Gymnasium bei St. Anna (Augsburg)

eines der ältesten Gymnasien Deutschlands

Das Gymnasium bei St. Anna in Augsburg wurde 1531 in der Reformationszeit als protestantische Lehranstalt (Lateinschule) gegründet. Mit über 480 Jahren gehört das Gymnasium bei St. Anna zu den ältesten Gymnasien Deutschlands.

Gymnasium bei St. Anna
Gymnasium bei St. Anna, Augsburg.jpg
Neubau an der Schertlinstraße
Schulform Sprachliches und humanistisches Gymnasium
Gründung 1531
Adresse

Schertlinstraße 5–7
86159 Augsburg

Ort Augsburg
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 21′ 17″ N, 10° 53′ 19″ OKoordinaten: 48° 21′ 17″ N, 10° 53′ 19″ O
Schüler 670 (Stand 2021)
Leitung Alois Mayr
Website www.gym-anna.de

Ursprünglich in der Innenstadt bei der namensgebenden Kirche St. Anna gelegen, befindet sich das Gymnasium heute im Augsburger Antonsviertel in der Schertlinstraße. Es ist ein Gymnasium mit neusprachlichem und humanistischem Zweig, wird von etwa 700 Schülern besucht und hat ein Lehrerkollegium mit etwa 70 Lehrkräften.

GeschichteBearbeiten

Ab 1531Bearbeiten

 
Die zweistöckige Augsburger Stadtbibliothek (links) und der dreistöckige „Hollbau“ der Lateinschule (rechts ), Kupferstich von Simon Grimm, 1676.

Mit seinem Gründungsjahr 1531 zählt das Gymnasium zu den ältesten Schulen im bayerischen Schwaben. Ab 1537 finanzierte man die Lateinschule aus der 1464 dotierten Studienstiftung des Geistlichen Ulrich Langenmantel vom Sparren.[1][2] Ursprünglich war sie in den Räumen des ehemaligen Karmelitenklosters Augsburg (Priorat St. Anna) untergebracht und erhielt daher auch ihren Namen.

Für die bedeutende Augsburger Stadtbibliothek (heute Staats- und Stadtbibliothek Augsburg), die ihren Grundstock aus den Bibliotheken des aufgelösten Karmelitenklosters St. Anna und weiteren Augsburger Klöstern erhielt, wurde 1562/1563 an der Westseite des Annahofs ein eigenes Gebäude errichtet. Die Bibliothek war für lange Zeit, nicht nur räumlich, eng mit der Lateinschule verbunden. Der Schulrektor war jahrhundertelang auch der Augsburger Stadtbibliothekar. Die Chronologie der Rektoren/Bibliothekare beginnt mit Sixtus Birck.

Eine Stiftung ermöglichte die Eröffnung eines Schulinternats, des Anna-Kollegs (auch Sankt-Anna-Kollegiums) im Jahr 1582. Es wechselte im Lauf der Jahrhunderte mehrfach seinen Standort und besteht bis heute.[3]

Von 1613 bis 1616 erbaute Elias Holl auf dem Nachbargrundstück des ehemaligen Klosters neben der Stadtbibliothek ein eigenes Gebäude für die Lateinschule bei St. Anna im Stil der Renaissance. 1616 zog die Schule in diesen Bau um und verblieb dort im „Hollbau“ am Annahof für die nächsten 351 Jahre. Im 18. Jahrhundert erwarb die sprachliche und humanistische Lateinschule den Ruf einer Eliteschule.

Nach 1800Bearbeiten

 
Der Erweiterungsbau an der Fuggerstraße

Nach der Säkularisation wurde 1807 in der Paritätischen Reichsstadt die protestantische Schule bei St. Anna mit dem aufgelösten Jesuitenkolleg St. Salvator in den Räumen von St. Anna zusammengelegt. Auf Wunsch der Bürger und unterstützt durch eine Spende zum Ankauf eines Gebäudes wurde die erneute Trennung der Schulen 1827 angeregt und 1835 vollzogen. Die katholischen Schüler zogen in das Gymnasium bei Sankt Stephan in die neu gegründete Benediktinerabtei St. Stephan um.

1872 wurde die Personalunion des Leiters des Gymnasiums und der Stadtbibliothek aufgebrochen. 1893 zog die Bibliothek in einen Neubau an der Schaezlerstraße um und der Altbau an der Fuggerstraße wurde abgerissen. An seiner Stelle wurde ein Erweiterungsbau des Gymnasiums erbaut und um 1900 fertiggestellt.

Seit 1967Bearbeiten

Im Jahr 1967 verließ die Schule das Gebäude bei St. Anna und zog in einen Neubau an der Schertlinstraße im Stadtteil Antonsviertel um. Die ehemaligen Gebäude des Gymnasiums in der Innenstadt, die unter Denkmalschutz stehen, haben neue Nutzungen gefunden. Der „Hollbau“ wird heute vom Evangelischen Forum Annahof für Seminare und Veranstaltungen genutzt. Der Erweiterungsbau an der Fuggerstraße 10 dient heute als Gerichtsgebäude.

1973 wurde das neue Gebäude des Gymnasiums an der Schertlinstraße um einen Trakt erweitert, den Erweiterungsbau, kurz E-Bau. Seit Mai 2006 fanden dort Umbauarbeiten in der ehemaligen „Zentralstelle für Computereinsatz im Unterricht“ statt, die im April 2007 beendet wurden. Es entstanden dort unter anderem eine Mensa – das Annaretto –, ein Raum für die Hausaufgaben- und Nachmittagsbetreuung (HAnnA) und zwei Seminarräume.

Im Schuljahr 2006/2007 beging die Schule ihr 475-jähriges Gründungsjubiläum. Dieses wurde unter anderem durch einen Festakt im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses, einen Festgottesdienst in der St.-Anna-Kirche und mehrere Musical-Aufführungen in der Schulturnhalle gefeiert.

Seit 2011 ist das Gymnasium bei St. Anna Referenzschule für Medienbildung. Es verfügt über eine sehr gute Medienausstattung sowie eine Mediencharta.[4]

Bedeutende SchulangehörigeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Gymnasium bei St. Anna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Julius Hans: Beiträge zur Geschichte des Augsburger Schulwesens, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, 4. Jahrgang, Augsburg, 1878, S. 27; (Digitalscan)
  2. Franz Eugen von Seida und Landensberg: Allgemeine königlich-baierische Vaterlandskunde, Augsburg, 1807, S. 554–557 des Jahrgangs; (Digitalscan)
  3. Anna-Kolleg. In: Stadtlexikon Augsburg. Abgerufen am 15. September 2020.
  4. Medienausstattung. Abgerufen am 1. Mai 2019 (deutsch).