Gundernhausen

Gundernhausen (im lokalen Dialekt: Gunnerhaise)[2] ist ein Ortsteil der Gemeinde Roßdorf im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Gundernhausen
Gemeinde Roßdorf
Wappen von Gundernhausen
Koordinaten: 49° 52′ 14″ N, 8° 47′ 15″ O
Höhe: 157 m ü. NHN
Fläche: 6,74 km²[1]
Einwohner: 3225 (30. Jun. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 478 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64380
Evangelische Kirche Gundernhausen (2006)

GeographieBearbeiten

Der Ort liegt circa fünf Kilometer südwestlich von Dieburg in der historischen Region Bachgau.

GeschichteBearbeiten

Aus Bodenfunden geht hervor, dass die Gemarkung Gundernhausen seit Jahrtausenden besiedelt ist. Bedingt durch den Ortsnamen mit der Endung ...hausen wird vermutet, dass die Siedlung von den Franken im 8. oder 9. Jahrhundert gegründet wurde. Im Jahre 763 schenkte Pippin der Jüngere der Abtei Fulda das heutige Groß-Umstadt mit allem Zubehör, zu dem auch Gundernhausen gehört haben soll.

Die erste schriftliche Erwähnung des kompletten Ortsnamens als Gunthershusen finden wir in einer Urkunde des Klosters Fulda aus dem Jahre 1250.[3] In einer weiteren Urkunde aus dem Jahre 1257 erneuert der Abt von Fulda die Lehen der Grafen Dieter und Eberhard von Katzenelnbogen unter anderem an Gundernhausen. In den historischen Dokumenten ist der Ort dann im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt.[4] Unter anderem als Gunderadeshusen 1318, als Gunderdehusen 1423, als Gundelhusen 1453, Gondernhusen 1492 und als Gondernhaußen 1671.

Im ausgehenden 14. Jahrhundert kam es zu Streitigkeiten zwischen den Grafen zu Katzenelnbogen und der Stadt Worms, in deren Verlauf große Schäden in der Grafschaft entstanden. Im Schadenverzeichnis aus dem Jahre 1390 ist vermerkt, dass dem Kunz Ulrich von Gundernhausen sieben Ohm Wein genommen wurden. Damit gibt es einen Hinweis auf Weinbachaktivitäten um Gundernhausen.

Im Jahr 1479, mit dem Aussterben der Grafen von Katzenelnbogen, fiel Gundernhausen an die Landgrafschaft Hessen. 1526 wurde Gundernhausen zusammen mit der Landgrafschaft evangelisch. In der evangelischen Kirche blieb die 1520 gegossene Glocke Anna bis heute erhalten. Gundernhausen, das ursprünglich zur Mutterkirche Lengfeld gehörte, erhielt 1412 eine eigene Pfarrei.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gundernhausen zweimal schwer beschädigt. 1622 wurde das Dorf durch Truppen des Grafen von Mansfeld ausgeraubt, und um das Jahr 1636 lagerten die Schwedischen Truppen am heute noch so genannten Schwedenrain. Der anschließenden Pest fielen fast alle Einwohner zum Opfer; jahrelang war der Ort mit den verfallenen Häusern unbewohnt. Das älteste noch vorhandene Kirchenbuch wurde 1599 von Pfarrer Theoderich Kraft Weidling begonnen und endete 1634, als er an der Pest starb.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort langsam wieder neu besiedelt. Die treibende Kraft waren dabei die beiden in der Gemarkung gelegenen Hofgüter.

Im Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert gab es Einquartierungen französischer und anderer Truppen. 1813 wurde die Dieburger Mark aufgelöst und Gundernhausen erhielt anteilig zu seiner damaligen Einwohnerzahl Gemeindewald zugesprochen.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Gundernhausen:

»Gundernhausen (L. Bez. Reinheim) luth. Pfarrdorf; liegt in einer großen Ebene, 2 St. von Reinheim, und hat 108 Häuser und 735 Einw., die bis auf 2 Kath., 1 Reform und 5 Juden lutherisch sind. Unter diesen sind 90 Gewerbsleute und 104 Bauern und Taglöhner. Man findet hier eine 1747 neuerbaute Kirche, das von Grolman’sche Lehengut, mit einem schön angelegten Garten und 43434 Morgen Acker- und Wiesenland, ein Pfarrhaus, ein neues Schulhaus, eine Mahlmühle und eine zu eben bemerkten Lehengute gehörige Ziegelhütte. Gundernhausen ist der Sitz des Steuerkommissairs, und der Geburtsort des Botanikers Joh. Christoph Röhling, der den 27. April 1757 geboren wurde. – Der Ort kommt in Urkunden unter dem Namen Cuncherateshusen vor und war ein Lehen von Fulda, womit nebst dem Hofe die Grafen von Katzenellenbogen belehnt waren, und welches Lehen namentlich 1250 erneuert wurde. Die Kirche war ein Filial von Roßdorf und wurde erst nach der Reformation zur Pfarrkirche erhoben.«[5]

1863 wurde der erste Verein gegründet, der Bienenzuchtverein. Ihm folgten mehrere Gesangvereine (ab 1865), der erste Turnverein (1905) und später der Kaninchenzuchtverein (1912). 1897 erhielt Gundernhausen Anschluss an das Schienennetz, als am ehemaligen Bahnhof der Bahnstrecke Darmstadt Ost–Groß-Zimmern der erste Eisenbahnzug hielt. Eine elektrische Beleuchtung wurde im Jahr 1913 installiert und eine öffentliche Wasserversorgung entstand 1934 durch das verlegte Wasserrohrnetz.

