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Grenze zwischen dem Kosovo und Montenegro

Grenzverlauf zwischen der Republik Kosovo und Montenegro

Die Grenze zwischen dem Kosovo und Montenegro trennt das Staatsgebiet der Republik Kosovo und von Montenegro. Sie hat eine Länge von rund 75 Kilometern[1] auf rund 40 Kilometern Luftlinie. Der Grenzverlauf ist noch nicht endgültig festgelegt.

Inhaltsverzeichnis

GrenzverlaufBearbeiten

Kosovo Montenegro
Gemeinde Gemeinde
Istog Rožaje
Peja
Berane
Plav
Deçan
Junik

Die gemeinsame Staatsgrenze ist eine reine Hochgebirgsgrenze. Sie verläuft in südwestlicher Richtung entlang des Hauptkamms des Dinarischen Gebirges im Prokletije. Als weitgehend natürliche orographische Grenze trennt sie die Gebiete der Crna Gora („Schwarze Berge“, italienisch Montenegro), die historische Region Zeta, und die zusammenfassend in der Jugoslawienzeit Kosmet genannte Gegend der Beckenlandschaften um das Amselfeld und Metochien. In der Region des Čakorpass verläuft sie hingegen teilweise östlich der Wasserscheide.

Die Grenze beginnt im Mokra Gora Gebirge, wo sich östlich vom Beleg (ca. 2000 m) das Dreiländereck mit Serbien befindet.[2] Von dort führt sie im Bogen westwärts in das Žljeb-Massiv, mit dem Žljeb (ca. 2365 m)[3] als Grenzgipfel, und das Hajla-Massiv mit der Hajla (ca. 2403 m) und dann südwärts durch die Glođija an die obere Bistrica e Pejës unterhalb des Čakor. Dann führt sie südostwärts in die Berge der Bjeshkët e Namuna të Kosovës. Ab dort läuft sie wieder südwestwärts über den Pasji vrh (ca. 2405 m) und Maja e Madhe (ca. 2372 m) zum Tromeđa (ca. 2366 m), dem Dreiländereck mit Albanien.

kosovarisch-serbische Grenze     montenegrinisch-kosovarische Grenze     kosovarisch-albanische Grenze
serbisch-montenegrinische Grenze albanisch-montenegrinische Grenze
  Beleg   Tromeđa  

GeschichteBearbeiten

 
Königreich Montenegro um 1913; der größere Gebietsstand östlich des Čakorpasses im Westkosovo erkennbar.

Die derzeitige Staatsgrenze ist eine Teilrepubliksgrenze aus der jugoslawischen Verfassung 1974.[4] Im Zuge des Zerfalls Jugoslawiens brach 1998 der Kosovokrieg aus, 1999 wurde die NATO-Kosovo Force (KFOR) aufgestellt, die im Assistenzeinsatz auch in der Grenzsicherung und der Grenzkontrolle bis heute tätig ist. Ebenfalls im Zuge des Krieges wurde auch die Grenze am Čakorpass geschlossen.

2006 spaltete sich Montenegro aus Serbien und Montenegro (Bundesrepublik Jugoslawien, „Restjugoslawien“) ab, und 2008 der Kosovo von der verbliebenen Republik Serbien. Montenegro hat den Kosovo in diesem Jahr auch anerkannt,[4][5] die beiden Länder nahmen offizielle diplomatische Beziehungen auf.[6]

Schon 2010 begann ein Projekt im Rahmen des Cross Border Cooperation Project (CBC) der Europäischen Union.[1] Dabei wurde prinzipiell bekundet, die Grenze im Stand von 1974 beizubehalten, aber strittige Punkte in der genauen Grenzziehung aufgearbeitet. So entstand beispielsweise am Kula-Pass wegen unklarer Verhältnisse ein elf Kilometer langes Niemandsland. Seit 2010 ist Montenegro offizieller EU-Beitrittskandidat. Im Rahmen der 2012 begonnenen Beitrittsverhandlungen Montenegros mit der Europäischen Union ist eine Konsolidierung der Grenzen eine Mitbedingung.

Bei der Westbalkan-Konferenz im August 2015 in Wien wurde zwischen Montenegro und Kosovo ein Demarkationsabkommen unterzeichnet.[7][8] Kritisiert wurde die Vereinbarung im Parlament in Pristina, weil rund 120 Quadratkilometer umstrittenes Gebiet Montenegro zugesprochen wurden.[7][9] Ein Abschluss war für Anfang 2016 geplant,[4] verzögert sich aber insbesondere auch wegen heftigen Widerstands der kosovarischen Opposition wie Vetëvendosje.[10]

Da Serbien den Kosovo – anders als der Großteil der Staaten (Stand 2016) – noch nicht völkerrechtlich anerkannt hat, ist der Grenzverlauf in gewisser Weise prinzipiell noch als umstritten zu bezeichnen. Auch zwischen Serbien und Kosovo ist im Rahmen der Westbalkankonferenzen und des EU-Beitrittsprozesses ein Grenzabkommen in Vorbereitung.[11][12]

Grenzübertritt und GrenzverkehrBearbeiten

Der einzige Grenzübergang zwischen den beiden Staaten ist (die kosovarische Seite zuerstgenannt):[1]

Der Übergang Čakor/Çakor (Route   Peja –   Morino) wurde 1999 geschlossen und noch nicht wiedereröffnet.

LiteraturBearbeiten

  • Ministry of Local Government Administration (Montenegro), Ministry of Foreign Affairs and European Integration (Kosovo): IPA Cross-Border Programme Montenegro – Kosovo 2011-2013. Final Draft, 31. Januar 2011 (pdf, auf ec.europa.eu/enlargement).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Kosovo – Montenegro. CBC Programme. cbckosovo.eu, o. D., abgerufen 14. März 2016
  2. Das Dreiländereck liegt zwischen Beleg (westlich), Mali Beleg (nördlich) und Pogled (östlich)
  3. Die Höhenangaben im Raum divergieren nach Quelle stark. Die Angaben hier folgen Liste von Gipfeln des Prokletije.
  4. a b c Dusica Tomovic: Montenegro to Seal Border Deal with Kosovo. balkaninsight.com, 23. Dezember 2015.
  5. Montenegro recognizes Kosovo's independence, International Herald Tribune. 9. Oktober 2008. 
  6. Montenegro, Kosovo in diplomatic ties. B92. 15. Januar 2010. Archiviert vom Original am 17. Januar 2010.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.b92.net Abgerufen am 15. Januar 2010.
  7. a b Kosovo Solves Border Demarcation Issue with Montenegro. (Memento vom 14. März 2016 im Internet Archive) independent.mk, 27. August 2015.
  8. Westbalkan-Konferenz - Grenzabkommen zwischen Bosnien und Montenegro. In: Tiroler Tageszeitung online, 23. August 2015.
  9. Elton Tota: Kosovo approves the border agreement with Montenegro. In: Independent Balkan News Agency. 5. August 2015, abgerufen am 14. März 2016 (englisch).
  10. Ervin Qafmolla: Kosovo’s Vetevendosje Renews Opposition to Montenegro Border Deal. In: Balkan Insight. 9. Juni 2016, abgerufen am 24. Dezember 2017 (albanisch).
  11. Reuters: Serbian PM says time to face facts over Kosovo sovereignty, abgerufen am 12. Januar 2013.
  12. Kosovo-Serbia Border ‘Will Be Raised in Brussels’. balkaninsight.com, 14. Januar 2016.