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Gelber Enzian

Art der Gattung Enziane (Gentiana)
Gelber Enzian
Gelber Enzian (Gentiana lutea)

Gelber Enzian (Gentiana lutea)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Tribus: Gentianeae
Gattung: Enziane (Gentiana)
Art: Gelber Enzian
Wissenschaftlicher Name
Gentiana lutea
L.

Der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Enziane (Gentiana) innerhalb der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae). Er ist in den Gebirgen Europas und der Türkei weitverbreitet.

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

 
Kreuzgegenständige Laubblätter und Blütenstand vor Streckung und Aufblühen
 
Detail eines Blütenstandes
 
Fruchtstand - Herbarbeleg
 
Gentiana lutea - Köhler's Medizinal-Pflanzen. A. Basalblatt, natürl. Größe; B. oberer Teil eines blühenden Stengels; 1. Blütenknospe, etwas vergrößert; 2. Blüte im Längsschnitt, vergrößert; 3. Staubgefäße; 4. Stempel; 5. Fruchtknoten im Querschnitt; 6. aufgesprungene Frucht, natürl. Größe; 7. Samen, natürl. Größe und vergrößert; 8. derselbe im Längsschnitt, vergrößert.

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Der Gelbe Enzian ist eine graugrüne, kräftige, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 50 bis 150 Zentimetern erreicht. Dieser Rhizomgeophyt blüht erstmals mit zehn Jahren, kann aber 40 bis 60 Jahre alt werden. Als Überdauerungsorgan wird ein kräftiges, bis armdickes Rhizom gebildet. Die Hauptwurzel besitzt an älteren Pflanzen Längen bis zu 1 Meter und Durchmesser von 3 bis 5 Zentimeter. Die oberirdischen Pflanzenteile sind durch Haare (Trichome) etwas matt glänzend.

Anfangs wird eine grundständige Blattrosette gebildet. Die kreuzgegenständig angeordneten Laubblätter sind einfach, bis zu 30 Zentimeter lang, bis 15 Zentimeter breit, im oberen Bereich ungestielt und im unteren Bereich kurz gestielt. Die Blattspreiten sind eiförmig bis elliptisch mit fünf bis sieben kräftigen, bogenförmigen Nerven.

Generative MerkmaleBearbeiten

In den Achseln der Hochblätter stehen drei bis zehn Blüten in trugdoldigen Teilblütenständen zusammen. Der Blütenstiel ist relativ lang. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Blüten sind im Vergleich zu anderen Enzian-Arten sehr einfach gebaut. Die fünf häutigen Kelchblätter sind blass-gelb. Die fünf Kronblätter sind nur an ihrer Basis verwachsen und goldgelb. Die Staubblätter sind fast so lang wie die Kronblätter, mit großen Staubbeuteln. Auf dem oberständigen Fruchtknoten sitzt ein kurzer Griffel, der in einer zweiteiligen Narbe endet.

Die bis gut 1,3 Meter hohen, steifen Fruchtstände mit oben bis zu 150 aufwärts gerichteten zweispaltigen Fruchtkapseln in bis zu 6 "Etagen" ragen als Wintersteher oft über die Schneedecke hinaus.

Die knapp 6 Zentimeter lange, fachspaltige, windstreuende Kapselfrucht enthält bis zu 100 bräunliche, abgeflachte, elliptische bis rundliche, schmal häutig geflügelte Samen. Die schmalen Flügel umringen den Samen median. Die Samen sind etwa 0,5 mm dick, ca. 3–4 mm lang und 2,5–3 mm breit (mit Flügeln), die Flügel sind nur etwa 0,5 mm breit. Die geflügelten Samen breiten sich als Gleitflieger und Adhäsionshafter aus. Jeder fruchtende Trieb einer Pflanze erzeugt etwa 10.000 Samen. Fruchtreife ist von September bis Oktober. Die Samen sind Licht- und Kältekeimer. Die Tausendkornmasse beträgt ca. 1,0–1,3 Gramm.[1][2][3]

ChromosomenzahlBearbeiten

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.[4] Auch die Unterarten Gentiana lutea subsp. lutea und subsp. symphyandra haben die Chromosomenzahl 2n = 40.[5]

VerwechslungsmöglichkeitBearbeiten

Nicht blühend ist der Gelbe Enzian leicht mit dem sehr stark giftigen Weißen Germer zu verwechseln, dessen ebenfalls bogennervige und graugrüne Blätter aber nicht kreuzgegenständig, sondern (dreizeilig) wechselständig angeordnet sind.