Wie alle deutschen Gemeinden hatte auch Gundernhausen unter dem Zweiten Weltkrieg zu leiden, und 102 Männer und Frauen überlebten dieses einschneidende Ereignis nicht. Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen am 25. März 1945 ging für Gundernhausen der Krieg zu Ende.

Über 400 Heimatvertriebene und Ausgebombte nahm Gundernhausen in den Jahren 1946 bis 1955 auf; das Dorf veränderte sich, Neubaugebiete wurden erschlossen, die Bevölkerungszahl verdoppelte sich, eine neue Schule wurde eingeweiht, und die 1957 durchgeführte Flurbereinigung veränderte das Landschaftsbild.

GebietsreformBearbeiten

Am 1. Januar 1977 wurde im Rahmen der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz die bis dahin selbstständige Gemeinde Gundernhausen nach Roßdorf eingegliedert, zugleich wurde der Landkreis Darmstadt-Dieburg gegründet, zu dem Gundernhausen seither gehört.[6] Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Gundernhausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[4][7][8]

GerichteBearbeiten

Gundernhausen lag im Gerichtsbezirk der Zent Ober-ramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“ eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Dieser Bezirk hatte einen Frachtwagen (Reiswagen) einschließlich Zugtiere und Knechten für Feldzüge bereitzustellen. Gundernhausen gehörte zum „Roßdorf Reiswagen“, zu dem auch Roßdorf sowie alle zugehörigen Höfe und Mühlen gehören. Die gesamte Zent Ober-Ramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.[10]

Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz waren:[4]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

• 1791: 464 Einwohner[10]
• 1800: 498 Einwohner[11]
• 1806: 540 Einwohner, 89 Häuser[9]
• 1829: 735 Einwohner, 108 Häuser[5]
• 1867: 872 Einwohner, 135 Häuser[12]
Gundernhausen: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011
Jahr  Einwohner
1791
  
464
1800
  
498
1806
  
540
1829
  
735
1834
  
741
1840
  
800
1846
  
767
1852
  
815
1858
  
861
1864
  
850
1871
  
868
1875
  
857
1885
  
816
1895
  
908
1905
  
995
1910
  
1.020
1925
  
1.094
1939
  
1.124
1946
  
1.472
1950
  
1.714
1956
  
1.664
1961
  
1.754
1967
  
2.443
1970
  
2.584
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
3.126
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4]; Zensus 2011[13]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 727 lutheranische (= 98,91 %), ein reformierter (= 0,14 %), 5 jüdische (= 0,68 %) und 2 katholische (= 0,27 %) Einwohner[5]
• 1961: 1324 evangelische (= 75,48 %), 382 katholische (= 21,78 %) Einwohner[4]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Ein Schild in Blau, unter einem silbernen sechszackigen Stern ein aufwärtsgekehrt liegender goldener Halbmond, an dem ein silbernes Hufeisen hängt.“[14]

Das Wappen enthält Elemente des Siegels des gemeinsamen Dorfgerichts von Roßdorf und Gundernhausen aus dem 19. Jahrhundert.

Eine offizielle Flagge wurde nie genehmigt. Es gibt jedoch eine nichtamtliche Flagge, die auf weiß-rot-geviertem Flaggentuch das Gemeindewappen zeigt.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Juli: Parkfest[15]
  • September: Ein wichtiges Fest im Dorf ist die erstmals 1599 schriftlich erwähnte Kirchweih (Kerb). Sie findet am 1. Sonntag nach dem 1. September über vier Tage statt und wird von der gesamten Bevölkerung gefeiert.[16]
  • November/Dezember: Weihnachtsmarkt[17]

VerkehrBearbeiten

Der Haltepunkt Gundernhausen lag an der Bahnstrecke Darmstadt Ost–Groß-Zimmern. Der Personenverkehr wurde am 1. Juni 1966 eingestellt. Diese Bahnstrecke ist stillgelegt. Gundernhausen ist über eine eigene Anschlussstelle an die autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraße B26 in Fahrtrichtung Darmstadt sowie in Fachrichtung Dieburg angeschlossen.

WeblinksBearbeiten

Commons: Gundernhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Daten-Informationen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webauftritt. Gemeinde Roßdorf, archiviert vom Original am 2. Mai 2014; abgerufen im Mai 2014.
  2. Darmstädter Echo, Samstag, 22. Juli 2017, S. 26
  3. Die Regesten der Grafen von Katzenelnbogen, Band 1: 1060–1418
  4. a b c d e Gundernhausen, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 23. Juli 2012). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 30. Oktober 2012.
  5. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 93 (Online bei google books).
  6. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, §§ 12 und 18 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  9. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 6. Februar 1806.
  10. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 125 (Online in der HathiTrust digital library).
  11. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 126 (Online in der HathiTrust digital library).
  12. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 34 (Online bei google books).
  13. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  14. Gundernhausen: Wapen (HStAD Bestand R 6 C Nr. 98) In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 1970.
  15. Darmstädter Echo, Montag, 24. Juli 2017, S. 17
  16. Darmstädter Echo, Donnerstag, 1. September 2016, S. 24
  17. Darmstädter Echo, Donnerstag, 26. November 2015, S. 20