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Gerold Rahmann (Foto 2017)

Gerold Rahmann (* 29. April 1962 in Wittmund) ist ein deutscher Agrarökonom.

Inhaltsverzeichnis

AusbildungBearbeiten

Gerold Rahmann wurde 1962 auf einem kleinbäuerlichen Milchviehbetrieb in Hesel, Gemeinde Friedeburg in Ostfriesland geboren. Er hat die Grundschule in Hesel und die Realschule Friedeburg besucht. Nach dem Abitur am Mariengymnasium in Jever hat er das erste Mal Ostfriesland verlassen, um 1980 seinen Zivildienst an der Jugend- und Drogenberatungsstelle "Hinterhaus" in Hannover anzutreten. Hier war er in der Anti-Atomkraftbewegung und in der Selbstorganisation der Zivildienstleistenden politisch aktiv.

Nach dem Zivildienst absolvierte Rahmann seine landwirtschaftliche Lehre und studierte von 1984 bis 1990 Landwirtschaft an der Göttingen mit dem Schwerpunkt Agrarökonomie. Als Student war er aktiv im studentischen Arbeitskreis "Ökolandbau" und der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft. Nach mehrfachen Studienaufenthalten in Indien, Brasilien und Ägypten hat er 1986 mit Mitstudenten eine Hofkommune gegründet, einen Selbstversorger-Bio-Bauernhof in Bischhausen und einen Groß- und Einzelhandel für Bio-Wein aufgebaut. In den Sommermonaten hat Rahmann auf Kuhalpen in der Schweiz und als Erntehelfer in Ackerbaubetrieben in Deutschland die Praxis der Landwirtschaft tiefer kennengelernt. 1989 war er für ein Jahr in Malawi und hat danach am Institut für Rurale Entwicklung seine Diplomarbeit über die "Entwicklung der Milchviehwirtschaft auf kleinbäuerlichen Betrieben in Mzuzu, Malawi" geschrieben.

Berufliche LaufbahnBearbeiten

Von 1990 bis 1992 war Rahmann als Doktorand am Institut für Rurale Entwicklung der Universität Göttingen tätig. Hierfür hat er eineinhalb Jahre im Sudan die nomadische Tierhaltung unter Dürrebedingungen erforscht und dazu 1993 im Fach Sozioökonomie promoviert. Anschließend wechselte er als Post-Doktorand an die Universität Kassel. Hier widmete er sich der systemorientierten Entwicklung von Methoden der Biotoppflege mit Nutztieren als neue Thematik in der Landnutzung in Deutschland. 1999 hat er zu diesem Thema habilitiert und seine Privatdozentur erhalten.

Im Jahr 2000 wurde Gerold Rahmann zum Direktor und Professor des neu gegründeten Instituts für Ökologischen Landbau der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) berufen. Schwerpunkte seiner Forschung waren die Entwicklung von umwelt- und tiergerechten Tierhaltungssystemen, die zugleich leistungsfähig und gesellschaftlich akzeptiert sind. Die Milchproduktion mit Kühen, Schafen und Ziegen stand dabei im Mittelpunkt, aber auch Schweine- und Geflügelhaltung. Grundsätzlich hat er auch an Systemen des Ökolandbaus geforscht, die ohne Tierhaltung funktionieren. Die FAL wurde Ende 2007 aufgelöst und das Institut dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei (Thünen-Institut) – einer Ressortforschungseinrichtung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) – zugeordnet.

Seit 2006 ist Rahmann Honorarprofessor am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften an der Universität Kassel in Witzenhausen und lehrt die Themen Ökologische Schaf- und Ziegenhaltung, Selbstversorgung und Forschungsmethoden.

Von 2015 bis 2017 baute Gerold Rahmann in Äthiopien ein "Grünes Innovationszentrum für Landwirtschaft und Ernährung" als Teil der Sonderinitiative "Eine Welt ohne Hunger" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf. In seiner Arbeit in Afrika ging es vor allem um die Einbringung von Wissen aus dem Ökologischen Landbau in der Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion von Kleinbauern.

MitgliedschaftenBearbeiten

Neben der hauptberuflichen Tätigkeiten ist Gerold Rahmann ehrenamtlich in deutschen und internationalen Organisationen tätig. Von 2011 bis 2014 war er Schatzmeister und von 2014 bis 2017 Präsident der "International Society of Organic Agriculture Research". Von 2014 bis 2017 war er in den World Board der International Federation of Organic Agricultural Movements gewählt. Hier befasste er sich vor allem mit der strategischen Weiterentwicklung des Ökologischen Landbaus unter dem Konzept Organic 3.0, die er seit 2010 mit Landwirten entwickelt hatte. Seit 2001 ist Rahmann Vorstandsmitglied beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau Deutschland (FIBL). Weiterhin ist Rahmann Mitglied in dem Kuratorium für Technik und Bau in der Landwirtschaft (KTBL, Mitglied in der Arge "Ökolandbau" von 2003–2017, Mitglied des Hauptausschusses von 2013–2017), dem Ökolandbauverband Bioland, Slowfood e.V., und dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Gerold Rahmann ist "Editor in Chief" der wissenschaftlichen Zeitschrift Organic Agriculture im Springer Verlag. Er ist Associated Editor der wissenschaftlichen Zeitschrift Applied Agricultural and Forestry Research.

Die Tschernobyl-Katastrophe von 1986 hat Rahmann politisch mobilisiert und er ist mit anderen Kommunarden – zum Beispiel Stefan Wenzel – bei den Grünen eingetreten. Er war von 1989 bis 1990 Mitglied im Kreistag Göttingen, von 1994 bis 2000 Mitglied im Gemeinderat Gleichen, von 2003 bis 2012 Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Stadtverordnetenversammlung Bad Oldesloe und von 2008 bis 2018 Mitglied im Kreistag Stormarn und von 2008 bis 2015 Vorsitzender dessen Umweltausschusses.

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Rahmann, Gerold (2000): Biotoppflege als neue Funktion und Leistung der Tierhaltung. Dargestellt am Beispiel der Entbuschung von Kalkmagerrasen durch Ziegenbeweidung. (Habilitationsschrift). Verlag Dr. Kovac; Agraria 27, Hamburg, 408 Seiten, ISBN 978-3830001096
  • Rahmann, Gerold (1995): Ökonomisches Handeln von Nomaden: Tierhaltung unter Dürrebedingungen am Beispiel der Butana/Sudan. (Dissertationsschrift). Wissenschaftsverlag Vauk, Sozioökonomische Schriften zur ruralen Entwicklung, Vol. 111, Kiel, 269 Seiten, ISBN 3-8175-0206-0
  • Rahmann, Gerold (2004): Ökologische Tierhaltung. (Fachbuch), Verlag Eugen Ulmer, 136 Seiten, ISBN 978-3800144730.
  • Rahmann, Gerold (2006): Hunger. (Roman), Verlag GuruGeri, 288 Seiten, ISBN 978-3000204968
  • Rahmann, Gerold (2012): Nur noch Oldesloe. (Roman), Verlag GuruGeri, 366 Seiten, ISBN 978-3000404818