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Godelieve Quisthoudt-Rowohl

deutsche Politikerin (CDU), MdEP
Godelieve Quisthoudt-Rowohl (2010)

Godelieve Quisthoudt-Rowohl (* 18. Juni 1947 in Etterbeek, Belgien) ist eine deutsche Politikerin der niedersächsischen CDU und seit 1989 durchgehend Mitglied des Europäischen Parlaments. Sie ist Sprecherin der Europäischen Volkspartei (EVP) im Ausschuss für internationalen Handel (INTA), Vorsitzende der UK-Monitoring Group des INTA, Vizesprecherin im Unterausschuss für Menschenrechte (DROI) sowie Vizevorsitzende der Delegation des Europäischen Parlaments für die Beziehungen zu Kanada.[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

UniversitätBearbeiten

Quisthoudt-Rowohl studierte Chemie und war von 1972 bis 1973 Stipendiatin am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen. 1973 promovierte sie an der Universität Leuven in Belgien[2] zur Dr. phil. nat. Von 1974 bis 1978 war sie als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Klinische Biochemie und Physiologische Chemie an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig.[3] Im Zeitraum von 1979 bis 1988 arbeitete Quisthoudt-Rowohl als wissenschaftliche Angestellte am Institut für Angewandte Sprachwissenschaft der Universität Hildesheim.[3] Im Jahr 2009 verlieh ihr die Universität Hildesheim die Honorarprofessur[4][5]. Quisthoudt-Rowohl hielt u. a. Gastvorlesungen an der Universität Kaliningrad, an der European Business School und an der Harvard University.

Politische KarriereBearbeiten

Quisthoudt-Rowohl ist Mitglied der CDU und seit Ende der 1980er Jahre in Niedersachsen, Deutschland und der Europäischen Union politisch aktiv.

DeutschlandBearbeiten

 
Quisthoudt-Rowohl mit Angela Merkel

Seit 1990 ist Quisthoudt-Rowohl im Landesvorstand Niedersachsen. Von 1994 bis 2012 war sie zudem Mitglied im Bundesvorstand der CDU.[6][2] Im Rahmen dieser Tätigkeit galt sie als maßgebliche Unterstützerin der Nominierung von Angela Merkel als Kanzlerkandidatin im Jahr 2004.

Sie war von 1990 bis 1996 Mitglied des Bundesvorstands der Frauenunion.[2][7] Des Weiteren war Quisthoudt-Rowohl stellvertretendes Mitglied im Europaausschuss des Deutschen Bundestages. Von 2005 bis 2009 war sie Vorsitzende des Stadtverbands der CDU Hildesheim.[8]

EuropaBearbeiten

Quisthoudt-Rowohl ist seit 1989 durchgängig Mitglied des Europäischen Parlaments[2][7] und gehört damit – zusammen mit Elmar Brok und Karl-Heinz Florenz – zu den dienstältesten CDU-Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Von 1997 bis 2007 war sie als Quästorin[2][7] im Präsidium des Parlaments tätig. Quisthoudt-Rowohl hat sich vor allem auf den Bereich Forschung und Wissenschaft sowie Wirtschaft und Internationalen Handel spezialisiert.

Die internationale Organisation Transparency International verlieh Quisthoudt-Rowohl im Rahmen des Integrety Watch Programms die Bestnote 0 beim External Activity Indicator. Mit einer Anwesenheit von 85 Prozent bei Parlamentssitzungen gehört sie zu den Spitzenreitern der EVP-Fraktion.[9]

Politische ProjekteBearbeiten

Quisthoudt-Rowohl initiierte 2005 erste Gespräche zwischen den europäischen Meeresforschungsinstituten und dem Europäischen Parlament, um über die rasant voranschreitenden Klimaveränderungen, den globalen Meeresspiegelanstieg, die nachhaltige Nutzung maritimer Ressourcen, die zunehmenden Bedrohungen und Schäden durch Flutwellen, Erdbeben und extreme Wetterereignisse sowie die fortschreitende Zerstörung der maritimen Umwelt zu beraten und einen Konsens über die Prioritäten zukünftiger Meeresforschung herbeizuführen.[10]

Im Rahmen Ihrer Mitgliedschaft im Ausschuss für internationalen Handel setzte sie sich dafür ein, europäische Autohersteller gegen Dumpingpreise chinesischer Aluminiumfelgen zu schützen.[11][12] Auf ihren Antrag hin kritisierte der Ausschuss die Türkei heftig dafür, dass Zypern immer noch keine Waren dorthin ausführen dürfe und forderte die Türkei auf, so schnell wie möglich das Ankara-Protokoll zu ratifizieren. Sie verlangt von der Türkei, das Urheberrecht wirksam durchzusetzen und so Markenpiraterie zu beenden.[13] Sie setzte sich 2009 für eine Stärkung der europäischen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) durch mehr Teilnahme am internationalen Handel und für eine Intensivierung der Beziehungen zu den USA ein.[14] Sie war daran beteiligt, dass Russland ein neues Energieabkommen mit der EU ratifizierte.[15] Sie hält das europäische Glühlampenverbot für bevormundend undemokratisch, weil es am Parlement und damit der Öffentlichkeit vorbei beschlossen wurde.[16] Sie wirkte daran mit, dass die Gebühren für Mobiltelefonate im Ausland (Roaming) innerhalb der EU gedeckelt wurden.[17]

