird als Brennstoff (Heizwert: Energie/Masse 11,9 kWh/kg entsprechend 43,1 MJ/kg, Energie/Volumen 9,5 kWh/l entsprechend 34,2 MJ/l) für Petroleumlampen sowie als Reinigungsmittel verwendet. Es brennt gleichmäßig unter stark öliger und versottender Rußentwicklung ab und eignet sich als Reinigungsmittel, um damit stark haftende Fett- und Schmutzrückstände von Metalloberflächen zu entfernen.

Petroleum wird als Treibstoff für Modellflugzeug-Selbstzündermotoren (auch Dieselmotoren genannt) verwendet (42 % Petroleum, 36 % Diethylether, 20 % Rizinusöl, 2 % Isoamylnitrit). Dieser Motorentyp wird nur noch selten verwendet. Er wird jedoch weiterhin in kleinen Serien hergestellt (Indien, Großbritannien, Tschechien und ehemalige UdSSR-Staaten, vornehmlich für Mannschaftsrenner oder Fuchsjagdmodelle). Petroleum wird heute auch in Strahltriebwerken für Flugmodelle eingesetzt.

Vereinzelt wird Petroleum auch aus Kostengründen als Ersatzkraftstoff für fremdgezündete Motoren genutzt, ist dort aber nicht sehr effizient. Beispiele dafür sind die Petro-Modelle von Saab-Valmet für den Finnischen Markt.[5]

Zur Verbesserung der Kälteeigenschaften (siehe Cloud Point, Cold Filter Plugging Point) von Dieselkraftstoff bei niedrigen Temperaturen kann Petroleum zugemischt werden.[6] Diese Methode ist durch die Bereitstellung von Winterdiesel (frühzeitig vor der kalten Jahreszeit) meist nicht mehr erforderlich und auch nicht zulässig, da moderne Einspritzsysteme durch die schlechteren Schmiereigenschaften geschädigt werden können.

Im Handel werden für unterschiedlichste Anwendungsfälle Reinigungs- und Lösungsmittel mit sehr engen Siedebereichen angeboten und als Petroleum verkauft. Diese Stoffe sind sehr rein (z. B. hydriert, entaromatisiert) und haben keine schweren Anteile, welche Rückstände hinterlassen würden. Auch wird Petroleum zur Lagerung bestimmter Metalle (beispielsweise reines Kalium) verwendet. Dabei zeigt sich aber eine stärkere Krustenbildung, als bei der Aufbewahrung der Alkalimetalle unter reinem Paraffinöl – welches hier zu empfehlen ist.

Mit einem Flammpunkt von (>) 55 °C ist Petroleum deutlich ungefährlicher als Flug- oder Autobenzin.

Wie die Siedeverlaufskurve (im Bild) zeigt, ist Petroleum dem Turbinenkraftstoff (Kerosin) zwar ähnlich, die deutlich erkennbaren schwerer siedenden Anteile würden jedoch zu einem erhöhten, nicht spezifikationsgerechten, Freezing Point führen. Kerosin als Petroleum mit Additiven zu bezeichnen, ist somit falsch.

Petroleum wird außerdem noch als Schmiermittel für präzise gleitgelagerte Spindeln eingesetzt, z. B. an Flachschleifmaschinen.

GeschichteBearbeiten

 
Petroleumleuchte im 19. Jahrhundert

Petroleum wurde seit der Antike als Brennmaterial und Arzneimittelzutat verwendet.[7] Ab ca. 1870 bis nach der Wende zum 20. Jahrhundert wurde es hauptsächlich als Brennstoff für Petroleumlampen verwendet, bevor es durch elektrischen Strom abgelöst wurde.[8]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Petroleum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

QuellenBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j Eintrag zu Petroleum in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. April 2020 (JavaScript erforderlich).
  2. Vorsorgeplan Schadstoffunfallbekämpfung. Eigenschaften von Öl und deren Auswirkungen nach einem Ölunfall / 5.1 Physikalische Eigenschaften. Juli 2019, abgerufen am 24. Februar 2020.
  3. DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 7. März 2020.
  4. PARAFFIN | meaning in the Cambridge English Dictionary. Abgerufen am 7. März 2020 (englisch).
  5. Tommi Järvinen: Saab 99 Petro – dual fuel system. In: Tommi's Saab Site. 26. März 2013, abgerufen am 7. März 2020 (britisches Englisch).
  6. Deutz AG Technisches Rundschreiben (PDF-Datei; 118 kB) vom 27. März 1998.
  7. Robert J. Forbes: Studies in ancient technology. 9 Bände, Leiden 1955–1964; hier: Band 1, S. 1–120.
  8. Friedrich Klemm: Geschichte der Technik, 4. Auflage, Teubner, Stuttgart / Leipzig 1999, ISBN 3-519-00282-5.