ÖkologieBearbeiten

Der Gelbe Enzian ist ein Geophyt oder ein Hemikryptophyt. Die miteinander verwachsenen Blattscheiden bilden nach Regenfällen mit Wasser gefüllte „Zisternen“. Die ausdauernde, fleischig verdickte Speicherwurzel kann bis zu 60 Jahre alt und dann armdick und meterlang werden.

Die Blüten sind durch Carotinoide gelb. Blütenökologisch handelt es sich um „Nektar führende Scheibenblumen“. Der Nektar wird offen dargeboten. Fremdbestäubung erfolgt durch verschiedene Insekten, z. B. durch Fliegen, Faltenwespen und Hummeln. Auch Selbstbestäubung ist möglich. Die Blühreife eines Exemplares wird erst etwa ab dem 10. Jahr erreicht. Die Blütezeit reicht von Juni bis August.

VorkommenBearbeiten

Der Gelbe Enzian ist in den Alpen und anderen Gebirgen Mittel- und Südeuropas verbreitet. Es gibt Fundortangaben für Portugal, Spanien, Frankreich, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Slowenien, Serbien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Albanien, Griechenland, die Türkei, die Republik Moldau und die Ukraine.[6] In Deutschland kommt er beispielsweise im Schwarzwald auf dem Feldberg und dem Hohen Randen vor, besonders verbreitet aber auf der Schwäbischen Alb.

Der Gelbe Enzian ist kalkliebend, wächst aber auch auf kristallinem Gestein (Schwarzwald) und bevorzugt Weiden-, Block- und Karflure von der Tallage bis in Höhenlagen von 2500 Metern, die wenigstens zeitweise feucht und locker sind. Er kommt in Mitteleuropa in größeren Höhenlagen vor in Gesellschaften des Verbandes Nardion, des Calamagrostion arundinaceae-Verbands, auch im Verband Erico-Pinion und in der Ordnung der Seslerietalia albicantis.[4] In niedrigen Höhenlagen findet man ihn in Gesellschaften des Mesobromion- und des Verbandes Geranion sanguinei.[4] In den Allgäuer Alpen steigt er im Tiroler Teil zwischen Jöchelspitze und Mutte in Höhenlagen von bis zu 2100 Meter auf.[7]

Gentiana lutea ist derzeit noch geschützt durch die Bundesartenschutzverordnung, Anlage 1. Geschützt sind 'Wild'vorkommen (Fussnote 8 der Anlage). Allerdings kann er sich aufgrund seiner reichlichen Produktion leicht verwehbarer Samen auf Weidflächen auch zur Plage entwickeln, denn das Nutzvieh meidet ihn.

SystematikBearbeiten

Die Erstveröffentlichung von Gentiana lutea erfolgte 1753 durch Carl von Linné.[6] Ein Synonym von Gentiana lutea L. ist Gentiana lutea subsp. aurantiaca M.Laínz[8]

Von Gentiana lutea gibt es etwa vier Unterarten:[8]