In der Eigenschaft als stellvertretendes Mitglied im Entwicklungsausschuss wirkte sie daran mit, dass die EU ab 2010 Studentenaustausche und Projekte der Demokratieförderung in China und Indien fördert[18] und dass die Kommission den Kinderrechten einen höheren Stellenwert einräumt.[19] Quisthout setzt sich dafür ein, dass Jungen und junge Männer nicht länger benachteiligt werden.[20] 2003 regte sie eine Überprüfung der Verwendung der EU-Gelder der Palästinensischen Autonomiebehörde an, um sicherzustellen, dass diese nicht durch Korruption, zur Unterstützung von Terrorgruppen oder ähnlichem vergeudet würden.[21]

Im Rahmen der Neufassung der RoHS-Richtlinie (2010) wurde Quisthoudt-Rowohl vom PVC-Hersteller Vinnolit dafür gelobt, dass sie sich gegen eine Beschränkung dieses Werkstoffes eingesetzt hatte.[22][23]

Ausschüsse und Delegationen (chronologisch)Bearbeiten

AusschüsseBearbeiten
DelegationenBearbeiten

2009–2014

  • Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten als stellvertretendes Mitglied, Delegation in der Parlamentarischen Versammlung Europa-Lateinamerika (dort Sprecherin der EVP-Fraktion)
  • Delegation für die Beziehungen zu den Ländern der Andengemeinschaft und Delegation für die Beziehungen zur Parlamentarischen Versammlung der NATO.

2012–2014

  • Vorsitzende der Beobachtungsgruppe für die Handelsbeziehungen zwischen Australien und Neuseeland.

Gegenwärtig

  • Delegation für die Beziehungen zu Kanada (Erste Vizevorsitzende)
  • Delegation für die Beziehungen zu Indien (Stellvertretendes Mitglied)

WeltweitBearbeiten

Auf Einladung der „German Conference at Harvard“ (USA) beschrieb sie die Deutschen. Sie warb darum, die Pluralität moderner Gesellschaften zu ertragen und hält die deutsche Identität nur noch zusammen mit Europas Identität für erklärbar.[26]

Seit 2012 ist sie EVP-Berichterstatterin für das EU/USA-Freihandelsabkommen (TTIP).

PrivatlebenBearbeiten

Quisthoudt-Rowohl ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. Sie lebt im niedersächsischen Hildesheim. Sie ist Vorsitzende des Beirates der bischöflichen Stiftung „Gemeinsam für das Leben[27] in Hildesheim. Außerdem ist sie Gründungsmitglied des Dombauvereins Hohe Domkirche Hildesheim. Sie ist Schirmherrin des europäischen Hauses der Begegnung für benachteiligte Jugendliche. Sie trägt das Bundesverdienstkreuz am Bande.[5]

