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LebenBearbeiten

Der in Frankfurt (Oder) aufgewachsene Fabrikantensohn nahm bereits in jungen Jahren an vielen Ausgrabungen teil und erhielt noch vor Abschluss des Studiums eine Assistentenstelle am damaligen Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart unter der Leitung von Peter Goessler.

Erster Weltkrieg und FolgejahreBearbeiten

Bersu meldete sich als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg und wurde daraufhin von den deutschen Besatzungstruppen in Belgien und Nordfrankreich mit der Verwaltung von archäologischen Denkmälern und Sammlungen beauftragt. Bei den anschließenden Friedensverhandlungen war er in der Deutschen Waffenstillstandskommission in Spa und später in der Reichsrücklieferungskommission als Referent für Kunstrestitutionen tätig. Im Jahre 1925 wurde er mit einer Arbeit über die Ausgrabungen auf dem Breiten Berg bei Striegau promoviert.

Nationalsozialismus – Exil – InternierungBearbeiten

Bersu wurde 1929 zunächst zweiter, 1931 dann erster Direktor der Römisch-Germanischen Kommission. Während des Nationalsozialismus konnte er sich bis 1935 auf diesem Posten halten, um schließlich u. a. auf Betreiben Hans Reinerths, der das Führerprinzip und die damit verbundene strikte Zentralisierung auch in archäologischen Organisationen durchsetzen wollte, verdrängt zu werden. Reinerth nutzte Bersus „Halb-jüdische Abstammung“ als Diffamierungs-Argument. Bersu wurde daraufhin als Referent für Ausgrabungen an die Zentraldirektion des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin versetzt. Er emigrierte 1937 nach England.

Spätestens ab 1938 war er in England als Grabungsleiter tätig und konnte dabei von seinem Erfahrungsschatz, den er auf großflächigen Siedlungsgrabungen erworben hatte, profitieren. Er machte u. a. das Erkennen von Pfostenlöchern in der englischen Grabungsmethode geläufig.[1] Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Bersu als feindlicher Ausländer auf der Isle of Man interniert, aber auch hier konnte er Ausgrabungen durchführen, so in Balladoole, und Cronk Moar, auf dem mittelneolithischen und wikingerzeitlichen Gräberfeld von Ballateare und in der eisenzeitlichen Siedlung von Little Woodbury in Wiltshire, England (1938/39).

Nach dem KriegBearbeiten

Nach der Entlassung aus der Internierung wirkte Bersu von 1947 bis 1950 als Professor an der Royal Irish Academy in Dublin und grub das Hillfort auf dem Freestone Hill im County Kilkenny aus, dann kehrte er nach Deutschland zurück, um hier bis zu seiner Pensionierung 1956 wieder als Direktor der Römisch-Germanischen Kommission zu arbeiten. Ihm wurde im Verlaufe dieser Tätigkeit das Große Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens verliehen, überdies ehrte ihn 1962 die britische Society of Antiquaries of London mit ihrer höchsten Auszeichnung, der Gold Medal.

Gerhard Bersu starb 1964, nachdem er während einer Sitzung der Sektion für Vor- und Frühgeschichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin einen Schlaganfall erlitten hatte.

AusgrabungenBearbeiten

Bersu nahm unter anderem an folgenden Ausgrabungen teil:

Gerhard-Bersu-StipendiumBearbeiten

Die Stiftung „Pro-Archaeologia-Saxoniae“ hat im Jahre 2004 das Gerhard-Bersu-Stipendium ins Leben gerufen, um die menschlichen und beruflichen Verdienste Bersus zu ehren und gleichzeitig hoffnungsvollen Archäologen-Nachwuchs aus Polen, Tschechien und Sachsen zu fördern.

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

  • Die Ausgrabungen des spätrömischen Kastells Altrip. In: Germania. 10, 1926, S. 74–75.
  • Das spätrömische Kastell in Altrip. In: Pfälzisches Museum – pfälzische Heimatkunde. 45 = 24, 1928, ZDB-ID 500220-5, S. 3–7.
  • Das Wittnauer Horn im Kanton Aargau. Seine ur- und frühgeschichtlichen Befestigungsanlagen (= Monographien zur Ur- und Frühgeschichte der Schweiz. 4, ISSN 1012-6295). Birkhäuser, Basel 1945.
  • Die spätrömische Befestigung „Bürgle“ bei Gundremmingen (= Veröffentlichungen der Kommission zur Archäologischen Erforschung der Spätrömischen Raetien bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 4 = Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. 10). Beck, München 1964.

LiteraturBearbeiten

  • Werner Krämer: Gerhard Bersu zum Gedächtnis. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. 45, 1964, S. 1–2.
  • Diemut Meyer: Bibliographie Gerhard Bersu. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. 45 1964, S. 3–4.
  • Wilhelm Unverzagt: Gerhard Bersu. In: Ausgrabungen und Funde. 10, 1965, S. 57–58.
  • Stephen Burrow: The neolithic culture of the Isle of Man. A study of the sites and pottery (= BAR. British Series. 263). BAR Oxford 1997, ISBN 0-86054-872-4, S. 5.
  • Achim Leube, Morten Hegewisch (Hrsg.): Prähistorie und Nationalsozialismus. Die mittel- und osteuropäische Ur- und Frühgeschichtsforschung in den Jahren 1933–1945 (= Studien zur Wissenschaft und Universitätsgeschichte. 2). Synchron – Wissenschaftsverlag der Autoren, Heidelberg 2002, ISBN 3-935025-08-4.
  • Werner Krämer: Gerhard Bersu – ein deutscher Prähistoriker (1889–1964). In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. 82, 2001, S. 5–101, (Siehe auch Rezension von Uta Halle in: Rundbrief der Arbeitsgemeinschaft Theorie in der Archäologie. 2, Heft 1, 2003, S. 30–33).
  • Friedbert Ficker: Gerhard Bersu und die vorgeschichtliche Hausforschung. Zum 40. Todestag des Wissenschaftlers. In: Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät. 76, 2005, S. 163–181, (Volltext (PDF; 1,98 MB)).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Christopher Evans: Archaeology and modern times: Bersu's Woodbury 1938 & 1939. In: Antiquity. Bd. 63, Nr. 240, 1989, S. 436–450, doi:10.1017/S0003598X00076419.
  2. Raiko Krauß: Archäologie in schwieriger Zeit – Gerhard Bersu und die Ausgrabungen bei Sadovec in den Jahren 1936–1937. In: Helmut Schaller, Rumjana Zlatanova (Hrsg.): Deutsch-Bulgarischer Kultur- und Wissenschaftstransfer (= Forum: Bulgarien. 1). Frank & Timme, Berlin 2013, ISBN 978-3-86596-526-4, S. 123–138.
  3. Raiko Krauß: Die deutschen und österreichischen Grabungen in Bulgarien. In: Bulgarien-Jahrbuch. 2008, ISSN 1438-7352, S. 67–89.
  4. Hermann Vetters: Nachruf Rudolf Egger. In: Almanach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 119, 1969, ISSN 0378-8644, S. 367.