  • Gentiana lutea L. subsp. lutea: Sie findet in den Alpen ihr Optimum in Gesellschaften des Verbands Seslerion variae.[9]
  • Gentiana lutea subsp. montserratii (Greuter) A.M.Romo I Diez (Syn.: Gentiana montserratii Greuter, Gentiana lutea subsp. montserratii O.Bolòs & Vigo): Sie kommt nur in Spanien vor.[8]
  • Gentiana lutea subsp. symphyandra (Murb.) Hayek (Syn.: Gentiana lutea var. symphyandra Murb., Gentiana symphyandra Murb.): Sie kommt in Italien, Österreich, Liechtenstein, Slowenien, Bulgarien, im ehemaligen Jugoslawien und in der Türkei vor.[8] Sie findet in den Alpen ihr Optimum in Gesellschaften der Klasse Elyno-Seslerietea variae.[9]
  • Gentiana lutea subsp. vardjanii Wraber: Sie kommt in Österreich und in Slowenien vor.[8] Sie findet in den Alpen ihr Optimum in Gesellschaften der Klasse Elyno-Seslerietea variae.[9]
 
Droge Enzianwurzel

VerwendungBearbeiten

Als Droge Enzianwurzel, Gentianae radix, dienen die getrockneten und zerkleinerten unterirdischen Pflanzenteile. Sie sind reich an Zuckern (z. B. Gentiobiose) und Bitterstoffen (Gentianopicrin und Amarogentin). Die Bitterstoffe dienen eigentlich als Schutz vor Tierfraß. Arzneilich wird die Droge als Bittermittel, z. B. als appetitanregender Magenbitter, Aperitif und für Schnaps verwendet (z. B. Enzian und Suze). Der Gelbe Enzian wird auch als Fiebermittel benutzt; die Wirksamkeit gegen Fieber konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Es wird ein bitteres und verdauungsanregendes Tonikum gewonnen. Er wird eingesetzt gegen Müdigkeit, Untergewicht, Blutarmut und Appetitmangel in der Rekonvaleszenz. In der Volksmedizin findet er Anwendung gegen Fieber, Gicht, Hypochondrie, Malaria und Darmparasiten.[10][11][12]

Zur Herstellung des Enzianschnapses wird vor allem Gentiana lutea verwendet und gezielt angebaut, seltener die anderen hochwüchsigen Arten, zum Beispiel Gentiana punctata, da sie von allen Enzian-Arten den stärksten Gehalt an Bitterstoffen hat. Ein Extrakt schmeckt noch in einer wässrigen Verdünnung von ca. 1:20.000 deutlich bitter.[13]

SonstigesBearbeiten

Am 15. Oktober 1975 erschien im Rahmen der jährlich von der Deutschen Bundespost ausgegebenen Wohlfahrtsmarken eine Abbildung des Gelben Enzians als Motiv (Michel-Nr. 510).

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bertalan Galambosi, Z. S. Galambosi: Seedling quality and seed yield of Gentiana lutea L. In: Acta Hortic. 860, 2010, S. 255–258, doi:10.17660/ActaHortic.2010.860.38.
  2. Tatyana Nikolaevna Kataeva u. a.: Seed Morphology of Some Species in the Family Gentianaceae. In: Biosci. Biotechnol. Res. Asia. 12(3), 2015, doi:10.13005/bbra/1902.
  3. Vít Bojnanský, Agáta Fargašová: Atlas of Seeds and Fruits of Central and East-European Flora. Springer, 2007, ISBN 978-1-4020-5362-7, S. 531.
  4. a b c Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 755.
  5. Gentiana lutea bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  6. a b Gentiana lutea im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 23. Januar 2016.
  7. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 331.
  8. a b c d e Karol Marhold: Gentianaceae. 2011: Datenblatt Gentiana lutea In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  9. a b c David Aeschimann, Konrad Lauber, Daniel Martin Moser, Jean-Paul Theurillat: Flora alpina. Band 2, Seite 10. Bern, Stuttgart, Wien Haupt-Verlag, 2004, ISBN 3-258-06600-0.
  10. (Gentiana lutea) Gelber Enzian als Heilpflanze bei www.awl.ch.
  11. ESCOP
  12. Heilpflanzen, weitere Referenzen
  13. Rudolf Hänsel, Otto Sticher: Pharmakognosie - Phytopharmazie. 9. Auflage, Springer, 2010, ISBN 978-3-642-00962-4, S. 761.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Gelber Enzian (Gentiana lutea) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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