SchriftenBearbeiten

  • Mit Benjamin Fairbrother: Europäische Handelspolitik: von Rom bis Lissabon. Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin 2010, ISBN 978-3-941904-28-6.
  • Bericht über die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen der EU und Russland In: Berichte des Europäischen Parlaments. Europäisches Parlament, 2007 (Deutsch und Englisch).
  • Politik für ein innovatives Europa. In: Günter Rinsche, Ingo Friedrich: Weichenstellung für das 21. Jahrhundert: Erfordernisse und Perspektiven der europäischen Integration. Böhlau, 1998, ISBN 3-412-14297-2, ISBN 978-3-412-14297-1.
  • Europäische Forschungspolitik. In: Günter Rinsche, Ingo Friedrich: Europa als Auftrag: die Politik deutscher Christdemokraten im Europäischen Parlament 1957–1997: von den Römischen Verträgen zur politischen Union. Böhlau, 1997, ISBN 3-412-00897-4, ISBN 978-3-412-00897-0, S. 171 ff.
  • Mit Ingo Beckedarf: Europäische Forschungspolitik. In: Europa zwischen Alltag und Vision: neun Beiträge von Abgeordneten des Europäischen Parlaments und ein Szenario aus dem dritten Jahrtausend. Bloch, 1996, ISBN 3-929686-04-X, ISBN 978-3-929686-04-3, S. 169–184.
  • Bericht zur Mitteilung der Kommission über die Perspektiven für die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit den Neuen Unabhängigen Staaten. Europäisches Parlament, 1995.
  • Spezifisches Programm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration im Bereich fortgeschrittener Kommunikationstechnologien und -dienste. Europäisches Parlament, 1994.
  • Bericht: über den Vorschlag der Kommission für einen Beschluß des Rates über die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für das Dritte Gemeinschaftliche Rahmenprogramm im Bereich der Forschung und technologischen Entwicklung. Europäisches Parlament, 1992.
  • Der Umgang mit Briten und anderen Exoten. Erfahrungen aus dem Europa-Parlament. In: Jürgen Beneke: Kultur, Mentalität, Nationale Identität. Bonn, Dümmler 1992, ISBN 3-427-63111-7, S. 7–13.
  • Empfehlung des Ausschusses für Energie, Forschung und Technologie betreffend den Gemeinsamen Standpunkt des Rates im Hinblick auf die Annahme einer Entscheidung über die Verbreitung und Nutzung der Kenntnisse aus den spezifischen Programmen der Gemeinschaft für Forschung und technologische Entwicklung. Europäisches Parlament, 1992.
  • Bericht des Ausschusses für Energie, Forschung und Technologie über den Vorschlag der Kommission für eine Entscheidung des Rates über die Verbreitung und Nutzung der Kenntnisse aus spezifischen Programmen der Gemeinschaft für Forschung und technologische Entwicklung. Europäisches Parlament, 1991.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Godelieve Quisthoudt-Rowohl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. MdEP: Prof. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl MdEP. Abgerufen am 18. April 2018.
  2. a b c d e Universität Hannover: Mentoring in der Wissenschaft und Wirtschaft (Memento des Originals vom 19. Juli 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gsb.uni-hannover.de (PDF; 1,1 MB).
  3. a b Arbeitsbericht der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament 2007–2008. (PDF) EVP-ED, 31. Oktober 2008, S. 98, archiviert vom Original am 10. März 2011; abgerufen am 10. März 2011.
  4. http://www.cdu-niedersachsen.de/person/dr-godelieve-quisthoudt-rowohl-mdep
  5. a b Votevatch. Votewatch.eu. Abgerufen am 11. März 2012.
  6. Oskar Niedermayer: Die Parteien nach der Bundestagswahl 2002. VS Verlag, 2003, ISBN 3-8100-3722-2, ISBN 978-3-8100-3722-0, S. 74.
  7. a b c cs – čeština: Tagungswoche – 20-07-2004(s). Europarl.europa.eu. Abgerufen am 11. März 2012.
  8. http://www.uni-hildesheim.de/archiv/artikel/honorarprofessur-1/
  9. http://www.integritywatch.eu/#mep28229
  10. (Memento des Originals vom 2. Oktober 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ifm-geomar.de
  11. Anfrage vom 26. Juli 2010 bei der Kommission.
  12. Anfrage vom 26. Juli 2010 beim Rat.
  13. http://www.euractiv.de/erweiterung-und-partnerschaft/artikel/eu-ruft-trkei-zu-weiteren-reformen-auf-003371
  14. (Memento des Originals vom 12. März 2012 auf WebCite)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cdu-peine.de
  15. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 12. März 2012 auf WebCite)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.robert-schuman.eu
  16. (Memento des Originals vom 12. März 2012 auf WebCite)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cdu-peine.de
  17. Protokoll der Sitzung vom 15. Juli 2009 (PDF)
  18. Angelika Niebler: Plenarsitzung des Europäischen Parlaments in Straßburg 18.-21. Oktober 2010 (Memento des Originals vom 16. Juli 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.angelika-niebler.de.
  19. Europäisches Parlament: Betrifft: Zehnter Jahrestag des Übereinkommens über die Rechte des Kindes vom 10. November 2009.
  20. http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+WQ+E-2007-0127+0+DOC+XML+V0//DE&language=DE
  21. http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+OQ+O-2003-0001+0+DOC+XML+V0//DE&language=DE
  22. Vinnolit: Neufassung der RoHS-Richtlinie: Auch in Zukunft keine Beschränkungen für PVC in Elektro-Geräten@1@2Vorlage:Toter Link/www.pressebox.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. vom 1. Dezember 2010.
  23. Quisthoudt-Rowohl: EU stimmt über RoHS ab – Quisthoudt-Rowohl: Mühen gelohnt vom 24. November 2010.
  24. Christian de Fouloy: The European Strasbourg register 1994. Martinus Nijhoff Publishers, 1994, ISBN 0-7923-2726-8, ISBN 978-0-7923-2726-4, S. 93.
  25. The European Union Encyclopedia and Directory 1999. Routledge, 1999, ISBN 1-85743-056-5, ISBN 978-1-85743-056-1, S. 322.
  26. Tilman C. Dette: Auftritt in Harvard. In: Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 9. März 2011, Seite 16.
  27. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 11. November 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gemeinsam-fuer-das-leben.de